Volltext : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1879)

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bete  herbeizuführen  und  zur  Klärung  dieser  Frage  beizutragen,
weßhalb  er  sich  erlaube  nachstehende  Fragen  an  den  Verein  zu
richten,  und  um  gefällige  Behandlung  derselben  zu  bitten,  als:
1)  Welche  Arten  von  Beerdigungsmethoden  in  den  civilisirten
Staaten  gibt  es?
2)  Wo  finden  sie  sich  und  wie  sind  die  klimatischen  Verhältnisse ­
  für  die  eine  oder  die  andere  beschaffen?
3)  Welche  Einrichtungen  und  Vorschriften  bestehen  für  solche?
Wie  äußern  sich  dieselben  besonders  in  hygienischer  Beziehung, ­
  und  welche  haben  sich  bewährt?
4)  Wie  stehen  die  verschiedenen  Methoden  zu  einander  bezüglich ­
  des  Platzbedürfnisses  pro  gm.  Bodengrundfläche  und
dem  Kostenpunkt  nach,  Lurusbauten  ausgenommen.
5)  Warum  ist  z.  B.  die  italienische  Art  der  Beisetzung  in
Gaüerien-Cimeterien  bei  uns  bis  jetzt  nicht  eingeführt,
würden  sie  wohl  auch  für  unsere  Verhältnisse  und  unser
Klima  geeignet  sein,  oder  was  steht  ihrer  Einführung  entgegen ­
  ?
Herr  Oberbaurath  v.  Egle  ergreift  zunächst  das  Wort  und
verbreitet  sich  über  die  bezüglichen  Einrichtungen  der  großartigen
und  berühmten  Friedhof-Anlagen  zu  Genua,  Mailand  und  Bologna, ­
  mit  ihren  Gräber-Anlagen  mittelst  Zellen,  Grüften  oder
Grabkapellen,  die  gewiß  auch  bei  uns  schon  Eingang  gefunden
hätten,  wenn  ihre  Anlage  nicht  zu  theuer  wäre;  v.  Schlierholz
erwähnt  auch  italienischer  einfacherer  Anlagen  von  Cimeterien
sowie  der  Schachtanlagen  aus  dem  alten  Kirchhofe  in  Nürnberg.
Oberbaurath  Brockmann  erwähnt  ähnlicher  Anlagen  in
seiner  Vaterstadt  Lübek,  bei  denen  die  Särge  durch  eiserne
Stangen  über  einander  gesondert  und  getragen  werden.
Baurath  Günther  wünscht,  daß  von  einer  weiteren  eingehenderen ­
  Behandlung  der  Frage  abgesehen  werde,  da  er  die
Möglichkeit,  der  Pietät  für  die  Verstorbenen  in  wünschenswerther
Weise  Ausdruck  zu  verleihen,  gefährdet  sieht.
Die  Versammlung  befürwortet  dagegen  eine  gründliche  Bearbeitung ­
  des  immerhin  interessanten  Gegenstandes,  und  wählt
hiezu  ein  Comite,  bestehend  aus  den  Herrn:  Oberbaurath  v.  Egle,
Baurath  Wolfs,  Prof.  Walter  und  Tafel,  Architekt  C.  Beck.
Der  Vorsitzende  und  zugleich  Antragsteller  übernimmt  es,  die
genannten  Herrn  zu  weiterer  Behandlung  einzuladen.
Sodann  referirt  Baumeister  Knoblauch  ausführlich  über
die  Denkschrift  betreffend  die  Veröffentlichung  der  bedeutenderen ­
  Bauwerke  aus  neuerer  Zeit  in  Deutschland,
die  sowohl  im  Interesse  der  Techniker,  wie  für  das  Allgemeine
vor  allem  dahin  strebt,  daß  die  Pläne  eines  jeden  bedeutenden
Bauwerkes  gesammelt,  und  von  einer  kurzen  Beschreibung  begleitet ­
  werden,  welche  das  Bauwerk  in  seinen  wichtigsten  Eigenthümlichkeiten ­
  und  die  bei  seiner  Ausführung  gemachtcn  Erfahrungen ­
  erläutern,  und  gipfelt  diese  Denkschrift  in  den  2  Sätzen:
1)  Die  betreffenden  Behörden  des  Staats,  der  Provinzen,  Städte,
Gemeinden,  Private  k.  sind  zu  ersuchen,  ihre  Techniker
anzuweisen,  schon  während  der  Ausführung  des  Baues  die

nöthigen  Notirungen,  Ausmessungen  rc.  vorzunehmen,  um
nach  Beendigung  desselben  genaue  und  vollständige,  zur
Veröffentlichung  geeignete  Zeichnungen  in  kurzer  Zeit  vorlegen ­
  zu  können,  begleitet  von  einer  Beschreibung  des
Baues  und  einer  Zusammenstellung  der  dabei  gemachten
Erfahrungen.
2)  Besonders  großartige  oder  besonders  glänzend  ausgestattete
Bauwerke  sind  womöglich  in  Monographien  auf  Kosten
oder  unter  namhafter  Unterstützung  der  Bauherren  ausführlich ­
  und  in  einer  der  Bedeutung  des  Baues  entsprechenden ­
  Weise,  mit  möglichst  vielen  Details  zu  veröffentlichen, ­
  wofür  die  Kosten  im  Anschlage  vorzusehen  sind.  Bei
Bauten  von  geringerem  Umfang  wird  in  den  meisten  Fällen
die  Mittheilung  der  Grundrisse,  eines  Durchschnitts,  und
der  Hauptansicht  in  kleinem  Maßstabe,  sowie  der  wichtigsten
Daten  über  Kosten,  Bauart  rc.  genügen,  wozu  den  technischen ­
  Zeitschriften  das  Material  unentgeltlich  zur  Verfügung ­
  zu  stellen  ist;  und  gibt  2  Schema  zu  Tabellen,
das  eine  für  Architekten,  das  andere  für  Ingenieure.
Der  Vorsitzende  bemerkt,  daß  die  Denkschrift  nur  an  die
betreffenden  Behörden  und  Corporationen  versendet  werde,  ebenso
die  betr.  Tabellen,  wie  bereits  bemerkt,  zur  Ausfüllung  an  diejenigen ­
  Baumeister,  welchen  das  geeignete  Material  hiezu  zu
Gebote  steht,  niit  der  Bitte,  dasselbe  in  ihnen  niederzulegen.
Endlich  bittet  er  bei  leider  schon  vorgeschrittener  Zeit  Herrn
Baurath  Leib  brand  seinen  angekündigten  Vortrag  über  den  dermaligen
  Stand  des  Straßenbaues  und  der  Straßenunterhaltung
in  Baden,  Elsaß,  Hannover  und  Braunschweig  zu  halten.
Der  Vortrag  mußte  sich  beschränken  auf  die  Staaten  Baden
und  Braunschweig,  geschah  aber  wie  in  Beil.  2  derselbe  gegeben
ist,  in  eingehendster  Weise  für  diese  Länder  und  wußte  Redner
das  gestellte  Thema  auch  für  Techniker  anderer  Branche  durch
Einflechten  erläuternder  Bemerkungen  und  durch  die  frische  Vortragsweise ­
  höchst  interessant  und  anziehend  zu  machen,  so  daß
der  officielle  Theil  des  Abends  erst  in  später  Stunde,  11  Vi  Uhr,
nachdem  Seitens  des  Vorsitzenden  der  gebührende  Dank  dem
Vorredner  ausgedrückt  worden,  geschlossen  werden  konnte.
Schriftführer:
Seeger.
„Eine  aus  den  20.  Dezember  angesagte  Versammlung  war
wegen  Festlichkeiten,  die  auf  den  gleichen  Abend  fielen,  und  wegen
Unwohlsein  vieler  Mitglieder,  namentlich  auch  solcher,  die  für
diese  Versammlung  Mittheilungen  zugesagt  hatten,  so  wenig  zahlreich ­
  besucht,  daß  auf  den  Wunsch  der  Anwesenden  der  vorhandene ­
  Berathungsstoff  für  die  nächste  Versammlung  zurückgelegt
und  eine  förmliche  Sitzung  nicht  eröffnet  worden  ist.  Herr
Fabrikant  A.  Stotz  zeigt  indessen  seine  eigenen  sehr  interessanten
Thürbeschläge  vor  und  auch  an  sonstigem  Unterhaltnngsstoffe
fachlicher  und  nicht  facklicher  Art  war  kein  Mangel."
—  E.  —
            
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