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Schrift von Lulolfs, aus dem Jahre 1759, zu durchschnittlich 
45 cm in jedem Jahrhundert angegeben, seit dem 13., in welchem 
sowohl der Durchbruch zwischen der Zuidersee und dem Meere 
und in Folge dessen wohl die Herstellung von Deichen längs der 
Zuidersee, als auch die Eindeichung der großen Fliisse stattgefunden 
hat. Im fünfzehnten Jahrhundert war die Bodensenkung bereits 
so weit gediehen, daß statt des früheren natürlichen Abflusses das 
Wasser aus einzelnen Entwässerungsgräben künstlich gehoben werden 
mußte und die ersten Windmühlen zu dieseni Zwecke ausgestellt 
wurden. Heutzutage liegt die ursprüngliche Terrainfläche 0,8 in 
bis 2 in unter AP, so daß die Nothwendigkeit der Wasserhebung 
in den nördlichen Provinzen ganz allgemein geworden ist. 
Diese eingedeichten und künstlich entwässerten Ländereien, 
welche bekanntlich Polder genannt werden, haben seit Jahr 
hunderten einen beträchtlichen Zuwachs erhalten durch Eindeichung 
auch solcher Flächen, die ursprünglich voni Wasser bedeckt waren. 
Dahin gehören einerseits die durch den Schlamni der Zuidersee 
emporgewachsenen Wattflächen (Höhenlage 50 cm bis 80 em — 
AP) durch deren Beiziehuvg die Ostküste und Nordküste der Pro 
vinzen Nordholland bezw. Utrecht seewärts vorgeschoben worden 
sind, andererseits die früheren zahlreichen Binnenseen, dort „Meere" 
genannt, welche in Südi,olland meist durch Ausbeutung des Torfes 
als Brennmaterial, in Nordholland wohl mehr durch natürliche 
Ursachen entstanden sind und durch Uferabbruch immer mehr sich 
vergrößert haben. Seit dem 17. Jahrhundert sind gegen 100000 ha 
dieser Meere trocken gelegt worden, und sind solche Unternehmungen 
deßwegen besonders lohnend, weil die das Seebett bildende Thon 
schicht viel fruchtbarer ist, als der darüberliegende Torf. Be 
sonders bemerkenswerthe Polder dieser Art sind aus früherer 
Zeit der Beemster (6500 Im groß, trockengelegt Anno 1608—1612), 
der Purmer, der Schermer, alle in Nordholland; aus neuer Zeit 
der Zuidplas bei Rotterdam (4600 ha enthaltend, um 1840 
trockengelegt) und als der größte der Harlemermeerpolder (18100 ha, 
bis Anno 1852). Auch das 14 bei Amsterdam, welches beim 
Bau des Nordseekanals bis 1876 trockengelegt worden ist (5000 Im), 
kann hieher gerechnet werden, obwohl es kein ganz geschlossener 
Binnensee war, sondern bei Amsterdam mit der Zuidersee zu 
sammenhing. Die Einpolderung solcher „Meere" ist besonders 
interessant, weil es sich dabei um größere Hubhöhen handelt, als 
bei anderen Poldern. Im Harlemermeer beträgt dieselbe z. B. 
ca. 4,50 in, im Zuidplas sogar 6 m. — 
Jeder Polder, welcher Art er auch sein möge, wird von 
einem Deiche umschlossen, der das fremde Wasser abhält. Un 
mittelbar außerhalb und längs dieses Deiches befindet sich ein 
Kanal, Gürtelkanal genannt, welcher sowohl als „Busen," 
nämlich als Behälter für das ausgeschöpfte Wasser, als auch zur 
Schiffahrt dient. Der Wasserstand in diesem Busen richtet sich 
nach der Art der Weiterbeförderung des Wassers, welches ent 
weder nüt Gefäll abfließt oder nochmals gehoben werden muß; und 
zwar wird letzterenfalls jener Busen zum Vorbusen, während 
der Hauptbusen höher liegt. Der zuläßig höchste Wasserstand 
im Busen (Mahlpeil), bei dessen Erreichung die Schöpfmaschinen 
aufhören müssen zu arbeiten, ist u. A. abhängig von den etwa 
mit natürlichem Gefäll dahin entwässernden Poldern. Die Polder 
fläche selbst ist nüt einem System von Entwässerungsgräben, meist 
ein Rechtecksnetz bildend, durchzogen, in welchen der Wasserstand 
in einer nach der Culturart verschiedenen Tiefe unter dem Terrain 
erhalten wird (Sommerpeil), nämlich 30—45 ein tief für Wiesen, 
75 ein für Getreidebau, 1,25 in für Obstbaumzucht. Die Differenz 
zwischen Mahlpeil und Sommerpeil ist gleich der Hubhöhe und 
beträgt bei den gewöhnlichen Poldern oft nur 1 in, bei den 
Meerpoldern aber bis 5 in und inehr (s. oben). Zwischen den 
Entwässerungsgräben, deren Dimensionen sehr verschieden sind, 
und wovon die größeren auch zur Schiffahrt dienen, liegen recht 
eckige Beete, von 100 bis 150 in, oft aber auch geringerer 
Breite, indem nach Bedarf zwischen die Hauptgräben noch Gräben 
untergeordneter Art eingelegt werden.*) 
*) Die Abfluß- und Rechtsverhältnisse der Polder sind oft sehr kom- 
plizirt, besonders in den Gegenden, wo viele Polder aus verschiedenen 
Tie bewegende Kraft zur Ausschöpfung der Polder war 
früher ausschließlich der Wind, ivelcher bekanntlich dort viel stetiger 
weht, als bei uns in Süddeutschland. Die dazu verwendeten 
Windmühlen größerer Dimension haben 10—15 m Flügellänge 
(also 20—30 m Ruthenlänge) und arbeiten mit durchschnittlich 
etwa 12 Pferdestärken, haben aber erfahrungsmäßig im Jahre 
nur 200—230 Tage lang (V, der ganzen Zeit) hinreichenden 
Wind, um nicht stillzustehen. Wegen der hiemit verbundenen 
Unsicherheit im Betrieb müssen sowohl die Entwässerungsgräben 
der Polder, als auch die Busen eine größere Oberfläche erhalten, 
damit jene nicht beim Stillstände der Mühlen, diese nicht während 
deren Arbeit überfüllt werden. Da hiedurch an nutzbarer Terrain 
fläche erheblich verloren geht, so hat man neuerdings angefangen 
dem Winde die Dampfkraft vorzuziehen, welche zwar an sich 
theurer ist, aber aus dem ebenerwähnten Grunde unter Umständen 
doch wohlfeiler zu stehen kommt und bei zunehmender Vervoll- 
konlnmung der Dampfmaschinen und Erhöhung der Güterpreise 
die Windmühlen immer mehr zu verdrängen droht. Bei An 
wendung von Dampfkraft rechnet man 12 effektive Pferdestärken 
auf je 1000 ha trockenzuhaltender Flüche bei 1 in Hubhöhe, 
ferner 70—80 Maschinenarbeitstage im Jahr, und für die Oberfläche 
sämmtlicher Entwässerungskanäle der gesummten Polderslüche. 
Bei Verwendung von Windmühlen hingegen kann man auf 
12 Pferdestärken bei 1 in Hubhöhe nur 600 ha Terrainfläche 
rechnen und muß für die Entwässerungsgräben '/, „ der Polderfläche 
annehmen. 
Als Wasserhebemaschinen dienten früher bei Hubhöhen von 
nur 1—2 in allgemein hölzerne Schöpfräder (auch Wurfräder, 
Schaufelräder genannt), nämlich Kropfräder, welche den Motoren 
gleichen Namens gerade entgegengesetzt wirken; bei Hubhöhen von 
2-3,50 in wurden Archimedesschnecken angewendet, und bei 
noch größeren Höhen wurden solche Schnecken in 2 Etagen oder 
Schöpfräder in 3—4 Etagen übereinander gestellt, mit entsprechen 
den Zwischenbusen (z. B im Zuidplas sind 4 Etagen vorhanden). 
Neuerdings sind diese älteren Maschinen mehr und mehr 
verdrängt worden durch das Overmars'sche Pnmprad 
(vergl. u. A. Zeitschr. für Bauwesen, Jahrgang 1872), gleich 
sam eine verbesserte, in Eisen ausgeführte Auflage des alten 
Schöpfrads, mit dichtschließendem Kropf, 4—5 m Hubhöhe und 
bis 90 °l 0 Nutzeffekt. Bei Dampfbetrieb ist auch die Centrifu- 
galpumpe ein neuerdings beliebtes Schöpfwerk, aber für Wind 
betrieb nicht brauchbar, weil eine bestimmte Umdrehungsge 
schwindigkeit dabei erforderlich ist. In selteneren Fällen sind auch 
eigentliche Kolbenpumpen angewendet worden; so am Harlemenneer. 
Die Verwaltung der Polder ist ganz selbständig durch Be 
hörden, welche von den Poldergemeinden gewählt werden und an 
deren Spitze der Deichgraf steht. Sie hängt in weiterer Instanz 
nur von den Provinzialbehörden ab, während die Staatsregierung 
fast gar nichts dabei zu sagen und sich nur die Bestätigung der 
Deichgrafen für Polder von über 3000 ha Grundfläche vorbehalten 
hat. Die gemeinschaftlichen Kosten, von denen ein namhafter 
Theil die Unterhaltung der verschiedenen technischen Anlagen und 
eventuell den Dampfbetrieb betrifft, werden durch Umlagen oder 
Anlehen gedeckt. — 
Zur Erläuterung des bisher Gesagten gibt der Vortragende 
einige Notizen über den Harlemermeerpolder, die er 
großentheils deni Deichgrafen, Herrn van der Polle in Harlem 
zu verdanken hat, der auch die Güte hatte, ihn zum Polder selbst 
zu begleiten und ihm die nächstgelegene, gerade arbeitende Schöpf 
maschine „Cruquius" zu zeigen.*) Dieser Polder hat 18100 Ina, 
Grundfläche und ist durch Trockenlegung eines Meeres von gegen 
Zeiten neben einander liegen. Dies hat die dortige Regierung veranlaßt, 
eine „SBatevstaatSfarte“ im Maßstabe von 1 : 50000 und in ca. 
180 Blatt erscheinen zu lassen, wovon der Vortragende eines vorzeigt. 
Näheres über die Einrichtung dieses werthvollen Kartenwerkes ist in der 
Zeitschrift für Baukunde, Jahrgang 1880 (Aufsatz v. Sonue in Darmstadt) 
zu finden. 
*) Vgl. auch Stonn-Buysing’s Wasserbankunde und den Auszug 
daraus in der Zeitschrift des Hannoverischen Architekten- und Ingenieur- 
vereins, Jahrgang 1865.
        

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