Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1881)

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manchmal billiger sei als dieser (es kosten 50 Kg Tripolith 
Bahnhof Mannheim Nr. I für Stückarbeiten 3 M. 80 zu 
Bauzwecken 1 M. 95). 
Das Gewicht frisch gegossen bei gleichem Volumen ist 
bei Gips 604 g, nach 5 Wochen 470 g 
„ Tripolith 568 g, „5 „ 413 g 
daher letzterer um ca. 12 “/<, leichter, und so auch weniger Tripo 
lith als Gips nöthig. 
Ein unglücklicher Zufall in Berlin gab in neuester Zeit 
Veranlassung zu der Entdeckung, daß Tripolith ein vorzügliches 
Verbandmittel sei, wodurch jetzt schon durch denselben in den 
meisten Spitälern der civllisirten Welt der Gips verdrängt wurde. 
Ein Agent von Tripolith erlitt nemlich einen Armbruch, 
wobei derselbe seinen Arzt auf die Bindekraft dieses Materials 
aufmerksam machte, der ihn anwandte und dessen Vorzüglichkeit 
erkannte. 
Der berühmte Professor v. Langende ck, Generalarzt und 
geh. Obermedicinalrath in Berlin bemächtigte sich alsbald dieses 
Mittels und hielt den 3. November vorigen Jahres hierüber in 
der medicinischen Gesellschaft in Berlin einen sehr interessanten 
Vortrag, in welchem er den großen Vorzug des Tripoliths vor 
Gips zu Verbänden nachwies; er sagte: 
1. Tripolith nimmt aus der Lust weniger Feuchtigkeit auf 
als Gips und verliert mit dieser Berührung nichts an seiner 
Bindekraft; 
2. Tripolith sei um 12—14 °/„ leichter als Gips; 
3. er erhärte schneller, als solcher, schon in 3—5 Minuten, 
gebe längere Zeit Wasser ab und sei nach 24 Stunden noch 
feucht anzufühlen; 
4. einmal erhärtet und trocken nehme Tripolith-Verband kein 
Wasser mehr auf; 
5. sei Tripolith (das leg um etwa 4 billiger als Gips. 
v. Langenbeck resumirt nun, daß Tripolith genannter Vorzüge 
wegen ebenso für Bauzwecke werde angewendet werden können, 
und er gwiß auch in dieser Richtung eine große Zukunft habe, 
ja selbst dem theuren Cement werde Concurrenz machen können. 
Indeß ist über dieses Material vielfach auch schon in technischen 
Blättern und wie im 3. Hefte der neuesten Erfindungen und 
Erfahrungen von Dr. Kolter, in Nr. 8 und 12 der Bauge 
werbezeitung, Rombergs Zeitschrift Nr. 4 1881 geschrieben, 
und in Vereinen geredet, behauptet und auch durch Versuche 
constatirt worden, daß Tripolith, der in Säcken ä 50 kg, die 
vor Feuchtigkeit zu schützen sind, versandt wird, für Baugewerbe 
1. hinsichtlich seiner Eigenschaft zwischen Gips und Cement 
steht, mit dem Vortheile des ersteren eine ungemeine Härte ver 
binde, und mit der Zeit eine stets größere Widerstandsfähigkeit 
gegen alle Witterungseinflüsse gewinne, 
2. seine Bindekraft die von Gips und Cement übertreffen 
soll, welche für eine Zeit von 4 und 15 Minuten durch Mehr 
oder Minderzusatz von Leiniwasser regillirt werden könne, auch 
sei die Behandlung eine leichtere und geschmeidigere als bei Gips, 
dieser jedenfalls gleichkonnne, 
3. bezüglich der Verarbeitung wenigstens gleiche Resultate 
erzielt werden-, als bei Gips und Cement, und Tripolith schneller 
trocknet als Gips, im Wasser nicht zerfällt sondern fest bleibt, 
4. in jede Art Modelle gegossen werden kann, seien diese 
aus Metall, Gips, Lehn: oder Gelatin re. rc.. wobei die Abgüsse 
desto fester werden, je dicker Tripolith angerührt werde, weiches 
Wasser besser als hartes sei, dessen Verhältniß zur Blasse für 
Kunstguß zu 3: 5 angegeben wird, und dergleichen Güsse je nach 
der Consistenz der Masse nach 6 bis 10 Minuten aus der Form 
gebracht werden können und soll ein solcher Guß selbst in frischem 
Zustande nicht verfrieren. 
5. ein leichteres Produkt gibt, als ein solches von Gips, 
ausgetrocknete Gegenstände mit Oelanstrich versehen, im Wasser 
sogar schwimmen, 
6. Die Farbtöne werden wärmer, mehrmalige Anstriche 
gewähren den betreffenden Tripolith-Gegenständen größere Festig 
keit, und hastet jede Art Farbenansttich, Marmorirung, Lackirung 
gut auf denselben, auch ertragen solche Abwaschungen mit Lauge 
und Seife, 
7. Tripolith treibt nicht, 
8. bezüglich der Festigkeit: durch Zerreißungsproben ergab 
sich pro qcm: nach Oberbaurath L. Esch roth in Eisenach, im 
Mittel bei Gips 11—13 kg, bei Tripolith in 2 bis 4 Monaten 
22—25 kg, hienach Tripolith um ca. 100 °/„ fester wäre als 
Gips, und die des ersteren mit dem Mer zunehmen soll. 
9. Derselbe hält einen hohen Grad von Erhitzung aus; 
v. Schenk setzte ein Tripolithgußstück 2 Stunden einer Hitze von 
180 u Celsius aus, wobei nur die Kanten etwas angegriffen 
wurden, im übrigen aber ein hohe Erhärtung verblieb, 
10. er verbindet sich auf Kalk, Gips, Cement, Lehm, Stein, 
Holz, Eisen, wobei Steinflächen vor dem Auftragen rauh zu 
machen und anzunässen sind, 
11. ist er bis jetzt vorzugsweise zu Putz-, Zug- und Guß- 
Arbeiten, zu Bau- und Ornamenten-Guß, sowohl für das Innere, 
wie das Aeußere verwendet worden, soll aber auch als gewöhn- 
liches Bindemittel statt Mörtel dienen, wofür und für Putz-Arbeiten 
nachstehende Mischungen vorgeschlagen werden: 
I. V, Tripolith mit V 2 feinem Sand 
II. Va „ „ „ „ «/, Kalk 
III. V 3 „ „ 2 / 3 grobem gewaschenem Flußsand. 
IV. V, „ „ V, Kalk. 
und zwar für wasser- und feuerfesten Putz I und III, wobei ein 
Naßhalten nicht nöthig, auch Wind- und Haar-Risse nicht zu 
befürchten seien. 
In Weiterem wird behauptet, daß Tripolith auch Verwendung 
finden könne zu Beton, für Fundirungen, Mauern. Gewölbe, 
Brücken, Abtritttröge, Pissoirs, Bassins, zu Estrichböden, zu 
Bodenplatten, zu Carton pierro re. 
Alle die Behauptungen, Bestätigungen und Meinungen könnten 
glauben machen, daß jetzt schon in baulicher Beziehung dem Gips 
und Cement mit dem jungen Material der Krieg erklärt wäre. 
Auf dem chirurgischen Gebiete hat Tripolith den Sieg bereits errungen, 
auf dem baulichen sind aber noch zu wenig Erfahrungen über 
die Ausdehnung seiner Anwendung vorhanden, von mancher Seite 
wird behauptet, selbst zu Verputz-Arbeiten im Freien biete der 
selbe durch eine größere Porosität als Gipsmörtel, den Witterungs 
Einflüssen zu viele Angriffspunkte, und sauge ein solcher Verputz 
zu viel Wasser an, wenn nicht ein guter Anstrich hievor schütze, 
und wäre hierüber noch längere Zeit des Verhaltens abzuwarten, 
was allerdings gegen den Punkt 1 oben, sprechen würde. Indeß 
dürfte aber jetzt schon fest stehen, daß wir es mit einem Materiale 
zu thun haben, welches durch viele seiner Vorzüge für bauliche 
Zwecke aller Achtung werth ist und diese verdient. Daß nun 
frei von Vorurtheilen, Versuche in erweitertem Maßstabe und 
bei rationeller Behandlung gemacht werden, habe ich für diesen 
Zweck die vorstehenden Mittheilungen gemacht, mit dem Wunsche, 
es möchten die Herren Kollegen in ihrem Wirkungskreise den: 
Tripolith ihre Aufmerksamkeit schenken, und über die erhaltenen 
Resultate dem Vereine Mittheilung machen.
	        

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