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des Kassenbestandes und des voraussichtlichen Jahres 
abschlusses dazu erforderlich." 
gegenüber wie bisher: 
„Die Kosten der Wanderversammlung werden von den 
jedesmaligen Teilnehmern durch einen von dem Lokal-Komite 
vorher festzusetzenden und in der Einladung zur Versamm 
lung bekannt zu gebenden Beitrag gedeckt." 
Referent gibt einen Ueberblick über die Gestalt der Wander 
versammlungen von 1842 bis 1872 und die darauffolgende Ge 
neralversammlung des Verbandes seit 1872 und besonders über 
die seit 1862 erstmals in Hannover herausgegebenen Festschriften, 
welche bei den meisten Versammlungen zu Klagen über Defizits 
Veranlassung gaben und besonders die kleinen Vereine gegen die 
Uebernahme der Generalversammlungen einnahmen und habe der 
mittelrheinische Architekten- und Ingenieur-Verein schon in der 
Delegirten-Versammlung zu Heidelberg 1879 eine Aenderung in 
obigem Sinne beantragt, den Antrag aber wieder zurückgezogen. 
Er konstatirt ferner, daß für Wiesbaden sich ein Defizit von 
1400 c/k ergab und dieß ohne Verbandshilfe eine Abschreckung 
für kleinere Städte, die Generalversammlung aufzunehmen, bilde, 
und für den Verband und seine Zwecke schädlich werden müsse, 
daher er dem Antrage des mittelrheinischen Vereins 
beistimme. 
Baumeister Laistner bezweifelt, ob Bestimmungen darüber, 
was jeder einzelne Theilnehmer zu bezahlen habe, in die Ver 
bandsstatuten gehören und möchte den zweiten Passus des Darm 
städter Antrages gestrichen wissen, da er zu Mißverständnissen 
Anlaß geben könnte. 
Oberbaurath v. Egle sagt, der Wortlaut dieser Statuten 
änderung sei der gleiche, wie bei dem Verein deutscher Ingenieure, 
habe sich dort bewährt und gewähre dem einzelnen Mitglied viel 
inehr Freiheit in der Wahl seiner Vergnügungen auf den Wander 
versammlungen als bisher: er finde deshalb diese Bestimmung 
unbedenklich. 
Oberbaurath v. Schlierholz erläutert den Unterschied 
gegen bisher und befürwortet die geplante Statutenänderung 
ebenfalls. 
Der Antrag v. Egle's wird fast einstimmig angenommen. 
Sodann geht v. Egle über zu einem zweiten Referat be 
treffend die Ulm er Münsterb aufrage. 
Es ist ein Schreiben des Verbandsvorstands eingelaufen, 
mit der Anfrage, ob der württ. Verein schon irgend welche offi 
zielle Schritte gethan habe, um den Beschluß der Wiesbadener 
Versammlung zur Ausführung zu bringen, nach welchem der 
Ausbau und die Restauration des Ulmer Münsters als nationale 
Aufgabe ersaßt und durch eine über ganz Deutschland verbreitete 
Lotterie gefördert werden soll. 
Der Vorort erbittet sich Vorschläge, wie dieser Beschluß in 
Ausführung gebracht werden solle. 
v. Egle hält es zunächst für die Aufgabe des Münsterbau- 
Komite's, resp. des Ulmer Stiftungsraths, aus den Beschlüssen 
der Wiesbadener Versammlung Kapital zu schlagen. Redner und 
der verstorbene Münsterbaumeister Scheu haben jene Beschlüsse 
den: Münsterbau-Komite mitgetheilt und dieses hat sich in be 
sonderen Eingaben an Se. Majestät den Deutschen Kaiser und 
König von Preußen wie an das preußische Ministerium des 
Innern gewandt mit der Bitte, die Ulmer Münsterbaulotterie in 
Preußen zuzulassen, wie dies in Bayern schon längst geschehen 
sei. Da keine Behörde existire, welche die Zulassung der Lotterie 
in ganz Deutschland dekretiren könne, so sei der Weg an die 
Einzelstaaten das einzig Richtige, und wenn erst Preußen zuge 
stimmt habe, werden die andern Staaten zweifellos bald nach 
folgen. Redner glaubt, daß wenn für Ulm 3 Lotteriejahre im 
Umfang der Kölner Dombaulotterie erreicht werden, die Mittel 
zum Ausbau des Westthurms gesichert seien. Die Kosten dieses 
Ausbaues werden etwa I V« Millionen M. betragen, die Unter 
suchung der Fundamente und des Baugrundes haben ergeben, 
daß keine Bedenken gegen einen Ausbau vorliegen. 
Oberbaurath v. Schlierholz findet diese Kosten sehr 
mäßig. Er sei bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin vielfach 
darüber interpellirt worden, warum unser Verein nicht energischer 
sich für die Sache rühre; es sei dies aber durchaus nicht nöthig, 
da die Sache in so guten Händen ruhe und ein so hervorragen 
des Mitglied des Bauvereins auch zugleich im Münsterbau-Komite 
wirke, das zunächst ganz die richtigen Schritte gewählt habe. 
Baurath Rheinhard spendet der Thätigkeit des Münster- 
bau-Komite's alles Lob und wünscht dies in der Antwort au den 
Verband besonders hervorgehoben, uni die leise Anschuldigung, 
die in dem Schreiben des Vororts enthalten sei, als ob unser 
Verein nicht genug gethan habe, zurückzuweisen. 
Hierauf ertheilt der Vorsitzende das Wort: 
Herrn Oberbaurath v. Hänel zu einem Vortrag über die 
Uferschutz- und Entwässerungsbauten von Holland. Die sehr in 
teressanten Mittheilungen werden durch zahlreiche Karten und 
Tafelseizzen erläutert und mit einer kurzen Schilderung seiner 
Reiseeindrücke über die Hochbauten, die bei dem schlechten Bau 
grund oft auf Pfählen bis zu 25 in Tiefe ruhen und häufig 
ganz aus dem Senkel kommen, weshalb Steinbauten sich weniger 
eignen als Holzbauten, sowie über Land und Leute in den Nieder 
landen geschlossen (im Weiteren siehe Beilage 3). 
Der Vorsitzende dankt dem Redner unter lebhaftem Applaus 
der Versammlung für das Gehörte und hofft, daß er im nächsten 
Semester den Verein mit den heute wegen vorgeschrittener Zeit 
weggelassenen Mittheilungen über die Brückenbauten Hollands 
erfreuen werde. 
Beini Vereinsvorstand ist von Hof-Optikus F. Haber 
bosch von Sigmaringen eine Anfrage eingelaufen: Welches sind 
die bestgeeigneten Mittel zur Verhütung feuchter Wände? 
Der Vorsitzende theilt über den Anstrichkitt von Jakob 
Weis sang mit, daß hierüber ein sehr günstiges Zeugniß der 
Garnisonskommandantur in Karlsruhe vorläge. Er habe die 
Frage an Herrn Kriegsbaurath B o k gesendet, welcher mittheilt, 
daß er fraglichen Kitt noch nicht angewendet habe und daß stets 
das einzige und beste Mittel sei, von Feuchtigkeit und Salpeter 
ergriffene Mauern nebst allem was hiezu beitrug zu entfernen 
und diese in rationeller Weise wieder herzustellen. 
Baumeister Schaupert hat mit Plutinaanstrichniasse von 
Rometsch u. Cie. in Kitzingen an seinem Hause gute Erfahr 
ungen gemacht, nur müsse vor Aufbringung des Anstrichs die 
Wand getrocknet werden. 
Oberbaurath v. Schlierholz hält keine Anstrichmasse für 
fähig, die Innenfläche einer feuchten Wand auf die Dauer trocken 
zu erhalten, so lange die Ursache des Eindringens der Feuchtig 
keit nicht beseitigt sei. Als bestes Mittel empfehle sich das Ab 
reißen der betr. Wände und Neuherstellung mit geeigneten Jsolir- 
mitteln nebst rationelleni Wasserabflüsse. 
Architekt Gerok und Professor Walter unterstützen diese 
Ansicht. Letzterer hat mit Platinamasse schlechte Erfahrungen 
gemacht, die Feuchtigkeit einer Wand habe Anlaß zu Pilzbildungen 
gegeben und hiedurch sei die Anstrichmasse alsbald weggeschoben 
worden. 
Baumeister Bälz hat von seinem Bruder in England ge 
hört, daß dort ein Lack fabrizirt werde, der in Frankreich und 
England mit Erfolg verwendet werde. Nähere Daten stehen 
ihni nicht zu Gebote, er wolle sich aber informiren und später 
darüber Mittheilungen machen. 
Nunmehr refcrirt der Vorsitzende über den internationalen 
Jndustrieschutz und die Anfrage des Verbands, ob die An 
gelegenheit dringend sei und ob der bisherige Etatssatz von 
500 Ji für einen Delegirten zu etwaigen Kongressen des Ver 
bandes deutscher Industrieller beibehalten werden solle. Die zur 
Berathung niedergesetzte Kommission ist wegen Verhinderung der 
Mitglieder nicht zusamniengetreten; der Vorsitzende Regieruugs- 
rath Dieffenbach hat aber sein Gutachten schriftlich eingereicht, 
dahin lautend, die Frage sei keineswegs dringlich, der Etatssatz 
von 500 M. soll aber beibehalten werden. 
Diese Anträge werden einstimmig angenommen. 
Schließlich erbittet der Vorsitzende für den Ausschuß die 
Ermächtigung, etwaige Einläufe und Verbandsangelegenheiten 
während der Ferien zu erledigen, was keinen Widerspruch findet,
        

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