Volltext : Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1893-97)

An  die  Pereinsmitglieder.

Vom  Vorstand  des  Verbandes  deutscher  Architekten-  und  Ingenieur-Vereine  ist  folgendes  Schreiben  eingelaufen:

„An  die  Einzelvereine!

„Berlin  30.  April  1893.

„Zur  Ausführung  des  auf  Antrag  der  Vereinigung  Berliner  Architekten  durch  die  Abgeordneten-Versammlung  in  Leipzig  im  vorigen
„Jahre  gefaßten  Beschlusses:
„Geeignete  Maßnahmen  zur  Darstellung  der  Entwickelungsgeschichte  des  deutschen  Bauernhauses  durch  sachgemäße
„Aufnahme  seiner  typischen  Formen  zu  treffen,"
„übersenden  wir  den  Einzelvereinen  beifolgend  eine  Zusammenstellung  der  allgemeinen  Gesichtspunkte,  welche  für  die  Sammlung  des
„Materials  und  für  die  Aufnahme  bemerkenswerter  Typen  von  Bauernhäusern  in  Betracht  kommen.
„Wir  bitten  die  geehrten  Vorstände,  in  den  Vereinen  ein  recht  warmes  Interesse  an  dieser  für  die  Kulturgeschichte  unseres
„Volkes  wichtigen  Aufgabe  wach  zu  rufen  und  die  Mitglieder  anzuregen,  sich  an  dieser  Sammelarbeit  eifrig  zu  beteiligen  damit  es
„gelingen  möge,  die  Typen  des  deutschen  Bauernhauses  in  verschiedenen  Landesteilen  festzustellen  und  aus  der  Verwandtschaft  ihrer
„Formen  das  Gemeinsame  und  das  Besondere  in  der  Lebensweise  der  einzelnen  deutschen  Volksstämme  zu  ermitteln.
„Das  dort  gesammelte  Material  bitten  wir  an  uns  bis  zum  1.  Februar  k.  I.  gefälligst  einzusenden.

„Der  Vorstand  des  Verbandes
„Der  Vorsitzende:  Der  Geschäftsführer:
(gez.)  Hinckcldeyn.  (gez.)  Pinkenburg."

Allgemeine  Desichtspunkte  für  Ae  Sammlung  ües  WatevtaleS.
I.  Aufzusuchen  und  aufzunehmen  sind  vorzugsweise  solche  Bauernhöfe  und  Bauernhäuser,  welche  an  einem  Ort,  in
einem  Bezirk,  in  einer  Provinz  viel  Verwandtes  zeigen,  also  einen  Typus  darstellen.
Dabei  ist  besondere  Rücksicht  zu  nehmen:
a)  auf  die  häufig  vorkommenden  Formen,  nicht  auf  vereinzelte  Eigentümlichkeiten,  welche  von  der  Laune  der  Besitzer  abhängig  sind;
b)  auf  die  mit  ländlichen  Gestaltungen,  nicht  auf  die  von  der  Stadt  her  auf  das  Land  übertragenen;
c)  auf  die  älteren  Gebäude,  welche  durch  spätere  Neuerungen  unbeeinflußt  sind.
Demgemäß  werden  in  erster  Linie  solche  Gebiete  aufzusuchen  sein,  welche  von  Heerstraßen  und  Eisenbahnen  fernabliegen.
Aufzumessen  sind  ferner  nicht  lediglich  die  kleinen  und  nicht  lediglich  die  großen  Häuser,  sondern  womöglich  mehrere  Beispiele
verschiedener  Größe  desselben  Typus,  damit  man  beurteilen  kann,  welches  die  ursprüngliche  Hausform  ist,  ob  sie  durch  Verkümmerung
einst  größerer  Anlagen  oder  durch  Erweiterung  einst  kleinerer  zu  ihrer  derzeitigen  Gestaltung  gekommen  ist.  Hierbei  ist  zu  bedenken,  daß
der  Bauer  streng  konservativ  in  seinem  Bauwesen  denkt,  und  daß  in  den  meisten  deutschen  Landesgebieten  seit  dem  Anfang  dieses  Jahrhunderts ­
  durch  den  Einfluß  theoretisch  ausgebildeter  Bauschüler  an  der  örtlichen  Bauweise  gerüttelt  worden  ist.
            
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