Volltext : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1884)

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welche  durch  Frostbeulen  einseitig  gehoben  wurden  und
welche  Gleisregulierungsmethoden  sind  angewendet?"
Aus  dem  von  Baurat  Bracher  verfaßten  Referat  ist  folgendes ­
  hervorzuheben:
Auf  ergangene  Anfrage  sind  von  19  inländischen  und  1
ausländischen  Bahningenieur  (Oberbaurat  Dr.  Sch  äff  er  in
Darmstadt)  Beantwortungen  obiger  Frage  eingelaufen.  Dieselben
lauten  meist  dahin,  daß  keine  Erfahrungen  vorliegen,  weil  eiserne
Schwellen  absichtlich  an  Stellen  nicht  verlegt  werden,  welche
zu  Auftreibungen  durch  Frost  geneigt  sind.  In  einem  Falle
wurde  bei  eingetretener  einseitiger  Hebung  das  Visier  durch  Unterkrampen ­
  auszugleichen  gesucht.
Im  Bezirk  der  K.  preuß.  Eisenbahndirektion  Elberfeld  war
stets  das  Mittel  des  Unterstopfens  angewandt,  um  ein  ordentliches ­
  Visier  zu  erhalten.
Das  Referat  kommt  zu  dem  Schlüsse,  daß
Erfahrungen  im  Bereich  des  Vereins  in  zu  ungenügendem ­
  Maße  vorliegen,  um  gestützt  hierauf  eine  zweckmäßige
Methode  für  die  Geleiseregulierung  empfehlen  zu  können.
Referent  spricht  am  Schluffe  seine  persönliche  Ansicht  dahin
aus,  daß  —  bis  eine  bessere  Methode  gefunden  wird  —  bei
weniger  erheblichen  Auftreibungen  das  Geleise  durch  Einziehen
von  Holzunterlagen  zwischen  Schiene  und  Schotter  zu  regulieren
ist,  und  daß  bei  stärkeren  Hebungen  zum  Unterstopfen  der  Eisenschwellen ­
  auf  die  Gefahr  hin  gegriffen  werden  sollte,  daß  das
Geleise  im  folgenden  Frühjahr  ganz  regulirt  werden  muß.
An  das  Referat  knüpfen  sich  noch  einige  Auseinandersetzungen,
an  denen  sich  die  Herren  Dimler,  v.  Hänel,  Köhler
und  v.  Schlierholz  beteiligen.
Nunmehr  erhält  Hofbaudirektor  von  Egle  das  Wort,  um
auf  Ersuchen  des  Vorsitzenden  einige  Mitteilungen  über  ein  von
ihm  bearbeitetes  architektonisches  Werk  zu  machen.
Vor  Beginn  seiner  Mitteilungen  giebt  derselbe  mit  Beziehung ­
  auf  die  bevorstehende  Generalversammlung  die  Erklärung
ab,  daß  ihm  die  Verhältnisse  zu  seinem  Bedauern  nicht  mehr
gestatten,  eine  Wiederwahl  in  den  Ausschuß  anzunehmen,  weil
es  ihm  nicht  möglich  sei,  sich  mit  der  Hingabe  den  Vereinsangelegenheiten ­
  zu  widmen,  die  man  von  einem  Ausschußmitgliede
  zu  erwarten  berechtigt  sei.
Der  Vorsitzende  giebt  dem  lebhaften  Bedauern  über  diesen
Entschluß  Ausdruck,  dankt  Herrn  von  Egle  für  die  aufopfernde
Thätigkeit  für  den  Verein,  die  derselbe  in  den  30  Jahren  seiner
Ausschußangehörigkeit  entfaltet  hat  und  gibt  der  Hoffnung  Raum,
es  mögen  die  Verhältnisse  auch  fernerhin  dem  Herrn  von  Egle
gestatten,  sein  reges  Interesse  an  den  Bestrebungen  des  Vereins
durch  Rat  und  That  zu  bekunden.
Hofbaudirektor  von  Egle  schreitet  hierauf  zu  den  erwähnten
Mitteilungen.  Dieselben  betreffen  eine  literaische  Arbeit,  welche
er  „Baustil-  und  Bauformenlehre  auf  geschichtlicher
Grundlage"  betitelt.  Er  ist  mit  deren  Bearbeitung  schon  seit
längerer  Zeit  beschäftigt  und  stellt  in  Aussicht,  daß  davon  im  Laufe
des  Jahres  1885  ein  größerer  Abschnitt  „die  romanische  Baukunst"

erscheinen  wird.  —  Dieses  Werk  soll  hauptsächlich  den  praktischen
Bedürfnissen  der  Bautechniker  entsprechen  und  demgemäß  nicht
blos  die  äußere  Erscheinung,  sondern  namentlich  auch  die  Konstruktionen ­
  der  betreffenden  Bauten  und  Bauteile  mit  der  nötigen
Gründlichkeit  behandeln.  Auch  soll  es  sich  aus  dem  gleichen
Grunde  auf  die  griechische,  römische,  romanische  und  gotische
Baukunst  beschränken,  woran  aber  späterhin,  wenn  Zeit  und
Umstände  es  erlauben,  sich  noch  die  Baukunst  der  Nenaissanee
anreihen  wird.  Alle  jene  Stile,  die  nicht  bireff  auf  unserer
Kulturlinie  liegen,  z.  B.  der  Indische  und  Arabische,  sind  ausgeschlossen, ­
  und  von  den  dem  griechischen  vorausgegangenen
Stilen  wird  nur  so  viel  gesagt,  als  zum  besseren  Verständnis
dieses  letzteren,  sowie  des  römischen  Baustils,  erforderlich  ist.
Bezüglich  der  mittelalterlichen  Baustile  wird  der  Verfasser  seine
Beispiele  hauptsächlich  dem  Kreise  der  Deutschen  Monumente
entnehmen  und  die  Bauwerke  fremder  Länder,  namentlich  Frankreichs ­
  nur  insoweit  hereinziehen,  als  sie  zum  vollen  Verständnis
der  Deutschen  unerläßlich  sind.  Die  Wiedergabe  längst  bekannter,
dazuhin  oft  recht  ungenauer  Abbildungen  wird  thunlichst  vermieden. ­
  Soweit  es  irgend  angeht,  werden  Originalaufnahmen,
oder  wenigstens  selbständige  Darstellungen  zur  Benützung  kommen. ­
  —  Der  Vortragende  legt  etwa  100  bereits  autographierte
Tafeln  aus  den  Abschnitten  über  griechische  und  romanische
Baukunst  und  etwa  20  bereits  für  die  Autographierung  bearbeitete ­
  Handzeichnungen  vor.  Die  autographische  Vervielfältigung
ist  gewählt  worden,  um  das  Werk  möglichst  billig  in  den  Handel
bringen  zu  können.  In  der  gleichen  Absicht,  und  weil  dadurch
auch  Doppeltafeln  und  direkte  Vergleichungen  zweier  Tafeln
möglich  sind,  werden  die  Abbildungsblätter  beiderseits  bedruckt.
Bis  zum  Schluß  der  gotischen  Architektur  sind  etwa  380  Tafeln
in  groß  Quart  und  etwa  15  Druckbogen  Text  in  gleichem  Format
nötig,  was  im  Ganzen  —  so  hofft  der  Verfasser  —  nicht  mehr
als  25  bis  allerhöchstens  30  ,M>.  kosten  soll.  Jede  Hauptabteilung ­
  wird  auch  besonders  verkäuflich  sein.  —  Um  ein  Bild  des
Lehrganges  zu  geben,  bespricht  der  Verfasser  schließlich  eine
Reihenfolge  der  Tafeln  über  romanische  Architektur,  womit  er
zugleich  seinen  vor  etwa  3  Jahren  gehaltenen  Vortrag  über  die
Entwicklung  romanischer  Gewölbe  ergänzt,  insofern  er  jetzt  die
spätromanischen  und  frühgotischen  Rippengewölbe  zu  eingehender ­
  Erörterung  bringt.
Nach  Beendigung  dieser  mit  allseitigem  Interesse  aufgenommenen ­
  Mitteilungen  richtet  der  Vorsitzende  das  Ersuchen  an
die  Versammlung,  dem  Vortragenden  für  seine  Mitteilungen,
die  ein  Werk  in  Aussicht  stellen,  das  in  weiten  Kreisen  der
Technikerschaft  mit  Freude  begrüßt  werden  werde,  durch  Erheben
von  den  Sitzen  ihren  Dank  auszusprechen.
Nachdem  dies  geschehen  und  weitere  Gegenstände  nicht  auf
der  Tagesordnung  stehen,  schließt  der  Vorsitzende  die  Versammlung
nach  10  Uhr.
Der  Schriftführer:
Laistner.
            
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