in der Mitte und zu beiden Seiten die Gange und Schüröffnungen
liegen. Je 6 Oefen bilden eine Gruppe, welche für sich ausgeschaltet
«erden kann.
Ueber den Oefen befinden sich zwei elektrisch betriebene Laufkrähne,
mittelst welcher die Kasten der Kehrichtwagen mit je 4 cbm Inhalt ab
gehoben, über die Ofenplattform gebracht und entleert werden. Ter
Unrat wird in die kleinen Einwurfsöffnungen geschaufelt und ver
stopft diese vollständig.
Zum ersten Anfeuern einer kalten Zelle wird solange Kohle
benützt, bis der Ofen in
Schnitt A-B I Draufsicht.
Glut gekommen ist; alsdann
brennt der Kehricht ohne Zu
satz an Feuerungsmaterial.
Die Rauch- und
Trocken gase gehen vor
der Entweichung über die
heißeste Stelle des Feuers
und sodann durch die Oeff-
«ungen des feuerfesten Ge
wölbes nach der über der
Zelle gelegenen Kammer
und von da nach dem unten
durchführenden Rauchkanal.
Eine besondere Rauchver-
zehrung ist daher nicht
notwendig.
Die Feuerroste sind
beweglich, um ein Festsetzen
der Schlacken an den Stäben
zu verhindern.
Das unter dem Roste
ursprünglich angebrachte
D amp fstrahlgebläse
wurde, weil es zu großes
Geräusch verursachte, außer
Betrieb gesetzt und durch
einen elektrisch angetriebenen
Ventilator ersetzt.
Zur Ausnutzung der
bei der Verbrennung er
zielten Wärme sind in einen
Nebenzug des Hauptfuchses
Röhrenkessel eingebaut. Der
in letzteren durchUmströmung
der Feuergase erzeugte
Dampf wird zum Antriebe
von Dynamomaschinen be
nützt, welche ihrerseits wieder
den Ventilator und die
Laufkrahnen in Bewegung
setzen.
Die Rückstände der
Verbrennung sind von orga
nischen Bestandteilen an
nähernd frei und können
daher ohne Bedenken als
Auffüllmaterial benützt wer
den. Die Schlacken werden
in Hamburg in Steinbrechern zerkleinert und sodann mittelst Sieb
trommel nach verschiedenen Größen sortiert.
Die Schlacken werden auch zu Straßenaufschüttungen, sowie zu
Betonierungen verwendet. Besondere Belästigungen durch Ruß
oder Geruch sind für die Umgebung mit der Anstalt nicht entstanden,
dagegen ist im Innern der Ofenhalle vom Entleeren der Kehricht
wagen einige Staubentwicklung sowie Geruch von angebranntem
Kehricht bemerkbar.
Was nun die Rentabilität der Anlage betrifft, so berichtet
Oberingenieur A. Meyer, der Schöpfer derselben, daß die Betriebs
kosten einschl. der Amortisation der Anlagekosten nach Abzug der Ein
nahmen aus den Schlacken pro Tonne 0,837 Ji. betragen, während
er andererseits die Ersparnis, welche durch den kürzeren Fuhrtransport
des Kehrichts nach der Verbrennungsanstalt erwächst, zu mindestens
1 M. pro Tonne rechnet, so daß man also mit der Verbrennung
noch billiger wegkäme als mit der Beförderung aufs freie Feld.
Auf unserem Kontinente hat das Verbrennungsverfahren bis
auf die Hamburger Anlage noch keine Ausdehnung im Großen er
fahren. Seit 1892 sind in Brüssel und neuerdings auch in Berlin,
Paris und Wien Versuchs-
Verbrennungsofen System Fryer. öfen gebaut. Allerorten aber
A , , interessiert man sich sehr für
^ v. m Ml " cUirt die Kehricht-Verbrennungs-
Querschrutt. J— * frage. Zahlreiche Städte
haben Proben ihres Keh
richts nach Hamburg ge
schickt, um denselben auf
seine Brennbarkeit 2c. unter
suchen zu lassen. Unter
diesen Städten befindet sich
auch Stuttgart.
Ich will Ihnen nur
kurz einige Mitteilungen
über den Versuch mit dem
hiesigen Kehricht machen.
Die mechanische Zu
sammensetzung ergab sich:
Feuchtigkeit 15,9°/«
Kohlenteile, Schlacke 16,7 „
Glas, Steingut 2c. 8,6 „
Stroh, Häute,
Knochen 2c. 5,5 „
GroberSiebdurchfall30,0 „
Feiner „ 22,0 „
Verlust b. d. Analyse 0,8 .,
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a. L&.deöffrnmcf
g. Ga.Sausga.nge
s ( s. Ofens oh le.
zus. 100°/o
Im Oktober 1895
wurden ca. 40 cbm hiesigen
Kehrichts nach Hamburg
versandt und in den dortigen
Oefen, in Anwesenheit
einiger Beamten unserer
Stadtv erwaltun g, v erbrannt.
Es ergab sich hiebei das
günstige Resultat, daß auch
unser Kehricht ohne Zusatz
von Feuerungsmaterial bei
ausreichend hoher Tempe
ratur verbrennt und zwar
berechnet sich das in einer
Zelle in 24 Stunden ver
brannte Quantum zu ca.
8 Tonnen.
Die Verbrennungs
rückstände betrugen ea.48°/o
des Kehrichtgewichtes und
ca. 37°/« des Kehricht
volumens. Muster der Schlacken und der verarbeiteten Rückstände
sind in den zur Besichtigung bereit stehenden Gläsern enthalten.
Die chemische Untersuchung der Rückstände ergab, daß die Schlacke
wenig Phosphorsäure und Kalt enthält und ihre Verwertung als
Dungmittel ausgeschlossen ist; auch zum Bestreuen von Fuß
wegen scheint sie mir nicht geeignet, da sie zu leicht und zu wenig
hart ist.
Auf Grund dieser günstigen Versuchsresultalte konnte der Frage
der Einführung der Kehrichtverbrennung in Stuttgart näher ge
treten werden.