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sofortige Anwendung nur der größeren Kosten wegen unterblieb.
Hieran schließt sich eine lebhafte Debatte, an der sich besonders
die Herren Rheinh ardt, Güntter, v. Schlierholz,
v. Hänel und Laißle betheiligen.
Rheinhardt empfiehlt die gewählte Konstruktion aus
Pflöcklingen nicht, da selbst bei Verwendung von Eichenholz
der Belag nur eine Dauer von 15 Jahren habe; die Untersuchung
der Pflöcklinge sei umständlich und finde in der Regel
erst dann statt, wenn die Fahrbahn an einer Stelle einbreche,
was nicht selten mit Unfällen verbunden sei. Wenn man einmal
Chaussirung anwende, so sollte man doch lieber auch gleich
zu Zoreseisen greifen, bei welchen eine niangelhafte Beaufsichtigung
wenig schade. Bei Brücken von so untergeordnetem
Verkehr wie die Kirchentellinsfurther und die eben im Bau
begriffene Lustenauer Neckarbrücke, sei übrigens eine Fahrbahn
von Holz ihrer Billigkeit halber vorzuziehen. Das Holz sei
von vielen Technikern mit Unrecht als ungeeignet bezeichnet:
was häufig nur von der unrichtigen Wahl des Materials herrühre.
Es sei z. B. ein großer Unterschied zwischen dem Fichtenholz,
das auf buntem Sandsteinboden wachse und dem auf
nassem Molasseboden wachsenden (wie im Oberschwaben). Gutes
Forchenholz aus dem Enzthal habe die doppelte Dauer von
dem aus den: Weingarter Forst. Von einer Menge von Beispielen
führe er nur an, daß bei frequenten Brücken wie in
Höfen der Pflöcklingsbelag eine Dauer von über 12 Jahren
habe. Für gewöhnliche tannene Dielen könne man 6--7 Jahre
rechnen, für forchenes, splintfreies auf magerem Sandboden
gewachsenes Holz 10 Jahre. Bekannt sei, daß auf einer der
frequentesten Straßenbrücken Deutschlands über den Rhein in
Köln sich ein Buchenholzbelag an> besten bewährt und eine
durchschnittliche Dauer von 4 Jahren gezeigt habe. In Mühlhausen.
Mannheim und andern Orten theile man die Abneigung
gegen Holzbelag, der jederzeit leicht zu untersuchen sei, nicht.
Redner hat bei der von ihm erbauten Neckarbrücke in
Lustnau den unteren Bohlenbelag von kyanisirtem Forchenholz
herstellen lassen und verspreche sich hievon eine wesentlich
längere Dauer der Konstruktion. Die oberen Dielen, theils
aus altem aber noch ganz gesundem Eichenholz, theils aus
Forchenholz seien auf ihrer unteren Seite getheert, damit
die in der Regel von den Berührungsstellen ausgehende Fäuluiß
verzögert oder beseitigt werde. In die Kostcntabelle des
Vortrags von Herrn Professor Laißle würden bei Annahme
einer längeren Dauer des Bohlenbelags sich die betreffenden
Zahlen weit günstiger gestalten. Laißle hat in Rußland nur
einjährige Dauer der oberen Bohlenlage beobachtet und spricht
sich mit Güntter auch aus dem Grund gegen Bohlenbelag
aus, weil die Unterhaltung von Gemeindebrücken nicht sehr
sorgfältig sei und deshalb die Gefahr vorliege, daß die Gemeinde
später zur Verminderung der Unterhaltungskosten auf
den Bohlenbelag eine Chaussirung aufbringe, wodurch die Belastung
bedenklich gesteigert werde.
v. Schlierholz spricht sich zunächst, wenn nicht wie hier
aus Gründen der Oekonomie eine Holzfahrbahn „oder Pflöcklingsunterlage"
mit Chaussirung angezeigt sei, gegen Holzvedwendung
bei eisernen Brücken aus. Zoreseisen können in
solchen Abständen gelegt werden, daß dazwischen gelegte Rollschichten
von Backsteinen entweder zum Wasserabzug dienen,
oder überbetonirt werden können, was Letzteres besonders für
Eisenbahnüberfahrtsbrücken zu empfehlen sei. — Im übrigen
bemerkt er, daß bei Dielenbelag nicht selten in den Zwischenflächen
der Schwamm entstehe und die obere Dielung durch
hereingeschleppten Schotter am meisten beschädigt werde. Immerhin
habe aber reiner Bohlenbelag den Vorzug vor Pflöcklingen
mit Chaussirung, daß die einzelnen Hölzer leichter zu unter- !
suchen seien; nur inüsse man dem Wasser möglichst leichten
Abzug durch die Dielen verschaffen.
Rh ein Hardt empfiehlt zur Verhütung der Schottereinschleppung
eine Pflasterung auf 8 in. Länge an beiden Brückenenden;
er bezweifelt ferner die absolute Wasserdichtigkeit der
Backsteingewölbe, welche von Laißle und v. Hänel lebhaft
vertheidigt wird. Letzterer erwähnt insbesondere die günstigen
Erfahrungen, die hierüber au den Brücken der Orleansbahn
gemacht worden seien.
Der Vorsitzende dankt hierauf Herrn Professor Laißle
für seinen interessanten Vortrag, zu dem er erst vor 3 Tagen
aufgefordert worden sei, was sein Verdienst noch vermehre und
fordert zu zahlreicher Befolgung des guten Beispiels namentlich
auch die Herrn Architekten auf.
Das Programm enthält noch „Mittheilungen aus der
Praxis."
Der Vorsitzende hebt den großen Nutzen hervor, der
daraus erwachse, wenn die Vereins-Mitglieder ihre bei den
einzelnen Bauten gemachten Erfahrungen, sollten sie auch nur
in ganz kurzen Notizen bestehen, der Versammlung mittheilen
und beginnt diesen Zweig der Vereinsthätigkeit mit seinen
Erfahrungen über die Molassesandsteine der Schweiz, die in
Oberschwaben sehr viel Verwendung finden. Darnach liefern
von den uns zunächst gelegenen Rorschacher Steinbrüchen nur
diejenigen von Staad ein gleichmäßig gutes Material, es ist
jedoch vor ihrer Anwendung an Stellen, wo sie mit dem
Erdboden oder mit Feuchtigkeit in Berührung kommen, sowie
bei Wasserbauten und für Objekte auf welche ein rascher
Witterungswechsel einwirkt zu warnen, trotzdeni ihre Druckfestigkeit
bis zu 700 Kgr., gegen 300 bei den Maulbronner
und 550 pro m ein. bei den Buntsandsteinen, beträgt. Ueberdies
ist eine glatte Bearbeitung dauergewährender als eine
rauhe, gestockte oder gespitzte rc. Außenfläche, indem ohne
Zweifel die Textur durch die Bearbeitung aufgelockert wird
und solche Flächen insbesondere in Tunneln in Folge raschen
Temperaturwechsels, Luftzugs rc. bald abfanden.
Schließlich werden die eingesandten Baumaterialien besprochen,
zunächst ein Muster der neuen Dachbedeckungsweise
aus Dachpfannen von verzinktem Eisenblech von I. Hilgers
in Rheinbrohl, eingesendet von Münster in Friedrichshafen,
fertig gedeckt Preis 4,9 M. pro Dm., First und Kehlen
3,5 M. pro 1. in., sowie ein Neuster der Schieferplatten von
der Schieferfabrik Engp bei Pfäffers, die sich als Bodentisch-
und Pissoirplatten, auch als Dachschiefer empfehlen sollen.
Preis pro dm. je nach Größe 3—12 Ji
Der Vorsitzende macht auf die bisherigen schlechten Erfahrungen
mit anderen Schweizer Dachschiefern aufmerksam,
die allerdings so billig seien, daß sie nicht selten auf dem
Umweg über Caub und Frachtscheinen von dort als Cauber
Schiefer verkauft werden, will jedoch gegen diese neue Gesellschaft
kein Vorurtheil erwecken, da die beigegebene Brochüre
die bisherigen Fehler unumwunden anerkenne und eine sorgfältige
Auswahl verspreche.
Schluß der Versammlung gegen 11 Uhr.
Der Schriftführer:
Baumeister Lang.
Zwanzigste ordentliche Wersammknng
am 22. Dezember 1877.
Vorsitzender: Oberbaurath v. Schlierholz.
Schriftführer: Bauinspektor Knoll.
Anwesend: 20 Mitglieder und 2 Gäste.
Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung und stellt die Herren
Architekt Ganzenhauser und Architekt Lauser als Gäste vor.
Sodann wird das Protokoll über die vorige Sitzung verlesen
und genehmigt.
Der Vorsitzende macht die Mittheilung, daß der badische
Techniker-Verein nunmehr sich bereit erklärt habe, sich mit
seinen sämmtlichen Mitgliedern bei der neu zu gründenden
Zeitschrift für Baukunde zu betheiligcn, während der Casseler
Verein nur mit 30 Mitgliedern beitreten wolle; worauf der
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