Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1877)

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für weit zu groß- Das Bauen in bewaldeten engen Thälern, 
das nicht selten, wie bei Errichtung von Sägmuhlen als geboten 
erscheint, wird bei der seitherigen Vorschrift unmöglich. Dabei 
darf nicht unbeachtet bleiben, daß man kein Bedenken nimmt 
Meiler mitten in Waldungen zu errichten. 
Alle für die Feuersicherhcit von Waldungen in Betracht 
kommenden Momente in Erwägung gezogen, dürfte die vom 
Verein vorgeschlagene Entfernung genügen und auch von Forst 
leuten nicht beanstandet werden. 
Zu §. 25. 
In Württemberg rst kein Fall bekannt, daß ein nahe an 
der Bahn flehendes Gebäude durch die Funken aus den Loko 
motiven in Brand gerathen wäre. Ist nun schon bei Gebäuden, 
deren Wandungen und Bedachung nicht aus brennbaren Stoffen 
bestehen rc, ein Abstand mit 7 in. für den Fall, daß die Eisen 
bahn in einer Ebene mit dem Nachbarschaftsarcal sich befindet, 
voll bemessen, so ist dies um so mehr gegenüber von solchen 
mit brennbaren Stoffen bekleidet oder bedeckt, beij Fall und in 
die Eigeuthumsrechte der Nachbarn weit eingreifend, und wird 
in nicht seltenen Fällen dem Nachbar das Bauen unmöglich 
gemacht. 
Hiernach erachtet die Kommission eine minimale Entfernung 
von den nächsten Schienen mit 20 in. anstatt 37 in. für genügend. 
Ferner erachtet der Verein den Abs. 2 ebenfalls als in das 
Eigenthum des Nachbars sehr eingreifend und kann für das 
Vermehren der genannten Entfernung um das k'/-fache der 
Dammhöhe keine triftigen Gründe finden, insofern als die Ent 
fernung dadurch schon vergrößert wird, daß die Eigenthums- 
grcnze bei Dämmen von der Bahn entfernter liegt und daher 
der Abs. 2 als nicht nöthig erscheine. 
Zu 8. 37. 
Darüber, ob (Art. 40 Abs. 2b.) eine Verblendung halt 
bar ist oder nicht, entsteht vielfach Meinungsverschiedenheit 
und Streit und ist, sobald diese von der Polizeibehörde ver 
neint wird, der Bauende, wenn er den Schutz eines Bretter- 
odcr Schindelschirms für nöthig erachtet, durch Anwendung der 
Vollzugsvcrsügung 8- 37 Abs. 1 Punkt 1 it. 2 in hohem Grade 
bcnachtheiligt, weil er anstatt 4 in. (Art 40) Abstand einen 
solchen mit 10 in. einhalten soll, was ihm meist das Bauen 
unmöglich macht oder sehr erschwert, und insbesondere in ex- 
ponirt liegenden Orten sehr schmerzlich empfunden wird. 
Der Verein hält die Abstände des 8- 37 für wesentlich 
zu groß, erachtet seitliche Brettervertäferungen und Schindel- 
ichirme für nicht so feuergefährlich, als vielfach angenommen 
werde, sic können durch Anspritzen vor Entzündung leichter ge 
schützt werden und sind für Flugfeuer weitaus nicht so empfäng 
lich als dies bei Dachdeckungen mit Stroh und Landern statt' 
findet, bei welch' letzteren aber nach 8- 44 nur eine Entfernung 
von 4,5 na. vorgeschrieben ist. Der Verein sieht nicht ein, 
warum, wenn ein Bauender seinem Hause Schutz durch einen 
Bretter- oder Schindelschirm geben will, oder wie bei manchen 
Gebäuden, z. B. Sägemühlen, geben muß, derselbe anders be 
handelt werden soll, als Art. 40 Abs. 2 Punkt b vorschreibt, 
wonach für ausgemauerte Riegelwandungen ein Abstand von 
ebenfalls 4 m., auf unausgemauerte ein solcher von 10 in. ge 
nügen dürfte. 
Zu Abs. 3 glaubt der Verein eine Schindcllänge von min 
destens 16 cm. für genügend, weil die vicljährige Verwendung 
solcher Schindeln im Allgäu zeigt, daß hiemit eine genügende 
3fachc Ueberdeckung möglich ist, auch dort größere Schindeln 
schwierig zu erhalten sind. 
Zu 8- 39 wird der Abstand für Balköne, Altanen. Gallerien, 
Gänge, Schutzdächer rc. mit 4,5 in. für Holzbau, besonders für 
ländliche Gebäude als hart erscheinen, da cs Ortschaften gäbe, 
wo die Zugänge zum obern Stock fast an allen Häusern mittelst 
außen liegenden Treppen und Gallerien gebräuchlich seien. 
Bei so großem Abstande sei eine Erneuerung solcher Gebäude 
theile sehr erschwert und daher eine Ermäßigung dieses Ab 
standes für den Holzbau dringend geboten, zudem seien dergl. 
Bauten kaum feuergefährlicher als hölzerne Abtrittgehäuse, wie 
sic auf dem Laude zur Ausführung kommen, für welche nur 
eine Entfernung von 2,30 in vorgeschrieben ist. 
Hienach sollte wenigstens für den Holzbau für Balköne, 
Altanen rc, wenn sic steinernen Gebäuden gegenüberliegen, ein 
Abstand von 2,3 in genügen, hölzernen Gebäuden gegenüber 
aber wird die Ermäßigung von 4,5 in. auf 4 in. empfohlen. 
Zu 8- 41 Abs. 1. Die Ucbcrdcckungen der Bretterverklei 
dungen geschehen nicht nur mittelst Leisten, sondern nicht selten 
auch durch horizontales Ucbercinandergreifen der Bretter k. und 
sollte daher der Konstruktion nicht durch Vorschrift hinderlich in 
Weg getreten und deshalb mit Hinwcglassung der Worte „mit 
Leisten" einfach gesagt werden, „daß die Fugen bedeckt werden". 
8. 41 Abs. 2 handelt vorzugsweise nur von Häuschen 
kleinen Umfangs, Garten- und Feldhäuschen ohne Feuerungs 
einrichtung, Eiskellern rc., die nicht selten in Gürten, in 
Parks rc. errrichtct werden, bei welchen der seither vorge 
schriebene Abstand als zu groß allseits empfunden wurde und 
ohne Beeinträchtigung der Feucrsgefahr wohl ermäßigt werden 
kann, auch Gebäuden gegenüber ein Unterschied gemacht werden 
sollte, ob diese massiv oder nicht massiv errichtet seien. 
Waldungen gegenüber zeigen sich zudem bei so kleinen Ge- 
bäudcn die Forstbehörden nicht selten billiger als die Vorschrift 
der Vollzugsverfügung. 
Der Verein erachtet daher als Abstand für genügend: 
massiven Gebäuden gegenüber 4,5 in., 
nicht massiven Gebäuden gegenüber 10,0 in., 
wogegen bezüglich des Abstandes von Waldungen der seitherige 
Abstand von 100 in. sehr wesentlich vermindert werden sollte. 
Zu 8- 46 Abs. 1. 
Eine wirksam feuersichere Abscheidnng zwischen 2 Ge 
bäuden und Gebäudethcilen, bei Platten- oder Schieferbcdach- 
ung ist, wenn die Brandmauer nur bis unter die Bedachung 
reicht, nicht vorhanden, indem bei einem Brande die Platten 
springen und das Feuer alsbald die Lattung und Dachschaalung 
entzündet, daher ein Ueberführen der Mauer über die Dach 
fläche zu Erzielung von Feuersicherheit ein absolutes Erforderuiß 
ist und deßhalb eine solche lleberragung von mindestens 50 ein. 
wenigstens bei Gebäuden, in denen leicht entzündbare Stoffe 
aufbewahrt sind, oder zwischen Wohnhaus und Scheuer vorge 
schrieben werden sollte. 
Zu 8- 48. Gebrannte Platten, die nicht in Mörtel ge 
legt sind, werden bald lose und erfüllen den gewünschten Zweck 
nicht, daher der vorgeschlagene Zusatz „in Mörtel gelegt". 
Zu 8- 51. Der Verein machte ausgedehnte Versuche 
darüber, ob Sprcuer bei Balkensachausfüllungen feuergefährlich 
seien, und kam zu dem Resultate, daß einzelne brennende Zünd 
hölzchen oder kleine brennende Kohlenstückchen, welche durch die 
Bodenbrettcrspalten fallen, die Spreuerfüllung nicht cntzündeu, 
und kommt daher zu gleichem Resultate, wie der Minist.-Erlaß 
vom 26. August 1873 es nusspricht. 
Zu 8- 57 (67) ist vielfach über die drückende und 
nicht selten verschleppende, öfters an Chikanen grenzende Be 
handlung von Rausachen im Bereiche nicht selten untergeord 
neter, wenig gebildeter, niedriger Techniker gegenüber von 
höheren geprüften Technikern geklagt, und bezüglich der Be 
handlung bei Staatsbautcn an die früheren Ausnahmebestim 
mungen vom 30. Januar 1837 und 4. Dezember 1856 erinnert 
und der Wunsch um Abhilfe ausgesprochen worden. 
Zu 8- 59. Der Verein findet einen großen Mißstand 
darin, daß den Oberamtstechnikern zu vielerlei aufgebürdet 
werde und so nicht selten Mißstände entstehen; sie sollen sowohl 
im Hoch- als im Straßen- und Wasserbau Dienste thun, feie 
dies schon bei höheren Technikern schwer, so treffe dies umso 
mehr bei niederen Teckmikern zu und reiche ein Werkmeister 
nebst der niederen Wasserbauprüfung dazu nicht aus, weshalb cs 
sich empfehlen dürfte, daß von Seiten des hohen Ministeriums 
des Innern eine Bestimmung in die Verfügung aufgenommen 
würde, dahin gehend, daß jedes Oberamt seinen besonderen 
Hochbau- und seinen besonderen Straßen- und Wasserbau-
	        

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