15
bete herbeizuführen und zur Klärung dieser Frage beizutragen,
weßhalb er sich erlaube nachstehende Fragen an den Verein zu
richten, und um gefällige Behandlung derselben zu bitten, als:
1) Welche Arten von Beerdigungsmethoden in den civilisirten
Staaten gibt es?
2) Wo finden sie sich und wie sind die klimatischen Verhältnisse
für die eine oder die andere beschaffen?
3) Welche Einrichtungen und Vorschriften bestehen für solche?
Wie äußern sich dieselben besonders in hygienischer Beziehung,
und welche haben sich bewährt?
4) Wie stehen die verschiedenen Methoden zu einander bezüglich
des Platzbedürfnisses pro gm. Bodengrundfläche und
dem Kostenpunkt nach, Lurusbauten ausgenommen.
5) Warum ist z. B. die italienische Art der Beisetzung in
Gaüerien-Cimeterien bei uns bis jetzt nicht eingeführt,
würden sie wohl auch für unsere Verhältnisse und unser
Klima geeignet sein, oder was steht ihrer Einführung entgegen
?
Herr Oberbaurath v. Egle ergreift zunächst das Wort und
verbreitet sich über die bezüglichen Einrichtungen der großartigen
und berühmten Friedhof-Anlagen zu Genua, Mailand und Bologna,
mit ihren Gräber-Anlagen mittelst Zellen, Grüften oder
Grabkapellen, die gewiß auch bei uns schon Eingang gefunden
hätten, wenn ihre Anlage nicht zu theuer wäre; v. Schlierholz
erwähnt auch italienischer einfacherer Anlagen von Cimeterien
sowie der Schachtanlagen aus dem alten Kirchhofe in Nürnberg.
Oberbaurath Brockmann erwähnt ähnlicher Anlagen in
seiner Vaterstadt Lübek, bei denen die Särge durch eiserne
Stangen über einander gesondert und getragen werden.
Baurath Günther wünscht, daß von einer weiteren eingehenderen
Behandlung der Frage abgesehen werde, da er die
Möglichkeit, der Pietät für die Verstorbenen in wünschenswerther
Weise Ausdruck zu verleihen, gefährdet sieht.
Die Versammlung befürwortet dagegen eine gründliche Bearbeitung
des immerhin interessanten Gegenstandes, und wählt
hiezu ein Comite, bestehend aus den Herrn: Oberbaurath v. Egle,
Baurath Wolfs, Prof. Walter und Tafel, Architekt C. Beck.
Der Vorsitzende und zugleich Antragsteller übernimmt es, die
genannten Herrn zu weiterer Behandlung einzuladen.
Sodann referirt Baumeister Knoblauch ausführlich über
die Denkschrift betreffend die Veröffentlichung der bedeutenderen
Bauwerke aus neuerer Zeit in Deutschland,
die sowohl im Interesse der Techniker, wie für das Allgemeine
vor allem dahin strebt, daß die Pläne eines jeden bedeutenden
Bauwerkes gesammelt, und von einer kurzen Beschreibung begleitet
werden, welche das Bauwerk in seinen wichtigsten Eigenthümlichkeiten
und die bei seiner Ausführung gemachtcn Erfahrungen
erläutern, und gipfelt diese Denkschrift in den 2 Sätzen:
1) Die betreffenden Behörden des Staats, der Provinzen, Städte,
Gemeinden, Private k. sind zu ersuchen, ihre Techniker
anzuweisen, schon während der Ausführung des Baues die
nöthigen Notirungen, Ausmessungen rc. vorzunehmen, um
nach Beendigung desselben genaue und vollständige, zur
Veröffentlichung geeignete Zeichnungen in kurzer Zeit vorlegen
zu können, begleitet von einer Beschreibung des
Baues und einer Zusammenstellung der dabei gemachten
Erfahrungen.
2) Besonders großartige oder besonders glänzend ausgestattete
Bauwerke sind womöglich in Monographien auf Kosten
oder unter namhafter Unterstützung der Bauherren ausführlich
und in einer der Bedeutung des Baues entsprechenden
Weise, mit möglichst vielen Details zu veröffentlichen,
wofür die Kosten im Anschlage vorzusehen sind. Bei
Bauten von geringerem Umfang wird in den meisten Fällen
die Mittheilung der Grundrisse, eines Durchschnitts, und
der Hauptansicht in kleinem Maßstabe, sowie der wichtigsten
Daten über Kosten, Bauart rc. genügen, wozu den technischen
Zeitschriften das Material unentgeltlich zur Verfügung
zu stellen ist; und gibt 2 Schema zu Tabellen,
das eine für Architekten, das andere für Ingenieure.
Der Vorsitzende bemerkt, daß die Denkschrift nur an die
betreffenden Behörden und Corporationen versendet werde, ebenso
die betr. Tabellen, wie bereits bemerkt, zur Ausfüllung an diejenigen
Baumeister, welchen das geeignete Material hiezu zu
Gebote steht, niit der Bitte, dasselbe in ihnen niederzulegen.
Endlich bittet er bei leider schon vorgeschrittener Zeit Herrn
Baurath Leib brand seinen angekündigten Vortrag über den dermaligen
Stand des Straßenbaues und der Straßenunterhaltung
in Baden, Elsaß, Hannover und Braunschweig zu halten.
Der Vortrag mußte sich beschränken auf die Staaten Baden
und Braunschweig, geschah aber wie in Beil. 2 derselbe gegeben
ist, in eingehendster Weise für diese Länder und wußte Redner
das gestellte Thema auch für Techniker anderer Branche durch
Einflechten erläuternder Bemerkungen und durch die frische Vortragsweise
höchst interessant und anziehend zu machen, so daß
der officielle Theil des Abends erst in später Stunde, 11 Vi Uhr,
nachdem Seitens des Vorsitzenden der gebührende Dank dem
Vorredner ausgedrückt worden, geschlossen werden konnte.
Schriftführer:
Seeger.
„Eine aus den 20. Dezember angesagte Versammlung war
wegen Festlichkeiten, die auf den gleichen Abend fielen, und wegen
Unwohlsein vieler Mitglieder, namentlich auch solcher, die für
diese Versammlung Mittheilungen zugesagt hatten, so wenig zahlreich
besucht, daß auf den Wunsch der Anwesenden der vorhandene
Berathungsstoff für die nächste Versammlung zurückgelegt
und eine förmliche Sitzung nicht eröffnet worden ist. Herr
Fabrikant A. Stotz zeigt indessen seine eigenen sehr interessanten
Thürbeschläge vor und auch an sonstigem Unterhaltnngsstoffe
fachlicher und nicht facklicher Art war kein Mangel."
— E. —