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Kämpfen hat sie die strenge forschende Wissenschaft der Knnstübung 
und Praxis hinzugebracht. Gewachsen mit den größeren Zwecken der 
Nation, in Wechselwirkung mit dem Aufschwung der Naturwissen 
schaften und der Industrie, immer weitere Gebiete der Erkenntnis in 
den Dienst des Menschen stellend, ist sie zu ihrer gegenwärtigen Höhe 
gelangt. So durfte sie, als sie vor anderthalb Jahrzehnten 
ihr neues Haus bezog, getrost als ihre und aller Technischen Hoch 
schulen Aufgabe bezeichnen: Die Würde der Kunst und die Einheit 
der Wissenschaft zu schirmen, unter inniger Verbindung mit dem 
praktischen Leben und seinen Aufgaben. Wie die Technische Hoch 
schule der Reichshauptstadt diesen Forderungen gerecht geworden ist, 
das hat die Geschichte der technischen Wissenschaften und Künste ver 
zeichnet. Möge sie auch ferner blühen, wachsen und gedeihen, und 
immer mächtiger wirken für den Fortschritt der Kultur, den Adel 
und die Reinheit der Kunstübung, für naturbezwingende Lebensge 
staltung im Dienste des menschlichen Herrschergeistes und für die 
Ehre und Weltstellung der deutschen Nation! 
Stuttgart, im Oktober 1899. 
Der Lehrerkonvent der Technischen Hochschule. 
Der Entwurf für die künstlerische Ausschmückung der Adresse 
rührt von Prof. Gustav Halmhuber her. Ein in Leder getriebener 
zweiseitiger Umschlag enthält im Innern den auf Pergament gemalten 
Text. Die Außenseite, in Braun, Gold und Silber, ist geschmückt 
mit dem Sinnbild der Wissenschaft und Kunst, einer Athen«, welche 
die den Gruß überbringende geflügelte Nike entsendet. Rechts unv 
links ist das Mittelbild flankiert von 2 Lorbeerbäumen, an deren Fuß 
sich die Wappen von Stuttgart und Berlin befinden. Die Ecken, 
mit goldenen Buckeln in Metall geziert, geben dem flachen Relief 
des Ganzen Bestimmtheit. Die Innenseite enthält links ein in Gold, 
Silber und Farben schimmerndes Bild, auf welchem dargestellt ist, 
wie die Technische Hochschule Stuttgart der Schwesteranstalt Char 
lottenburg ihre Glückwünsche darbringt. Die beiden Hochschulen sind 
charakterisiert als hochragende Gestalten in den entsprechenden Landes 
farben, schwarz-rot, schwarz-weiß, und sind umgeben von deutschen 
Studenten, ebenfalls in den verschiedenen Landesfarben. Farbige 
Banner und Wappen beleben die Festhalle, in welcher der Vorgang 
gedacht ist. Die Schrifttafel der rechten Seite ist sodann in reicher 
kalligrafischer Arbeit gehalten. 
Die Jubelfeier des 5vjährigen Bestandes der Technischen 
Hochschule zu Brünn ist Mitte Oktober festlich begangen worden. 
Die Schule wurde 1849 gegründet und 1870 zur technischen Hoch 
schule erhoben. Beim Festmahl im „Deutschen Hause" zu Brünn 
sprach Professor Dr. von Weyrauch-Stuttgart namens der deutschen 
technischen Hochschulen. Seine Rede hatte folgenden Wortlaut: 
„Der Herr Vorredner hat in seiner herzlichen Ansprache auch 
der technischen Hochschulen Deutschlands gedacht. Ich habe die Ehre, 
im Namen und Auftrag der anwesenden Vertreter dieser Hochschulen 
einige Worte erwidern zu dürfen. 
Mit freudigem Danke ist Ihre Einladung zu dieser Jubelfeier 
bei uns aufgenommen worden. Verbindet uns doch alle gemeinsame 
Arbeit an den Kulturaufgaben der Menschheit, welchen die Hochschulen 
aller Länder dienen, gemeinsames Streben zur Förderung der tech 
nischen Wissenschaft und Praxis, welche in wenigen Jahrzehnten die 
Welt umgestaltet haben, und mancher gemeinsame Kampf gegen Zu 
stände und Vorurteile, welche mit unserer Zeit nicht mehr im Ein 
klang stehen. Wie bisher, so mag hierbei auck in Zukunft gelten: 
Getrennt marschieren, vereint schlagen. 
Wir kommen aber auch zu einer Vertreterin der deutschen 
Wissenschaft. Wie Prag die erste deutsche Universität war, so hat 
unser Jahrhundert in Oesterreich wie in Deutschland nach mancherlei 
Entwicklungsschwierigkeiten mächtig aufstrebende deutsche Technische 
Hochschulen entstehen sehen, welche nun andern zum Vorbild dienen. 
Die gleichen Männer haben hüben und drüben gelehrt, die gleiche 
Litteratur durchdringt beide Länder, und gemeinsam sind Angehörige 
| ihrer Hochschulen über Land und Meer gezogen, um an dem Fort 
schritt der Völker zu arbeiten und den Ruhm der deutschen Wissen 
schaft in die Welt zu tragen. Die Technische Hochschule zu Brünn 
ist dabei nicht zurückgeblieben. Was sie unter ungünstigen Verhält 
nissen zu leisten verstand, hat ihr die Hochachtung aller technischen 
Kreise eingetragen. So sind wir denn auch alle gleich erfreut, daß 
sie endlich eine ihrer würdige Stätte gefunden hat. 
Wir kommen schließlich mit besonders herzlichen Gefühlen als 
Deutsche zu Deutschen. Wie eine Familie, welche Angehörige im 
Kampfe weiß, sich zu ihnen besonders hingezogen fühlt, so drängte 
es uns, Sie hier auf Vorposten zu besuchen, um an unserem Teil 
zu zeigen, daß die Familienbande, welche alle Glieder der großen 
deutschen Nation umschlingen, nicht gelockert sind, daß Millionen 
Herzen mit den Ihren schlagen und auf Sie bauen als Hüter deutscher 
Kultur und deutschen Volkstums, als deutscher Sitte hohe Wacht. 
Wir zweifeln nicht, daß Sie die Kulturmission, welche die Deutschen 
durch Jahrhunderte in diesen Landen erfüllten, furchtlos und treu 
weiter führen werden. 
Und so wünschen wir der Technischen Hochschule zu Brünn fröh 
liches Gedeihen und reiche wissenschaftliche und nationale Erfolge im 
neuen Jahrhundert und bis in die fernsten Zeiten. Zar Bekräftigung 
dieser Wünsche bitte ich nochmals die Gläser erklingen zu lassen und 
zu trinken auf das Wachsen und Blühen der Technischen Hochschule 
zu Brünn, auf das Wohl ihres Lehrkörpers und ihrer idealgesinnten 
deutschen akademischen Jugend!" 
Personalnachnchlen. 
Baudirektor von Tritschler, Professor an der Technischen 
Hochschule in Stuttgart, ist in den Ruhestand versetzt und ist ihm 
das Kommthurkreuz II. Kl. des Friedrichsordens verliehen worden. 
Dem Professor Dr. Weyrauch an der Technischen Hochschule 
in Stuttgart ist aus Anlaß der Ablehnung der an ihn ergangenen 
Berufung an die Technische Hochschule in Aachen (als Nachfolger des 
bekannten Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. August Ritter) das Ehrenkreuz 
des Ordens der Württembergischen Krone verliehen worden. 
Architekt H. Jassoy aus Berlin ist als Professor für Archi 
tektur an die Technische Hochschule in Stuttgart berufen worden. 
Abteilungsingenieur Rößle bei der Straßen- und Wasserbau 
verwaltung ist auf seinen Wunsch aus dem Staatsdienste entlassen 
worden. 
Am 23. Oktober d. I."ist Straßenbauinspektor Baurat Max 
Hescheler in Ravensburg gestorben. 
Druckfehlerberichtigung. 
Unter den Personalnachcichten des Heftes Nr. 6, S. 43, muß es heißen: M-liorationsbauinspektor Richard Graner statt Grauer. 
«.rau-geged-n «°m «lürtt.md. verein für Äaudunde. Mr &enselbens «autnspektor «tihHnj., — Am* ->»-> Alfreö ÄaUec * «o. — weclaj oo« i. «Ottft'» 
Hofdnchhandlung. sämtlich tn Stuttgart.
        

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