6
massiv auf Betonfundament hergestellt. Die übrigen Schleusen
haben nur massive Häupter, während die Kammermauern aus
nahezu senkrechten Backsteingewölben zwischen verankerten _l_
Ständern bestehen.
Sehr schwierig war die Unterführung der vielen Moorbäche
unter der Kanalsohle, die in halbkreisförmigen Kanälen,
auch durch Herstellen von runden Oeffnnngen in den Oberhäuptern
der Schleusen vorgenommen wurde.
Die festen Maste der Schiffe machten bewegliche Brücken
notwendig. Man wandte durchweg eiserne Drehbrücken an, die
zweckmäßig und solid konstruirt sind. Die Durchfahrweite beträgt
6,85 m. Die Brückenpfeiler bestehen aus hartgebrannten Backsteinen
(Klinkern) mit Quaderverkleidung und sind großenteils
auf Brunnen fundiert.
Zur Deckung der Kosten der Verwaltung der Kanäle und
deren Unterhaltung, welche die prenß. Staatsverwaltung unter
Verausgabung von vielen Millionen Mark herstellte, werden
seitens der Genossenschaft, in deren Besitz die Kanäle unentgeltlich
übergegangen sind, eine größere Abgabe von den Transportschiffen
erhoben.
Redner beschreibt das Wesen der Veenkultur, welche seit
mehreren Jahrhunderten im Moore der Stadt Groningen von
ctwa*20000 ha Flächeinhalt, ans öden Flächen, blühende Gefilde,
wohlhabende Gemeinden entstehen ließ.
Bei der Veenkultur wird die oberste fruchtbare Schichte
(Bunkerde) abgegraben, bei Seite auf Haufen gesetzt und bis
ans den sandigen Untergrund abgetorft. Alsdann die Bunkerde
mit dem Sand vermischt Dünger, besonders Seeschlick aufgebracht
— und so fruchtbares Feld, auf dem alle unsere Kulturpflanzen
fortkommen, erzeugt. Die Art und Weise wie die
Zweigkanäle angelegt werden, das Einkanal-, Zweikanal-, sowie
Achterwiekenspstem werden an der Hand von Skizzen erläutert;
zur weiteren Orientierung dienen zahlreiche Karten und Pläne.
Bei der Kultivierung des Bourtanger Moores wird ein
Hauptgewicht auf die landwirtschaftliche Benützung desselben
gelegt. Nun ist eine Verwertung der großen Torfmassen nur allmählig
etwa im Verlaufe von Jahrhunderten möglich, weshalb
auch die bewährte Veenkultur allmählig eingeführt wird. Unterdessen
bildet die Hochmoorkultur d. h. Beackerung der entwässerten
Moorflächen unter reichlicher Benützung von Düngern,
besonders Kalisalzen, die hauptsächlichste Bebauungsart.
Zahlreiche Versuchsfelder, welche unter Leitung der Techniker
der Moorversuchsstation in Bremen angelegt und bebaut
worden sind, ergeben vielfach gute Resultate.
Ferner sollen Musterkolonate gegründet und durch Geldanleihen
zu niedrigem Zinsfüße, durch Prämien, Heranziehen
tüchtiger Lehrlinge und Ausmerzen manchen Schlendrians die
materielle Hebung der alten und neuen Kolonisten angestrebt
werden. Die Brandkultur ist thunlichst einzuschränken, wird indessen
wohl erst mit diesem Jahrhundert aufhören.
Bei der Hochmoorkultur hat sich übrigens ein Aufbringen
und Vermischen von Sand bei schwarzem Moor, von lehmartigem
Material bei leichtem Moor (Moortorf) vielfach als
zweckdienlich erwiesen.
Wiesenbau und Weide wird mehr auf Grünlandsmooren
getrieben, die sich vereinzelt an den Rändern des Bourtanger
Moores vorfinden; dann auch tu der Nähe der Hochmoorbäche.
In neuester Zeit wurden gelungene Versuche gemacht, den
Futterbau in den Hochmooren selbst durch Anwendung von
Äetzkalk u. s. w. zu bewerkstelligen.
Einer Aufforstung von Hochmooren wird in Norddeutschland
größeres Augenmerk geschenkt und viele Versuche sind angestellt
worden. Die größten Kulturen wurden in dem fiskalischen
Augustendorfer Moore in Ostfriesland unter Oberförster
Brünings angelegt.
Dieses Moor hat 1100 ba Flächeninhalt, eine durchschnittliche
Tiefe von 5 in; die obere 1 —2 m starke Schicht wird
vielfach aus Moostorf gebildet, der Untergrund besteht aus
Ortstein, oder blaugrauem Sand.
Die Entwässerung ging etwa IV2 in tief; die Aufforstung
wurde nach vorhergehender 6 jähriger Brandkultur vorgenommen
und ztvar mit Kiefern, Lärchen, sowie Fichten auf dem leichteren
Moostorf, mit Eichen auf betn schwereren braunen und schwarzen
Moor. Die Pflanzen erhielten k m Abstand von einander.
Ein Teil dieser Kulturen soll sich gut halten; andere durch
große Nässe sehr gelitten haben.
Es sind die Ansichten über die Tiefe der Entwässerung
bei Aufforstungen noch geteilt; übrigens wurde die Erfahrung
gemacht, daß 60jährige Fichtenkulturen im Hochmoore infolge
großer Nässe noch abstarben. Die Regulierung der Höhe des
Grundwassers spielt jedenfalls eine wichtige Rolle. Uebrigens
findet mau oft bei Kolonaten schöne, üppige Baumgruppen im
Hochmoore.
An den Rändern der Hochmoore, wo die Tiefe desselben
geringer, etwal—IV2 m ist, kommen die Waldbäume sehr gut
fort. Redner geht alsdann zur Torfgewinnung über.
Die Handtorfgewinnung mittelst senkrechtem und wagrechtem
Stich, sowie den verschiedenen Modifikationen, werden angeführt
und erwähnt, daß bei der Oldenburger Methode 4 Mann
täglich 12000 Soden produziren bei 18 <M. Accordlohn und
demnach die Gewinnungskosten an Ort und Stelle einschließlich
des Trocknens pro 50 lrx auf 15 Pf. zu stehen kommen.
Der Verkaufspreis des Haudstichtorfes beträgt 24—25 Pf.
pro Zentner.
Eine Torfstechmaschine von Börosowsky existiert schon
seit 1842, hat sich gut bewährt, aber nur in holzfreien Mooren
und ist in Ostpreußen vielfach eingeführt.
Die Maschine holt das Material aus größeren Tiefen,
auch unter Wasser in Stücken von 3—6 m Länge, 0,60—0,70 m
Breite und Dicke. 4 Mann produzieren hiermit in 12 Stunden
40—50 cbm.
Eine größere Stichtorfgewinnung mit rationellem Rollbahnbetrieb
und Anwendung von vielen Trockenschuppen findet bei
Aulendorf statt und ist schon früher beschrieben worden. Die
Hauptmängel dieses Stichtorfes, welche denselben nicht leicht auf
weitere Entfernungen transportieren lassen, sind das geringe
spez. Gewicht, lose Struktur, infolge dessen leichtes Abbröckeln
und damit größerer Materialverlust, ferner das Bestreben den
Wasserdampf der Luft aufzusaugen.
Die älteren Systeme der maschinellen Torfgewinnung von
Exter-Gwyne, trockenes Pressen, des zu Torfmull verarbeiteten
Moores; das von Koch, Auspressen unter starkem Druck; von
C halleton Zermahlen und Schlämmendes Torfes und Trocknen
in Bassins; von Versmann, Siebtorf, werden gestreift unter
kurzen Bemerkungen über deren Nachteile, die im allgemeinen in
zu kostspieliger Herstellung, komplizierten Maschinen und Erzielen
mangelhaften Materials bestehen.
Die Eichhorn'sche Kugeltorfmaschine soll nach manchen
Vereinfachungen bessere Resultate jetzt geben.
Die erste rationelle Torfmaschine rührt vom bayr. Ministerialrat
Weber her und besteht aus einem senkrechten eisernen
Cylinder mit darin befindlicher Schnecke und Messern; ähnlich den
Thonmischmaschinen in unseren Ziegeleien; eine solche Weber'sche
Maschine ist seit 1867 in Oldenburg bis jetzt mit Erfolg im Betriebe.
Veränderungen und Verbesserungen sind in großer Menge
an den Weber'schen Maschinen vorgenommen worden; und zwar
von Sch likeisen, Seydel in Berlin; ersterer hat mehr
langsam rotierende Wellen — 15—50 Touren pro Minute —
die sich für gleichförmigen, holzfreien Torf eignen. Seydel in
Berlin konstruierte rascher gehende Maschinen 100—250 Touren
pro Minute in 6 Nummern, welche der Torfart angepaßt sind.
Grotjahn und Pieau machten dadurch die Maschine geeigneter
für verschiedene Torfsorten, daß sie die Messer und
Schnecken an der Welle verstellbar machten; eine solche Maschine ist
im Steinhäuser Ried (Schussenrieo) unter Leitung des Oberförster
Frank schon seit mehreren Jahren im Betriebe. Den Weber'-chen
Maschinen und ihren vielen, zum Teil guten Varianten,
deren Aufzählung hier zu weit führen würde, liegt das Prinzip
zu Grunde, die Moormasse thunlichst zu zerreißen und zu mischen;