Volltext: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1893-97)

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Verein, geäußert habe, und wird, da der Verein für Baukunde zu 
stimmt, ein Schreiben gleichen Inhalts dem Verbands-Vorstande zu 
senden. 
Vom Architekten- und Ingenieur-Verein für Elsaß-Lothringen 
wird mitgeteilt, daß von dem Werke „Slraßburg und seine Bauten" 
noch 600 Exemplare zum Verkauf vorhanden seien; der Vorstand 
erwähnt, daß bei der Ministerialabteilung für Straßen- und Wasser 
bau die Anschaffung von 4 Exemplaren beantragt sei und empfiehlt 
ein gleiches Vorgehen den maßgebenden Herren bei den anderen 
Ressorts. 
Zur Zirkulation gelangt die Zeitung für Lüftung und Heizung, 
redigiert von Ingenieur Hase in Berlin. 
Einem Gesuche der süddeutschen Bauzeitung, die Vorträge des 
hiesigen Vereins in ihren Spalten veröffentlichen zu dürfen, wird 
keine Folge gegeben. 
Zur Verlesung kommen die Aufnahmegesuche von Abt.-Jng. 
Ernst, vorgeschlagen von Baurat Neu ff er und von Ingenieur 
Karl Mezger, vorgeschlagen von Präsident v. Leibbrand. 
Die Kommissson, welche für die Lieferung von Beiträgen zu 
der vom Verbände unternommenen Arbeit, betreffend die Darstellung 
der Entwickelungsgeschichte des deutschen Bauernhauses gewählt ist, 
hat bisher nur eine geringe Thätigkeit entwickelt, indem nur vom 
Oberamtsbaumeister Werkmann in Laupheim ein Beitrag eingesandt 
worden ist. Stadtbaurat Mayer macht darauf aufmerksam, daß die 
Behandlung des Gegenstandes auf der Straßburger Wanderversamm 
lung eingehend erörtert und eine neue Kommission mit dem Sitz in 
Berlin bestellt worden sei, von welcher die nötigen Direktiven an Die 
Einzelvereine ergehen werden. Damit wird die Angelegenheit als 
! vorläufig erledigt erachtet. 
Es folgt darauf der interessante Vortrag von Professor Rauscher 
über römische und altchristliche Basiliken, welcher durch zahlreiche 
Pläne und Photographien erläutert wird. (Dieser Vortrag ist weiter 
unten abgedruckt.) 
Der Vorsitzende drückt dem Redner den Dank des Vereins für 
! die eingehenden Erörterungen des interessanten Gegenstandes aus. 
An die Mitglieder des Miirtt. Vereins für Baukunde 
In Betreff des von dem Architekten- und Ingenieur-Verein für 
Elsaß-Lothringen herausgegebenen Werkes 
„Straßburg und seine Bauten" 
wird von diesem Verein mitgeteilt, daß noch 600 Exemplare zum 
Verkauf vorhanden seien. 
Es wird daher nochmals auf die im vorjährigen Heft 9, Seite 74 
aufgeführte Preis-Ermäßigung hingewiesen und dazu bemerkt, daß 
diejenigen Herren, welche das Werk beziehen wollen, auf Wunsch auch 
zunächst das Werk für eine kurze Zeit zur Ansicht von dem Vereins- 
Sekretär, Herrn Abt.-Jng. Mederle, erhalten können. 
Diejenigen Herren, welche an dem Bezüge der Verbands-Mit 
teilungen teilzunehmen wünschen, wollen dieses dem Vereins-Vorstand 
baldigst anzeigen. Der Bezug kostet 50 Pfg. für das Jahr. 
Von denjenigen Herren, welche die Verbands-Mitteilungen bis 
her schon bezogen haben, wird angenommen, daß sie den Bezug fort 
setzen wollen. 
Die forensischen und die christlichen Basiliken Roms 
Vortrag von Professor Rauscher, gehalten am 2. März 1895. 
Wenn wir heute das Wort Basilika ohne weiteren Zusah ge 
brauchen, so verstehen wir darunter zunächst eine altchristliche Kirche 
von rechteckiger Grundrißform, geteilt nach der Länge durch zwei, 
seltener vier parallele Säulenreihen in drei, beziehungsweise fünf 
Schiffe, deren mittleres breiter ist als die seitlichen, und mit einer 
halbrunden Apsis oder Tribuna abschließt. Dieses Mittelschiff ragt 
auch über die Dächer der Seitenschiffe empor und erhält Licht durch 
Fenster in seinen erhöhten Mauern. Wenn wir aber von einer 
mittelalterlichen Kirche als Basilika sprechen, so denken wir nur an 
das Emporragen des Mittelschiffes als Gegensatz zu gleicher oder 
annähernd gleicher Erhebung der Schiffe einer „Hallenkirche". Die 
Johanniskirche hier hat Basilikenform, während alle andern gothischen 
Kirchen unserer Stadt Hallenkirchen sind. Die Basilika hat aber 
eine Vorgeschichte im Altertum. Schon das republikanische Rom 
hatte Basiliken und das kaiserliche sah die letzten entstehen wenige 
Jahrzehnte, ehe der Bau christlicher Basiliken in derselben Stadt be 
gann. Diese altrömischen Gebäude dienten Markt- und Gerichts 
zwecken. Waren sie nun das Vorbild der christlichen Basiliken, wie 
der Name anzudeuten scheint, oder hat die verwandte Form der 
letzteren einen anderen Ursprung? Warum dann derselbe Name? 
Dieser vielerörterten Frage näher zu treten, unterlasse ich vorläufig. 
Es wird leichter sein, zu derselben Stellung zu nehmen, ivenn wir 
einen gemeinsamen Gang durch die bemerkenwertesten jener Bauwerke 
selbst gemacht haben werden. Vorher verlangt aber die Ordnung 
Aufschluß über die Herkunft des Namens. Dieser ist nach allge 
meiner Ansicht von der Basileios Stoa, dem Amtslokal des Archon 
Basilcus in Athen herzuleiten. Man weiß auch, daß sie Pausanias 
noch gesehen hat und glaubt sogar eine Stelle an der Agora be 
zeichnen zu können, wo sie gestanden haben müsse. Die Form dieser 
„Königshalle" ist aber nicht bekannt.*) 
*) Siehe „Haus und Halle" von Dr. Conrad Lange (Leipzig 1885), 
Seite 60 u. folg. 
Auf italischem Boden begegnen wir dem Namen Basilika das 
erstemal im zweiten Jahrhundert vor Christi Geburt. Im Jahre 
570/184 baute nämlich M. Porcius Cato der Aeltere als Censor 
die erste und nach ihm benannte Basilika am Forum in Roni. Daß 
Cato kurz zuvor in Griechenland war, ist bekannt. Wenn man nun 
auch nicht gerade nachweisen kaun, daß Catos Entschluß ein Ergeb 
nis seiner Reise war, so erlaubt es doch schon der griechische Ur 
sprung des Namens die römische Basilika als eines der verschiedenen 
Kunstanlehen aufzufassen, welche die Römer bei den Griechen auf 
nahmen. In Catos Neubau nun verlegte man einen Teil der 
Krämerbuden, welche das Forum verstellten nnd vermutlich auch ein 
Gericht, das bis dahin im Freien abgehalten wurde. Daß es über 
haupt galt, hier Wandel zu schaffen, geht daraus hervor, daß als 
bald noch weitere Basiliken am Forum gebaut wurden, zunächst die 
Basilika Fulvia (179 v. CH. G.), dann die Scmpronia, die ältere 
Basilika Aemilia*) und die Opimia, letztere im Jahr 121. Sie waren 
alle nach ihren Erbauern benannt. Erhalten ist nichts mehr von 
ihnen. Eine Vorstellung von ihrer Gestalt können wir uns nur 
machen: 1) aus den allgemeinen Vorschriften, welche Vitruv giebt 
für den Bau von Basiliken überhaupt, 2) aus seiner Beschreibung 
der Basilika, welche er in Fanum gebaut hat und 3) aber deut 
licher, aus den Resten der annähernd gleichalterigen Basilika in 
Pompeji, welche nichts den Vorschriften Vitruv's Widersprechendes 
enthält. 
Nach gewissen Merkmalen der Technik muß man die Erbauung 
dieser Basilika ungefähr ins Jahr Einhundert v. CH. G. setzen. 
*) Daß die berühmte Basilika Aemilia, von der noch die Rede sein wird, 
eine Vorgängerin gleichen Namens gehabt habe, beweist Lange durch ver 
schiedene Stellen (s. Seite 170 u. folg.) Von diesen nur folgende aus einem 
Briefe Ciceros an Attikus: Paulus in medio foro basilicam jam paene 
texuit iisdem antiquis columnis, illam ankern, quam locavit, facit magni- 
ficentissimam, quid quaeris ? nihil gratius illo monumento, nihil gloriosius...
	        
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