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und Externenverkehr nach jeder Bahnrichtung (nicht für jede 
Bahn) ein besonderer Perron vorhanden ist. 
Der Zugang zn den Perrons erfolgt für Personen und Ge 
bäck durch Tunnels, deren Anlage durch die hohe Lage der 
Geleise über Straßenniveau sich ganz naturgemäß ergiebt, und 
liegt der Zugangstunnel unter dem westlichen (linkseitigen), der 
Abgaugstuunel unter dem östlichen (rechtseitigen) Perron. Ein 
dritter mittlerer Tunnel dient für den Verkehr von Perron zu 
Perron behufs liebergang von den Externen- zu den Lokalzügen. 
Für Externzüge liegt das Ankunftsvestibül auf derselben Seite 
wie das Abgangsvestibül. Der Lokalverkehr hat seinen Ausgang 
auf der gegenüberliegenden Seite. Das Gepäck wird zu ebener 
Erde aufgegeben, mittelst besonderen Tunnels unter die Trottoirs 
geschafft und hier mittelst hydraulischer Aufzüge auf den 
Perron befördert. Der Betrieb derselben ist sehr intereffant. Die 
Dampfmaschinen, welche zu den Aufzügen das Speisewasser liefern, 
rücken sich selbstthätig ein und aus je nach dem Stande des 
Akkumulators. Sobald der Triebkolben unter eine gewisse Höhe 
sinkt, beginnt die Dampfmaschine wieder zu arbeiten. 
Der Transport des Gepäcks im Souterrain geschieht in ver 
tieften Rinnen auf kleinen Rollwagen, das Geräusch ist sehr un 
angenehm. Schließlich ist noch zu bemerken, daß zwischen den 
Externperrons ein besonderes Geleisepaar mit Perron für das 
Eilgut gelegen ist. Vorerst wird das Eilgut im Gebäude an 
genommen und mittelst Aufzügen noch oben befördert. Später 
wird aber ein besonderer Eilgutschuppen auf der Höhe der 
Schienen errichtet und eine Auffahrtsrampe für das gewöhnliche 
Fuhrwerk hergestellt, weil die hyd. Aufzüge für Eilgüter viel zu 
unbequem sinv. 
Noch interessanter soll der Anschlußbahnhof in Charlottenburg 
werden, weil hier jede der einmündenden Bahnen ein besonderes 
Trottoir erhält. Bis jetzt ist aber an demselben noch nichts be 
gonnen, ja nicht einmal die Projekte sind definitiv festgestellt. 
Als Beispiel eines Zwischenbahnhofs mag noch die Haltstelle 
bei dem Schloß Bellevue erwähnt werden. Halle mit Bogen 
träger und Sehnen, koniplizirte Treppenanlagen zum Aufgang 
aus den Perron. 
Beil. 3., zur 10. Versammlung. 
Mittheilungen 
über 
Wasserbauten in den Wieöertanöen 
'von Oberbaurath Prof. v. Hälic!?) 
II. Küstenschutz. 
Die Niederlande sind offenbar ein Alluvialgebilde der neuesten 
geologischen Epoche, entstanden aus den abgelagerten Geschieben 
der dort mündenden Ströme: Rhein, Maas und Schelde. Auf 
fällig ist, daß diese Ablagerungen, die sich nur in ruhigerem 
Wasser gebildet haben können, seit den geschichtlichen Zeiten dem 
Abbruch durch das Meer ausgesetzt sind und nur mit Mühe da 
gegen geschützt werden können. 
Die Ursache dieses Umschwunges der Verhältnisse ist offen 
bar der Durchbruch der Meerenge von Calais gewesen, 
welcher in einer zwar vorgeschichtlichen, aber geologisch sehr mo 
dernen Zeit stattgefundeil haben muß, und welcher die heutige 
Nordsee aus einein, nur nach Norden geöffneten, ruhigen Meer- 
buscn mit kaum merklichem Fluthwechsel an der dortigen Küste, 
in ein bewegtes Meer mit hohem, durch die neue Oeffnnng ein 
tretenden Wellenschlag und Fluthwechsel umgewandelt hat. 
In Folge dieses Ereignisses mußten jene Ablagerungen in 
ihrer weiteren Ausbildung gestört und die ganze Küste dem 
Abbruch ausgesetzt werden, dessen Material nebst den neu hinzu 
kommenden Flußgeschieben durch die Fluthströmung längs der 
Küste nach Norden bewegt und theils auf dem Meeresgrunde 
zerstreut, theils durch die vereinigte Wirkung der Wellen und 
Winde als Dünenkette angehäuft wurde. Letztere begrenzt die 
ganze niederländische Küste, und zwar ohne Unterbrechung die 
Strecke zwischen den Mündungen der großen Flüsse und dem 
Helder, an der Nordspitze von Holland.*) **) 
*) Dieser Vortrag ist als Fortsetzung zu dem am 18. Dezbr. 1880 
gehaltenen zn betrachten, ans welchen sich Beilage 6, S. 20 des letzten 
Protokollhefles bezieht. — In diese Beilage haben sich einige Druckfehler 
eingeschlichen: insbesondere ist zn lesen ans Seite 21, Spalte 1, Zeile 8 von 
unten: „3,5“ statt „35“, ans Seite 21, Spalte 2, Zeile 15 von oben: 
„Bankünde“ statt „Bauwesen“, auf Seite 23, Spalte 1, Zeile 22 von 
unten: „somit“ statt „lediglich“. 
**) Die ausfällig regelmäßige und stetige Form dieser Küstenstrecke 
ist offenbar eine Folge jener theils abbrechenden, theils anschwemmenden 
Diese Dünen sind Hügel aus reinem vom Meere ausge 
waschenen Sande, meist 10—20 m hoch, von mannigfach ge 
zackter, oft abenteuerlicher Form, ivelche an die der Schneewehen 
erinnert. Sie bilden mit dem davorliegenden, nach der See sanft 
(nicht steiler als etwa 5 °/o) abfallenden Strande einen kräftigen 
Schutz für das dahinter liegende Land, sowohl gegen den Ein- 
Thätigkeit des Meeres, welche die Vorsprünge abgeebnet, die Buchten und 
Flußmündungen ausgefüllt hat. Es hängt hiemit auch das Fortschreiten 
dieser Mündungen in südwestlicher Richtung zusammen, welches sich seit 
der geschichtlichen Zeit verfolgen läßt. Während der römischen Herrschaft 
befand sich nämlich die nördlichste und östlichste Rheinmündnng (Ostium 
Rheni orientum) wahrscheinlich zwischen den heutigen Inseln Vlieland 
und Terschelling, welche mit den anderen friesischen Inseln damals die 
Küste des Kontinents bildeten, während die Zniderjee (Flevo lacns) ein 
vollständiger Binnensee ivar. Diese Mündung ist durch die, in Folge fort 
gesetzten Küstenabbrnchs im 13. Jahrhundert herbeigeführte Bereinigung 
der Znidersee mit der iliordsce weggefallen. Eine zweite, mehr untergeordnete 
Mündung befand sich bei Petten, südlich vom Helder: sie ist längst ver 
sandet und nur noch an einer schwachen Stelle des Dünendammes zn 
erkennen. Weiter südlich, Leyden gegenüber, folgte die mittlere oder Hanpi- 
mündnng des Rheins (Ostium Rheni medium), welche jetzt ebenfalls ver-' 
fandet ist und nur mit Mühe zur Entwässerung des Rheinlandcs durch 
die Schlenßen von Katwyk offen gehalten werden kann. Die letzte da 
malige Rheinmündung (Ostium Rheni oevidentnm) entspricht in ihrer 
Lage ungefähr der heutigen Maasmündung und scheint auch den größter! 
Theil des Maas- und Scheldewassers abgeführt zu haben, während weiter 
südlich nur seichte Mündungen zwischen zahlreiche» Inseln vorhanden waren. 
Heutzutage ist die letzterwähnte südlichste Hanptmündung zur nördlichsten 
geworden; sie ist die wenigst ergiebige und schwer gegen Versandung zu 
schützen, während das meiste Wasser durch das südlichere Hollandsdiep ab 
fließt,^ die noch südlichere Scheldemündnng aber ganz isolirt und am 
wenigsten der Versandung ausgesetzt ist. Man erkennt also deutlich ein 
Südwestwärtsrücken der Flustniündungen, welches sich einestheils durch die 
schon erwähnte nordöstliche Bewegung des Ablagernngsmatcrials durch die 
Fluthströmung erklärt und. durch die Zunahme der Materialmenge in der 
selben Richtung, besonders von den Flußmündungen an, anderntheils aber 
wohl auch durch den im Süden größeren Fluthwechsel, der in den dortigen 
Mündungen eine kräftigere Strömung und Spülung erzeugt als in den 
weiter nördlich gelegenen. (Vgl. den Vortrag vom 18. Dezbr., insbesondcle 
das dort über die Fluthverhältnisse Antwerpens Gesagte.)
        

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