Volltext : Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1887/88)

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7.  Vom  böhmischen  Verein  in  Prag  (1.  Heft).
8.  Vom  schwedischen  Verein  (1.  Heft).
9.  Vom  Genter  Verein  3  Hefte.
Als  Vertreter  des  Vereins  bei  der  diesjährigen  Abgeordneten-Versammlnng
  in  Hamburg  werden  die  Herren  Oberbanrat  v.  Hänel
und  Baurat  Rheinhard  vorgeschlagen  und  gewählt.
Nach  Erledigung  des  geschäftlichen  Teils  tritt  der  Verein  in
den  angekündigten  Teil  der  Tagesordnung  »über  die  Rathausfrage"
ein;  der  Vorsitzende  bezeichnet  zur  Behandlung  des  Gegenstandes
3  Wege  als  möglich:
1.  Wahl  einer  Kommission,
2.  Abschließende  Behandlung  in  der  heutigen  Sitzung,
3.  Einholung  der  Meinung  sämtlicher  ortsanwesenden  Vereinsmitglieder ­
  auf  schriftlichem  Weg.
Oberbaurat  von  Leins  schlägt  noch  als  vierten  Weg  vor
eine  Eingabe  an  die  städtischen  Kollegien  nach  Vorgang  der  hiesigen
Künstlerschaft;  er  verliest  zu  diesem  Zweck  die  Fassung  einer  solchen
Eingabe,  begründet  auf  die  in  die  öffentlichen  Blätter  übergegangene ­
  Aeußerung  eines  hervorragenden  Aesthetikcrs.
Tafel  stellt  den  Antrag  auf  Behandlung  der  Frage  durch
eine  Kommission  und  begründet  denselben  mit  der  Wichtigkeit  des
Gegenstandes,  der  in  weiten  Kreisen  der  Stuttgarter  Einwohnerschaft
schon  ein  großes  Interesse  erlangt  habe  und  nach  seiner  künstlerischen ­
  und  technischen  Seite  eine  tiefer  greifende  Behandlung  durch
unseren  Verein  erwarten  lasse,  als  dies  am  heutigen  Abend  möglich  sei.
Göller  kann  sich  von  der  Behandlung  in  einer  Kommission
keinen  besonders  großen  Nutzen  versprechen,  da  einer  solchen  wohl
kaum  weiteres  Material  zu  Gebote  stehen  werde,  als  heute  schon
vorliege  in  den  verschiedenen  Broschüren,  Aufsätzen  und  Referaten
der  Tagesblätter,  welche  den  Mitgliedern  bekannt  sein  dürften.
Schmid  spricht  für  den  Tafelschen  Antrag.
Lueger  würde  großen  Wert  darauf  legen,  wenn  über  die
rein  architektonischen  Gründe,  welche  sich  für  die  Wahl  des
Kasernenplatzes  geltend  machen  lassen,  Genaueres  bekannt  gegeben
würde.  Was  bis  dahin  zu  Gunsten  dieses  Projekts  von  den  Freunden ­
  desselben  in  die  Oeffentlichkeit  gedrungen  sei,  beschränke  sich  in
der  Hauptsache  auf  die  finanzielle  Frage;  es  scheine  ihm  jedoch
gerade  diese  noch  nicht  spruchreif  zu  sein,  solange  nicht  genauere
Erhebungen  hierüber  an  der  Hand  von  ausgearbeiteten  Projekten
vorliegen.  Fernerhin  sei  bei  dieser  Gelegenheit  die  hochwichtige
Frage  über  Behandlung  des  an  den  Marktplatz  anschließenden
Stadtteils  angeregt  worden.  Gegenüber  einer  solchen,  welche  so
tief  in  die  künftige  Entwicklung  der  inneren  Stadt  eingreife,  dürfe
der  finanzielle  Punkt  nicht  allein  maßgebend  sein.
Walter  stimmt  dem  Vorredner  bei  und  drückt  überdies  sein
Bedauern  darüber  aus,  daß  die  Freunde  des  Legionskasernenplatzes
sich  bei  der  Behandlung  der  Frage  in  der  Oeffentlichkeit  bislang
vollkommen  passiv  verhalten  haben,  während  andererseits  immer
wieder  Gerüchte  auftauchten,  es  sei  alles  vergeblich,  was  auch  von
den  Freunden  des  Marktplatzes  für  Anstrengungen  gemacht  werden,
das  Rathaus  demselben  zu  erhalten,  vielmehr  sei  es  beschlossene
Sache,  daß  der  Neubau  auf  dem  Legionskasernenplatze  errichtet
werde.  Wolle  man  nun  auch  solchen  Gerüchten  keinen  allzugroßen
Wert  beilegen,  so  erregen  sie  doch  in  Gemeinschaft  mit  der  geheimnisvollen ­
  Stille,  welche  von  maßgebender  Seite  aus  darüber
beobachtet  werde,  eine  gewisse  Unruhe  unter  allen  denen,  welche  im
Verlassen  des  Marktplatzes  aus  den  mehrfach  angeführten,  hier  nicht
zu  wiederholenden  Gründen  einen  großen,  nie  wieder  gut  zu  machenden ­
  Fehler  erblicke»  würden.
Oberbaurat  v.  Leins:  Zur  richtigen  Beurteilung  der  architektonischen ­
  Frage  fehle  in  erster  Linie  ein  Programm  für  das
Raumbedürfnis.  Ein  solches  lasse  sich  ja,  wie  viele  Vorgänge  zeigen,
selten  ganz  abstrakt  feststellen,  cs  müsse  und  könne  dabei  meist  abund
  zugegeben  werden,  je  nachdem  ein  reichliches  oder  beschränktes
Terrain  zur  Verfügung  stehe,  da  es  nicht  für  alle  Verwaltungszweige ­
  gleich  wichtig  sei,  daß  sie  in  unmittelbarer  Verbindung  mit
dem  Rathaus  stehen.  Er  erinnere  an  das  Hamburger  Rathausprogramm, ­
  das  ja  in  dieser  Beziehung  die  verschiedenartigsten  Wandlungen ­

  erfahren  habe,  bis  endlich  das  nunmehr  ausgeführte  Projekt
weitaus  enger  begrenzt  als  das  erstmalige  Konkurrenzprogramm  sich
herausgeschält  habe.  Auch  die  Wiesbadener  Rathauskonkurrenz
habe  sich  als  besonders  wertvoll  für  die  Platzfrage  herausgestellt,
indem  sie  bezüglich  der  Benützung  des  dort  vorhandenen  Platzes
für  die  verschiedenen  Monumentalbauten,  welche  derselbe  aufzunehmen
bestimmt  sei,  maßgebend  geworden  sei.  Auch  für  Stuttgart  meine
er,  sei  eine  solche  Behandlung  der  Frage  nicht  unerschwinglich.  Vor
allen  Dingen  handle  es  sich  aber,  wie  zuerst  erwähnt,  um  Aufstellung ­
  eines  Programms  und  gewiß  genüge  es  zur  Erlangung
eines  solchen,  der  Behörde  in  dieser  Beziehung  eine  begründete
Bitte  vorzulegen.
Dr.  Huber  macht  auf  die  Schwierigkeit,  im  gegenwärtigen
Augenblick  ein  sicheres  Programm  aufzustellen,  aufmerksam,  da  gerade ­
  eine  Reorganisation  verschiedener  Verwaltungszweige  in  Aussicht ­
  stehe.  Man  spreche  davon,  die  Notariate  und  das  Hypothekenwesen ­
  mit  den  Gerichten  in  Verbindung  zu  bringen;  auch  werde
es  sich  in  Zukunft  vielleicht  darum  handeln,  wie  in  andern  größeren
Städten  Abteilungsdirektoren  für  einzelne  Verwaltungszweige  zu
bestellen.  Dies  alles  könnte  unter  Umständen  darauf  hinführen,  .
in  das  Rathaus  hauptsächlich  die  Repräsentationsräume  aufzunehmen,
die  Bcamtenbureaux  aber  hinaus  zu  verlegen.  Es  dürste  daher  von
Nutzen  sein,  ehe  man  das  Programm  für  den  künftigen  Rathausbau ­
  feststelle,  auch  die  Verteilung  der  Lokale  in  anderen  Rathäusern
kennen  zu  lernen;  und  dieser  Zweck  lasse  sich  wohl  dadurch  erreichen,
daß  man  die  Schwestervereine  anderer  Städte  uni  Mitteilungen
hierüber  ersuche.
v.  Bischer  regt  den  Gedanken  an,  ob  es  zu  Gunsten  des
Marktplatzes  nicht  zweckmäßig  sei,  ein  Bild  von  demselben  mit  dem
neuen  Rathaus  ausführen  zu  lassen,  wie  ein  solches  für  den  Legionskaserneuplatz ­
  existiere  und  bereits  seine  Wirkung  gethan  haben  solle.
v.  Leins  nimmt  als  Architekt  Anstand,  ein  derartiges  Unternehmen ­
  in  Gang  zu  setzen,  insolange  man  nicht  auf  Grund  eines
Programms  in  der  Lage  sei,  die  betreffenden  Fassaden  aus  dem
Grundriß  zu  entwickeln.
Es  sei  immer  gefährlich,  ein  Gebäude  von  außen  nach  innen
konstruieren  zu  wollen  und  wenn  man  dies  thue,  werde  man  genötigt, ­
  einem  vorgefaßten  Phantasiegebilde  nachzustreben,  für  das
meist  die  innere  Einteilung  sich  nur  mit  Widerstreben  füge  und
stets  zum  Nachteil  der  zweckmäßigen  innern  gesunden  Disposition.
Mit  Rücksicht  auf  die  vorgerückte  Zeit  wünscht  der  Vorstand
j  einen  Beschluß  darüber  herbeizuführen,  welcher  von  den  eingangs
erwähnten  4  Wegen  bezüglich  der  Behandlung  des  Gegenstandes
durch  den  Verein  eingeschlagen  werden  solle.
Tafel  hält  seinen  Antrag  aufrecht  und  wünscht  volle  Freiheit ­
  für  die  zu  wählende  Kommission;  dieselbe  möge  dem  Verein
j  irgend  einen  Vorschlag  machen  über  die  Stellung,  welche  er  zu  der
|  Rathausfrage  nehmen  solle.
Lueger  wünscht,  es  solle  den  Vereinsmitgliedern  Gelegenheit ­
  gegeben  werden,  sich  an  der  Unterzeichnung  des  Schriftstücks,
welches  von  seiten  der  Künstlerschaft  au  die  städtischen  Kollegien
gerichtet  werde,  zu  beteiligen.
Weigclin  ist  der  Ansicht,  daß  eine  solche  Beteiligung  nicht
wohl  von  dem  Verein  ausgehen  könne  und  stellt  daher  den  Antrag,
daß  der  Verein  als  solcher  nur  von  dem  Schriftstück  Kenntnis
nehmen  und  im  übrigen  es  dem  Autor  anheim  geben  solle,  dasselbe ­
  bei  den  Mitgliedern  zirkulieren  zu  lassen.
Ter  Antrag  wird  angenommen;  ebenso  der  Tafelsche  aus
Wahl  einer  Kommission  von  7  Mitgliedern,  welche  zu  untersuchen
habe,  was  der  Verein  in  der  Rathausfrage  thun  könne.
Die  Wahl  ergießt  als  Mitglieder  der  Kommission:
Göller,  Leins,  Tritschler,  Laißle,  Walter,  Braunwald, ­
  Baurat  Rheinhard;
als  Ersatzmänner:
Dollinger,  Eisenlohr,  Professor  Reinhardt  und
Hänel.
Schluß  11  s /4  Uhr.  Der  Schriftführer:
C.  Walter,  Prof.
            
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