in welchem Zustande ein gleichmäßiges Trocknen des Torfes
ohne Rissigwerden leichter vor sich geht; auch der Torf ein bedeutend
größeres spez. Gewicht erhält. Viele derartige Maschinen
arbeiten teurer als die Handarbeit, liefern aber ein um so besseres
Material; und sind dadurch meistens dem Handstichtorfbetrieb
überlegen.
Größere maschinelle Torfgewinnungseinrichtungen sind die
hannoverisch - oldenburg'schen Breitorsmaschinen; besonders für
Massenproduktion. Bei denselben findet ein Mischen des Torfes,
wie bei den Weber'schen Maschinen, aber unter Wasserzusatz
statt. Der so entstandene Brei wird auf dem geebneten Terrain
ausgebreitet, nach erfolgtem teilweisein Austrocknen durch Arbeiter,
welche Brettstücke unter den Füßen tragen, glatt getreten
und dann in Soden zerschnitten, ©ine derartige Maschine ist
die der Ingenieure Mecke und Sanders in Ocholt (Oldenburg),
welche auf dem Torfwerke dieser Herrn arbeitet und in
der Kampagne (April—Juli) mit 21 Mann 120000 Ztr. Torf
erzeugt; eine weitere Maschine ist bei Lüneburg im Betriebe.
Der Maschine liegt das Bestreben zu Grunde die Hand,
arbeit thunlichst zu reduzieren, und besteht dieselbe aus einem
fahrbaren Gestell (Träger) von etwa 30 m Länge. An einem
Ende ist ein Bagger angebracht, welcher den Torf aushebt, in
die Breimaschinerie wirft, von wo aus er dann auf das Trockenfeld
gelangt; der Bagger kann gehoben und gesenkt, auch beseitigt
und durch Elevatoren ersetzt werden. Eine Pferdebahn
von 3 km Länge führt nach der Station Ocholt; und werden
4 Torfwagen ü 40 Ztr. von einem Pferde gezogen. Von einem
5Vi m hohen Gerüste aus werden mittelst einer 3 pferdigen
Lokomobile die Torfwagen gehoben und durch Oeffnen des Boden
in den Eisenbahnwagen entleert. Bkit 2 Mann Bedienung
können täglich 15 Eisenbahnwaggons ä 200 Ztr. beladen werden.
Der Verkaufspreis des Torfes betrügt 33—35 Pf. pro 50 kg.
Eine der interessantesten Torfmaschinen ist das Hodge'sche
Torfschiff. In den 60er Jahren wurde dasselbe zuerst in Kanada
angewandt, und 1812 durch eine Aktiengesellschaft in Oldenburg
eingeführt; deren Geschäfte übrigens nicht gut ausfielen, so daß
die Staatsverwaltung daselbst von 1877/79 das Torfschiff probeweise
übcrnahnr, um eS dann zu kaufen. Ein Schiff von etwa
40 m Länge 6,0 m Breite ist vorn mit 2 großen schneckenartigen
Vorrichtungen versehen, mittelst deren es sich sozusagen
seinen Kanal selbst gräbt und pro Tag 50—100 m vorschreibt.
Der Torf komnit in das Schiff, wird hier zu einer breiartigen
Masse verarbeitet, und dann seitlich auf dem geebneten Terrain
abgelagert und zwar gewöhnlich in einer Stärke gleich der Dicke
der Torfsoden, um hier wie bei der Sander'schen Maschine
geebnet, getrocknet und gestochen zu werden. Der hiebei erzeugte
Torf gehört zu dem Besten und wird zur Heizung in den Regenerativgasöfen
auf Hüttenwerk Augusthöhe mit Vorliebe verwendet.
Dieses Werk braucht jährlich 300—400000 Ztr. Torf.
Beim Hodge'schen Torfschiff sind 11 Mann in Arbeit und
werden bei lOstündiger Arbeitszeit 300—400 cbm Torf gewonnen
und verarbeitet. Nachteile desselben sind der notwendige
gleichmäßige Wasserstand im Kanal, sowie Empfindlichkeit bei
vorkommenden Holzmassen und sonstigen Hindernissen.
Weitere Breitorfmaschinen sind die von Ruschmann in
Varel erdachte Wandertorfmaschine, ferner die Breitorfmaschine
von Mahlstedt (Beeck) in Oldenburg, sowie eine Menge verwandter
Spsteme, deren Besprechung hier zu weit führte. Für
Pferde und Handbetrieb ist eine zweckmäßige Maschine von
Ing ermann in Koldmos konstruiert.
Der Vortragende ist wegen vorgeschrittener Zeit genötigt
die Herstellung des Darrtorfes, d. i. ein künstliches Austrocknen
des lufttrocknen Torfes nur kurz zu beschreiben, ebenso die Herstellung
von Torfkohle, welche in Meilern, Ofen, Retorten vor
sich geht, zu der aber bloß aschenarmer Torf sich eignet, mit
8%) Marimal-Aschengehalt. Diese Torfkohle ist sowohl beim
Hüttenbetrieb als auch zur Heizung z. B. der Eisenbahnwagen in
Oldenburg u. z. Teil auch in Preußen im Gebrauch. Oldenburg
braucht jährlich zur Waggonheizung etwa 25 000 kg zum
Preis von 5 M. pro 100 kg. Die Gasheizungen (Generatoren),
die Verbesserungen von Siemens und anderen (Regeneratoren)
werden dann beschrieben, deren Erfindung den Torf für Zwecke der
Großindustrie (Eisen-, Stahl-, Glas-, Soda-, Ziegelei-, Kalkfabrikation»
nutzbar machte, was viele Anlagen in Kärnthen,
Steyermark, Hannover und anderen Gegenden ersehen lassen.
Zuletzt kommt der Vortragende auf die wichtige Torfstreu- und
Torfmullfabrikation zu sprechen; welche von großem Werte, sowohl
für die Moorbesitzer, als auch für die Landwirtschaft und
Städtereinigung geworden ist. Das jüngste Erzeugnis der
Movrbildung, der Faser- oder Moostorf, welches reich an unvermoderten
Pflanzenfasern ist, hat in trockenem Zustande ein
außerordentliches Aufsaugnngsvermögen. Ein Gewichtsteil Moortorf
kann das neunfache seines Gewichtes an Wasser aufnehmen,
infolge hievon eignet sich das Material vorzüglich zu Streu
in Ställen sowie zur Geruchlosmachung von Abtritten. Die
neueren Maschinen zur Herstellung dieses Fabrikates werden
erläutert, ebenso die Verpackung desselben, welche nur durch
Verdichten mittelst Pressen (Hebelpressen), Anbringen von Brettstücken
und Binden mittelst Draht bewerkstelligt werden kann.
Ein Zentner Torfniull kommt in Wagenladungen 200 Ztr.
frei Station Stuttgart jetzt auf 1 M. 70 Pf. bis 2 Ji (Preise der
hannov. Torswerke bei Neustadt a. N.); nach den gesammelten
Erfahrungen genügt Vs— Vs Ztr. pro Person und Jahr zur Geruchlosniachung
eines Abtritts. Uebrigens sollen Torfstreufabriken
auch bei uns im Steinhäuser und Psrunger Ried endlich einmal
errichtet werden. Es wird erwähnt, daß vor einigen Jahren bei
Einführung des Torfmulles zur Geruchlosmachung von Abtritten
in Hannover die Fäkalien einer Schule im offenen Wagen
durch die Stadt geführt wurden, ohne daß die Leute die Natur
des Stoffes ahnten. Die Anwendung des Stoffes soll in
Braunschweig und Magdeburg obligatorisch sein und wird durch
die Erfindung selbstthätiger Klosetstreuvorrichtungen erleichtert, von
denen u. A. die Konstruktion der Herrn Bisch leb u. Kleucker
sowie von Otto Poppe an der Hand von Patentschriften vorgeführt
wird. Diese Torfmullstreuung ist jedenfalls als ein bedeutender
Fortschritt im Städtereinigungswescn zu bezeichnen;
umsomehr als die erzeugten Dünger als gutes Material erprobt
morden sind.