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Um einige Ordnung und Uebersichtlichkeit in die Sache zu 
bringen habe ich den ganzen Stoff in nachstehende bl Abschnitte 
geteilt. 
1) Die Obliegenheit der Neinigungspflicht und die Ausüb 
ung der Kontrolle über die Ausführung. 
2) Die Zeit der Reinigung und der Abfuhr. 
3) Arbeiten in Regie und im Akkord. 
4) Einteilung in Bezirke und Zahl der Arbeiter. 
5) Kosten der Reinigung. 
6) Verwendung des Kehrichts und Erlös aus demselben. 
7) Maßregeln bei Schnee und Eis. 
8) Beseitigung des Schlammes aus den Kanälen. 
9) Konstruktion der Abfuhrwagen. 
10) Beizieheu der Pferdebahngesellschaften zu den Reinigungs 
kosten und 
11) das Begießen (Besprengen) der Straßen. 
Der erste Abschnitt, über die Obliegenheit der Neinig 
ungspflicht rc., ist wohl einer der wichtigsten, und hier kann so 
fort' bemerkt werden, daß die Reinigung der Fahrbahnen in chaus- 
sierten Straßen, sowie auch die Abfuhr des Staubes und Mo 
rastes , deren Vornahme viel von der Witterung abhängig ist, in 
allen Städten Obliegenheit der Stadtgemeinde ist, die Ausführung 
besorgen die Straßenbauinspektionen oder die städt. Bauämter, und 
die Kontrolle ist Sache der Vorstände dieser Stellen. ^ 
Bei gepflasterten Straßen werden die Hälfte der Fahr 
bahnbreite ohne Rücksicht aus die Breite der Straßen, sowie die 
Rinnsteine (Kandel) und die Trottoirs (Gehwege, Bürgersteige) von 
den Hanseigent ü m e r n auf die Länge ihrer Grundstücke gereinigt 
in den 11 Städten: Aachen, Breslau, Kassel, Dresden, Düsseldorf, 
Heidelberg, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Stuttgart und Würzburg. 
In Berlin werden alle dem öffentlichen Verkehr dienenden 
Straßen und Plätze, welche in die Unterhaltung der Stadtgemeinde 
übergegangen sind, also auch die Fahrbahn dcrcha usfierten Straßen, 
von der Straßenreinigungsanstalt auf Kosten der Stadtgemeinde 
gereinigt und besprengt. 
In Bremen, Hamburg und Mainz haben die Haus 
besitzer weder Straßen noch Trottoir zu kehre», beides geschieht von 
seiten der Stadt auf städtische Kosten. 
In Frankfurt und Hannover liegt die Reinigung der 
Fahrbahn und Rinnsteine der Stadtgemeinde ob, während die Haus 
besitzer die Trottoirs zu reinigen haben. 
In München haben die betreffenden Grundbesitzer die 
Straßen zu reinigen, nur auf freien Plätzen ist die Gemeinde 
verpflichtet die Gesamtreinigung auf der ganzen Fläche und zwar in 
einem Abstand von 5 in von der Rinne ab zu besorgen, während 
die Reinigung des 5 m breiten Streifen entlang der Gebäude den 
Angrenzern obliegt. 
In Nürnberg hat die Stadtgemeinde den mittleren Streifen 
zu reinigen, um welchen gepflasterte Straßen die Breite von 16 r» 
übersteigen, so daß also solche Straßen mit weniger als 16 m Breite 
gänzlich von den Hausbesitzern gereinigt werden müssen. 
In Straßburg sind die Eigentümer oder Hausmieter ge 
halten, vor ihrem Anwesen bis in die Mitte der Straße kehren zu 
lassen, wenn dieselbe eine Breite von 8 m oder weniger hat. Die 
Reinigung des übrigen Teils übernimmt die Stadtgemeinde gegen 
eine Gebühr von 24 Pf. pro Jahr und Quadratmeter. — 
Bezüglich der Abfuhr des Kehrichts ist zu bemerken, daß 
sowohl der Straßen- als Hanskehricht in folgenden 12 Städten 
auf Kosten der Stadtgemeinde abgeführt wird: 
Bremen, Breslau, Kassel, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, 
Karlsruhe, Köln, Leipzig, Straßburg, Stuttgart und Würzburg. 
In A a ch e n hat die Stadtgemeinde nur in solchen Straßen 
die Verpflichtung zur Abfuhr des Haus- und Straßeukehrichts, wo 
städtische Gebäude oder sonstiges städtisches Eigentum an die 
Straßen angrenzen, sowie auf den öffentlichen Plätzen; für den 
übrigen Teil haben sowohl für Reinigung als Abfuhr die an 
grenzenden Hausbesitzer resp. Mieter zu sorgen. 
In Berlin ist die Abfuhr des Hausmull (Küchenabfälle) 
Sache der Hausbesitzer, nur der Straßenkehricht, der Kanalunrat, 
Schnee und Eis werden von der Straßenreinigungsanstalt abge 
fahren. 
In Dresden ist die Beseitigung der Küchenabfälle, sowie 
auch des von den Hausbesitzern zusammengekehrten Straßenkehrichts 
Sache der Hausbesitzer; nur der von den stadtbauamtlichen Arbeitern 
vor städtischem und staatlichem Eigentum zusammengekehrte Straßen 
kehricht (von etwa 28 ha, Fläche) wird durch Ratsgeschirre ab 
geführt. 
In Hannover erfolgt die Abfuhr des Straßenkehrichts eben 
falls seitens der Stadt, während der Hausunrat durch Privafiuhr- 
lente auf Kosten der Hausbesitzer vollzogen wird. 
In Heidelberg ist die Abfuhr des Straßen-und Haus 
kehrichts Sache der Hausbesitzer. 
In Mainz besorgt ein Unternehmer auf städtische Kosten die 
Abfuhr des Straßenkehrichts und des in den Hofränmen sich er 
gebenden Unrats, soweit letzterer als Dünger benutzt werden kann 
uüd in leicht handlichen Behältern an passenden Stellen zum Ab 
holen bereit steht; dieser Unternehmer übernimmt auch die Abfuhr 
des in Gruben gesamnielten Hauskehrichts gegen eine entsprechende 
Entschädigung. 
In München hat der Abfuhrunternehmer die zusammenge 
brachten Hansen des Straßenkehrichts wegzuführen, er ist aber 
auch verpflichtet, den Hauskehricht auf seine Wagen zu laden, 
wenn derselbe zur Zeit, wo Diese an den betreffenden Häusern vor 
überfahren, in Gefäßen bereit steht oder seinen Knechten zum 
Aufladen übergeben wird. (Bei vielen Gebäuden sind in den Hof- 
räumen Kehnchtgruben zur Aufnahme des Straßen- und Haus 
kehrichts angelegt.) 
In Nürnberg wird der Straßen-und Hauskehricht nur von 
denjenigen Gebäuden auf Kosten der Stadt abgeführt, deren Besitzer 
dem städtischen Kehrichtabfuhrabonnement beigetreten 
sind; es sind dieses von 6900 Gebäuden etwa 3000. Ein Zwang 
diesem Abonnement beizutreten existiert nicht, der Abonnemenlspreis 
wird halbjährlich im voraus von der Stadt eingezogen, welche die 
Verpflichtung hat, den betreffenden Abfuhrunternehmern die für ihre 
Leistungen jährlich festgesetzte Aversalsnmme auszubezahlen. 
Die kontrollierend en Behörden sind in den 11 Städten 
Aachen, Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, 
München, Nürnberg, Stuttgart und Würzburg für die von Privaten 
auszuführenden Neinigungsarbeiten die Polizeibehörden, und für 
die auf Kosten der Stadtgemeinde zu verrichtenden Arbeiten das Stadt- 
bauamt oder die städtische Straßenbauinspektion. 
In Berlin besteht tzine eigene Deputation für das Straßen 
reinigungswesen, welche aus 4 Stadträten und 8 Stadtverordneten 
zusammengesetzt ist; ein weiteres Mitglied ist der jeweilige Stadt 
baurat für das Jngenieurwesen. 
In Breslau und Frankfurt stehen die Arbeiten unter der 
Aussicht des Branddirektors. 
In Kassel und Straßburg sind besondere Inspektoren 
hierfür angestellt. 
In Dresden und Leipzig führt die Aufsicht die Wohl 
fahrtspolizeibehörde, 
in Hannover das Stadtbauamt und in Mainz, soweit 
es sich uni gepflasterte Straßen handelt, die städtische Straßen 
reinigungsanstalt. 
2) Die Zeit der Reinigung der Straßen und der Abfuhr 
des Kehrichts. 
In den Städten, welche nur Tagesreinigung haben, soll nach 
den bestehenden Vorschriften. das Kehren der Straßen und freien 
Plätze in den Sommermonaten April bis September in der Regel 
morgens von 5—7, bezw. von 6—8 Uhr, und in den Wintermo 
naten von 7—9 Uhr stattfinden; hinsichtlich der Abfuhr ist ferner 
bestimmt, daß mit derselben alsbald nach dem Beginn des Kehrens 
ebenfalls begonnen und dieselbe so betrieben werden soll, daß 
2 Stunden nach der Beendigung des Kehrens auch die Abfuhr 
vollendet ist. 
An den Tagen vor Sonn- und Festtagen wird die Reinigung 
erst nachmittags vorgenommen, und zwar in ven Sommermonaten 
von 4 Uhr in den Wintermonaten von 3 Uhr an, und soll die Ab 
fuhr vor Eintritt der Dunkelheit beendigt sein. 
In manchen Städten darf, sowohl zur Reinigung als zur Ab 
fuhr des Kehrichts, auch noch der Nachmittag benutzt werden, so in 
Bremen, wo die ganze Säuberung der Straßen vor Sonnenunter 
gang zu vollziehen ist. 
In Breslau darf mittags bis 5 Uhr gereinigt werden. 
In Dresden in weniger belebten Straßen bis 6 Uhr abends. 
In Düsseldorf ist dem Unternehmer zur Abfuhr des Straßen- 
kehrichts der ganze Tag freigestellt.
        

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