Volltext: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1878)

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des 2ten Stockwerks haben die mehrerwähnten Säulen der Vor 
halle bis jetzt vollkommene Sicherheit geboten, wie nachher 
dargelegt werden wird. 
Neuerdings aber ist das Bedürfniß zum Umbau der 2ten 
Etage an die Königl. Eisenbahndirektion herangetreten, und es 
muß wegen der hiemit verbundenen Mehrbeschwerung des 
unteren Stockwerks die für solchen Fall vorbehaltene Fürsorge 
Platz greifen und Verstärkung gegeben werden. 
Oberbaurath Morlok, mit der Begutachtung des Vor 
habens und mit eventuellen Voranschlägen beauftragt, hat die 
früheren Berechnungen einer Revision unterzogen, und einige 
Plane über die Verstärkungen der bestehenden Konstruktionen 
entworfen und zur h. Genehmigung vorgelegt. 
Von Königl. Eisenbahndirektion ist sodann unter Absehen 
von Aufstellung weiterer Säulen im Parterre der Vorhalle 
und von anderen Dispositionen, mit welchen überall viel größe 
rer Aufwand verbunden wäre, die Einziehung dreier eiserner 
Fachwerksträger im oberen Stock (nach vorl. Plane) genehmigt 
und zur Ausführung gestellt worden. 
Schon bei der ersten Anlage der Bahnhofvorhalle waren 
für aüfällig in Aussicht zu nehmende zeitweise Mehrbelastung 
durch Ansammlung von Menschen, Büchern rc. einige Vor 
sichtsmaßregeln in Anwendung gekommen: es sind die Fach 
werkswände des oberen Stockwerks unausgeriegelt geblieben, sie 
sind nur mit Latten verkleidet und verblendet; es ist, soweit 
neben der nöthigen Fensterreihe noch Raum hiefür geblieben 
war, die über den Hinteren, meist belasteten Säulen befindliche 
Holzwand mit einem hölzernen Sprengwerk armirt worden. 
Diese Sprengwand war in volle Wirkung getreten, ehe sie 
und zwar gleichzeitig mit den übrigen Wänden und Gebälken 
des oberen Stockwerks auf die Säulen, beziehungsweise auf 
die über den Säulen befindlich gewesenen Sokelmäuerchen auf 
gelegt wurde. Sie konnte wohl bis zu einem gewissen Grade 
und auf kürzere Zeit einige Ueberlastung auf sich nehmen; 
für die Dauer und für alle Eventualitäten (wenn ihr nament 
lich das Gewicht einer Registratur aufgelegt wird) könnte sie 
nicht genügen. Durch die Einziehung der 3 eisernen auf dem 
technischen Bureau Königl. Eisenbahnbau-Kommission auch im 
Detail bearbeiteten Fachwerksträger wird aber vollständige 
Entlastung der Vorhallesäulen gewonnen; jene Träger werden 
die volle Last des oberen Stockwerks und des Daches auf sich 
nehmen, und auf die hiefür genügend starken Außenmanern 
der Vorhalle übertragen und es wird dann als Traglast für 
die Säulen der Vorhalle nur deren eigenes — und das Gewicht 
der ihnen aufliegenden Gewölbe verbleiben. 
Zugleich ist mit der Einziehung dieser Träger Einleitung 
für die Aussetzung eines weiteren etwa später nöthig werdenden 
3ten Stockwerks des Bahnhofmittelbaues getroffen, wie solches 
von dem Vortragenden schon in Folge früheren Anlasses pro- 
jektirt (und in vorliegendem Plane) zur Ansicht vorgelegt ist. 
Oberbaurath Morlok führt nun im Einzelnen aus, 
a) welche Belastung dem Steinmaterial der Vorhalle in frühe 
rer Zeit zugemuthet worden war; welche Gewichte von ihm 
b) nach angestellten Proben und e) nach der Auffassung einzel 
ner Lehrer über Stabilmechanik, praktischer Techniker rc. und nach 
der Annahme von Behörden rc. rc. auferlegt werden können. 
ack a. Als Belastungen, wie solche an älteren Bauten 
vorkamen, sind bekannt: 
jene der Pfeiler beim Aquaduct in Spoletto 
— 45 Kg pro qcm 
in der Allerheiligenkirche zu Anjou — 44—46 „ „ „ 
in dem Dom des Jnvalidenhauses 
zu Paris — 31 „ „ 
am Kirchthurm bei Sct. Merp . . — 30 Kg pro qcm 
im Pantheon zu Paris ... — 29,5—30 „ „ „ 
bei der Dorabrücke zu Turin ... — 25 „ „ „ 
Diese Belastungen ergeben, daß bei der ihnen eigenthüm 
lichen Festigkeit die in Italien und Frankreich in Anwendung 
gekommenen Kalksteine, Marmore, Kreidesteine rc. bis zum 7ten 
Theile ihrer Bruchfestigkeit seit Jahrhunderten in Anspruch ge 
nommen sind. 
ad b. Die Tragfähigkeit der Steine, wie solche sich aus 
angestellten Proben ergibt, bespricht nun der Vortragende im 
Allgemeinen und im Besonderen bezüglich des in Württemberg 
vorkommenden Steinmaterials. 
Die Königl. württembergische Eisenbahnverwaltung hat in 
der Annahme, daß bei Bemessung der für Mauerwerk zuläs 
sigen Belastung in jedem einzelnen Fall die Festigkeit der zur 
Anwendung kommenden Bausteine in Berechnung zu ziehen 
sei, schon in den 1850er Jahren Druckproben über die in 
Betracht gekommenen Steine vornehmen lassen. Damals und 
bis vor kurzer Zeit hat man sich auf die Belastung eines 
Steinwürfels bis zu erfolgter Erdrückung beschränkt; die neue 
sten Versuche aber find dahin erweitert worden, daß mit 3 bis 
5 Würfeln aus einer Schichte Druckproben vorgenommen, auch 
Beobachtungen an denselben angestellt werden über das Ver 
halten der Steine 
1) im Allgemeinen und bei gleicher Größe der aufgelegten 
Würfel, 
2) bei verschiedener Würfelgröße, 
3) in bruchfeuchtem, 
4) in ausgetrocknetem Zustande (die Untersuchungen und 
Vergleichungen ad 3 und 4 wurden jedoch in beschränkter 
Ausdehnung vorgenommen); 
5) bei einer zum natürlichen Lager senkrechten und 
6) bei einer hiezu parallelen Druckrichtung. 
Zugleich wurden 
7) die Gewichte verzeichnet, bei welchen sich erstmals Be 
schädigungen der Steine zeigten. 
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen und Beobachtungen 
sind nun nicht so prägnant hervorgetreten, daß sich überall ein 
bestimmtes Gesetz daraus entnehmen und aufstellen läßt. Die 
Resultate sind: 
ad 1. Die zur Probe gestellten Bausteine zeigen an 
Druckfestigkeiten, und zwar: 
Granit zwischen .... 1100 und 1700 Kg pro qcm 
Buntsandstein ausnahmsweise nur . . 225 „ „ „ 
und wiederum „ . 675 „ „ „ 
in der Regel zwischen 400 und 500 „ „ „ 
Muschelkalk durchschnittlich .... 357 „ „ „ 
Lettenkohlensandstein 218 „ „ „ 
Keuperwerkstein 277—370 „ „ „ 
Stubensandstein 172 „ „ „ 
Jurakalkstein 512 „ „ „ 
Juradolomit . 440 „ „ „ 
Tuffsteine des weißen Jura . . . 59—90 „ „ „ 
Molassesandstein 612 „ „ „ 
Süßwasserkalk (Röhrenkalk) .... 444 „ „ „ 
Diluvial-Tuffstein 192 „ „ „ 
ad 2. Bei Verschiedenheit der Würfelgrößen von 10 cm 
und 15 cm Kante hat sich zwar verschiedene Widerstandskraft 
gezeigt: es haben sich aber für die größeren Würfel eben 
sowohl verminderte als auch gleiche und vermehrte Festigkeiten 
ergeben, so daß diese Ungleichheit mit den bei solchen Unter 
suchungen überhaupt auftretenden Schwankungen zusammen zu 
treffen scheinen. Doch ist zu bemerken, daß die Verminderung 
der Festigkeit bei den größeren Würfeln häufiger als im 
unigekehrten Falle vorgekommen ist. 
ad 3 u. 4. Die Bruchfestigkeit der älteren ausgetrockneten 
Steine ist eine größere als bei den frisch gebrochenen (noch 
bruchfeuchten). Unter den hierüber angestellten Versuchen tritt 
am Auffallendsten das Verhalten zweier aus gleicher Schichte 
entnommenen Exemplare eines Stubensandsteins auf, welcher 
in bruchfeuchtem Zustand 100 Kg und ausgetrocknet 215 Kg 
pro qcm Festigkeit zeigte, somit nach seiner Austrocknung um 
mehr als das Doppelte seiner Tragfähigkeit zugenommen hat. 
ad 5 und 6. Die Werk- und Buntsandsteine, sowie die 
Schilfsandsteine verlieren meist an Festigkeit, wenn ihre Be 
lastung parallel zum natürlichen Lager eintritt, und zwar in 
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