Volltext : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1884)

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massiv  auf  Betonfundament  hergestellt.  Die  übrigen  Schleusen
haben  nur  massive  Häupter,  während  die  Kammermauern  aus
nahezu  senkrechten  Backsteingewölben  zwischen  verankerten  _l_
Ständern  bestehen.
Sehr  schwierig  war  die  Unterführung  der  vielen  Moorbäche
  unter  der  Kanalsohle,  die  in  halbkreisförmigen  Kanälen,
auch  durch  Herstellen  von  runden  Oeffnnngen  in  den  Oberhäuptern
der  Schleusen  vorgenommen  wurde.
Die  festen  Maste  der  Schiffe  machten  bewegliche  Brücken
notwendig.  Man  wandte  durchweg  eiserne  Drehbrücken  an,  die
zweckmäßig  und  solid  konstruirt  sind.  Die  Durchfahrweite  beträgt
6,85  m.  Die  Brückenpfeiler  bestehen  aus  hartgebrannten  Backsteinen ­
  (Klinkern)  mit  Quaderverkleidung  und  sind  großenteils
auf  Brunnen  fundiert.
Zur  Deckung  der  Kosten  der  Verwaltung  der  Kanäle  und
deren  Unterhaltung,  welche  die  prenß.  Staatsverwaltung  unter
Verausgabung  von  vielen  Millionen  Mark  herstellte,  werden
seitens  der  Genossenschaft,  in  deren  Besitz  die  Kanäle  unentgeltlich ­
  übergegangen  sind,  eine  größere  Abgabe  von  den  Transportschiffen ­
  erhoben.
Redner  beschreibt  das  Wesen  der  Veenkultur,  welche  seit
mehreren  Jahrhunderten  im  Moore  der  Stadt  Groningen  von
ctwa*20000  ha  Flächeinhalt,  ans  öden  Flächen,  blühende  Gefilde, ­
  wohlhabende  Gemeinden  entstehen  ließ.
Bei  der  Veenkultur  wird  die  oberste  fruchtbare  Schichte
(Bunkerde)  abgegraben,  bei  Seite  auf  Haufen  gesetzt  und  bis
ans  den  sandigen  Untergrund  abgetorft.  Alsdann  die  Bunkerde
mit  dem  Sand  vermischt  Dünger,  besonders  Seeschlick  aufgebracht ­
  —  und  so  fruchtbares  Feld,  auf  dem  alle  unsere  Kulturpflanzen ­
  fortkommen,  erzeugt.  Die  Art  und  Weise  wie  die
Zweigkanäle  angelegt  werden,  das  Einkanal-,  Zweikanal-,  sowie
Achterwiekenspstem  werden  an  der  Hand  von  Skizzen  erläutert;
zur  weiteren  Orientierung  dienen  zahlreiche  Karten  und  Pläne.
Bei  der  Kultivierung  des  Bourtanger  Moores  wird  ein
Hauptgewicht  auf  die  landwirtschaftliche  Benützung  desselben
gelegt.  Nun  ist  eine  Verwertung  der  großen  Torfmassen  nur  allmählig
  etwa  im  Verlaufe  von  Jahrhunderten  möglich,  weshalb
auch  die  bewährte  Veenkultur  allmählig  eingeführt  wird.  Unterdessen ­
  bildet  die  Hochmoorkultur  d.  h.  Beackerung  der  entwässerten ­
  Moorflächen  unter  reichlicher  Benützung  von  Düngern,
besonders  Kalisalzen,  die  hauptsächlichste  Bebauungsart.
Zahlreiche  Versuchsfelder,  welche  unter  Leitung  der  Techniker ­
  der  Moorversuchsstation  in  Bremen  angelegt  und  bebaut
worden  sind,  ergeben  vielfach  gute  Resultate.
Ferner  sollen  Musterkolonate  gegründet  und  durch  Geldanleihen ­
  zu  niedrigem  Zinsfüße,  durch  Prämien,  Heranziehen
tüchtiger  Lehrlinge  und  Ausmerzen  manchen  Schlendrians  die
materielle  Hebung  der  alten  und  neuen  Kolonisten  angestrebt
werden.  Die  Brandkultur  ist  thunlichst  einzuschränken,  wird  indessen ­
  wohl  erst  mit  diesem  Jahrhundert  aufhören.
Bei  der  Hochmoorkultur  hat  sich  übrigens  ein  Aufbringen
und  Vermischen  von  Sand  bei  schwarzem  Moor,  von  lehmartigem ­
  Material  bei  leichtem  Moor  (Moortorf)  vielfach  als
zweckdienlich  erwiesen.
Wiesenbau  und  Weide  wird  mehr  auf  Grünlandsmooren
getrieben,  die  sich  vereinzelt  an  den  Rändern  des  Bourtanger
Moores  vorfinden;  dann  auch  tu  der  Nähe  der  Hochmoorbäche.
In  neuester  Zeit  wurden  gelungene  Versuche  gemacht,  den
Futterbau  in  den  Hochmooren  selbst  durch  Anwendung  von
Äetzkalk  u.  s.  w.  zu  bewerkstelligen.
Einer  Aufforstung  von  Hochmooren  wird  in  Norddeutschland ­
  größeres  Augenmerk  geschenkt  und  viele  Versuche  sind  angestellt ­
  worden.  Die  größten  Kulturen  wurden  in  dem  fiskalischen ­
  Augustendorfer  Moore  in  Ostfriesland  unter  Oberförster
Brünings  angelegt.
Dieses  Moor  hat  1100  ba  Flächeninhalt,  eine  durchschnittliche ­
  Tiefe  von  5  in;  die  obere  1  —2  m  starke  Schicht  wird
vielfach  aus  Moostorf  gebildet,  der  Untergrund  besteht  aus
Ortstein,  oder  blaugrauem  Sand.

Die  Entwässerung  ging  etwa  IV2  in  tief;  die  Aufforstung
wurde  nach  vorhergehender  6  jähriger  Brandkultur  vorgenommen
und  ztvar  mit  Kiefern,  Lärchen,  sowie  Fichten  auf  dem  leichteren
Moostorf,  mit  Eichen  auf  betn  schwereren  braunen  und  schwarzen ­
  Moor.  Die  Pflanzen  erhielten  k  m  Abstand  von  einander.
Ein  Teil  dieser  Kulturen  soll  sich  gut  halten;  andere  durch
große  Nässe  sehr  gelitten  haben.
Es  sind  die  Ansichten  über  die  Tiefe  der  Entwässerung
bei  Aufforstungen  noch  geteilt;  übrigens  wurde  die  Erfahrung
gemacht,  daß  60jährige  Fichtenkulturen  im  Hochmoore  infolge
großer  Nässe  noch  abstarben.  Die  Regulierung  der  Höhe  des
Grundwassers  spielt  jedenfalls  eine  wichtige  Rolle.  Uebrigens
findet  mau  oft  bei  Kolonaten  schöne,  üppige  Baumgruppen  im
Hochmoore.
An  den  Rändern  der  Hochmoore,  wo  die  Tiefe  desselben
geringer,  etwal—IV2  m  ist,  kommen  die  Waldbäume  sehr  gut
fort.  Redner  geht  alsdann  zur  Torfgewinnung  über.
Die  Handtorfgewinnung  mittelst  senkrechtem  und  wagrechtem
Stich,  sowie  den  verschiedenen  Modifikationen,  werden  angeführt
und  erwähnt,  daß  bei  der  Oldenburger  Methode  4  Mann
täglich  12000  Soden  produziren  bei  18  <M.  Accordlohn  und
demnach  die  Gewinnungskosten  an  Ort  und  Stelle  einschließlich
des  Trocknens  pro  50  lrx  auf  15  Pf.  zu  stehen  kommen.
Der  Verkaufspreis  des  Haudstichtorfes  beträgt  24—25  Pf.
pro  Zentner.
Eine  Torfstechmaschine  von  Börosowsky  existiert  schon
seit  1842,  hat  sich  gut  bewährt,  aber  nur  in  holzfreien  Mooren
und  ist  in  Ostpreußen  vielfach  eingeführt.
Die  Maschine  holt  das  Material  aus  größeren  Tiefen,
auch  unter  Wasser  in  Stücken  von  3—6  m  Länge,  0,60—0,70  m
Breite  und  Dicke.  4  Mann  produzieren  hiermit  in  12  Stunden
40—50  cbm.
Eine  größere  Stichtorfgewinnung  mit  rationellem  Rollbahnbetrieb ­
  und  Anwendung  von  vielen  Trockenschuppen  findet  bei
Aulendorf  statt  und  ist  schon  früher  beschrieben  worden.  Die
Hauptmängel  dieses  Stichtorfes,  welche  denselben  nicht  leicht  auf
weitere  Entfernungen  transportieren  lassen,  sind  das  geringe
spez.  Gewicht,  lose  Struktur,  infolge  dessen  leichtes  Abbröckeln
und  damit  größerer  Materialverlust,  ferner  das  Bestreben  den
Wasserdampf  der  Luft  aufzusaugen.
Die  älteren  Systeme  der  maschinellen  Torfgewinnung  von
Exter-Gwyne,  trockenes  Pressen,  des  zu  Torfmull  verarbeiteten
Moores;  das  von  Koch,  Auspressen  unter  starkem  Druck;  von
C  halleton  Zermahlen  und  Schlämmendes  Torfes  und  Trocknen
in  Bassins;  von  Versmann,  Siebtorf,  werden  gestreift  unter
kurzen  Bemerkungen  über  deren  Nachteile,  die  im  allgemeinen  in
zu  kostspieliger  Herstellung,  komplizierten  Maschinen  und  Erzielen ­
  mangelhaften  Materials  bestehen.
Die  Eichhorn'sche  Kugeltorfmaschine  soll  nach  manchen
Vereinfachungen  bessere  Resultate  jetzt  geben.
Die  erste  rationelle  Torfmaschine  rührt  vom  bayr.  Ministerialrat ­
  Weber  her  und  besteht  aus  einem  senkrechten  eisernen
Cylinder  mit  darin  befindlicher  Schnecke  und  Messern;  ähnlich  den
Thonmischmaschinen  in  unseren  Ziegeleien;  eine  solche  Weber'sche
Maschine  ist  seit  1867  in  Oldenburg  bis  jetzt  mit  Erfolg  im  Betriebe.
Veränderungen  und  Verbesserungen  sind  in  großer  Menge
an  den  Weber'schen  Maschinen  vorgenommen  worden;  und  zwar
von  Sch  likeisen,  Seydel  in  Berlin;  ersterer  hat  mehr
langsam  rotierende  Wellen  —  15—50  Touren  pro  Minute  —
die  sich  für  gleichförmigen,  holzfreien  Torf  eignen.  Seydel  in
Berlin  konstruierte  rascher  gehende  Maschinen  100—250  Touren
pro  Minute  in  6  Nummern,  welche  der  Torfart  angepaßt  sind.
Grotjahn  und  Pieau  machten  dadurch  die  Maschine  geeigneter ­
  für  verschiedene  Torfsorten,  daß  sie  die  Messer  und
Schnecken  an  der  Welle  verstellbar  machten;  eine  solche  Maschine  ist
im  Steinhäuser  Ried  (Schussenrieo)  unter  Leitung  des  Oberförster
Frank  schon  seit  mehreren  Jahren  im  Betriebe.  Den  Weber'-chen
  Maschinen  und  ihren  vielen,  zum  Teil  guten  Varianten,
deren  Aufzählung  hier  zu  weit  führen  würde,  liegt  das  Prinzip
zu  Grunde,  die  Moormasse  thunlichst  zu  zerreißen  und  zu  mischen;
            
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