Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

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Verbände angeregter Weise einzuwirken, er glaube vielmehr 
den Zweck der Regelung dieses Verhältnisses viel kürzer und 
zweckentsprechender dadurch zu erreichen, daß man im Anschluß 
an die Verbandsbestimmungen der Norm für das Honorar 
allgemeine Gesichtspunkte über die civilrechtliche Verantwort 
lichkeit bearbeite und Formulare für Verträge zwischen Bau 
herren und Architekten wie Ingenieuren aufstelle. 
Beschlossen wurde: 
Zusendung des Materials an die Vereine unter Erläuter 
ung der Fragestellung mit dem Ersuchen um event. Vervoll 
ständigung der Beantwortung durch die Vereine (besonders 
der an die Vereine früher gestellten Fragen 2 und 3, d. h. 
ob die allgemeinen Rechtsgrundsätze genügend seien und welche 
Mittel geeignet sowohl zum Schutz der Techniker wie der Bau 
herrn erscheinen), alsdann Behandlung der Angelegenheit in 
nächster Abgeordneten-Versammlung. 
ad b. Ueber die Frage der Verwendung von Beton 
im Hochbau- und Ingenieur-Wesen, welche schon vor 
fünf Jahren angeregt wurde, glaubte man, trotzdem sich zu 
sammen 17 Vereine äußerten und indeß seitdem reiche Er 
fahrungen auf dem betreffenden Felde gemacht wurden, dennoch 
kein genügend sicheres Resultat hieraus ableiten zu sollen, und 
es haben die Referenten von Hannover und Stuttgart bean 
tragt, hierüber keine Resolution zu fassen und keine Denkschrift 
auszuarbeiten, vielmehr das vorliegende zum Theil werthvolle 
Material in irgend einer Zeitschrift zu veröffentlichen. 
Die Aeußerung unseres Vereins, wie sie im ersten Jahres 
hefte Beil. 3 gegeben, ist bekannt und theilt Referent daher 
nur einiges weiter Bemerkenswerthe von anderen Vereinen 
mit, welches hier in Rücksicht auf spätere Veröffentlichung nur 
kurz berührt wird. 
Hienach gibt der Arch itekten - V e re in zu Berlin 
Kenntniß von 68 von der Berliner Cementban-Aktien-Gesell- 
schast in der Victoria - Stadt und Friedrichsöerg bei Berlin 
in den Jahren 1871 und 1872 mit einem Aufwand von 
800,000 Ji>. errichteten Beton - Wohnhäusern (mit Portland 
cementverwendung), wovon 12 zu einer Gruppe vereinigt, die 
übrigen theils zu mehreren Wohnungen zusammengebaut oder- 
vereinzelt stehen, und meist mit gewöhnlicher Bedachung 
versehen sind und pro cbm Raum 15 V2 bis 17 M. kosteten, 
also im Verhältniß zu dergl. Gebäudeu aus billigen Ziegeln 
viel theurer sich stellten, daher auch eine weitere Nachfrage 
um dergl. Gebäude später nicht mehr stattfand, und die Bau 
thätigkeit der Gesellschaft eingestellt wurde, zudem auch bei dünnen 
Mauern und größerer Wärmeleitungsfähigkeit der Betonhäuser 
diese als kälter befunden wurden gegenüber solchen von Back 
steinen. Weiteres hierüber findet man in dem Merkchen: Der 
Cement und Cementbetonbau von Lieb old. Weiter seien in 
Preußen Belonbanteu in den Provinzen Brandenburg, Posen 
und Pommern ausgeführt. 
Bayern berührt nur wenige Betonbauten als Kanäle, 
Wasserbehälter, Bassins, Souterrainbauten und Einwölbuugen, 
wozu theils Portland-Cement, theils dieser im Gemisch mit 
Roman- Cement verwendet wurde. 
Sachsen (der sächsische Architekten- und Ingenieur-Verein) 
gibt nähere Angaben über die Betonfundationen der Elbbrücke 
bei Risa mit Portlandcemeut im Gemisch von 2% : 4 1 /, wobei 
2 Tonnen die Cementeinheit bildet ä Tonne 0,12 cbm, hienach 
2 Tonnen Cement . . . 0,24 cbm 
Kies .... 0,64 
Steingeschläg . 1,00 „ 
zusammen 1,88 cbm lose Masse 
— 1,17 bis 1,4 cbm festen Beton gaben, also 62,2 bis 74,4 °/ 0 . 
Ferner über Trottoiransführungen in Dresden aus 120 mm 
dickem gröberen Grundbeton und einem feineren 23 mm starken 
Ueberzug, ersterer aus 1 Theil Portlandcement, 3,5 Kies, 
3,5 geschl. Steine; letzterer aus 0,9 Porllandcement, 1 Kies, 
womit eine gute Arbeit erzielt, aber die Erfahrung gemacht 
wurde, daß etwa auf 5 m Länge Schwindrisse entstanden, so 
daß deshalb in solchen Entfernungen zur Erzielung gerader 
Schwindfugen schmale Granitstreifen eingelegt wurden. 
(Nm diesem Uebel entgegenzuarbeiten, theilt die Frank 
furter Gesellschaft „Wayß & Dyß" die Trottoire in Platten 
format ein, auf dessen Fugen im schlimmen Falle die Risse 
entfallen.) 
Sowie endlich über ein kreisrimdes Cementgewölbe in 
Dresden vom Jahr 1873 1240 m lang, 0,86 m weit bei 
20 cm Gewölbestärke bei 1 Thl. Portlandcement, 3 Thl. Kies 
und 3 Thl. Knak mit gutem Resultate. 
Hamburg erwähnt dreier im Jahre 1874 und 1875 
vom Ingenieur Ulzhöfer im Vororte Barmbeck ausgeführten 
3 Doppelhäuser für Arbeiterwohnungen vollständig incl. Dach 
aus Beton, im Jnbau ohne jegliches Holz (s. Scholze, Hoch- 
bauentwürfe 1876), wobei das Mischungsverhältnis; für Um- 
fassungs- und Scheidewände aus 
1 Thl. Portlandcement, 
2 „ Sand, 
4 „ Schlacken, 
6 „ Ziegelbrocken, 
zu Decken, Dach, Treppen rc. 
1 Thl. Cement, 
3 „ Schlacken, 
2 „ Ziegelbrocken 
bestand und die Decken mit 450 kg pro qm belastet wurden. 
Nach dem Bezug zeigten sich die Umfassungswände bei 
nur 227 mm Dicke und bei ihrer festen, wenig hygroskopischen 
Masse feucht, welcher Zustand sich bei kaltem Wetter steigerte 
und daher in einem Abstand von 20 mm eine auf Leisten 
angebrachte Bretterverschaalung und diese vergipst angebracht, 
wie auch das undicht gewordene Dach mit einem Holzcement 
dache nachträglich versehen wurde. 
Bei hohem Preis für Sand und Kies rc. kostete der cbm 
Hohlraum, 21,78 J(, was gegenüber einem Ziegelbau theuer 
und dem Betonbau nicht günstig war. 
Der mittelrheinische Architekten- und Ingenieur- 
Verein lieferte Notizen von Dyckerhoff in Biberich, die be 
treffen Fußböden, Einwölbungen rc. zwischen eisernen Balken 
resp. Ausfüllungen bei 1 bis 1,4 m Weite, im Scheitel 17 bis 
20 cm stark, theils voll, theils mit hohlen Räumen, die unteren 
Wände 5 cm, die oberen zugleich Fußböden 8 cm stark. 
Mischung 1 Thl. Portlandcement, 5 Thl. Kies. Zum 
Boden darüber 1 Thl. Cement, 3 Thl. Sand bei 4 cm Dicke, 
sowie kleinere Brückenbauten vom Jahre 1865 mit 3,2 m 
Spannweite, 0,5 m Pfeilhöhe, 0,36 m Gewölbestärke, wozu 
Mischungen: zum Widerlager 1 Thl. Portlandcement, 4 Thl. 
Sand, 8 Thl. klein geschlagene Steine; zum Gewölbe 1 Thl. 
Cement, 2 Thl. Sand, 3 Theil Stein. 
Ferner von Ueberwölbungen bei 4,8 m Spannweite, 
2,4 m Pfeilhöhe und 0,45 m Stärke bei 1 Thl. Cement, 
2'/ 2 Thl. Sand, 5 Thl. geschl. Steine; endlich von einem 
Gasoincter-Bassin bei 1 Thl. Cement und 5 Thl. Kies und 
Sand. 
Der Westpreußische Architekten- und Ingenieur- 
Verein zu Danzig berief sich aus Mangel eigener Er 
fahrungen auf ein Gutachten vom Zweigverein zu Elbing: 
a. über ein villenartiges, einstöckiges Wohnhaus mit Thurm 
und Balkonvorbau vom Jahre 1870 — 71 von Beton 
(vide Deutsche Bauzeitung 1871), die Souterrainmauern 
0,52—0,65 m, die Umfassungsmauern 0,4—0,5 m., die 
Scheidemauern 0,13—0,44 in stark ausgeführt, der cbm 
Gebäuderaum kostete 22,3 M., war also sehr theuer; 
wogegen 
b. ein zweistöckiges Fabrikgebäude, die Decken zwischen 
Schienen gewölbt, das Dach mit Cementplatten abge 
deckt, Mischung 1:8 der cbm Gebäuderaum nur 5,4 M. 
kostete. 
Der ostpreußische Architekten- und Ingenieur- 
Verein berichtet:
	        

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