Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

5 
a. über ein Wohnhaus für vier Familien zum K. Land- 
nestüte Jodwellen vom Jahr 1875 mit 201 qm Grund 
fläche, und kostete der cbm Raum 20,5 <M>. Die Um 
fassungswände sind 0,35 m, die Scheidewände 0,2 m stark; 
b. über einstöckige Arbeiter-Logierhäuser, 1873 auf 74 aus 
geführt, bei Pillau, den Beton in Kästen in 10—12 cm 
hohen Lagen eingebracht und gestampft, die äußeren 
Wände 0,63 m, die inneren Langwände 0,47 m, die 
inneren Querwände 0,30 m stark; über das Resultat 
der Arbeit ist nichts erwähnt. 
Der Architekten- und Ingenieur-Verein des 
Herzogthums Braunschweig behandelte diese Frage, 
ebenso der Holzmündener Zweigverein auf Gruud einer von 
deren Ministerium gestellten Frage über Betonbauten, 
besonders über ihre Zulässigkeit zu Mauern und 
Gewölben, und ihre zulässigen Minimalstärken. 
Der Braunschweiger Verein kommt zu dem Schlüsse, 
daß es zur Zeit nicht zu empfehlen sei, die Aus 
führung von Mauern und Decken re. mit Beton 
(Cement - Concret) allgemein für zulässig zu er 
klären, und zwar aus Gründen der Zweckmäßigkeit und 
Sicherheit, daß jedoch für solche Fälle, wo hinlänglich ge 
bildete Techniker die Ausführung unter ihrer vollen Verant 
wortlichkeit übernehmen, die Erstellung solcher Bauten zulässig 
sei. Bezüglich der Mauer- und Gewölbstärken lagt dieser 
Verein, daß die Einflüsse hierauf so mannigfaltiger Art seien, 
daß er nicht im Stande sei, Vorschläge zur Feststellung 
von Minimalstärken für Mauern und Decken aus 
Cement zu mach en. 
Der Holzmündener Zweigverein bestätigt, daß sich 
die in seinem Bezirk ausgeführten Betonbauten gut gehalten 
haben, daß aber die ausgedehntere Anwendung des Betons 
auf ganze Bauten schwer halten werde, da Backsteine in der 
Regel billig seien und dergl. nur 17—20 M. pro mille kosten. 
Bei guten Materialien, besonders gutem Portlandcemente 
und guter Verarbeitung, wird die Betonverwendung zu Mauern 
und Gewölben nicht beanstandet, und für Decken zwischen frei 
stehenden Mauern wird zur Verminderung des Eigengewichtes 
empfohlen, statt des Steinzusatzes solchen aus reinen aschfreien 
Steinkohlenschlacken von der Größe zarten Kieses mit etwa 
1 l i Sand vermischt zu wählen und auf Schutz vor Einwirkung 
der Sonne und währenv der Erhärtung auf fleißiges An 
nässen hingewiesen. 
Bezüglich der Mauerstärken empfiehlt dieser Verein 
nach den seitherigen Erfahrungen und je nach der Güte der 
Materialien und Größe der Räume bis zu 3 Stockwerken bei 
Umfassungsmauern 25 bis 30 cm, bei Zwischenmauern 15 
bis 20 cm Dicke, und für weitere Stockhöhen, d. h. für die 
abwärts folgenden von Stock zu Stock 5 cm Zuschlag. 
Für Gewölbe von 2 m und darunter Weite nicht unter 
V 7 Stich, 10 cm Dicke, wogegen bei größerer Weite bei jedem 
Meter Mehrweite 5 cm Verstärkung der Widerlager, bei 
Ueberschreitung von 5 m aber eine sorgfältige Stabilitäts 
Berechnung. 
Derselbe bemerkt weiter, daß in Frankreich Brücken aus 
Beton bis zu 25 m Spannweite (s. Nr. 1 der östr. Vereins 
zeitschrift 1877) mit gutem Erfolg, so auch in der Nähe von 
Holzmünden dergl. Brücken ansgeführt worden seien, und 
empfiehlt schließlich Betonbauten nnter genannter Reserve ihrer 
Dauerhaftigkeit, Feuersicher- event. Billigkeit, der Fügsamkeit 
des Betons in jeder Form, sowie der raschen Ausführung re. 
wegen zu Fundamenten besonders bei schlechtem Baugrunde, 
Souterrainbauten zu Gewölben, Treppen, Brücken, Fluren 
u. dergl. 
Der Straßburger Architekten- und Ingenieur- 
Verein wendet, weil dort lagerhafte Steine und Kalk billig 
erhältlich seien, Betonbauten wenig an, berichtet aber über 
die aus Greuobler-Cemeut in Siraßburg angefertigten Cement- 
Fußböden nach gleicher Behandlungsweise, wie solche im Stutt 
garter Gutachten von Dyß und Wayß beschrieben ist. 
Der Architekten-Verein zu Frankfurt hat keinerlei 
eigene Erfahrungen und gibt nur Angaben von Unternehmern und 
Cementfabrikanten, wesentlich über Decken-Ausführung zwischen 
eisernen Trägern mit Beton (z. B. am neuen Theater und 
der neuen Markthalle) und Treppenläuse, vorzugsweise von 
der Firma Feege & Gotthardt ausgeführt, erstere in der Art 
der Straßburger Fußböden mit Grobbeton aus reinem Kies 
und Cement als löcherige Masse von 1 Thl. Portlaudeement, 
5—6 Thl. Kies auf einer Sand-Unterlage über Schaalnng, mit 
der Schanfel eingebracht und etwas gestampft, und wenn ein 
wenig abgebunden, mit sog. Gnß von Cementbrei übergössen, 
so daß dieser die Grobmasse stellenweise durchdringt, woraus 
nach 2 Tagen die Ausschaalung und nach 4 Tagen die Be 
lastungsprobe vorgenommen werden konnte. 
Die Spannweite beträgt 1,2 m zwischen 14,5 cm hohen 
Trägern und sind die Gewölbekappeu 10 cm dick; zuerst wurden 
2 Kappen mit 10 Ctr. mittelst Sandsäcken beschwert, nach 
5 Tagen 10 weitere Centner ausgelegt, so daß das Gewicht 
20 Ctr. uebst 12 Personen, zusammen 35 Ctr. oder pro qm 
12 Ctr. — 600 kg betrug, ohne irgend welche Risse zu zeigen, 
und diese selbst nicht, als auf die Betonmasse Säcke fallen 
gelassen, und als auf sie gestoßen wurde, ergab sich erst beim 
vierzehnten Stoß ein Loch, ohne daß jedoch der übrige Theil 
Roth litt. Unten sind zum Theil Cassetten ausgespart und 
die Fußböden aus Terazzo gebildet. 
Dergleichen Gewölbe werden bis zu .5 m Spannweite 
ausgeführt mit 15 cm Stärke und 0,6 m Stich und zeigten 
bei 2000 kg Belastung pro qm eine elastische Durchbiegnng 
von 5 mm mit Zurückgang. 
Treppenläufe ließen bei 3 Wochen pro qm 500 kg, bei 
8 Wochen pro qm 750 kg Belastung, und stoßweise Erschüt 
terungen ohne irgend welchen Nachtheil, und bei acht Wochen 
auf der mittleren Stufe eine eoneentrirte Belastung von 
1300 kg zu. 
Nach all dem Vorgetragenen glaubt der Referent an seiner 
früheren Ansicht viele Beil. 3 Heft 1 von 1879 S. 29, 31 
und 32 festhalten und Betonbauten in den dort bezeichneten 
Fällen empfehlen zu sollen. 
Als weiter beachtenswerth erwähnen wir von dem weiteren 
Stoffe folgendes, als 
c. über das Verfahren bei öffentlichen Kon 
kurrenzen, über welches Herr Baumeister Kyllmann ans 
Berlin referirt und wonach sich 12 Vereine, aitch der unsrige, 
geäußert haben. In den meisten Fällen (nnter Verweisung 
auf Nr. 80 der deutschen Bauzeitung) wurde in unserem 
Sinne beschlossen; wesentlich zu §. 5 bezüglich der Kosten 
rechnung und zu §. 9 bezüglich des Rechtes der Publikation. 
ck. Ueber die Ausdehnung des Haftpflicht 
gesetzes vom 7. Juni 1871 auf die Baugewerbe 
referirt Herr Professor Giese aus Dresden, dem sich der 
baierische Correferent anschließt, und wird beschlossen, da eine 
Ausdehnung nicht wünschenswerth feie, den Verbandsvor 
stand zu beauftragen, falls eine Ausdehnung des 
Haftpflichtgesetzes auf die Baugewerbe von der 
Reichsregierung angeregt werden sollte, hiergegen 
demnächst vorstellig zu werden. 
c. Ueber die Einführung des Eisens in dem 
Hochbau referirt Herr Prof. vr. Heinzerling aus Aachen, 
dem sich der eorreferirende bremen'sche Verein anschließt, über 
13 eingelaufene Beantwortungen so ziemlich im Sinne unseres 
Vereins, wogegen aber andererseits geltend gemacht wird, daß 
schon vielfach, besonders von niederen Technikern, in nicht- 
verstandener Weise mit dem Eisen Mißbranch getrieben wurde, 
daher eher vor dessen weiterer Ausdehnung gewarnt werden 
sollte, und dessen Anwendung in den Händen höherer Tech 
niker, die in den technischen Hochschulen zweckmäßige Disziplinen 
in fraglicher Richtung überall treffen, keiner weiteren Maß 
regeln bedürfen, und wurde daher, wenn schon das Referat
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.