Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1876)

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Die Feuerwehr, welche mit der größten Umsicht und Pflicht 
eifer zu Werke gieng, konnte aber ihre Thätigkeit nicht aus 
giebig entwickeln, weil man durch die rasche Verbreitung des 
Feuers, in den verschiedenen Stockwerken gleichzeitig, oft ge 
nöthigt war, sie zu ihrer eigenen Rettung ans den obern 
Stockwerken abzurufen. 
Beim Neubau sind die hohlen Holzwände durch Wände 
von Wellenblech ersetzt. — 
Der Vortrag des Herrn v. Egle über die Aureliuskirche 
in Hirsau kann nicht stattfinden, da derselbe durch Unwohl 
sein am Erscheinen gehindert ist. 
Herr Professor Walter ist indessen angekommen und 
übernimmt nun die Beantwortung der im Fragekasten vorge 
fundenen Frage über die Ausfüllungsarten, zwischen den Bal 
ken, den Decken und den darüber liegenden Fußböden in Be 
tracht des Art. 50 der neuen Bauordnung und §.51 der 
Vollzugsverfügung, wonach keine die Verbreitung des Feuers 
befördernde Stoffe verwendet werden dürfen, weiche lautet: 
Sind hienach die seither vielfach verwendeten Spreuer 
ausgeschlossen? und wenn, oder überhaupt welches Ma 
terial ist zugleich als leicht in größerer Masse beziehbar 
hiezu, ohne Staub zu verbreiten, Ungeziefer zu erzeugen 
und ohne über Verlattung mit Estrichüberzug verwend 
bar zu schwer zu sein, hiezu geeignet? 
Herr Walter ist es zweifellos, daß kein Spreuer zur 
Ausfüllung verwendet werden dürfe, weil er feuergefährlich 
fei, er will ihn überhaupt nicht anwenden, weil er unange 
nehmen Geruch verbreitet und Ungeziefer erzeugt und herbei 
führt. Er will unter allen Umständen Streifböden im Ge 
bälke und diese überfüllt entweder: 
a) mit Bauschutt, wie dies in Norddeutschland geschieht, 
sei es alter vom Abbruch von Gebäuden, sei es Schutt, 
wie er sich bei Neubauten ergiebt. Allerdings wird zu 
gegeben, daß derselbe, besonders letzterer nicht immer 
trocken zu haben ist, daß er zuerst vom Bauplatz weg- 
und wieder beigeführt werden muß. An manchen Orten 
wird es schwer, genügend Bauschutt zu erhalten; 
b) oder mit Koaksasche — Steinkohlenasche rc., diese giebt 
aber leicht einen sehr unangenehmen, schwarzen Staub, 
der durch die Fugen der Fußböden heraufkommt; es 
wurde daher in dem Wohnhause Nr. 80 der Olgastraße 
die Asche mit einer ca. 55 mm. dicken Lage weißen, vor 
her gedörrten Sandes gedeckt. Dies ist theuer und 
nicht überall anwendbar. In die Aschenhaufen ziehen 
sich gerne Heimchen (Grillen), die mit in das Gebäude 
gebracht, große Unannehmlichkeiten verursachen; — 
c) oder Auswölben zwischen den Balken mit Schlackenstei 
nen; es ist dieß zwar ein an sich gutes Mittel, aber 
theuer und die Erfahrung zeigt, daß die Verbreitung des 
Schalls sehr wenig gehindert wird; 
ä) endlich: Schlackenwolle, welche ganz rein und ein schlechter 
Wärmeleiter, aber theuer ist. 100 Kilo kosten 12 Mark, 
sie kann daher nur für bessere Häuser und hauptsächlich 
für Parterreböden empfohlen werden. . 
Herr Walter legt noch eine Preisaualyse vor, nach 
welcher bei der Annahme einer 15 Cm. starken Ausfüllung ein 
Quadratmeter kostet: 
Spreu-Ausfüllung: 
Lehmestrich 0 M. 26 Pf. 
Ankauf des Spreu und Lieferung 
zum Bau 0 M. 51 Pf. 
Einbringen . 0 M. 6 Pf. 
0 M. 83 Pf. 
Schlackenausfüllung: 
Streifboden 1 M. 0 Pf. 
Ankauf der Schlacken 0 M. 23 Pf. 
Beifuhr 0 M. 23 Pf. 
Einbringen 0 M. 30 Pf. 
1 M. 76 Pf. 
Auswölben mit Schlackenstein: 
25 Stück (ä 60 M. p. 1000) . . 1 M. 50 Pf. 
Beifuhr (5 M. p. 1000) . . . 0 M. 15 Pf. 
Transport in den Bau . . . . 0 M. 15 Pf. 
Auswölben samt Mörtel . . . 0 M. 50 Pf. 
Anschlaglatten 3 lfd. ü 5 Pf. . . 0 M. 15 Pf. 
2 M. 45 Pf. 
Ausfüllung mit Bauschutt: 
Streifboden 1 M. 0 Pf. 
Ankauf 0 M. 0 Pf. 
Beifuhr . . . 0 M. 23 Pf. 
Einbringen 0 M. 30 Pf. 
1,1. 53 Pf. 
wogegen er die Ausfüllung mit Schlackenwolle auf 3 Mark bis 
3 Mark 50 Pf. beziffert. 
Bei der nun entstehenden Besprechung hebt Hr. v. Schlier- 
holz hervor, daß die Verwendung der Spreuer ihren Grund 
besonders bei gewöhnlichen Bauten in der Entbehrlichkeit der 
Streifböden zwischen dem Gebälke in der daraus entstehenden 
Billigkeit der Auffüllung und deren Leichtigkeit und der leichten 
Beschaffung in größeren Masten habe, wogegen andere schwerere 
Anffüllmaterialien Streisböden nöthig machen. Er habe den 
Spreuer von jeher und vielfach angewendet, und die Erfahrung 
gemacht, daß Ungeziefer, übler Geruch rc. nur da sich gezeigt 
habe, wo nicht genug ausgemahlene oder alte verlegene oder 
feuchte Spreuer verwendet wurden; bei guten reinen Spreuern 
werden sich keine Nachtheile ergeben; davon, daß Spreuer die 
Veranlassung zur Entstehung oder nur auch zu schneller Ver 
breitung von Feuersbrunst geworden feie, feie ihm kein Fall 
bekannt. 
Hr. Walter glaubt, daß Spreuer leicht zur Entstehung 
und Fortpflanzung vonFeuersbrünsten Veranlassung sein könnten. 
Hr. L. Wolf macht auf die leichte Brennbarkeit des 
Mehles aufmerksam und glaubt, daß die Brennbarkeit des 
Spreuers davon abhängig feie, ob er mehr oder weniger aus 
gemahlen feie; Deckung des Spreuers mit der als feuersicher 
bekannten Steinpappe feie zu empfehlen. 
Hr. v. Morlok führt Beispiele an, welche den unange 
nehmen Geruch bestätigen, glaubt, daß der Spreuer Flugfeuer 
bilde, rühmt aber seine Eigenschaft, den Schall zu brechen. 
Dagegen wird eingewendet, daß Flugseuer nur bei zu 
Tage liegenden Spreuern sich ergebe, nicht aber bei den 
Lagen zwischen Gebälke, der Decke und Fußboden eingeschlossen. 
Hr. Binder schlägt vor, da über die Feuergefährlichkeit 
verschiedene Meinungen bestehen und keine sichere Erfahrungen 
vorliegen, erfahrene Feuerwehrleute zu hören. 
. Hr. Hoch eisen führt ein Beispiel an, nach welchem in 
dem Spreuer Mehlwürmer in Masse erzeugt wurden und die 
Wohnung sehr belästigt haben, auch schlechter Geruch entstand. 
Hr. Bauinspector Rheinhardt will den Spreuer ganz 
ausschließen, schlägt aber vor, über seine Feuergefährlichkeit 
Versuche anzustellen. Dieser Vorschlag wird angenommen. 
Hr. A. Stotz bietet seine Hofräume, Holz und Arbeit zu 
solchen Versuchen an. 
Die Herren v. Morlok, Rheinhardt, Stotz und 
Walter werden ersucht, die Versuche vorzubereiten und in 
Anwesenheit des Vereins zu leiten. 
Hr. Brokmann hat Häcksel als ein dem Spreuer ähn 
liches Material bezeichnet, es sollen auch damit Versuche ge 
macht werden, ferner mit Spreuer unter Bedeckung von Stein 
pappe. 
Der Vorsitzende hebt nochmals hervor, daß zu allen an 
dern Auffüllmalerialien Streisböden nöthig sind und die Frage 
wesentlich sich darum handle, ob Spreuer als feuergefährlich 
zu bezeichnen oder auch fernerhin zur Ausfüllung zwischen den 
Balkenlagen zuläffig, daher die beschlossenen Versuche von Werth 
und bald vorzunehmen seien. Die Auffüllung mit Bauschutt 
wird jedenfalls nicht als feuergefährlich anerkannt, aber es 
ist ganz trockener Schutt nöthig. Zur Verhütung von Staub 
wird Abdeckung mit Sand-, Stein- oder Dachpappe empfohlen.
	        

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