Volltext: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1893-97)

66 
selben erbreitert sich die Thalsohle ganz beträchtlich, unterhalb der 
selben nähert sich die Bahn der Landstraße derart, daß bei dem 
wachsenden Höhenunterschied beider die Herstellung der Zufahrtswege 
nicht möglich gewesen wäre. 
Um die Kosten der Gründung zu vermindern, wurde die neue 
Brücke 30 m unterhalb der alten angelegt. An dieser Stelle springt 
ein Felskopf des weißen Jura E am rechten Ufer gegen das Fluß 
bett vor. 
Die Grundnntersuchungen ergaben, daß der Felsen rasch gegen 
den Fluß abfällt; auf dem linken Ufer war er in 6 m Tiefe nicht 
zu finden. Man rückte nun thalaufwärts bis hart an den Rand 
des Kopfes. Dennoch erforderte diese Lage der Baustelle die Hebung 
der Staatsstraße auf über l00 m Länge bis zu 70 cm Höhe, um 
für die linksseitige Zufahrtsrampe nicht mehr als 5 °/o Steigung zu 
erhalten, sie bot aber zugleich den Vorteil, daß Furt und Steg 
während des Baues in Benützung bleiben konnten. 
Das Längenprofil der Brücke ist bestimmt durch die Schienen 
höhe der Bahn, 6,6 m über Niedrigwasser, und den Umstand, daß 
am rechten Ufer das Gelände sofort stark ansteigt. 
Zur Gewinnung einer größeren Pfeilhöhe behufs besserer Ab 
wässerung der Brücke und aus ästhetischen Gründen wurde der Fahr 
bahn von beiden Seiten gegen die Brückenmitte 2,5 °/v Steigung 
gegeben. 
Für die Durchflußweite war lediglich das größte bekannte 
Hochwasser maßgebend; dasselbe war für das Jahr 1882 zu 
385 —— bei 0,00212 m Gefälle ermittelt worden. 
sec 
Die Fahrbahn der alten Jochbrücke, zwischen den gemauerten 
Ortpfeilern 64 m lang, auf 12 in Abständen von 3 m bis 6 m 
eingerammten Jochen ruhend, berührte gerade noch dieses Hochwasser, 
welches sich hier 4,2 m über Niedrigwasser und 4,6 m über Fluß 
sohle erhebt. Der freie Querschnitt unter der alten Brücke betrug 
190 qm, die Hochwassergeschwindigkeit 2,533 m. 
Diese Verhältnisse führten zur Wahl einer Bogenbrücke 
mit einer Oeffnung von 43,0 m Spannweite und 158 qm freiem 
Hochwasserquerschnitt; dies ergab eine Hochwassergeschwindigkeit von 
2,707 m und gegen den bisherigen Hochwasserstand einen Aufstau 
von 0,047 m. Der Aufstau wird mit der Zeit durch Abtreibung 
der durch die Jochbrücke hervorgerufenen Anschwemmungen und durch 
die damit verbundene Senkung der Flußsohle verschwinden. Die 
Geschwindigkeit an der Flußsohle ist für di- neue Brücke zu 1,79 m 
berechnet. 
Die Anordnung von Zwischenpfeilern empfahl sich nicht, da die 
Donau an der Baustelle ohnedem zur Jnselbildung neigt und un 
angenehme Erfahrungen bei der Gründung solcher Pfeiler bei Straßen- 
und Eisenbahnbrücken ober- und unterhalb der Baustelle bei den rasch 
verlaufenden Hochwassern der Donau davon abschreckten. 
3) Gründung. Die Gründung konnte am rechten Ufer un 
mittelbar auf dem Felsen erfolgen, sie mußte auf der linken Seite 
auf reinem, festen Kies, der, von einer 1,5 m mächtigen Humus 
schicht überlagert, bis auf 6 m Tiefe gleichmäßig befunden wurde, 
bewirkt werden. Die Grundnntersuchungen geschahen mit 4 cm 
starken eisernen Nadeln, welche von Hand mit einem 6 kg schweren 
Schlegel eingetrieben wurden; daneben wurden 2 Probe-Pfähle von 
25 cm Durchmesser, 7—8 m lang und mit Schuhen versehen an 
der Stelle des linken Widerlagers eingetrieben. Diese konnten mittelst 
eines Schlagwerkes von 300 kg Bärgewicht nur 3,5 m tief ein 
gerammt werden, während die Nadeln bis 6 m Tiefe gleichmäßig 
eindrangen. Durch die chemische Untersuchung des Bohrschlammes 
aus einem 4,3 m tiefen Bohrloch wurde das Vorhandensein von 
Quarzsaud in dieser Tiefe und damit festgestellt, daß lediglich die 
dichte Lagerung des Kieses und nicht etwa eine weiche Kalkbank, 
welche nach den geologischen Verhältnissen erwartet werden konnte, 
dem Eindringen der Pfähle Widerstand leistete. Damit war eine 
Gründung auf Pfählen ausgeschlossen und die Gründung auf Beton 
entschieden. 
4) Baumaterial. Für die Brücke selbst wurde Beton als Bau 
material gewählt, da Quadersteine in der Umgegend derselben nicht, wohl 
aber vorzüglicher Zement von den oberschwäbischen Zementwerken, Kies, 
Saud und Schlegelschotter zur Verfügung stehen und vergleichende 
Berechnungen ergaben, daß weder eine Monierbrücke, noch die Aus 
führung aus Zementbruchsteiuen oder aus Eisen billiger werden würde. 
Gegen letztere spricht auch der Umstand, daß für kleinere Ver 
waltungen die Unterhaltung und die vorgeschriebenen periodischen 
Prüfungen lästig und teuer werden. 
5) Bauliche Auordnung der einzelnen Teile der Brücke. Die 
Brücke ist einspurig, die Breite der Brückenbahn zwischen den Ge 
ländern beträgt 3,8 m, wovon 2,5 m auf die Fahrbahn und je 
0,65 m auf die erhöhten Gehwege entfallen. 
Die Gehwegplatten ragen 0,10 m über das Geländer und 
0,275 m über die Stirnen vor, sie bilden mit ihrer Profilierung 
zugleich das abschließende Hauptgesims. 
Die Gewölbbreite wächst von 3,6 m im Scheitel auf 4,6 m 
an den Kämpfern. 
Hierdurch wird eine erhöhte Widerstandskraft gegen Winddruck, 
Hochwasser und Eisstoß erzielt, was bei dem ungünstigen Verhältnis 
von Länge und Breite der Brücke erforderlich ist. 
Die Widerlager sind als sogenannte verlorene der Drucklinie 
angepaßt. Auf ihnen ruhen die Ortpfeiler, deren Maße durch Aus 
sparungen und die Anordnung steiler abgepflasterter Böschungskegel 
möglichst verringert wurde. 
Von wesentlicher Bedeutung für den Entwurf war die Anord 
nung gußeiserner Gelenke im Scheitel und an den Kämpfern, welche 
offen bleiben sollten. Solche Gelenke waren schon in dem ersten 
Entwurf vom 27. April 1893, der den Verhandlungen der am Bau 
Beteiligten zur Grundlage diente, vorgesehen. 
Durch die Anordnung dieser Gelenke erzielte man die größte 
Ersparnis, insofern das Gewölbe, rein statisch bestimmt, die geringsten 
Abmessungen erhalten kann; die Gefährlichkeit der Senkungen bei 
der Ausschalung des Gewölbes und der Bewegungen bei wechselnden 
Belastungen und Temperaturen, denen es ohne Nebenspannungen 
folgen kaun, wird beseitigt. 
Zur Entlastung der Fundamente sind die Massen der Bogen 
zwickel in 36 frei auf dem Gewölbcrücken aufstehende Pfeilerchen 
aufgelöst, welche die Fahrbahn tragen, soweit solche nicht direkt auf 
dem Gewölbe ruht. 
In der Längsrichtung der Brücke sind die Pfeilercheu durch 
Bögchen verbunden, während in der Querrichtung die Fahrbahntafel 
stumpf aufliegt. Die äußeren Pfcilerchcn haben von den Kämpfern 
der Verbindungsbögchen ab entsprechend dem Breitenunterschied der 
Fahrbahn und des Gewölbes geschwungene Anläufe erhalten. 
Damit die Fahrbahntafel den Bewegungen des Gewölbes folgen 
kann, sind auf den Ortpfeilern Rollenlager und Ausgleichsvorrichtungen 
angeordnet. Die Fahrbahn ist über den Scheitelgelcnken durch 
Zores-Eiscn unterstützt. Das schmiedeeiserne Geländer schließt im 
Scheitel an einen gußeisernen Pfosten an, in welchem es bei Tem 
peratur-Aenderungen sich verschieben kann. 
Die Ortpfeiler sind mit Brüstungsquadcru gekrönt. 
Auf besondere künstlerische Ausschniückuug ist verzichtet, vielmehr 
sollte das Bauwerk durch seine konstruktive Form, welche auch äst 
hetisch durchaus befriedigt, wirken. 
Nur an den Gewölbestirnen, welche nach oben und unten ab 
gefast sind, wurden erhöhte Kreise und Füllungen angebracht, um 
einerseits durch diese Kreise den Wechsel der Gewölbestärke, welche 
entgegen der üblichen Form an der Bruchfuge am größten ist, besser 
in die Erscheinung treten zu lassen und uni andererseits zum Aus 
druck zu bringen, daß mau es mit einem eingestampften Körper, nicht 
mit einem Quaderbau zu thun hat. 
6) Berechnung des Entwurfes. Die Berechnung der Brücken 
gewölbe geschichr in der Regel unter Zugrundelegung der einseitigen 
Belastung einer Gcwölbehälfte, wenn nicht vorgezogen wird, die Be 
lastung nur bis zum Scheitel der dieser einseitigen Belastung ent 
sprechenden Drucklinie anzunehmen. In vielen Fällen begnügt man 
sich sogar damit, die Berechnung nur für eine gleichmäßige Belastung 
des ganzen Gewölbes durchzuführen. 
Diese Berechnungsarten sind zu rechtfertigen bei Gewölben ohne 
Gelenke mit starker Uebermauerung oder bei großen breiten Gewölben, 
wo die Verkehrslast hinter der Eigenlast weit zurücktritt, sie sind 
umsomehr zulässig, je vorzüglicher die Ausführung der Gewölbe er 
folgt, da alsdann diese als elastische Körper betrachtet werden dürfen
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.