Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1876)

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rung wurden mittelst des Diamantbohrers im festen Stein 
kohlengebirge innerhalb 2 Tagen 60' Bohrloch fertig gestellt, 
und nach den Rapporten der bei Hamm betriebenen Bohrung 
variirten die täglichen Leistungen zwischen 14 und 47' und 
betrugen in 3 Wochen 360'. 
Die in Vorstehendem beschriebenen Bohrmaschinen wer 
den in der Maschinenbauanstalt von Ormerod, Grierson und 
Comp, zu Manchester und London gebaut, können aber, da 
das Diamantbohrverfahren in England patentirt ist, nur durch 
die Diamond Rock-Boring Company in London, welche In 
haber des Patentes ist, bezogen werden. 
Der Preis einer solchen Maschine nebst Gestänge und 
allem Zubehör zur Herstellung eines Bohrlochs von 1000' 
Tiefe beträgt mit Einschluß der Ausfütterungsröhren 1460 J? 
nämlich 
die Locomobile 280 
„ Bohrmaschine 380 „ 
Werkzeug (surface tools) 45 „ 
sonstiges Geräthe (other tools) 26 „ 
1000' Stahlgestänge 500 „ 
1 Krone mit 8 Diamanten 19 „ 
Ausfütterungsröhren 210 „ 
zusammen 1460 jß j 
Der Preis einer Krone von 5" Durchmesser mit 24 bis 
30 Diamanten beträgt 50 J?. Bei Ausführung der Boh 
rungen seiten der Gesellschaft, was in England der gewöhn 
lichere Fall ist, kommen bei 2 ^zölligen Bohrlochdurchmessern 
die nachstehenden Preise zur Anwendung: 
Für die 
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J? 
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Die Tiefe von 1500' ist mit der in Rede stehenden Bohr 
methode bis.jetzt noch nicht überschritten worden. 
Der Vortragende zeigte Modelle einer Bohrkrone und 
des Gestängs und Stücke von erbohrten Gebirgskernen vor. 
Trotz der überraschenden Resultate glaubt derselbe, daß bei 
großen Tiefen in Gebirgen, welche häufige Verröhrungen 
erfordern, auch die Diamantbohrung große Schwierigkeit 
haben werde. Der größte bis jetzt ausgeführte Bohrloch 
durchmesser von 6" erfordert schon sehr bedeutende Kosten, 
es ist fraglich, ob bei größeren Tiefen .die Resultate sich nicht 
vermindern würden und ob Tiefen von 4000 Fuß, wie in 
Speerenberg, durch das drehende Bohren überhaupt erreicht 
werden könnten. Der Vortragende hofft durch eine Verbin 
dung der guten Einrichtungen beider neuen Methoden, indem 
er von der dänischen die Wasserzuführung und von der eng 
lischen die Erzielung fortlaufender Gebirgskerne einführt, die 
Stoßbewegung aber beibehält, mit mäßigen Kosten weiter zu 
kommen und übergibt dem Verein eine Brochüre, worin seine 
Vorschläge niedergelegt sind, betitelt: 
„Bohrapparate für jedes Gebirge, jede Tiefe und Weite 
der Bohrversuche bei Gewinnung von fortlaufenden Gebirgs 
kernen, von W. Stoz, Bohringenieur. Stuttgart 1876. Selbst 
verlag. Guttenbergstr. Nr. 49." 
Allgemeiner Beifall belohnte den interessanten mit Humor 
gewürzten Vortrag und wurde in der darauffolgenden leb 
haften Debatte manches des Näheren erörtert. 
Herr Fabrikant A. Stotz ist namentlich im Stand, auf 
eigener Anschauung beruhende Mittheilungen über die im 
Herbst 1875 durch Schmidtmann mit dem englischen Diamant 
bohrer ausgeführte Bohrung auf Steinkohlen in Rheinfelden 
zu machen. Die Arbeit begann am 16. August und endigte 
am 15. Oktober und wurde in dieser Zeit 1422' tief gebohrt. 
Da 21 Tage mit Verrohrung zugebracht wurde, so nahm die 
eigentliche Bohrung 28 Tage in Anspruch, machr per Tag 
50' 8", und zwar so, daß der Reihe nach die Gebirgsproben 
als solide Kerne von 55 Millimeter Dicke vor uns liegen. 
Eine Beschreibung des Rheinfelder Apparates, welche die Herren 
A. Stotz und O. Fraas seiner Zeit im schwäbischen Merkur 
mitgetheilt haben, möge hier Platz finden, sie lautet: 
Der Unterschied dieser neuen, aus England stammenden 
Bohrmethode von der alten ist kurz gesagt der, daß hier nicht mit 
massiven Eisenstangen gebohrt wird, sondern mit Stahlröhren, 
an deren unterster eine mit Diamanten besetzte stählerne Krone 
angeschraubt ist. Die Diamanten sind selbstredend keine Juwelier 
diamanten, sondern sog. Carbonate aus Bahia in Brasilien, 
schwarzgraue, kristallinische Steine, die sich wie Stücke Coks 
ansehen. Ungefähr in Erbsengröße werden die Diamanten in 
den noch ungehärteten Stahl eingelaffen, mit Meiseln ver- 
stemmt und die Krone hierauf gehärtet. Die Stahlhülse hat 
3 V engl, äußeren Durchmesser und eine 50 Millimeter weite 
Oeffnung; die 8 — 12 theils am äußeren, theils am inneren 
Rand, theils in der Mitte vertheilten Diamanten durch 
schneiden nun das Gestein, je härter es ist, desto bester, in 
Folge der rasch drehenden horizontalen Bewegung, in welche 
das Holzgestäng gesetzt wird. Sämmtliche maschinellen Theile 
werden von einem 2cylindrigen Lokomobil mit eff. 20 Pferde 
kräften bewegt. Riemen übertragen die Kraft auf die Tief 
bohrmaschine, welche 4 Funktionen auszuüben hat, 1) das 
eigentliche Bohren durch Drehung, 2) das Einführen von 
Wasser zum Ausspülen des Bohrlochs, 3) das Ein- und Aus 
bringen des Gestängs, 4) das Balanciren des Bohrgestängs 
durch Gegengewicht. Auf einer den Bohrschacht umfassenden 
soliden aus T Walzeisen hergestellten Bodenrahme erheben 
sich übe? der Mitte des Bohrlochs 2 senkrechte parallele 
Ständer, welche oben verbunden den Antrieb der Bohrspindel 
tragen, unten zur Führung des Bohrspindelschlittens dienen 
und seitlich durch schiefstehende Schienen gut versteift sind. 
Am Fuße dieses Gestelles ist die Antriebwelle gelagert, der 
Maschinenführer hat hier seinen Stand, alle Ein- und Aus 
rückhebel, wie die Bremse sind ihm hier bequem zur Hand. 
Zunächst liegt zu beiden Seiten des Gestells je eine hori 
zontale Hochdruckpumpe mit Windkessel, jedes der Ventile 
für 10 Atmosphären-Druck belastet, von welchen stets eine 
als Reserve dient. Die Pumpe führt durch das Innere des 
hohlen Bohrgestängs einen auf 10 Atm. gebrachten Wasser 
strahl nieder, welcher durch entsprechend eingefeilte Kurven in 
der Bohrkrone das Bohrloch bespült, das Bohrmehl aufnimmt 
und außerhalb des Bohrgestängs in die Höhe gedrückt als 
schlammiges Wasser oben aus der Verrohrung überläuft. Das 
hiezu nöthige Wasser, das per Tag 20000 Cubikfuß betragen 
soll, wird mittelst einer durch Drahtseil betriebenen Pumpe 
aus dem Rhein geholt, an dessen Ufer der 80' hohe Bohr 
thurm steht. Von der Mitte der Antriebwelle wird durch 
konische Gebiete die Kraft auf eine vertikale Welle übertragen 
und durch diese dann die horizontale Bewegung auf die zwi 
schen den Ständern sich auf- und abbewegende hohle Bohr 
spindel, welche anfangs wohl 300, zuletzt noch 180—200 
Touren in der Minute machte. Zum dritten wird durch eine 
starke Uebersetzung des Getriebs die zwischen den Pumpen 
und der vertikalen Axe eingelagerte Kettenrolle zum Einlassen 
und Heben des Bohrgestängs bewegt, dem durch Verstellung 
von Zwischenrädern verschiedene Geschwindigkeiten gegeben 
werden können. Eine Bremsvorrichtung ermöglicht, diese Ge 
schwindigkeiten leicht zu reguliren. Endlich muß viertens für 
das Niedergehen des in horizontale Drehung gesetzten Bohr 
gestängs das mit der Tiefe immer schwerer werdende Ge 
wicht, welches nicht zur Belastung der Bohrkrone erforderlich 
ist, durch ein Gegengewicht balancirt werden. Hiezu dient
	        

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