Full text: Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1885/86)

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eine Vereinbarung dahin getroffen, daß die Bahnverwaltung den 
von der Reinigung der Bürgersteige und Dämme herrührenden 
Kehricht, Schnee rc. von einer Anzahl Straßen abzuführen hat, 
deren Flächeninhalt gleich ist dem der gesamten von der Bahnverwalt- 
ung vertragsmäßig zu reinigenden Geleiseflächen. 
In Karlsruhe bezahlt die Pferdebahngesellschaft der Stadt 
gemeinde für die laufenden Unterhaltungsarbeiteu und die Reinigung 
des von ihr benützten Pflasterstreifens pro Jahr 2000 JL 
In Straßburg werden die Bahngeleise im Wege des Abonne 
ments von der städtischen Reinigungsanstalt gereinigt und pro gm 
jährlich 24 Pi. wie für die übrige Straßenfläche bezahlt. Die ganze 
Summe beziffert sich ans 746 JL jährlich. 
Weitere Kosten anderer Städte sind nicht mitgeteilt worden. 
Die Breite des Streifens. welchen die Gesellschaften in den 
verschiedenen Städten außerhalb der Schienenstränge zu reinigen 
und zu unterhalten haben, beträgt in Hamburg 60, in Mainz 50, 
in München 30, in Nürnberg 60 cm. 
11) Das Begießen (Besprengen) der Straßen. 
Dieses ist bekanntlich an heißen Sommertagen zur Nieder 
haltung des Staubes ein dringendes Bedürfnis und dient auch zur 
Erfrischung der Atmosphäre, namentlich an schwülen Tagen. 
Es geschieht nur mittels Faßwagen von 12—1500 I In 
halt in den 15 Städten Aachen, Berlin, Bremen, Breslau, Kassel, 
Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Heidelberg, Leipzig, 
Karlsruhe Köln, Nürnberg und Straßburg. 
In den übrigen 5 Städten Hamburg, Mainz, München, Stutt 
gart und Würzburg werden teils Faßmagen, teils Apparate mit 
eisernen Röhren, auf kleinen Rädchen ruhend und an ihren Enden 
mittels Gummischläucheu verbunden, verwendet. 
Sehr verschieden sind die Urteile über den Einfluß, den das 
Begießen mit Faßwagen und mit Apparaten auf die Oberfläche, 
namentlich der chauffierten Straßen, ausüben soll. 
Für besser und billiger wird das Begießen mit Faßwagen 
gehalten in den Städten Aachen, Berlin, Breslau, Dresden, Düssel 
dorf, Heidelberg und Leipzig. 
Für besser, aber nicht billiger in Straßburg. 
Im Gegensatz hierzu wird aus Hamburg mitgeteilt: die Be- 
sprengung der Straßen mittels Faßwagen sei nahezu ganz beseitigt, 
die regelmäßige Besprengung geschehe ausschließlich aus den Hydran 
ten mit gewöhnlichen Gummischläuchen (ohne Rädchen), welche nach 
dem Gebrauch zusammengelegt und auf kleinen Handwägelchen trans 
portiert werden. 
In Mainz geschieht, da noch nicht alle Straßen mit Wasser 
leitungen versehen sind, die Straßenbegießung mittels Fässern auf 
Wagen, welche an den Hydranten gefüllt werden. 
In München erfolgt das Spritzen der Straßen sowohl mittels 
Spritzsässern als auch niittels Rollschläuchen; letztere Art ist jedenfalls 
die billigere und ausgiebigere. 
In Nürnberg wird das Besprengen unmittelbar vom Hy 
dranten aus mittels kurzer Schläuche vorgenommen und werden 
hiezu 5 Arbeiter verwendet, von denen jeder selbständig, d. h. ohne 
Beihilfe eines zweiten, manipuliert. 
In Stuttgart werden hauptsächlich Rollaparate, Faßwagen 
aber wenig benützt; auch ein wiener Schlauchtrommelwagen wurde 
im Jahre 1874 angeschafft, der aber etwas schwerfällig ist. _ 
Bei den vielen steilen Straßen die wir hier haben, sind die 
Faßwagen erfahrungsgemäß weniger geeignet als die Rollaparate. 
Auch kann das Begießen mit letzteren für die Oberfläche einer 
chauffierten Fahrbahn nur dann von nachteiligen Folgen sein, wenn 
der die Ausgußröhre handhabende Arbeiter aus Unwissenheit oder 
Böswilligkeit den Wasserstrahl in seiner unmittelbaren Nähe direkt 
auf die Straße wirken läßt, statt denselben in einem Bogen allmählich 
auf die Straße herunterfallen zu lassen. 
Nur die 3 Städte Berlin, Nürnberg und Bremen haben das 
Straßenbesprengen in Akkord gegeben; in letzterer Stadt ist der 
Aufwand hiefür in dem Straßenreinigungsakkord mit inbegriffen. 
Berlin hat Akkorde auf 5 Jahre abgeschlossen und bezahlt 
jährlich 148 500 JL (früher 170 000 JL). Die Stadt besitzt 130 
Sprengwagen, teils mit 1250, teils mit 1500 > Inhalt. Diese hat 
der Unternehmer auf seine Rechnung zu unterhalten und nach Ab 
lauf des Vertrags in gutem Stand zurückzugeben. 
Frankfurt hat in seinen Etat von 1883 84 eingestellt: für 
Löhne 4000 JL, für Unterhaltung der Wagen und Geräte 4000 JL, 
Fuhrkosten 25 000 JL, zusammen 33 000 *4 
Leipzig hat vorgesehen inkl. Wassergeld mit 26000 JL, im 
Ganzen 70 000 JL 
Mainz beziffert seinen Aufwand auf 11 500, Straßburg auf 
20 000 JL pro Jahr. 
JnStuttgarthaben in den letzten 10Jahren im Durchschnitt 
10 000 JL gereicht, inkl. Unterhaltung der Gerätschaften. Tie Zahl 
der Tage, an welchen bei uns begossen wurde, hat die Zahl 100 
nicht überschritten, ist aber schon auf 63 zurückgegangen, während 
Berlin für den feuchten Sommer 1882 156 Gießtage angibt; selbst 
verständlich hat die Witterung einen großen Einfluß. 
Der Wasserverbrauch wird pro Gießtag -auf etwa 1,5 I, und 
der Aufwand ans 0,025 Ps. für den gm pro Jahr geschätzt. In 
der Regel wird im Monat April begonnen und im Oktober auf 
gehört. 
Im Rechnungsjahr 1883/84 wurden in Stuttgart Straßen 
und öffentliche Plätze im Meßgehalt von 49 lm begossen (die Ge 
samtfläche aller Straßen und Plätze beträgt 92 in,); unter diesen 
Straßen sind jedoch auch solche, welche nicht regelmäßig, d. h. jeden 
Tag, sondern nur bei heißer Witterung wöchentlich 1 oder 2mal 
begossen wurden. Der Gesamtaufwand betrug inkl. Unterhaltung 
und Vermehrung der Gießapparate rund 10 000 JL, und berechnet 
sich der Jahresaufwand pro gm auf 2,04 Pf.. Gießtage waren es 
80, woraus sich der Kosten für eine einmalige Begießung ohne Be 
rechnung eines Wasserzinses pro gm auf 0,025 Ps. beziffert. 
Zu erwähnen ist noch, daß nur eine Straße, nämlich die 
Königsstraße, auf ihre ganze Länge von 1212 in täglich 2mal be 
gossen wird, außerdem noch ein Teil der Neckarstrabe vom Rondell 
aufwärts bis zum Charlottenplatz mit 1200 m Länge und ein 
kurzer Teil der Schloßstraße von der Königsstraße bis zur Frieds 
richsstraße 150 m lang; ferner, daß neben dem Begießen der fre 
quenteren Straßen auf Kosten der Stadt, die Hausbesitzer nach §. 78 
der straßenpolizeilichen Vorschriften vom Jahr 1875 verpflichtet sind, 
au trockenen und heißen Tagen die Straßen (Trottoirs und Fahr 
bahn) 2mal täglich, und zwar morgens zwischen 7 und 8 Uhr und 
nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr begießen zu lassen, und daß sich 
dieses Begießen bei gepflasterten wie bei nicht gepflasterten Straßen 
auf die hälftige Straßenbreite nach der Länge des betreffenden An 
wesens erstreckt. 
Schlußbemerkung. 
Die so vielfach gewünschte Aenderung der bestehenden Bestim 
mungen über das Straßenreinigungswesen konnte nicht vor dem 
1. April 1885 ins Leben treten, weil der mit der Firma Marquardt 
abgeschlossene Vertrag mit dreijähriger Dauer erst am letzten März 
desselben Jahrs zu Ende ging. 
Die wesentlichen Aenderungen, welche unter Berücksichtigung 
der eingelaufenen Gesuche bei der neuen Verakkordierung eingeführt 
worden, sind folgende: 
1) Das ganze Reinigungsgebiet mit einem Flächengehalt von 
87,60 ha (182 Straßen und 14 öffentliche Plätze) wurde in 4 Be 
zirke geteilt. 
2) Die Dauer des Akkordes umfaßt 5 Jahre. 
3) Die Wagen müssen fest schließen und bedeckt sein, so daß weder 
Schlamm noch Staub durchfallen kann, und sind außerdem mit fort 
laufenden Nummern zu versehen. 
4) Die Zeit der Reinigung der Straßen, Plätze rc., welche in 
den früheren Bestimniungen (§. 79 der Straßenpolizeivorschriften) 
in den Sommermonaten April bis September, morgens von 5 bis 
7 Uhr und in den übrigen Monaten, Oktober bis März, von 
7—9 Uhr stattzufinden hatte, soll künftighin in den Sommermonaten 
spätestens um 6 1 /* Uhr, und in den übrigen Monaten um 7»/* Uhr 
beendigt sein; es wurde somit die Zeit der Vollendung der Reinig 
ung in den Morgenstunden um bezw 1'/* Stunde vorgeschoben. 
Vor Sonn- und Festtagen ist die Zeit der Reinigung gegen 
früher unverändert geblieben, und soll in den Sommermonaten 
nachmittags 3 Uhr und in den andern Monaten nachmittags 2 Uhr 
beendigt sein. 
Das Abfuhrgeschäft soll sofort nach der Reinigung begonnen 
und so betrieben werden, daß es an den Werktagen in den Monaten 
vom 1. Oktober bis letzten März um 10'/* Uhr, und in der Zeit 
vom 1. April bis letzten September um 9'/a Uhr in der Weise 
vollendet ist, daß die Kehrichtabfuhrwageu zu der bezeichneten Zeit,
	        

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