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des 2ten Stockwerks haben die mehrerwähnten Säulen der Vor
halle bis jetzt vollkommene Sicherheit geboten, wie nachher
dargelegt werden wird.
Neuerdings aber ist das Bedürfniß zum Umbau der 2ten
Etage an die Königl. Eisenbahndirektion herangetreten, und es
muß wegen der hiemit verbundenen Mehrbeschwerung des
unteren Stockwerks die für solchen Fall vorbehaltene Fürsorge
Platz greifen und Verstärkung gegeben werden.
Oberbaurath Morlok, mit der Begutachtung des Vor
habens und mit eventuellen Voranschlägen beauftragt, hat die
früheren Berechnungen einer Revision unterzogen, und einige
Plane über die Verstärkungen der bestehenden Konstruktionen
entworfen und zur h. Genehmigung vorgelegt.
Von Königl. Eisenbahndirektion ist sodann unter Absehen
von Aufstellung weiterer Säulen im Parterre der Vorhalle
und von anderen Dispositionen, mit welchen überall viel größe
rer Aufwand verbunden wäre, die Einziehung dreier eiserner
Fachwerksträger im oberen Stock (nach vorl. Plane) genehmigt
und zur Ausführung gestellt worden.
Schon bei der ersten Anlage der Bahnhofvorhalle waren
für aüfällig in Aussicht zu nehmende zeitweise Mehrbelastung
durch Ansammlung von Menschen, Büchern rc. einige Vor
sichtsmaßregeln in Anwendung gekommen: es sind die Fach
werkswände des oberen Stockwerks unausgeriegelt geblieben, sie
sind nur mit Latten verkleidet und verblendet; es ist, soweit
neben der nöthigen Fensterreihe noch Raum hiefür geblieben
war, die über den Hinteren, meist belasteten Säulen befindliche
Holzwand mit einem hölzernen Sprengwerk armirt worden.
Diese Sprengwand war in volle Wirkung getreten, ehe sie
und zwar gleichzeitig mit den übrigen Wänden und Gebälken
des oberen Stockwerks auf die Säulen, beziehungsweise auf
die über den Säulen befindlich gewesenen Sokelmäuerchen auf
gelegt wurde. Sie konnte wohl bis zu einem gewissen Grade
und auf kürzere Zeit einige Ueberlastung auf sich nehmen;
für die Dauer und für alle Eventualitäten (wenn ihr nament
lich das Gewicht einer Registratur aufgelegt wird) könnte sie
nicht genügen. Durch die Einziehung der 3 eisernen auf dem
technischen Bureau Königl. Eisenbahnbau-Kommission auch im
Detail bearbeiteten Fachwerksträger wird aber vollständige
Entlastung der Vorhallesäulen gewonnen; jene Träger werden
die volle Last des oberen Stockwerks und des Daches auf sich
nehmen, und auf die hiefür genügend starken Außenmanern
der Vorhalle übertragen und es wird dann als Traglast für
die Säulen der Vorhalle nur deren eigenes — und das Gewicht
der ihnen aufliegenden Gewölbe verbleiben.
Zugleich ist mit der Einziehung dieser Träger Einleitung
für die Aussetzung eines weiteren etwa später nöthig werdenden
3ten Stockwerks des Bahnhofmittelbaues getroffen, wie solches
von dem Vortragenden schon in Folge früheren Anlasses pro-
jektirt (und in vorliegendem Plane) zur Ansicht vorgelegt ist.
Oberbaurath Morlok führt nun im Einzelnen aus,
a) welche Belastung dem Steinmaterial der Vorhalle in frühe
rer Zeit zugemuthet worden war; welche Gewichte von ihm
b) nach angestellten Proben und e) nach der Auffassung einzel
ner Lehrer über Stabilmechanik, praktischer Techniker rc. und nach
der Annahme von Behörden rc. rc. auferlegt werden können.
ack a. Als Belastungen, wie solche an älteren Bauten
vorkamen, sind bekannt:
jene der Pfeiler beim Aquaduct in Spoletto
— 45 Kg pro qcm
in der Allerheiligenkirche zu Anjou — 44—46 „ „ „
in dem Dom des Jnvalidenhauses
zu Paris — 31 „ „
am Kirchthurm bei Sct. Merp . . — 30 Kg pro qcm
im Pantheon zu Paris ... — 29,5—30 „ „ „
bei der Dorabrücke zu Turin ... — 25 „ „ „
Diese Belastungen ergeben, daß bei der ihnen eigenthüm
lichen Festigkeit die in Italien und Frankreich in Anwendung
gekommenen Kalksteine, Marmore, Kreidesteine rc. bis zum 7ten
Theile ihrer Bruchfestigkeit seit Jahrhunderten in Anspruch ge
nommen sind.
ad b. Die Tragfähigkeit der Steine, wie solche sich aus
angestellten Proben ergibt, bespricht nun der Vortragende im
Allgemeinen und im Besonderen bezüglich des in Württemberg
vorkommenden Steinmaterials.
Die Königl. württembergische Eisenbahnverwaltung hat in
der Annahme, daß bei Bemessung der für Mauerwerk zuläs
sigen Belastung in jedem einzelnen Fall die Festigkeit der zur
Anwendung kommenden Bausteine in Berechnung zu ziehen
sei, schon in den 1850er Jahren Druckproben über die in
Betracht gekommenen Steine vornehmen lassen. Damals und
bis vor kurzer Zeit hat man sich auf die Belastung eines
Steinwürfels bis zu erfolgter Erdrückung beschränkt; die neue
sten Versuche aber find dahin erweitert worden, daß mit 3 bis
5 Würfeln aus einer Schichte Druckproben vorgenommen, auch
Beobachtungen an denselben angestellt werden über das Ver
halten der Steine
1) im Allgemeinen und bei gleicher Größe der aufgelegten
Würfel,
2) bei verschiedener Würfelgröße,
3) in bruchfeuchtem,
4) in ausgetrocknetem Zustande (die Untersuchungen und
Vergleichungen ad 3 und 4 wurden jedoch in beschränkter
Ausdehnung vorgenommen);
5) bei einer zum natürlichen Lager senkrechten und
6) bei einer hiezu parallelen Druckrichtung.
Zugleich wurden
7) die Gewichte verzeichnet, bei welchen sich erstmals Be
schädigungen der Steine zeigten.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen und Beobachtungen
sind nun nicht so prägnant hervorgetreten, daß sich überall ein
bestimmtes Gesetz daraus entnehmen und aufstellen läßt. Die
Resultate sind:
ad 1. Die zur Probe gestellten Bausteine zeigen an
Druckfestigkeiten, und zwar:
Granit zwischen .... 1100 und 1700 Kg pro qcm
Buntsandstein ausnahmsweise nur . . 225 „ „ „
und wiederum „ . 675 „ „ „
in der Regel zwischen 400 und 500 „ „ „
Muschelkalk durchschnittlich .... 357 „ „ „
Lettenkohlensandstein 218 „ „ „
Keuperwerkstein 277—370 „ „ „
Stubensandstein 172 „ „ „
Jurakalkstein 512 „ „ „
Juradolomit . 440 „ „ „
Tuffsteine des weißen Jura . . . 59—90 „ „ „
Molassesandstein 612 „ „ „
Süßwasserkalk (Röhrenkalk) .... 444 „ „ „
Diluvial-Tuffstein 192 „ „ „
ad 2. Bei Verschiedenheit der Würfelgrößen von 10 cm
und 15 cm Kante hat sich zwar verschiedene Widerstandskraft
gezeigt: es haben sich aber für die größeren Würfel eben
sowohl verminderte als auch gleiche und vermehrte Festigkeiten
ergeben, so daß diese Ungleichheit mit den bei solchen Unter
suchungen überhaupt auftretenden Schwankungen zusammen zu
treffen scheinen. Doch ist zu bemerken, daß die Verminderung
der Festigkeit bei den größeren Würfeln häufiger als im
unigekehrten Falle vorgekommen ist.
ad 3 u. 4. Die Bruchfestigkeit der älteren ausgetrockneten
Steine ist eine größere als bei den frisch gebrochenen (noch
bruchfeuchten). Unter den hierüber angestellten Versuchen tritt
am Auffallendsten das Verhalten zweier aus gleicher Schichte
entnommenen Exemplare eines Stubensandsteins auf, welcher
in bruchfeuchtem Zustand 100 Kg und ausgetrocknet 215 Kg
pro qcm Festigkeit zeigte, somit nach seiner Austrocknung um
mehr als das Doppelte seiner Tragfähigkeit zugenommen hat.
ad 5 und 6. Die Werk- und Buntsandsteine, sowie die
Schilfsandsteine verlieren meist an Festigkeit, wenn ihre Be
lastung parallel zum natürlichen Lager eintritt, und zwar in
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