Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

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wurden, welche seit dem Jahre 4875 entstanden. Auch dies 
mal hat es sich gezeigt, daß es ein überaus glücklicher und 
fruchtbringender Gedanke des Vercinsvorstands war, welcher 
den Verein bewog, von Zeit zu Zeit solche Ausstellungen ins 
Leben zu rufen, und dadurch sowohl den Männern vom Fach, 
den Meistern wie den Jüngern, Gelegenheit zu interessanten 
und anregenden Studien zu geben, als auch weiteren Kreisen 
die Leistungen der Baukunst in einem großartigen Ueberblick 
v«r Augen zu führen. Desgleichen ist es vornemlich seinen 
rastlosen Bemühungen zu verdanken, daß eine reiche Fülle von 
Material zur Ausstellung kam, welche ein vollständiges Bild 
von der Entwicklung der Architektur in Württemberg seit dem 
Beginn unseres Jahrhunderts und insbesondere seit dem Re 
gierungsantritt des verewigten Königs Wilhelm, sowie von 
ihrem jetzigen Stande zu geben geeignet war. 
Die Ausstellung war im Erdgeschoß der Baugewerkeschule 
in 4 Sälen und 2 Kabinetcn untergebracht, und bot außer 
einigen Modellen und wissenschaftlichen Druckschriften in 1661 
Blättern Plane und Entwürfe von theils ausgeführten, theils 
nur projektirten Bauten, Arbeiten von 71, zum Theil 
bereits verstorbenen Baumeistern. Die Ordnung (nach den 
Namen der Aussteller in alphabetischer Reihenfolge) und die 
Aufstellung dieses umfangreichen Materials erforderte wiederum 
ein gut Stück Zeit und Mühe, wurde aber auch belohnt durch 
den großen Anklang und die allgemeine Anerkennung, welche 
die Ausstellung gefunden hat. Denn, nachdem sie am Nach 
mittag des IT'. Mai mit einer gehaltvollen, in Beilage 5 — 
abgedruckten Rede des Oberbaurath von Egle, welche die 
Geschichte der Baukunst in Württemberg vom 16. Jahrhundert 
an kurz skizzirte und ausführliche Mittheilungen über die 
württembergischen Baumeister vom Anfang unseres Jahr 
hunderts an, über ihren Lebens- und Bildungsgang und ihre 
Werke gab, unter zahlreicher Betheiligung der hiesigen und 
auswärtigen Mitglieder eröffnet worden, war und blieb der 
Besuch so stark und anhaltend, daß der Schlußtermin, welcher 
ursprünglich auf den 28. Mai anberaumt war, bis zum 
3. Juni hinausgerückt werden mußte. Nicht bloß die Vereins 
mitglieder, die Fachgenossen und die technische Jugend, sondern 
auch Besucher aus allen Ständen und Berufsklafsen wurden 
stets zahlreich in der Ausstellung gesehen. 
Gleich an einem der ersten Tage beehrte Se. Majestät 
der König, geführt vom Vereinsvorstand, die Ausstellung mit 
einer eingehenden und wohlgefälligen Besichtigung. Auch 
Ihre Majestät die Königin sprach sich nach einem mehrstündi 
gen Besuch gegen den Vorstand höchst befriedigt und an 
erkennend aus, und befahl die ausgestellten Reiseskizzen ihr 
noch zu genauerer Ansicht zuzuschicken. Desgleichen bezeugten 
die Prinzen Wilhelm von Württemberg und Hermann zu 
Sachsen-Weimar ihr Interesse und ihr Wohlgefallen an dem, 
was sie zu sehen Gelegenheit hatten. Auch die königlichen 
Minister und viele hohe Staatsbeamte würdigten die Aus 
stellung längerer Besuche. Endlich waren auch in den öffent 
lichen Blättern, namentlich im Staatsanzeiger und im Schwäb. 
Merkur ausführliche Berichte und günstige Beurtheilungen zu 
lesen. 
Gehen wir nun zu den einzelnen Parthien der Aus 
stellung über, so finden wir im 
Saal Nr. I 
die Arbeiten der bereits verstorbenen Meister. Die meisten 
derselben sind durch die daukenswerthe Güte des K. Hof 
meisteramts, der K. Bau- und Garten-Direktion, der K. Hand 
bibliothek, des K. Finanzministeriums, des K. Strafanstalten- 
Kollegiums, der Direktion des K. Polytechnikums, der Ober 
bauräthe v. Egle, v. Leins, v. Schlierholz, des Herrn 
Direktor v. Reh er, des Herrn Baron W. v. König-Königs 
hofen u. A. zur Ausstellung gekommen. Wir führen sie in 
Folgendem nach Art eines Katalogs, jedoch in diesem ersten 
Saal nicht alphabetisch geordnet, vollständig auf. 
1) Nikolaus Thouret, Hofbaumeister (1767—1845). 
1 Blatt — Entwurf zu einem eisernen Brunnen. 
3 Blatt — Studien: 2 Zeichnungen nach antiken Re 
liefs und 1 Blatt mit römischen Trophäen, Musik 
instrumenten rc. 
7 Blatt — Entwürfe und Skizzen zu Theater- und 
Festdekorationen, darunter eine sauber ausgeführte 
Halle in korinthischem Styl zur „Vestalin", eine 
Festdekoration zur Feier der Geburt des Königs 
von Nom 1812, ein Triumphbogen zum Besuch 
des Kaisers von Rußland in Stuttgart 1814. 
1 Blatt — Skizze zu einem Königsthor. 
2 Blatt — Entwürfe zu einer Standuhr und zu einem 
Kamin. 
13 Blatt — enthaltend vier Projekte zu einem Kunst 
sammlungsgebäude aus den Jahren 1826—37, 
und zwar: 
a. am Schloßplatz vor der alten Kanzlei, die 
Situation zeigt gegenüber an Stelle des Cafe 
Marquardt ein Gebäude von gleicher Anord 
nung (Orangerie?) und vis-a-vis des Schloffes 
an Stelle des Königsbaus ein großes Theater. 
Das Museum und die Orangerie sind durch 
Gallerten, unter denen die Straße durchführt, 
mit den Flügeln des Schlosses in Verbindung; 
b. auf den Seewiesen an Stelle des jetzigen Stadt- 
gartens; 
c. an Stelle des Bazars und 
ck. an der Neckarstraße. 
5 Blatt — Grundrisse zum Bazar. 
1 Blatt — Fagade zu Thouret's eigenem (jetzt um 
gebauten Brandauer'schen) Haus in der Friedrichs 
straße. 
8 Blatt — Pläne zum Badgebäude und Badhotel in 
Wildbad. 
2) Joh. Gottfried Klinsky, Hofbauinspektor (1765 
bis 1821). ■ 
4 Projekte zum Orangeriegebäude in den Anlagen. 
Entwurf zur Kirche in Sindeldorf. 
Ansicht einer Kirche (Projekt zur Dreikönigskirche in 
Dresden-Neustadt). 
Ein großes Stall- und Remisengebäude, ein Wohnhaus, 
ein Gartenhaus, eine interessante Studie zu einem 
Mausoleum, 2 Detailblätter für eine Kuppelaus 
malung, endlich in: 
13 Blättern — eine reichhaltige (im Besitz des Frei 
herrn König v. Königshofen befindliche) Sammlung 
von reizend gemalten Villen und Parkhäuscrn in 
landschaftlicher Umgebung, in welcher eine Fülle 
reizender Ideen in der Grundrißanlage und in 
der malerischen Gruppirung der Gebäudetheile sich 
findet. 
3) Mancher (1819 thätig). 
Projekt zu einem Orangeriehaus, 3 Varianten (in An 
ordnung und Styl dem Kursaal in Cannstatt 
ähnlich). 
4) Papworth, ein von König Wilhelm berufener Eng 
länder. 
19 Blätter — voll schöner Gedanken in Grund- und 
Aufrissen von ebenso schöner Zeichnung und muster 
hafter Darstellung, enthaltend: 
7 Projekte zum Landhaus auf dem Rosenstein 
in italienischem Style (datirt London 1819 
und 1820) und zu den beiden Parkeingängen 
von den Anlagen und von der Prag aus, 
sowie ein ganz vorzüglich aquarellirtes Land 
schaftsbild, die unteren Anlagen, Cannstatt 
und das Neckarthal umfassend. 
5) Von unbekannter Hand: 
Eine Situation zu einem Noscnstein-Projekt. 
6) Gleichfalls von unbekannter Hand: 
5 Blätter — ein Projekt zu einer Grabkapelle von 
bedeutenden Dimensionen in gothischem Styl (wohl 
für den Rothenberg?).
	        

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