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3,50 ra mittlerer, über 4 m größter Wassertiefe entstanden. Diese 
Arbeit ist in den Jahren 1848—52 durch den Staat ausgeführt 
worden, nachdeni die Vorbereitungen dazu, insbesondere auch die 
Herstellung des Gürteldeiches sammt Kanal, schon 1840 in An 
griff genommen waren. Die gesammte dabei gehobene Wasser 
masse soll sich auf 832 Millionen Kubikmeter belaufen haben, von 
denen 581 Millionen dem ursprünglichen Rauminhalte des Meeres 
entsprechen, die übrigen 251 Millionen aber zum kleinen Theile 
durch Niederschläge (3 l /2 Millionen), der Nest durch Sickerungen 
später hinzugekommen sind. Der Gürtelkanal ist ca. 60 km lang, 
an der Sohle 22—29 m, oben 38—45 m breit, 2 m tief; noch 
jetzt findet darauf eine ziemlich lebhafte Dampfschifffahrt statt. 
Im Innern befindet sich ein Netz von Entwässerungskanülen, von 
zusammen 178 km Länge, durch welche die Grundfläche in recht 
eckige Parzellen von je 1000 m Länge, 200 m Breite, also 
20 ha Fläche eingetheilt wird. Der Länge des Polders nach 
läuft in der Mitte desselben ein 20 kni langer, im Wasserspiegel 
20—26 m breiter bis ca. 1,50 m tiefer Hanptkanal; ein eben 
solcher ist quergerichtet. Die, meist zur Seite der Kanäle hin 
laufenden Haupt- und Nebenwege sind zusammen ca. 200 km lang. 
Das Punipgeschäft wurde und wird noch durch drei, je 
400pferdige Dampfmaschinen versehen, welche an den beiden Enden 
des Hauptlängskanals und an einem Ende des Hauptquerkanals 
aufgestellt sind und die Namen Leeghwater, Leynden und Cruquius 
tragen, nach Männern, welche sich um die Projektirung und das 
schließliche Zustandekommen des großen Werkes besondere Ver 
dienste erworben haben. Diese Maschinen sind in England ge 
baut und arbeiten nach Woolf'schem Prinzip mit zwei konzentrisch 
in einandersteckenden, vertikalen Cylindern von 2,13 m und 3,66 m 
Durchmesser und von 3,05 m Hubhöhe. Beide Kolben haben 
ganz die gleiche Bewegung, indem sie durch fünf Kolbenstangen, 
von denen die mittlere 33 em stark ist, an einer oberen Plat- 
forni befestigt sind, von welcher aus durch radial gestellte Balanciers 
die Bewegung auf die in konzentrischem Kreise um die Dampfcylinder 
.gruppirten 8, bezw. 11 Pumpen, übertragen wird. Beim Auf 
wärtsgange der Platform wirkt der Dampf nur auf den kleineren 
inneren Kolben, abwärts hingegen wirkt derselbe, nunmehr expandirte 
Dampf auf beide, also auch auf den äußeren ringförmigen Kolben. 
Diese acht Pumpen des Cruquius haben je 1,85 m Durchmesser, 
3,05 m Hubhöhe, und fördern bei jedem Hube je 8, zusammen 
also 64 ebm Wasser auf ca. 4,40 m mittlere Höhe. Die andern 
beiden Maschinen fördern je 6 X 11 — 66 obm. IN der 
Minute finden durchschnittlich 6Vs Hübe statt; der Kohlenver 
brauch soll pro Stunde und Pferdekraft etwa 1,5 kg betragen?) 
Der Polder ist jetzt von ca. 10,000 Menschen bewohnt, 
welche eine in drei Kirchspielen vertheilte Gemeinde bilden. Die 
gesammten Ausgaben der Polderverwaltung haben z. B. anno 
1876 rund 223,000 fl. — 379,000 Ji betragen, wovon etwa 
Vs auf den Pumpenbetrieb, ebensoviel auf die Unterhaltung der 
Kanäle, Schleußen, Brücken, Wege rc. kommen. Diese Ausgaben 
werden durch eine, wie es scheint, konstante, jährliche Umlage von 
10 fl. pro Hektar, der Rest durch sonstige Einnahmen, eventuell 
durch Anlehen gedeckt. *) 
*) Eine Beschreibung und Zeichnung der Maschine »Leeghwater" be 
findet sich in der »Eisenbahnzeitmig", Jahrgang 1816. 
Ein erstes Projekt zu diesem großen Unternehmen ivar schon 
Anno 1641 durch Leeghwater aufgestellt worden, aus Veranlassung 
der schnellen, die Städte Leyden, Hartem und Amsterdam be 
drohenden Vergrößerung des Meeres durch Uferabbruch, indem 
dasselbe 1506 nur 3700 Im, 1641 aber schon 14000 ha Grund 
fläche hatte. Daß der Plan erst so spät, hauptsächlich in Folge 
großer Ueberschwemmungen im Jahre 1836, zur Ausführung kam, 
beruht auf dem lebhaften Widerstände dagegen von Seiten eines 
Theils der umliegenden Bevölkerung. Der Hauptgrund hiezu war 
die mit der Trockenlegimg verbundene Verminderung der Ober 
fläche des Rheinlandbusens, welche von 22700 Im auf 2 A dieser 
Fläche reduzirt iverden sollte. Mau hat der befürchteten Ueber- 
füllung dieses Busens vorgebeugt durch Vergrößerung der Schleußen 
bei Katwyk, welche denselben durch Abfluß in die Nordsee ent 
wässern, und durch Verstärkung der Schöpsmaschinen von Spaarn- 
dam, Halftvege und Gouda, welche die künstliche Entwässerung 
nach dem II, bezw. in die Issel bewirken. Uebelstände der 
gefürchteten Art scheinen denn auch in keiner Weise wirklich ein 
getreten zu sein. 
Die Kosten der Trockenlegung mit allen Nebenarbeiten sollen 
rund 11 Millionen Gulden oder 19 Millionen Mark betragen 
haben, wovon 15 Millionen Mark auf das Harlemermeer im 
engeren Sinne einschließlich Gürteldeich kommen. Von diesen 
Summen sind jedoch durch Verkauf der eingepolderten Grundstücke 
(durchschnittlich für den Preis von 800 J6. pro ha), etwa 12 
Millionen Mark in die Staatskasse zurückgeflossen, so daß nur 
7 Millionen Mark als wirkliche Unkosten übrig bleiben, ein Be 
trag, der schon durch den Wegfall der die Nachbarstüdte früher 
heimsuchenden Ueberschwemmungen reichlich ausgewogen ist. Das 
Unternehmen erscheint also auch vonl rein finanziellen Standpunkte 
kein verfehltes, noch weniger aber vom höheren volkswirthschaft- 
lichen Standpunkte, indem der Werth der Poldergrundstücke sich 
inzwischen auf das Vier- bis Sechsfache gehoben hat. Nur in 
sofern dürfte die Anlage nicht vollständig gelungen sein, als durch 
die bis etwa 1 in betragende Höhendifferenz des Polderterrains 
dessen Bewirlhschaftung erschwert wird. Obgleich das tiefere Terrain 
mehr als Wiese, nur das höhere zum Getreidebau verwendet wird 
und nian in letzterem durch Anstauung des Wassers in den 
Kanälen rc. den Grundwasserstand zu heben sucht, so niachen sich 
immerhin noch Uebelstände geltend, und man würde, wenn die 
Trockenlegung nochmals auszuführen wäre, wohl statt des Einen 
Polders deren drei anlegen mit verschiedenen Binnenwasser 
ständen. — 
Der Vortragende erinnert noch au die geplante Trocken 
legung des südlichen Theils der Zuidersee, durch welche gegen 
. 200,000 ha Terrain gewonnen werden sollen mit einem Auf 
wands von ca. 277 Millionen Mark, den man jedoch bis auf 
48 Millionen durch den Verkauf der Grundstücke zu decken Hofft. 
Die Ausführung dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. (Vgl. 
darüber den Aufs, von Sonne in der Zeitschrift für Baukunde, 
Jahrgang 1879.) — 
Nach einigen Bemerkungen über Land und Leute in den 
Niederlanden schließt der Vortragende nnt der Aufforderung zum 
Besuche dieses eigenthümlich interessanten, in seiner Art schönen 
Landes, welches bei uns viel weniger bekannt ist, als es verdient. 
*
        

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