Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1876)

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tiefer stand; da außerdem wegen des unergiebigen Bohrens 
das Steinsalz Zeit hatte, sich aufzulösen, bildeten sich Aus 
waschungen, welche dem Gestänge erlaubten, während des 
Bohrens zu schleudern, zu brechen und in die Seiten des 
Bohrloches sich hineinzulegen, man beschloß daher, eine 80 M. 
lange und 17 Cenlm. weite Röhrentour einzusetzen, welche 
mit Leitung und Trichter versehen, zu der Hoffnung berech 
tigte, die dem Tiefbohren entgegengesetzten Hindernisse zu be 
seitigen; dies geschah vom 1. bis 9. Dezember 1875. Da 
geschah es, daß die 26 mm. starke Stahldrahtleine aus un 
bekannten Gründen (vielleicht spröder Draht) riß und etwa 
800' Gestänge ins Bohrloch hinabstürzten, den Trichter seit 
wärts durchschlugen und so unglücklich hinter die Röhren 
fielen, daß die Röhren Schaden litten. Während der Ver 
suche, diesen Unglücksfall zu beheben, gingen die Betriebsgelder 
zu Ende, die Gesellschaft hatte den Muth verloren und die 
ganze Arbeit wurde eingestellt. Trotz des großen Aufwandes 
von Geld und Mühe wurde die Frage, ob Wasser unterhalb 
Stuttgart zu finden sein wird, nicht entschieden; die Hoffnung 
ist noch dieselbe wie vorher, da die Gebirgsgrenze, welche das 
Wasser bringen sollte, noch nicht erreicht ist. 
Neueste Lohrmetho-en. 
Bei allen bisherigen Methoden mußte der Meisel größten- 
theils im Bohrschlamm arbeiten, der seine Wirkung schwächt 
und schließlich aufhebt. Das Auslöffeln, das Ausziehen, Aus 
einanderschrauben, Wiederzusammenschrauben und Einlassen 
des Gestängs verursacht bei tiefen Bohrlöchern eine bedeutende 
Zeitverschwendung. 
Die dänische Bohrmethode hat statt der quadrati 
schen eisernen Stangen, Hohlgestänge aus Gasröhren, welche 
auf den gleichfalls hohlen Meise! geschraubt werden, während 
des Bohrens wird von oben durch das Hohlgestänge Wasser 
eingepumpt, welches auf dem Grunde des Bohrlochs hervor 
tritt, den Bohrschwand von der Sohle wegspült und in dem 
Zwischenraum zwischen dem Gestäng und der Bohrlochwand 
nach oben mitnimmt, wo es seitlich abfließt und die Bohr 
probe absetzt. Der Meisel arbeitet dabei stets auf der reinen 
Sohle des Bohrlochs, weßhalb das Gestäng nur 6" hoch 
gehoben werden braucht, das Auslöffeln wird erspart und 
das Ausziehen des Gestängs wird nur selten nöthig, um den 
Meisel zu schärfen. Man bohrt auf diese Weise im gewöhn 
lichen Kalkstein 8 bis 12' in 12 Stunden, während das 
ältere Bohren und Löffeln, selbst bei Anwendung von Dampf 
kraft höchstens 2 bis 3' lieferte, im Granit werden 4 bis 5', 
im Thon sogar 40 bis 50' in 12 Stunden gebohrt, im Sand 
jedoch kommt man sehr schwer vorwärts, und das mehrmalige 
Ausfüttern der Bohrlöcher ist bei kleinen Durchmessern un 
möglich. 
Die englische Diamantröhrenbohrung des 
Major B eaumout hat das bisherige Prinzip des stoßenden 
Bohrens vollständig verlassen und durch die einfach rotirende 
Bewegung bei constantem Druck ersetzt. Nach Mittheilungen 
des Herrn Bergdirector Broja aus Zabrze besteht der ar 
beitende Theil des Bohrers oder die Krone aus einem kurzen 
Rohrstück aus Gußstahl, an dessen unterer Seite, sowohl an 
der innern als auch an der äußern Peripherie, eine Anzahl 
schwarzer Diamanten eingesetzt sind; bei dem am häufigsten 
angewandten Bohrlochdurchmeffer von 2" beträgt die Anzahl 
dieser Diamanten 8, und zwar sind je 4 an der innern und 
je 4 an der äußern Seite einander alternirend gegenüber 
gestellt und zwischen je 2 Diamanten eine flache Rinne für 
den Durchgang des in den Bohrer eingeführten Wassers an 
gebracht. Die Krone ist an das Bohrgestänge, welches aus 
zusammengeschraubten schmiedeisernen Röhren besteht, fest 
geschraubt und die Arbeit erfolgt nun in der Weise, daß der 
Bohrer bei einer der Härte des Gesteins entsprechenden Be 
lastung von 400 bis 800 Pfund mit 200 bis 250 Umläufen 
in der Minute in Umdrehung gesetzt, und durch das hohle 
Gestänge gleichzeitig ein continuirlicher Wasserstrahl in das 
Bohrloch hinab geführt wird, welcher bei seinem Aufsteigen 
zwischen dem Gestänge und der Bohrlochwand den Bohrschwand 
ununterbrochen entfernt. 
Bei dem Eindringen des Bohrers in das Gestein bildet 
sich in der Mitte desselben ein in den Bohrer eintretender 
Kern, welcher bei großer Länge abbricht, in Folge der größe 
ren Weite des Gestängs zu Tage gebracht wird. Diese zur 
Probenahme bestimmten Kerne haben bei 2zolligen Bohr 
löchern einen Durchmesser von 1", und bei 6zölligen Bohr 
löchern einen Durchmesser von 4", und sie erreichen je nach 
der Festigkeit des Gesteins eine Länge von einigen Zollen 
bis ca. 2'. 
Bezüglich der einzelnen Details des Bohrers und des 
Bohrgestänges ist hervorzuheben, daß die 2zölligen schmied 
eisernen Bohrröhren eine Wandstärke von \ ; 32" und eine Länge 
von 6' besitzen. Dieselben sind am Kopfe mit Schrauben 
gewinde und am Fuße mit ca. 3" laugen schmiedeisernen 
Muffen versehen, welche das Muttergewinde enthalten. Das 
Auseinanderschrauben der Röhren bei dem Ausholen des Ge 
stänges erfolgt in Längen von je 54'. 
Die Diamanten sind in die conisch ausgebohrten Oeff- 
nungen der Krone fest eingesetzt und stark gefaßt. Dieselben 
sind schwarz und undurchsichtig (carbonate diamond) und 
besitzen die Größe von ca. Kubikzoll bei etwa */*" Seiten 
länge. Sie sind bisher nur aus Brasilien bezogen worden 
und es stellt sich der Preis eines solchen Diamanten von der 
vorgenannten Größe aus 26 Schilling und im allgemeinen auf 
28 Schilling per Karat. Die Härte derselben ist, wenn der 
Härtegrad des Quarzes zu 10 und der des Topases zu 15 
angenommen wird, 20 und es genügt nach den bisherigen 
Erfahrungen ein einziger Satz von Diamanten, um im festen 
Sandstein ca. 1 Meile weit zu bohren, bevor dieselben ab 
genützt sind. Die Abnützung besteht nach langem Gebrauch 
in dem Absplittern von kleinen Theilchen. 
Die bei dieser Bohrmethode in jüngster Zeit in Aussicht 
genommenen Modificationen bestehen darin, daß bei einer in 
der Nähe von Darlington im Betrieb befindlichen Tiefbohrung 
j des geringeren Preises wegen an Stelle der Diamanten un 
reine Sorten von Saphiren verwendet werden sollen; Re 
sultate über die Haltbarkeit derselben liegen indessen noch 
nicht vor. 
Bei einer seitens der Diamond Rock-Boring Company 
in Hamm unternommenen Bohrung ist, um das Zerbohren 
der Kerne zu bewirken, die Krone des Bohrers mit 3 nach 
innen kegelförmig einspringenden Querstegen versehen worden, 
welche gleichfalls mit Diamanten besetzt sind. Es soll hiedurch 
i nach Angabe des leitenden Bohringenieurs außer der größeren 
Beschleunigung der Arbeit, auch die bessere Führung des Bohrers 
in genau senkrechter Richtung erzielt werden. Bei Erreichung 
von Kohlenflötzen muß selbstredend auch hier behufs Probe 
nahme und Erzielung von Kernen die vorgedachte Krone durch 
eine andere ohne Querstege ausgetauscht werden. 
Den bisherigen Erfahrungen zu Folge beträgt die Schnel 
ligkeit, mit welcher ein 2zölliger Diamantbohrer in das Ge 
stein eindringt, bei Granit 2 bis 3", bei Quarz 1" und bei 
Sandstein 4" per Minute, und Referent hatte in der Süd- 
Kensington-Ausstellung in London Gelegenheit zu sehen, wie 
ein 9" starker Block festen feinkörnigen Sandsteins mittelst 
eines 2zölligen Diamantbohrers innerhalb 2 Minuten durch 
bohrt wurde. 
Die bei einigen Tiefbohrungen mittelst des Diamant 
bohrers erzielten Resultate sind in Nachstehendem zusammen 
gestellt. 
Nach einem bei 6 verschiedenen Diamantbohrmaschinen, 
welche- im Umkreise von Darlington im Betrieb standen, ge 
zogenen Durchschnitte betrug bei 8 Stunden Arbeitszeit per 
Tag, bei einer Tiefe von 200 bis 836' und einem Bohrloch- 
durchmesser von 4 V', die durchschnittliche Leistung per Woche 
im lirnsstons und rock sandstons 36', wobei alle größeren 
Stillstände in Folge von Störungen mit eingerechnet sind. 
Bei einer in der Nähe von Whitehaven betriebenen Tiefboh-
	        

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