Volltext: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1877)

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Es  wird  diese  Abänderung  den  Vereinsmitgliedern  durch  1
diesen  Protokolleintrag  zur  Nachachtung  mitgetheilt.
Der  Vorsitzende  ersucht,  zugleich  mit  Hinweis  auf  den  !
guten  Ruf,  dessen  sich  Württembergische  Architekten  und  Ingenieure ­
  im  Ausland  zu  erfreuen  haben  und  der  als  Antrieb
dienen  möge,  der  neuen  Zeitschrift  eine  rege  Betheiligung  auch
durch  unsere  Vereinsmitglieder  —  bei  welchen  reiche  Schätze
von  Material  ruhen,  die  Werth  seien,  Gemeingut  zu  werden
—  widmen  zu  wollen  und  wünscht  dem  neuen  Unternehmen
ein  kräftiges  Gedeihen.
Oberbaurath  v.  Egle  macht  sodann  Mittheilung  über
den  Stand  des  Projektes  des  Freiligrath-Denkmals.  Es  sind
s.  Z.  3600  Mark  als  Ausgabe-Summe  bezeichnet  worden.
Das  Comitö,  bestehend  aus  den  Herren:  v.  Egle,  v.  Lübke,
Pfau,  Dondorf  und  Kurz,  prüft  die  Seitens  der  Vereinsmitglieder: ­
  Baurath  Wolfs,  Professor  Walter,  Architekt
Mayer,  Schittenhelm  und  Braunwald,  eingesandten
Entwürfe,  die  das  Portrait  des  Verstorbenen  theils  als  Medaillon, ­
  theils  als  Büste  in  mehr  oder  minder  reiche  architektonische ­
  Fassung  bringen.
Die  betreffenden  Pläne  werden  der  Versammlung  vorgelegt. ­
  Referent  bedauert  jedoch  anfügen  zu  müssen,  daß  das
Comito  sich  noch  nicht  einigen  konnte  über  die  Annahme  eines
der  Projekte,  die  Conkurrenz  hat  überhaupt  zu  keinem  Resultat
geführt  und  werde  das  Denkmal  voraussichtlich  eine  Behandlung ­
  nach  Angaben  des  Herrn  Professor  Dondorf  erfahren.
Der  Vorstand  dankt  den  erwähnten  Vereinsmitgliedern
für  ihre  Mitwirkung  an  der  Conkurrenz,  bedauert  ihre  vergebliche ­
  Mühewaltung,  ebenso  spricht  derselbe  dem  Herrn  Referenten ­
  Dank  für  dessen  Mittheilung  aus.
v.  Schlierholz  legt  sodann  Proben  von  Rohrmatten
zu  Herstellung  von  Zimmerdecken  von  dem  Baubeamten  W.
Clemens  v.  Sicherer  in  München  vor,  durch  welche  eine
gleichmäßigere  Verrohrung  erzielt  und  wesentlich  an  Zeit
bei  dem  Aufbringen  derselben  gegenüber  gewöhnlicher  Rohrung
erspart  werde;  auch  seien  dieselben  besonders  für  weit  ausgeladene ­
  verschaalte  Gesimse  oder  tiefe  cassetirte  Decken,  da  sie
sich  genau  den  Profilen  anschmiegen,  zu  empfehlen.
Herr  Sicherer  läßt  zwei  Classen  anfertigen  und  liefert  -
die  Classe  I.,  etwas  über  4  lOin.  groß  mit  stärkeren  Rohren  !
(als  Classe  II.),  für  1  JL  50  &  und  Classe  II.,  4  lOm.  .
messend,  für  1  JL  30  /&  franko  Württemberg.
Nachdem  der  Vorsitz  für  den  weiteren  Theil  des  Abends,
wegen  Besuch  des  Stiftungsfestes  des  polytechnischen  Ingenieur-  :
Vereins  durch  den  Vorsitzenden,  wohin  ihm  Grüße  des  Vereins
mitgegeben  werden,  von  Herrn  Oberbaurath  v.  Egle  über-  |
nommen  worden,  gibt  Herr  Baurath  Bok  I.  erklärende  Mittheilungen ­
  über  die  in  Cassel  mit  dem  I.  Preis  bedachten
Heizungs-  und  Ventilationseinrichtungen  des  Herrn  Ingenieur  !
E.  Möhrlin  hier,  ebenso  zu  dessen  Centralofen  für  das  bür-  ;
gerliche  Familienhaus,  sowie  über  dessen  Luft-  und  Rauchsauger ­
  und  empfiehlt  das  Möhrlin'sche  Etablissement.
Derselbe  bemerkt  namentlich  hinsichtlich  des  Centralofens
von  Möhrlin,  daß  dessen  Vorzüge,  bestehend  in  Anwendung
eines  sogenannten  Korbrostes  von  feuerfesten  Steinen,  in  Abführung ­
  der  Rauchgase  von  oben  nach  unten  und  dessen  einfache ­
  Anlage  und.  Konstruktion,  den  Beifall  der  Schiedsrichter
in  der  Casseler  Ausstellung  erhalten  hätten,  wobei  noch  hinzukommt, ­
  daß  der  ganze  Heizofen  außerhalb  der  Heizkammer
geputzt  und  gereinigt  werden  kann,  und  daß  der  Verschluß
der  Putzkapseln  als  zweckmäßig  erkannt  worden  ist.
Bei  der  weiteren  Besprechung  wurde  sodann  noch  eine
Vergleichung  mit  den  Centralöfen  anderer  Fabrikanten  angestellt ­
  und  wurde  dabei  angeführt,  daß  die  Anordnung  runder
Rauchgasröhren,  wie  sie  z.  E.  Reinhardt  in  Würzburg  mit
so  vielen  Anpreisungen  bei  seinen  Apparaten  in  Anwendung
bringt,  nicht  so  empfehlenswerth  erscheint,  da  sich  in  diesen
runden  Röhren  der  Kohlenstaub  am  Boden  ablagert  und  sonach ­
  gerade  denjenigen  Theil  des  Apparats,  welcher  der  Luftströmung ­

  am  meisten  ausgesetzt  ist,  weniger  wirksam  zur  Abgabe ­
  von  Wärme  macht.
Auch  wurde  bei  der  weiteren  Debatte  bemerkt,  daß  die
Anbringung  von  Verstärkungsrippen,  wie  sie  bei  Reinhardtschen
  Oefen  an  der  oberen  Seite  seiner  Röhren  vorkommt,  als
ziemlich  werthlos  erscheine  und  nur  eine  Täuschung  bewirke.
Die  neuen  Centralöfen  von  Kaiserslautern  zeichnen  sich
durch  ihre  fast  übergroße  Einfachheit  aus  und  sind  sehr  bequem
zu  reinigen.  Sie  gewähren  jedoch  eben  wegen  dieser  Einfachheit ­
  nicht  den  Effekt  anderer  Oefen  und  auch  das  Glühendwerden ­
  rc.  des  Feuerkastens  dürfte  hiebei  nicht  zu  vermeiden  sein.
Der  Centralofen  von  Weibel  und  Briquet  in  Genf
zeichnet  sich  ebenfalls  durch  große  Einfachheit  und  zweckmäßige
Anordnung  des  Ofens  aus,  auch  die  Luftzuströmung  und  die
Einrichtung  zur  Erzielung  einer  gleichmäßig  erwärmten  Luft
in  der  Heizkammer  ist  als  Nachahmungswerth  zu  erkenuen.
Baurath  Bok  erklärte  sich  bereit,  über  diese  und  andere
Heizöfen,  welche  in  der  Casseler  Ausstellung  aufgestellt  waren,
wenn  es  gewünscht  wird,  noch  weitere  Mittheilungen  zu
machen.
Nach  allgemeiner  Debate  wird  die  Versammlung  geschlossen.
Der  Schriftführer:
v.  Seeger.
Neunzehnte  ordentliche  Wersammkung
am  8.  Dezember  1877.
Vorsitzender:  Oberbaurath  v.  Schlierholz.
Schriftführer:  Baumeister  Lang.
Anwesend:  39  Mitglieder  und  5  Gäste.
Der  Vorsitzende  stellt  der  Versammlung  als  Gäste  die
Herren:  Baumeister  Höchst  etter,  Knoblauch  und  Beisbarth,
Ingenieur  Hochstetter  und  Rambacher  vor.
Das  Protokoll  der  17.  Sitzung  wird  verlesen  und  genehmigt. ­

Der  Vorsitzende  berichtet  über  seinen  Besuch  des  Stiftungsfestes ­
  des  Jngenieurvereins  am  Polytechnikum  zu  Stuttgart,
dem  er  den  Gruß  und  die  Aufmunterung  des  Vereins  für
Baukunde  in  warmen  Worten  der  Anerkennung  für  das  Streben
des  jungen  Vereins  übermittelt,  der  mit  Jubel  aufgenommen
worden  feie.
Eingelaufen  sind:  1)  der  Jahresbericht  des  polytechnischen
Vereins  zu  Carlsruhe;  2)  ein  Schreiben  des  Ministeriums  des
Innern  Abtheilung  für  Hochbauwesen,  worin  dem  Verein  für
seine  Vorschläge  zur  Vollzugsverfügung  der  Bauordnung  gedankt ­
  wird.  3)  Eine  Denkschrift  vom  Verband  Deutscher
Architekten-  und  Ingenieur-Vereine  enthaltend  die  Gutachten
der  referirenden  Vereine  betreffs  der  einheitlichen  Bezeichnung
mathematisch-technischer  Größen;  letztere  wird  an  die  schon
früher  gewählte  Commission  zur  Berichterstattung  überwiesen.
Der  Vorsitzende  macht  hierauf  Mittheilung  über  den  Stand
der  vom  Verband  angeregten  „Statistik  des  Bauwesens"  und
die  in  der  Deutschen  Bauzeitung  Nr.  92  d.  I.  veröffentlichten
bezüglichen  Fragen  des  Berliner  Architekten-  und  Ingenieur-Vereins
  und  fordert  die  gewählte  Commission  auf,  hierüber  zu
referiren;  zugleich  bittet  er  statt  seiner  und  v.  Landauer's
andere  Vereinsmitglieder  in  die  Commission  zu  wählen,  da  sie
wegen  Geschäftsüberhäufung  auszutreten  genöthigt  seien  und
möchte  bei  den  weiteren  Wahlen  aus  die  Vertretung  sämmtlicher
Zweige  des  Bauwesens  in  dieser  Commission  Bedacht  genommen ­
  werden.  Auf  Vorschlag  des  Vorsitzenden  werden  dann
zu  den  früheren  Mitgliedern,  Oberbaurath  v.  Egle,  Baurath
Bok  I.,  Baurath  Güntter  und  Bauinspektor  Rheinhardt,
noch  weiter  gewählt  die  Herren  Oberbaurath  vr.  v.  Ehmann
und  v.  Morlok,  Baurath  Leibbrand,  so  daß  die  Commission
uun  aus  7  Mitgliedern  besteht;  v.  Egle  übernimmt  den
Vorsitz.
	        
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