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In betreff des Kostens der Reinigung samt Abfuhr pro Jahr | 
und qm ist oben schon erwähnt, daß derselbe in Slraßbnrg 24 Pf. 
betrage, in Berlin hat derselbe 1880/81 24,5 Pf., im Jahre 1882/83 
20,7' $f., 1883/84 18 Pf. und 1884/85 19,4 Pf. betragen. In 
München übernimmt die Stadtgemeinde die den Hausbesitzern ob 
liegenden Reinigungsarbeiten um 42 Pf., und hier ist den Unter 
nehmern gestattet, 40 Pf. pro qm zu verlangen. 
In Paris sind von den Hausbesitzern nach einem von der 
Stadtverwaltung festgesetzten Gebührensätze zwischen 32 und 56 Pf. 
zu erstatten; es sind die Straßen in 8 Klassen geteilt, und die Ge 
bühren richten sich für jede dieser Klassen danach, ob das Hans 
unmittelbar an der Straße steht oder durch eine Mauer von der 
selben getrennt ist, oder ob eine Bebauung des Grundstücks über 
haupt noch nicht stattgefunden hat. 
6) Erlös aus dem Kehricht, und dessen Verwendung. 
Den Städten Aachen, Berlin, Bremen, Kassel, Düsseldorf, 
Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, München, Nürnberg, Stutt 
gart und Würzburg erwächst keine bare Einnahme durch die Ver 
wertung des Kehrichts. 
Die Stadt Breslau verpachtet den Kehricht und erzielte hiesür 
im Jahr 1882/83 die Summe von 14250 J& 
In Dresden wird der durch die Natskehrer zusammengefegte 
Kehricht für die städtischen Gartenanlagen verwendet, von deren Ver 
waltung hiesür jährlich 1000 JL vergütet werden. 
Die Stadt Frankfurt beziffert den Erlös aus ihrer Gesamt 
kehrichtmasse auf 26000 JL jährlich, 
Hannover dagegen nur auf 5000 JL 
Leipzig verkauft das 2spännige Fuder an die Landwirte um 
3 JL und hat in seinen Etat pro 1883/84 für den Erlös des Straßen 
düngers 7500 JL eingestellt. 
In Mainz wird der Kehricht, welchen die Stadtgemeinde weg 
zuführen hat , auf Lagerplätze vor die Thore der Stadt gebracht, 
dort von Steinen rc. gesäubert und pro einspännige Fuhre um 50 Pf. 
verkauft. 
Straßburg verkauft seinen Straßenkehricht an die Landwirte 
der benachbarten Orte und erzielt hieraus einen Erlös von jährlich 
circa 18000 JL 
In Berlin, Bremen, Hamburg, Köln, München und Nürnberg 
gehen die Kehrichtmassen, sobald sie in die Abfnhrwagen gebracht 
sind, in das Eigentum der Abfuhrunternehmer über, welche die 
selben zu guten Preisen verkaufen; dadurch sind sie im stände, die 
Reinigungsakkorde billiger zu übernehmen, so daß diese Städte immer 
hin einen indirekten Nutzen dadurch haben. 
Auf den Wert des Kehrichts hat die unmittelbare Nähe größerer 
Ortschaften deren Bewohner vorwiegend Landwirtschaft treiben einen 
wesentlichen Einfluß, wovon die Städte Frankfurt, Straßburg, Köln 
einen deutlichen Beweis liefern. Die Abfuhrunternehmer sind dort in 
der günstigen Lage, einen großen Teil des Kehrichts von der Straße 
weg unmittelbar auf die Felder zu führen; ebenso ist es den Oeko- 
nomen der benachbarten Ortschaften möglich, morgens in der vor 
geschriebenen Zeit mit ihren eigenen Fuhrwerken in die Stadt zu 
fahren und den Dünger zu holen, wobei sie selbstverständlich je nach 
der Qualität eine entsprechende Gebühr pro Wagen zu entrichten 
haben. 
Wenige Städte werden in dieser Beziehung so ungünstig daran 
sein wie Stuttgart; auf der nicht sehr ausgedehnten Fläche des 
Thales werden neben den als Baumgüter benützten Areals meistens 
frühere und feinere Gemüse gepflanzt, und die vom Thal aus an 
steigenden Gelände sind teils mit Reben und teils mit Bäumen be 
pflanzt. Unser Straßen- und Hauskehricht ist aber weder für den 
Gemüsebau noch für die Reben ein geeignetes Düngungsmittel, weil 
beide viele wertlose Stoffe, wie Schlacken, als Rückstand von den zur 
Feuerung benützten Steinkohlen und Coaks, außerdem aber auch Thon- 
nnd andere Scherben von zerbrochenem Küchengeschirr, sowie Teile 
von Blech-, Lederwaren rc. enthalten, welche sorgfältig ausgelesen 
und beseitigt werden müssen. 
Wenn dann nach diesem Auslesen die übrige Masse noch etwa 
1 Jahr oder noch länger gelagert wird und eine Gärung durch 
gemacht hat, dann erst kann eine Verwendung als Dünger für die 
zuni Gemüsebau vorbereiteten Länder stattfinden. 
Die Stadtgemeinde hat für die Anschaffung der Lagerplätze 
der Kehrichtmassen, sowie für die gute Unterhaltung der Zufahrts- 
mege zu sorgen, was nicht unerhebliche Kosten verursacht; und der 
Augenschein zeigt, daß diese Haufen alljährlich mehr und mehr an 
wachsen, obgleich eine unentgeltliche Abgabe an jedermann stattfindet. 
Für die Düngung der Felder zum Frucht-, Hopfen-, Kartoffel- 
und Futterbau wäre diese Masse gewiß in hohem Grade geeignet, 
aber die Transportkosten auf die nächstgelegenen Ortschaften ver 
teuern den Preis so sehr, daß bis jetzt eine Nachfrage von auswärts 
nicht stattgefunden hat. 
7) Maßregeln bei Schneefällen und Glatteis. 
In dieser Hinsicht sind unter gewöhnlichen Berhälnissen die 
anzuwendenden Maßregeln in allen Städten so ziemlich dieselben; 
die Hausbesitzer sind verpflichtet,, den Schnee von den Trottoirs und 
Straßenrinnen zu entfernen und bei Glatteis mit Sand oder sonst 
igen passenden Stoffen zu bestreuen. 
Auch für diese Arbeiten hat Berlin sehr zweckmäßige Ein 
richtungen ; es werden nämlich bei starken Schneefällen sogleich 
Hilfsarbeiter oft bis zu 1000 Mann eingestellt, welche den Schn« 
im Verein mit den ständigen Mannschaften auf Haufen zusammen 
bringen. Inzwischen werden seitens der Abfuhrunternehmer die 
nötigen Maßnahmen getroffen, so daß spätestens nach 24 Stunden 
mit einer großen Anzahl Wagen, gewöhnlich bis zu 1000, die Ab 
fuhr in Angriff genommen werden kann. Dieselbe erfolgt auf Grund 
eines Schneedes eilig nngsplanes und zwar derartig, daß die 
Stadt von innen nach außen gesäubert wird, nachdem zuvor die 
Hauptverkehrsadern freigemacht worden sind. 
Bei starkem Frost muß das Aufeisen der noch vorhandenen 
tiefen Rinnsteine ebenfalls meist durch Hilfsarbeiter ausgeführt 
werden. 
Das Eis wie der Schnee wird durch die Abfuhrnnternehmer 
fortgeschafft. Die Reinigung der Bürgersteige von Schnee und Eis, 
sowie das Abstumpfen der glatten Flächen mit Sand, ist Sache der 
Hausbesitzer auf die Länge ihres Eigentums. 
Gegen Glatteis auf den Fahrstraßen gibt es ein Rezept nicht, 
und wird daher auch nur auf den asphaltierten Straßen und auf 
den Brücken bei Glatteis mit Sand gestreut. 
Die Ausgaben für Schneeabfuhr und Hilfsarbeiter haben be 
tragen : 
im Jahr 1879/80 ... 680 222 JL 
1880,81 . 
1881182 . 
1882183 . 
1883184 nur 
82 541 JL 
174 406 JL 
105 370 JL 
25 050 JL 
In Breslau ist seit dem Jahre 1877 zur Beseitigung des 
Schnees das Verfahren eingeführt und hat sich auch bewährt, daß 
die Hausbesitzer durch die Polizeibehörde angehalten werden, nach 
eingetretenem Schneefall den Schnee auf den ihnen zufallenden Bürger 
steigen und Straßendämmen sofort auf Haufen zusammenzufegen.! 
Sobald dies geschehen, beginnen die Marstallgespanne mit der Ab-; 
fuhr, wobei die Feuerwehrgespanne mit verwendet werden. Mit 
25 Gespannen können in einer Nacht über 400 Fuhren Schnee ab 
geführt werden, und es ist gestattet, den schmntzfrcien Schnee an 
einer Stelle der innern Stadt in die Oder zu werfen. 
Bei eintretendem Thauwetter sind die Rinnsteine, Straßen 
und Bürgersteige von Eis und Schnee auch außer den gewöhnliche» 
.Reinigungsstunden sofort zu befreien. 
In Dresden wird bei größeren Schneefällen hauptsächlich 
darauf gesehen, daß der Schnee auf den verkehrsreichen Straßen, 
Platzen und Trottoirs so schnell als möglich zusammengeschaufelt 
und aus der Stadt hinausgeschafft wird, ehe er an die Oberfläche 
der Straßen und der Trottoirs angefroren ist. 
Neben der Reinigung der Straßen und Trottoirs längs der 
Straßenfront ihrer Grundstücke von Schnee und Eis, sowie dem Be 
streuen der Trottoirs mit Sand rc., sind die Hausbesitzer auch noch 
verpflichtet, die hin und wieder an den Dächern oder Dachrinnen 
sich bildenden Eiszapfen vorsichtig abzustoßen. Dagegen haben sie 
sich des Auswerfens des Schnees und Eises aus den Gehöften der 
Grundstücke auf die Fahrstraße, ebenso wie des Zusammenhänfens 
des auf den letzteren gefallenen Schnees in der Mitte der Straße 
zu enthalten. 
Die zur Ablagerung des Schnees erforderlichen Plätze werden 
jedesmal bekannt gemacht. 
In Stuttgart hat jeder Hausbesitzer längs seines Hauses
        

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