Volltext : Versammlungs-Berichte / Württembergischer Verein für Baukunde in Stuttgart (1890/91)

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Lueger  findet  den  springenden  Punkt  in  der  ganzen  Angelegenheit ­
  darin,  das;  die  Dezentralisation  unseres  Verbandes  als
einer  wissenschaftlichen  Vereinigung  erhalten  bleibe,  —  den  Wechsel
in  der  Vorstandsschaft  empfinde  er  als  eine  große  Wohlthat
wegen  der  belebenden  Wirkung,  welche  er  auf  das  Vereinsleben
ausübe.
Walter  bemerkt,  das;  er  ursprünglich  der  Anstellung  eines
Generalsekretärs  nicht  abgeneigt  gewesen  sei,  habe  sich  aber  im
Laufe  der  Ausschußverhandlungen  mit  den  vom  Ausschuß  gemachten ­
  Vorschlägen  befreundet;  wenn  man  einen  passenden  Mann
für  die  Besorgung  der  Sekretärsgeschäfte  finde,  sei  ja  nicht  ausgeschlossen, ­
  daß  man  denselben  auf  längere  Zeit  halten  könne.
Weigelin  spricht  die  Ansicht  aus,  daß  der  Sekretär  keine
hervorragende  Persönlichkeit  zu  sein  brauche,  er  habe  ganz  nach
den  Intentionen  des  jeweiligen  Vorstandes  die  Geschäfte  zu  besorgen.
Bei  der  hieran  sich  schließenden  Einzelberatung  wird  Punkt
I  mit  allen  gegen  3  Stimmen  angenommen.
Bei  Punkt  2  spricht  sich  Waller  st  ein  er  dagegen  aus,  daß
eine  bestimmte  Summe  für  einen  Sekretär  eingesetzt  werde,
während  Lueger  und  Laistner  darauf  hinwiesen,  daß  es  sich
hiebei  nicht  direkt  um  den  Gehalt  eines  Sekretärs,  sondern  um
eine  Summe  bis  zu  der  Höhe  von  5000  M  handle,  welche  dem
Vorstand  für  Besorgung  der  Sekretärsgeschäfte  zur  freien  Verfügung ­
  zu  stellen  seien  und  wofür  er  nach  eigenen;  Dafürhalten
einen  oder  mehrere  Sekretäre  anstellen  könne.  Hierauf  wird
Punkt  2  mit  allen  gegen  2  Stimmen,  die  Punkte  3,  4,  5,  6
einstimmig,  und  schließlich  die  ganze  Aeußerung  des  Vereins  mit
II  gegen  3  Stimmen  angenommen.
Der  Antrag  Rheinhards,  sich  dahin  auszusprechen,  daß  in;
Falle  der  Annahme  unserer  Vorschläge  jede  weitere  Behandlung
dieser  Verbandsfragen  auf  4  Jahre  ruhen  solle,  findet  nicht  die
erforderliche  Unterstützung.
Ein  weiterer  Antrag  Rheinhards,  den  Vereinen  in  München,
Hannover,  Darmstadt,  Köln,  Straßburg  und  Frankfurt  den  heute
gefaßten  Beschluß  mitzuteilen,  mit  der  Bitte  um  Mitteilung  der
dort  gefaßten  Beschlüsse,  um  eventuell  gemeinsam  vorgehen  zu
können,  wird,  nachdem  sich  Lueger  dagegen,  Tafel  dafür  ausgesprochen ­
  haben,  abgelehnt,  dagegen  der  Antrag  W  ei  ge  lins
angenommen,  den  Vereinen  ii;  Hannover  und  Straßburg,  welche
eine  Korrespondenz  mit  unserem  Verein  in  dieser  Angelegenheit
angeknüpft  haben,  unsere  Beschlüsse  ohne  weiteren  Zusatz  mitzuteilei;.

Dannt  wird  die  Beratung  über  die  Verbandsorganisation
geschlossen.
Eingelaufen  sind  2  Aufnahmsgesuche
1.  von  Regierungsbaumeister  Metzger  in  Stuttgart,  vorgeschlagen ­
  durch  das  Vereinsmitglied  Schmohl,
2.  von  Brandversicherungsinspektor  Findeisen,  vorgeschlagen
durch  das  Vereinsmitglied  Ockert.
Die  Versammlung  nimmt  Kenntnis  von  dei;  eingesandten
Lebensläusen  der  beiden  Herrn.
Zur  Beantwortung  der  vom  Verbände  eingesandten  Fragebogen ­
  betreffend  die  in  dem  Entwürfe  eines  bürgerlichen  Gesetzbuches ­
  enthaltenen  baurechtlichen  Bestimmungen  werden  zwei
Kommissionen  gewählt,  bestehend
1.  für  die  zum  Wafserbaufach  gehörigen  Fragen  aus  den
Herren  Baurat  Rheinhard,  Ehmann,  v.  Leibbrand,  Ka>;z
und  Zobel,
2.  für  die  zum  Hochbaufach  gehörigen  Fragen  aus  den  Herren
Walter,  Eisenlohr,  Guide,  Mayer,  E.  Stahl.
Zum  Gebrauche  dieser  Kommission  wird  die  Anschaffung
des  Entwurfes  des  bürgerlichen  Gesetzbuches  in  zwei  Eremplaren
bewilligt.
Hierauf  kommt  der  Antrag  des  sächsischen  Ingenieur-  und
Architektenvereins,  betreffend  die  Einführung  einer  einheitlichen
deutschen  Normalzeit,  zur  Besprechung  und  findet  ohne  Debatte
einstimmige  Annahme.
Nach  Mitteilung  der  Einläufe,  bestehend  in
1.  Bericht  über  die  Enthttllungsfeier  des  Denkmals  für  vr.
Rob.  Mayer,

2.  Prospekt  der  Kunstabteilung  des  bibliographischen  Bureaus
zu  Berlin,
3.  Mitglieder-Verzeichnisse  von  verschiedenen  Architekten-  und
Ingenieur-Vereinen,
spricht  Wallersteiner  den  Wunsch  aus,  es  möchten  die  Einläufe, ­
  wie  früher,  während  der  Versammlungen  auf  einen  besondern ­
  Tisch  zur  Einsicht  bereit  gelegt  werden,  was  vom  Vorsitzenden ­
  zugesagt  wird.
Zum  Schluß  der  Versammlung  stellt  Tafel  das  große  Interesse ­
  fest,  welches  die  Vereinsmitglieder  für  die  Entwicklung  des
Verbands  an  den  Tag  legen,  in  den;  sich  von  123  ortsanwesenden ­
  Mitgliedern  15  an  der  heutigen  Versammlung  beteiligt  haben.
Z.  B.
Der  Schriftführer:
Tafel.

Gesellige  Bereinigung  an;  29.  März  1890.
Anwesend  35  Mitglieder  und  12  Gäste.
Zu  dieser  sehr  zahlreich  besuchten  Vereinigung,  welche  auch
durch  die  Ainvesenheit  des  Herrn  Finanzministers  Excellenz  und
mehrerer  Mitglieder  des  königlichen  Bergrats  beehrt  wurde,  hatte
Herr  Architekt  Lauser  eine  sehr  reichhaltige  Ausstellung  neu  konstruierter ­
  und  emaillierter  Oefen  aus  dem  K.  Hüttenwerk  Wasseralfii;gen
  sowie  anderer  emaillierter  Gegenstände  aus  dem  Atelier
voi;  Paul  Stotz  in  Stuttgart  veranstaltet,  und  gab  ausführliche
Mitteilungen  sowohl  über  die  Konstruktion  der  Oefen  wie  auch
das  Verfahren  des  Emaillierens  (siehe  Beilage  I).
Sowohl  die  Ausstellung  wie  auch  die  Erläuterungen  erregtei;
das  Interesse  der  Anwesenden  im  hohen  Grade  und  wurde  dem
Urheber  der  Ausstellung  sowohl  für  diese  als  auch  den  sich  daran
knüpfenden  Vortrag  am  Schluß  durch  dei;  Vorstand,  namens  der
Versamuckung,  der  lebhafte  Dank  in;  Hinblick  auf  die  große
darauf  verwandte  Mühe  und  Fleiß  ausgesprochen.

Zweite  ordentliche  Versammlung  an;  12.  April  1890.
Vorsitzender:  v.  Leins.  Schriftführer:  Laistner.
Anwesend:  17  Mitglieder.
Nach  Verlesung  und  Genehmig;u;g  des  Protokolls  der  letzten
Versammlung  gibt  der  Vorsitzende  von  der  erfolgten  Aufnahine
des  Architekten  P.  Stotz  als  ortsanwesendes  Mitglied  und  voi;
dem  Gesuch  des  früherei;  Mitglieds  Rampacher,  derzeit  Direktor
des  Granit-  und  Syenitiverks  Bensheim,  um  Wiederaufnahme
Keimtnis  und  teilt  weiter  mit,  daß  Rheinhard  bedauerlicherweise
aus  Gesundheitsrücksichteil  sich  genötigt  gesehen  habe,  sein  Amt
als  Bibliothekar  niederzulegen,  und  Lueger  auf  Ersuchen  von
seiner  Seite  sich  bereit  erklärt  habe,  vorläufig  wenigstens  die
Bibliothekarsgeschäfte  zu  übernehmen,  ivie  er  bereits  auch  in
dankenswertester  Weise  sich  der  Vornahme  des  Bibliotheksturzes
unterzogei;  habe.
Ueber  die  Ulmer  Münsterseier,  zu  welcher  der  Verein  in
freuildlichster  Weise  Einladung  erhalte,;  hat,  berichtet  der  Vorsitzende ­
  weiter,  daß  die  iü  welcher  Weise  eine  Beteiligung
des  Vereins  als  solchem  inöglich  sei,  iwch  ihrer  Erledigung  harre.
Er  verliest  die  hiewegei;  mit  dem  Oberbürgermeister  v.  Hein;
gepflogene  Korrespondenz  und  hofft,  es  werde  in  kurzem  eine
endgültige  Entscheidung  getroffen  werdei;  könne,;.  Für  alle  Fälle
sei  eine  zahlreiche  Beteiligung  der  Vereinsnütglieder  an  den;  in
Aussicht  stehenden  schönen  Feste  sehr  zu  wünschen.
Von  Büsing,  den;  Redakteur  der  „Deutschen  Bauzeitung"
ist  ein  Entwurf  einer  Vereinbarung  mit  den  süddeutschen  Vereinen
über  die  Verschmelzung  des  „Wochenblatts"  und  der  „Bauzeitung"
eingegangen,  der  verlesen  wird.
Der  Vorsitzende  schlägt  Namens  des  Ausschusses  vor,  in
dieser  Angelegenheit  zunächst  noch  keine  Entschließung  zu  fassen,
da  die  Frage  der  Verbandsorganisation  und  damit  anch  diejenige
            
Waiting...

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