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Verein, geäußert habe, und wird, da der Verein für Baukunde zu
stimmt, ein Schreiben gleichen Inhalts dem Verbands-Vorstande zu
senden.
Vom Architekten- und Ingenieur-Verein für Elsaß-Lothringen
wird mitgeteilt, daß von dem Werke „Slraßburg und seine Bauten"
noch 600 Exemplare zum Verkauf vorhanden seien; der Vorstand
erwähnt, daß bei der Ministerialabteilung für Straßen- und Wasser
bau die Anschaffung von 4 Exemplaren beantragt sei und empfiehlt
ein gleiches Vorgehen den maßgebenden Herren bei den anderen
Ressorts.
Zur Zirkulation gelangt die Zeitung für Lüftung und Heizung,
redigiert von Ingenieur Hase in Berlin.
Einem Gesuche der süddeutschen Bauzeitung, die Vorträge des
hiesigen Vereins in ihren Spalten veröffentlichen zu dürfen, wird
keine Folge gegeben.
Zur Verlesung kommen die Aufnahmegesuche von Abt.-Jng.
Ernst, vorgeschlagen von Baurat Neu ff er und von Ingenieur
Karl Mezger, vorgeschlagen von Präsident v. Leibbrand.
Die Kommissson, welche für die Lieferung von Beiträgen zu
der vom Verbände unternommenen Arbeit, betreffend die Darstellung
der Entwickelungsgeschichte des deutschen Bauernhauses gewählt ist,
hat bisher nur eine geringe Thätigkeit entwickelt, indem nur vom
Oberamtsbaumeister Werkmann in Laupheim ein Beitrag eingesandt
worden ist. Stadtbaurat Mayer macht darauf aufmerksam, daß die
Behandlung des Gegenstandes auf der Straßburger Wanderversamm
lung eingehend erörtert und eine neue Kommission mit dem Sitz in
Berlin bestellt worden sei, von welcher die nötigen Direktiven an Die
Einzelvereine ergehen werden. Damit wird die Angelegenheit als
! vorläufig erledigt erachtet.
Es folgt darauf der interessante Vortrag von Professor Rauscher
über römische und altchristliche Basiliken, welcher durch zahlreiche
Pläne und Photographien erläutert wird. (Dieser Vortrag ist weiter
unten abgedruckt.)
Der Vorsitzende drückt dem Redner den Dank des Vereins für
! die eingehenden Erörterungen des interessanten Gegenstandes aus.
An die Mitglieder des Miirtt. Vereins für Baukunde
In Betreff des von dem Architekten- und Ingenieur-Verein für
Elsaß-Lothringen herausgegebenen Werkes
„Straßburg und seine Bauten"
wird von diesem Verein mitgeteilt, daß noch 600 Exemplare zum
Verkauf vorhanden seien.
Es wird daher nochmals auf die im vorjährigen Heft 9, Seite 74
aufgeführte Preis-Ermäßigung hingewiesen und dazu bemerkt, daß
diejenigen Herren, welche das Werk beziehen wollen, auf Wunsch auch
zunächst das Werk für eine kurze Zeit zur Ansicht von dem Vereins-
Sekretär, Herrn Abt.-Jng. Mederle, erhalten können.
Diejenigen Herren, welche an dem Bezüge der Verbands-Mit
teilungen teilzunehmen wünschen, wollen dieses dem Vereins-Vorstand
baldigst anzeigen. Der Bezug kostet 50 Pfg. für das Jahr.
Von denjenigen Herren, welche die Verbands-Mitteilungen bis
her schon bezogen haben, wird angenommen, daß sie den Bezug fort
setzen wollen.
Die forensischen und die christlichen Basiliken Roms
Vortrag von Professor Rauscher, gehalten am 2. März 1895.
Wenn wir heute das Wort Basilika ohne weiteren Zusah ge
brauchen, so verstehen wir darunter zunächst eine altchristliche Kirche
von rechteckiger Grundrißform, geteilt nach der Länge durch zwei,
seltener vier parallele Säulenreihen in drei, beziehungsweise fünf
Schiffe, deren mittleres breiter ist als die seitlichen, und mit einer
halbrunden Apsis oder Tribuna abschließt. Dieses Mittelschiff ragt
auch über die Dächer der Seitenschiffe empor und erhält Licht durch
Fenster in seinen erhöhten Mauern. Wenn wir aber von einer
mittelalterlichen Kirche als Basilika sprechen, so denken wir nur an
das Emporragen des Mittelschiffes als Gegensatz zu gleicher oder
annähernd gleicher Erhebung der Schiffe einer „Hallenkirche". Die
Johanniskirche hier hat Basilikenform, während alle andern gothischen
Kirchen unserer Stadt Hallenkirchen sind. Die Basilika hat aber
eine Vorgeschichte im Altertum. Schon das republikanische Rom
hatte Basiliken und das kaiserliche sah die letzten entstehen wenige
Jahrzehnte, ehe der Bau christlicher Basiliken in derselben Stadt be
gann. Diese altrömischen Gebäude dienten Markt- und Gerichts
zwecken. Waren sie nun das Vorbild der christlichen Basiliken, wie
der Name anzudeuten scheint, oder hat die verwandte Form der
letzteren einen anderen Ursprung? Warum dann derselbe Name?
Dieser vielerörterten Frage näher zu treten, unterlasse ich vorläufig.
Es wird leichter sein, zu derselben Stellung zu nehmen, ivenn wir
einen gemeinsamen Gang durch die bemerkenwertesten jener Bauwerke
selbst gemacht haben werden. Vorher verlangt aber die Ordnung
Aufschluß über die Herkunft des Namens. Dieser ist nach allge
meiner Ansicht von der Basileios Stoa, dem Amtslokal des Archon
Basilcus in Athen herzuleiten. Man weiß auch, daß sie Pausanias
noch gesehen hat und glaubt sogar eine Stelle an der Agora be
zeichnen zu können, wo sie gestanden haben müsse. Die Form dieser
„Königshalle" ist aber nicht bekannt.*)
*) Siehe „Haus und Halle" von Dr. Conrad Lange (Leipzig 1885),
Seite 60 u. folg.
Auf italischem Boden begegnen wir dem Namen Basilika das
erstemal im zweiten Jahrhundert vor Christi Geburt. Im Jahre
570/184 baute nämlich M. Porcius Cato der Aeltere als Censor
die erste und nach ihm benannte Basilika am Forum in Roni. Daß
Cato kurz zuvor in Griechenland war, ist bekannt. Wenn man nun
auch nicht gerade nachweisen kaun, daß Catos Entschluß ein Ergeb
nis seiner Reise war, so erlaubt es doch schon der griechische Ur
sprung des Namens die römische Basilika als eines der verschiedenen
Kunstanlehen aufzufassen, welche die Römer bei den Griechen auf
nahmen. In Catos Neubau nun verlegte man einen Teil der
Krämerbuden, welche das Forum verstellten nnd vermutlich auch ein
Gericht, das bis dahin im Freien abgehalten wurde. Daß es über
haupt galt, hier Wandel zu schaffen, geht daraus hervor, daß als
bald noch weitere Basiliken am Forum gebaut wurden, zunächst die
Basilika Fulvia (179 v. CH. G.), dann die Scmpronia, die ältere
Basilika Aemilia*) und die Opimia, letztere im Jahr 121. Sie waren
alle nach ihren Erbauern benannt. Erhalten ist nichts mehr von
ihnen. Eine Vorstellung von ihrer Gestalt können wir uns nur
machen: 1) aus den allgemeinen Vorschriften, welche Vitruv giebt
für den Bau von Basiliken überhaupt, 2) aus seiner Beschreibung
der Basilika, welche er in Fanum gebaut hat und 3) aber deut
licher, aus den Resten der annähernd gleichalterigen Basilika in
Pompeji, welche nichts den Vorschriften Vitruv's Widersprechendes
enthält.
Nach gewissen Merkmalen der Technik muß man die Erbauung
dieser Basilika ungefähr ins Jahr Einhundert v. CH. G. setzen.
*) Daß die berühmte Basilika Aemilia, von der noch die Rede sein wird,
eine Vorgängerin gleichen Namens gehabt habe, beweist Lange durch ver
schiedene Stellen (s. Seite 170 u. folg.) Von diesen nur folgende aus einem
Briefe Ciceros an Attikus: Paulus in medio foro basilicam jam paene
texuit iisdem antiquis columnis, illam ankern, quam locavit, facit magni-
ficentissimam, quid quaeris ? nihil gratius illo monumento, nihil gloriosius...