Volltext : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1884)

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Der  Fragekasten  enthält  eine  Anfrage  nach  dem  Verhalten
der  eisernen  Eisenbahnquerschwellen,  an  Stellen  wo  der  Boden
Frostbeulen  bildet,  und  nach  den  Mitteln  zur  Geleisregulierung
in  solchem  Falle.  Wird  zur  Beantwortung  einer  Kommission
überwiesen,  bestehend  aus  den  Herren  Dimler,  Bracher,
Köhler,  v.  Schlierholz  und  Eberhard
Nun  hielt  Professor  Laißle  den  angekündigten  Vortrag:
Notizen  über  die  neuen  Bahnhöfe  zu  Straßburg  und
Metz  (vergl.  Beilage  2).  Nach  einigen  allgemeinen  Bemerkungen ­
  über  Zweck  und  Kosten  der  großartigen  Bahnhofsumbauten ­
  der  Neuzeit  bespricht  er  zunächst  den  Bahnhof  Straßburg, ­
  welcher  aus  der  früheren  beschränkten  Kopfstation  nunmehr ­
  eine  viel  umfangreichere  Durchgangsstation  geworden  ist,
erläutert  an  der  Hand  zahlreicher  Zeichnungen  die  allgemeine
Anordnung,  sodann  der  Reihe  nach  die  charakteristischen  neuen
Einrichtungen  für  den  Personen-,  Güter-  und  Rangierverkehr,
die  Sicherheitsvorrichtungen,  die  elektrische  Beleuchtung,  die
Bedachung  der  Hallen  rc.,  und  schließt  mit  der  Bemerkung,
daß  die  in  Nr.  80  der  deutschen  Bauzeitung  vom  laufenden
Jahre  als  „Reiseglossen"  abgedruckte  abfällige  Beurteilung  der
ganzen  Anlage  durchaus  ungerecht  sei,  vielmehr  die  letztere  im
wesentlichen  als  wohlgelungen  bezeichnet  werden  müsse.
Sodann  geht  Redner  auf  den  neuen  Bahnhof  Metz  über,
mit  Kopfstation  für  Personen-  und  Lokalgüterverkehr  und  abgesonderter, ­
  außerhalb  angelegter  Durchgangsstation  für  Güter
und  Rangierung.  Auch  diese  Anlage  hat  in  Nr.  80  der  deutschen
Bauzeitung  ungerechten  Tadel  erfahren.
Zum  Schluß  erklärt  sich  Redner  bereit,  die  Nutzanwendungen
  auf  unsere  Bahnhofseinrichtungen  in  besonderem  Vortrage
zu  behandeln.
Der  Vorsitzende  dankt  für  die  heutigen,  mit  vielem  Beifall ­
  aufgenommenen  Mitteilungen  und  bemerkt,  daß  die  hiesige
Eisenbahnverwaltung  auswärts  bewährte  Verbesserungen  sich
stets  gern  aneigne  und  dem  Herrn  Vortragenden  der  Vereine  für
weitere  Mitteilungen  dankbar  sein  werde.
Direktor  v.  Knapp  spricht,  zugleich  im  Namen  seiner  anwesenden ­
  nicht  technischen  Kollegen  seinen  Dank  aus  für  die
ihnen  gewordene  Einladung  und  die  heute  empfangene  Belehrung, ­
  äußert  sich  im  übrigen  im  Sinne  des  Vorredners  und
erwähnt  u.  A.  daß  ihrerseits  der  Antrag  gestellt  sei,  daß  denmächst
durch  eine  Kommission  der  K.  Generaldirektion  auswärtige
größere  Rangierbahnhöse  besichtigt  werden  sollen,  um  die  dort
gesanimelten  Erfahrungen  für  uns  nutzbar  zu  machen.
Der  Vorsitzende  bittet  noch  etwaige  Wohnungsänderungen
der  Mitglieder  behufs  Richtigstellung  des  neuen  Verzeichnisses
ihm  baldmöglichst  anzuzeigen  und  schließt  die  Sitzung  nach  10  Uhr.
Der  Schriftführer:
Hänel.

Vierzehnte  Versammlung  am  6.  Dezember  1884.
Vorsitzender:  Oberbaurat  v.  Schlier  holz.
Schriftführer:  Reg.-Baumeister  Ockert.
Anwesend  l9  Mitglieder.
Nach  Eröffnung  der  Sitzung  erfolgt  zunächst  die  Verlesung
des  Protokolles  der  letzten  Versammlung;  dasselbe  wird  genehmigt.
Als  Einlauf  liegt  ein  Geschenk  von  Professor  Schlebach
vor,  bestehend  in  dessen  Reisebericht  über  die  Landeskultur  in
Belgien,  Elsaß-Lothringen,  Holland,  Bremen,  Hannover,  Bayern
und  Hessen-Kassel,  wofür  der  Vorsitzende  dem  Geber  den  Dank
des  Vereines  ausdrückt.
Es  erfolgt  nunmehr  die  Berichterstattung  des  Vorstandes  über
die  Verhandlungen  bezüglich  Gründung  einer  „Wochenschrift  für
Baukunde";  derselbe  legt  dem  Verein  einen  diesbezüglichen  Vertrag ­
  der  beteiligten  Vereine  mit  dem  seitherigen  Redakteur  des
Wochenblattes  für  Architekten  und  Ingenieure  Regierungsbaumeister ­
  Scheck  in  Berlin  zur  Genehmigung  vor,  wornach  eine
Verschmelzung  mit  dem  genannten  Blatte  stattfinden  wird,  der

Sitz  der  neuen  Zeitschrift  ist  Frankfurt  a.  M.  In  dem  Vertrag ­
  sind  alle  Wünsche  unseres  Vereines  berücksichtigt,  mit  Ausnahme ­
  der  Abgabe  eines  Freiexemplares  für  die  Vereine.  Nach
Verlesung  des  Vertrages  ergiebt  die  Abstimmung  eine  einstimmige
Annahme  desselben.  Der  Vereinsvorstand  drückt  noch  sein  Bedauern ­
  darüber  aus,  daß  der  badische  Verein  und  ebenso  der
oldenburgische  ihre  Beteiligung  versagt  haben.
Es  erhielt  nunmehr  0r.  Huber  das  Wort,  welcher  kurz
über  die  Zuschrift  der  neugegriindeten  Krankenkasse  für  Bautechniker ­
  (Kassier  Simon)  in  Berlin  und  des  Schimmelpfeng'schen
Auskunftsbureaus  referiert.  Die  erstere  bittet,  die  übersandten
Statuten  den  Vereinsmitgliedern  bekannt  zu  geben,  was  geschieht. ­
  Weiter  sich  zu  engagieren  liegt  uin  so  weniger  Veranlassung ­
  vor,  als  über  die  leitenden  Persönlichkeiten  und  die  Lebensfähigkeit ­
  der  Kasse  keine  weitere  Daten  vorliegen.  Ebenso  wird
Schimmelpfengs  Ersuchen  entsprochen,  sein  Institut  den  Mitgliedern ­
  zu  empfehlen,  während  sein  anderer  Antrag  auf  Abschluß ­
  eines  Kartells  in  Anbetracht  der  seltenen  Benützung  seines
Bureaus  durch  die  Mitglieder  beruhen  bleibt.
Regierungsbaumeister  Klett  führt  sodann  seinen  Vortrag
über  die  Kanalbauten  im  Bourtanger  Moor  Gewinnung  und
Verwendung  des  Torfes  in  Norddeutschland  zu  Ende.  Der
Vortrag  ist  in  Beilage  1  angefügt.
An  die  Verwendung  von  Torsstreu  als  Desinfektionsmittel
knüpft  sich  noch  eine  Besprechung,  woran  sich  der  Vorsitzende,
sowie  die  Herren  Köhler,  Kaiser,  G  lock  er,  Knoll  und
Canz  beteiligen,  woraus  hervorgeht,  daß  mit  dem  erwähnten
Desinfektionsmittel  sowohl  von  der  Stadtbehörde  Stuttgart,
als  auch  von  der  Kgl.  Eisenbahnverwaltung  Versuche  angestellt
worden  sind.
Schluß  der  Sitzung  nach  10  Uhr.
Der  Schriftführer:
Ockert.

Aünfzehnte  Versammlung  am  20.  Dezember  1884.
Vorsitzender:  Oberbaurat  v.  Schlier  holz.
Schriftführer:  Jngcnieurassistent  Lai  sin  er.
Anwesend:  21  Mitglieder  und  1  Gast.
Nach  Eröffnung  der  Versammlung  begrüßt  der  Vorsitzende
zunächst  den  als  Gast  anwesenden  Herrn  Baumeister  Blum  und
geht  sodann  zu  den  geschäftlichen  Mitteilungen  über.  Der  erste
derselben  betrifft  das  Wochenblatt  für  Bautünde.  Der  hiewegen
abgeschlossene  Vertrag  ist  nunmehr  perfekt,  so  daß  dem  Erscheinen
des  Blattes  vom  neuen  Jahr  an  ein  Hindernis  nicht  mehr  im
Wege  steht.
Weiter  giebt  der  Vorsitzende  bekannt,  daß  die  Generalversammlung ­
  nach  Beschluß  des  Ausschusses  am  10.  Januar  stattfinden ­
  werde.  Mit  Beziehung  hierauf  bringt  er  in  Vorschlag,
die  H.H.  Oberinspektor  Schmoller  und  Jngenieurassistent  Neuster
um  Vornahme  der  Kassenrevision  zu  bitten,  was  seitens  der
Versammlung  gutgeheißen  wird.
Anknüpfend  an  die  Mitteilungen  über  die  Generalversammlung ­
  glaubt  der  Vorsitzende  im  Interesse  einer  wohlvorbereiteten ­
  Wahlhandlung  wiederholt  die  bestimmte  Erklärung
abgeben  zu  sollen,  daß  er  für  seine  Person  nach  12jähriger
Vorstandschaft  eine  Wahl  zum  Vereinsvorstande  nicht  mehr  annehmen ­
  würde;  er  bittet  die  Mitglieder,  rechtzeitig  die  Vorerhcbungen
  und  Besprechungen  zu  veranstalten,  welche  für  die
Wahl  eines  Kollegen  zum  Vorstande  Gewähr  bieten,  der  mit
voller  Hingabe  den  Verein  nicht  nur  in  seinein  jetzigen  Bestände
zu  erhalten  sondern  in  jeder  Hinsicht  zu  heben  und  zu  fördern
bestrebt  sein  wird.
Einen  weiteren  Gegenstand  der  Tagesordnung  bildet  das
Referat  über  die  dem  Vereinsvorstande  zugegangene  Frage:
„Welche  Erfahrungen  sind  im  Vereinsgebiet  mit  eisernen
Querschwellen  an  solchen  Bahnstellen  gemacht  morden.
            
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