Volltext : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

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bei  den  eisernen  Querschwellen  und  wird  damit  das  Schienengestänge ­
  mit  dem  Schotterbett  und  den  Schwellen  bei  Anwendung
der  Holzschwellen  weit  mehr  ein  Ganzes  als  bei  Verwendung
eiserner  Querschwellen.  Hier  gibt  der  untere  Theil  des  Schotterbetts ­
  in  der  Hauptsache  nur  eine  feste  Unterlage  der  Schienenlage ­
  ab,  während  der  obere  Theil  des  Schotterbetts  zwischen  den
eisernen  Querschwellen  nur  eine  Ausfüllung  gegen  geringe  Seitenverschiebungen ­
  und  einen  Vorrath  für  späteres  Unterkrampeu
bildet.  Die  hiedurch  leichter  denkbare  und  mögliche  Verschiebung
des  Schienengestängs  bei  eisernen  Querschwellen  hat  Vautherin
wohl  durch  die  Einlage  seiner  iveiteren  Querschwelle  pro  Schienenstoß ­
  auszugleichen  gesucht,  indem  hiedurch  mehr  oder  weniger  ein
eigentlicher  Rost  durch  die  beiden  Schienen  und  die  Querschwellen
gebildet  wird.  Letztere  Verhältnisse  dürften  wohl  am  meisten  in
starken  Gefällen  und  starken  Curven  zur  Wirkung  kommen.
Bei  dem  ersten  Versuche  der  Verwendung  von  eisernen
Qnerschwellen  zwischen  Wasseralfingen  und  Goldshöfe  wurde  eine
Theilstrecke  mit  festem  Stoß,  beziehungsweise  unter  Anwendung
einer  eichenen  Stoßschwelle  und  die  andere  Theilstrecke  mit
schwebendem  Stoß  unter  Anwendung  zweier,  dem  Stoße  zunächst ­
  gelegten  eichenen  Zwischenschwellen  zur  Einlage  gebracht.
Das  Wandern  der  Schienen  bei  letzterer  Anordnung  wurde  versuchsweise ­
  durch  Verwendung  der  gewöhnlichen,  beim  Holzschwellenoberbau ­
  gebrauchten  Unterlagsplatten  zu  vermeiden  gesucht. ­
  Außerdem  wurde  in  beiden  Fällen  im  Sinne  der  Vaut
  her  in'schm  Behandlungsweise  je  eine  eiserne  Querschwelle  mehr
pro  Schienenstoß,  somit  im  Ganzen  8  eiserne  Querschwellen,
eingelegt.  (Vergl.  Figurentafel  1,  Abtheilung  2.)
Beide  Arten  zeigten  nun  nach  kurzer  Zeit  ihrer  Benützung,
daß  entweder  die  Holzschwellen  oder  die  eisernen  Querschwellen
eine  feste  Auflage  zeigten,  die  den  Schivellen  des  andern  Materials ­
  ungeachtet  sorgsamer  Nacharbeit  auf  die  Dauer  nicht
gegeben  werden  konnte.  ES  zeigte  sich  bei  dem  Befahren  eine
zwar  verhältnißmäßig  geringe,  jedoch  immerhin  vorhandene  wellenförinige
  Bewegung  des  ganzen  Schienengestängs  in  vertikalem
Sinne  und  damit  auch  eine  ganz  unbedeutende  wiegende  Bewegung ­
  der  Eisenbahnfahrzeuge.
Dieser  Umstand  weist  wohl  mit  Sicherheit  darauf  hin,  daß
beim  Querschwellenoberban  sämmtliche  Querschwellen  entweder
aus  Holz  oder  aus  Eisen  in  Einlage  gebracht  werden  sollten
und  nicht  in  einer  theilweisen  Verbindung,  ivie  auf  diesen  beiden
Versuchsstrecken.
Letzteres  gab  die  Veranlassung  zur  Anstellung  eines  weiteren ­
  Versuchs  auf  der  Bahnstrecke  Wasseralfingen-Goldshöfe  unter
ausschließlicher  Verwendung  von  eisernen  Querschwellen.  Die
Eintheilung  der  eisernen  Querschwellen  fand  hiebei  im  Sinne
der  Einlage  der  Holzschwellen  bei  dem  schwebenden  Stoße  statt
und  wurde  zugleich  die  eine  Hälfte  dieses  Versuchs  niit  der
gleichen  Anzahl  Querschmellen  wie  bei  dem  Holzschwellenoberbau,
die  andere  Hälfte  mit  je  einer  eisernen  Querschwelle  mehr  zur
Ausführung  gebracht.  Unter  den  Schienenstößen  ist  hiebei  zwiichen
  die  dein  Stoße  zunächst  gelegenen  beiden  Querschwellen
eine  kurze  Längsschwelle  aus  Profileisen  der  eisernen  Querschwellen ­
  eingelegt  und  dieselbe  mit  einer  Lochung  gleich  derjenigen ­
  der  gewöhnlichen  Stoßplatten  beim  festen  Holzschivellenoberbau ­
  versehen.  Durch  das  Einstecken  eines  gewöhnlichen
Schienennagels  in  diese  Lochung  und  in  die  Einklinkung  der
Schienen  wird  nun  das  sogenannte  Wandern  der  Schienenlage
zu  verhindern  gesucht  und  es  scheint  dieses  nach  allen  seitherigen
Beobachtungen  hiedurch  in  wirksamer  Weise  erreicht  zu  sein,
(vergl.  Figurentafel  1,  Abtheilung  4.)
Es  zeigt  sich  nämlich  bei  dem  eisernen  Querschwellenoberbau ­
  das  Auftreten  des  Wanderns  der  Schienen  nicht  in  dem
Umfang  und  der  Ausdehnung  wie  bei  dem  Holzschwellenoberbau.
Dieses  findet  wohl  seine  Erklärung  in  dem  Umstand,  daß  bei
den  eisernen  Querschwellen  die  Verbindung  zwischen  Schiene  und
Schwellen  durch  die  Krempen  und  Keile  weitaus  fester  und
satter  wird  und  bleibt,  als  bei  den  Holzschwellen.  Die  Verbindung ­
  der  Schiene  mit  den  Holzschwellen  zeigt  nämlich  mit
der  Zeit  eine  geringere  Widerstandsfähigkeit  gegen  das  Wandern

der  Schiene  und  wird  dann  solches  nur  noch  durch  die  Einklinkungen ­
  der  Schiene  am  Stoße  verhindert,  während  bei  dem
eisernen  Oberbau  stets  sämmtliche  eiserne  Querschwellen  in  ganz
gleichmäßiger  Weise  diesem  Wandern  entgegenwirken.
Erfahrungen  über  die  Zweckmäßigkeit  letzterer  Behandlnngsweise
  der  Einlage  der  eisernen  Querschmellen  können  bei  der
Kürze  der  Zeitdauer  dieses  Versuchs  noch  nicht  angegeben  werden, ­
  dagegen  dürften  solche  immerhin  bis  Frühjahr  1880  mit
ziemlicher  Bestimmtheit  in  Aussicht  genommen  und  damit  vorerst
mit  der  weiteren  Entwicklung  der  Verwendung  der  eisernen
Querschwellen  bis  zu  diesem  Zeitpunkt  zugewartet  werden.
Beide  Redner  erläutern  ihre  Vorträge  durch  zahlreiche
.Zeichnungen  und  Probestücke  der  neuen  Oberbausysteme,  insbesondere ­
  auch  über  die  verschiedene  Art  der  Befestigung  der
Schienen  auf  den  Schwellen.
Während  des  Vortrages  von  Herrn  Baurath  Dimler
wurde  der  Vorsitzende  abberufen  und  übergibt  den  Vorsitz  an
Herrn  Oberbaurath  Bok  (in  Abwesenheit  des  Vizevorstandes),
welcher  im  Namen  der  Versammlung  den  Rednern  für  ihre  ausführlichen ­
  Erläuterungen  dankt  und  die  Debatte  über  das  Gehörte ­
  eröffnet.
Man  bespricht  zunächst  die  Unzweckmäßigkeit  unseres  alten
Schienenprofils,  wobei  viele  Stimmen  die  unbedingte  Nothwendigkeit ­
  betonen,  dasselbe  durch  ein  besseres  Profil  baldigst  zu
ersetzen  und  bedauern,  daß  dieß  nicht  schon  längst  während  des
ausgedehnten  Baues  geschehen  sei.
Herr  Baurath  Dimler  erwähnt  hierauf,  daß  eine  solche
Einführung  jetzt  wegen  der  großen  Kosten  und  der  Schwierigkeit,
ein  neues  Profil,  das  mindestens  16  min  höher  würde,  als
unser  seitheriges,  in  bestehenden  Geleisen,  besonders  Stationsgeleisen, ­
  einzulegen,  zunächst  noch  in  Frage  stehe,  aber  ernstlich
erwogen  werde.
Die  Befürchtung  einiger  Mitglieder,  die  starken  Keile
zum  Befestigen  der  Schienen  auf  vie  Vautherinschmelle  könnten  sich
losmachen  und  andere  Befestigungsmittel  vorzuziehen  sein,  widerlegt ­
  Herr  Dimler  durch  die  seitherigen  Erfahrungen  und  zieht
die  Keile  jeder  andern  Befestigung  vor,  betrachtet  es  überhaupt
als  ausschlaggebend  für  die  Wahl  eines  Oberbausystems,  daß
dasselbe  möglichst  einfach  sei  und  daß  das  Kleineisenzeug  aus
möglichst  wenig  Stücken  bestehe.
Hr.  Fabrikant  A.  Stotz  drückt  seine  Freude  darüber  aus,
daß  der  von  ihm  auf  Reisen  kennen  gelernte  Vautherin-Oberbau,
für  welchen  er  von  Anfang  an  eingenommen  gewesen  sei  und
für  den  er  das  Kleineisenzeug  sowohl  für  die  württ.  Bahn  bei
Scheer  als  an  die  Saarbrücken-Trierer  Bahnverwaltung  schon
im  Jahr  1870  geliefert  habe,  nunniehr  nach  fast  lOjährigem
Zweifeln  und  Versuchen  wieder  ernstlich  aufgenommen  werde.
Hr.  Oberbaurath  Bok  macht  darauf  aufmerksam,  daß  über
diesen  Gegenstand  und  über  die  Hartwich  -  Schienen  Herr  Oberbaurath ­
  v.  Schlierholz  bereits  schon  im  Jahr  1873  dem
Verein  Mittheilung  gemacht  habe  (vick.  2.  Protokoll-Heft  von
1873)  und  das  heute  Vorgetragene  eine  sehr  werthvolle  Ergänzung ­
  wohl  für  eine  durchschlagende  Anwendung  der  eisernen
Querschmellen  bieten  dürfte  und  schließt  uni  V*  11  Uhr  den
offiziellen  Theil  des  Abends.  Der  gemüthliche  Theil  hielt  bis
über  die  Mitternachtsstunde  die  Mitglieder  beisannnen.
Der  Schriftführer:
Lang.

Westchtignng  der  neuen  katholischen  Kirche  in  Stuttgart.
Sonntag  den  9.  November  1879.
Diese  zweite  Besichtigung  der  nun  fertigen  kath.  Marienkirche ­
  (die  erste  fand  am  4.  Mai  statt,  vergl.  Prot.  Heft  I  von
1879  S.  17)  galt  hauptsächlich  dem  inneren  Ausbau  und  ihrer
Ausschmückung.  Wiederum  hatte  Herr  Oberbaurath  v.  Egle,
der  Architekt  dieses  durchaus  gelungenen  Werkes,  die  Führung  der
zahlreich  erschienenen  Mitglieder  und  sonstiger  Gäste  freundlichst
übernommen  und  unterzog  das,  was  im  Laufe  des  Sommers
            
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