Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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seitens der Herren in leitenden Stellen und in der Praxis. Zweck 
mäßig erscheint die Nebersendung von Verzeichnissen der neuen 
größeren Arbeiten durch die Vereine an die Schriftleiter, die alsdann 
in der Lage sein werden, sich unmittelbar mit den Verfassern oder 
Bauleitenden ins Benehmen zu sehen. Der Zeitschriften-Ausschuß 
soll jedesmal mit der Versammlung der Abgeordneten zusammen 
tagen. Der Vorsitzende teilte mit, daß es der Vorstand für unthnn- 
lich halte, die bestehenden Beziehungen zur Deutschen Bauzeitung 
zu lösen. 
Bezüglich der Denkschrift, betreffend die Stellung der 
höheren städtischen Baubeamten, wurde beschlossen, den bis 
setzt gesammelten Stoff nicht verloren gehen zu lassen, und an der 
Denkschrift weiter zu arbeiten, nachdem sich die Vertreter der Vereine 
zu Berlin, Königsberg und Stuttgart bereit erklärt hatten, bei ihren 
Vereinen dahin zu wirken, daß sich je ein Mitglied dieser Vereine 
verpffichtet, sich an der weiteren Bearbeitung der Denkschrift zu 
beteiligen. 
Dem Bericht des Herrn Oberbandirektor Hinckeldeyn über 
das deutsche Bauernhaus ist folgendes zu entnehmen: 
Die Schweiz gedenkt ihren Teil am Werke im Umfange von 
78—80 Blättern Folio-Format und 25 Bogen Text im Jahr 1900 
zu veröffentlichen und erhofft einen namhaften Betrag von der 
Bundesregierung. Oesterreich-Ungarn hat ein Probeheft mit 5 Blättern 
vorgelegt; es ist ein reiches Material vorhanden, das durch die Heran 
ziehung auch der nichtdeutschen Grenzbezirke möglicherweise n->ch 
vermehrt werden wird. Die Regierung wird voraussichtlich einen 
Beitrag zu den Kosten des Werkes bewilligen; bis zur Fertigstellung 
dieses Teils werden noch etwa 2 Jahre vergehen. 
Für den reichsdeutschen Teil des Werkes wird ein Probeheft 
von 8 Blättern vorgelegt, aus dem zu ersehen ist, daß die in Frei- 
bnrg gegebenen Anregungen zur Verbesserung des Papieres, Ver 
größerung des Maßstabes und Bereicherung des Inhaltes berück 
sichtigt worden sind. Auch ist bereits eine von Herrn Lutsch 
verfaßte Textprobe vorhanden. Das Material ist so reich, daß etwa 
120—150 Tafeln zu seiner Darstellung erforderlich sein werden. 
Eine Anzahl von Regierungen, Provinzial-Verwaltungen und 
Vereinen hat Beiträge von im ganzen 83 000 Jl zur Verfügung 
gestellt; ferner hat neuerdings der Srraßburger Verein 1000^. 
von seiner Landesregierung nnd der Württembergische Verein den 
gleichen Betrag von seiner Regierung erhalten. Der Berichterstatter 
hofft, daß auch der Antrag des Vorstandes an den Herrn Reichskanzler 
um Gewährung einer einmaligen, in zwei Teilen zu zahlenden 
Unterstützung von 30000^., von Erfolg begleitet sein werde. 
Der Ausschuß verzichtet zur Zeit auf weitere Geldzn'chüsse des 
Verbandes; sein Antrag, den ständigen Bauernhaus-Ausschuß durch 
je ein Mitglied des bayerischen und Württembergischen Vereines ru 
ergänzen, wird angenommen. 
Einen wichtigen Gegenstand der Verhandlungen bildete die 
Honorarnorm. Ueber die Gebühreu-Ordnnng für Arbeiten 
des Architekten lag das Ergebnis der Beratungen eines bei einer 
Vorbesprechung am 25. August zusammengesetzten besonderen Aus 
schusses vor; es sind dies die im Anschlüsse an die Vorschläge des 
mittelrheinischen Vereins aufgestellten Grundzüge einer neu 
auszuarbeitenden Gebührenordnung für Architekten, die 
sich als ein Ausgleich der Anschauungen der verschiedenen Vereine*) 
darstellen und wie folgt lauten: 
1) Die Gebühren für Vorarbeiten" bisl zur Anfertigung des 
Kostenanschlages werden bemessen^ 
a. nach der Bausumme und 
b. nach Gruppen (Klassen). 
2) Die Gebühren für die weiteren Arbeiten, nach Aufstellung 
des Kostenanschlages, werden bemessen 
a. nach der Bausumme, 
b. nach Gruppen und 
c. nach'dem Ausbauverhältnisse. 
*) Die letzten Gutachten, die unser Verein in dieser Angelegenheit ab 
gegeben hat, sind auf S. 67/69 dieser Nummer abgedruckt. 
3) Wie bei den Bausummen, sollen auch nach Maßgabe des 
steigenden Ausbauverhältnisses die Gebühren zu 2 in Kurven an 
wachsen, welche der Eigenart der Gruppen (Klassen) entsprechen. 
4) Die Gesamtgebühren richten sich nach der verausgabten 
Bausumme. 
Die Versammlung erklärte sich mit diesen Grundsätzen einver 
standen, und erwählte in den neuen Ausschuß zur Ausarbeitung der 
Gebührenordnung für Architekten die Herren Kayser, Kaaf, Körte, 
Unger nnd Wickop. 
Die Beschlußfassung in der Frage der Gebührenordnung für 
Arbeiten des Bauingenieurs wurde ausgesetzt, da andere Ver 
eine und Verbände den Wunsch geäußert haben, diese wichtige Frage 
genieinsam mit dem Verbände zu beraten, um die allgemeinen Be 
stimmungen der Gebührenordnung in eine für alle Zweige des Bau 
faches giltige Form zu bringen. Demgemäß setzte der Verband 
diesen Punkt von der diesjährigen Tagesordnung ab uud beauftragte 
den Vorstand, den Verein deutscher Ingenieure, den Verein der Gas- 
und Wasserfachmänner, den Verband der Zentralheizungsindustriellen, 
den Verein deutscher Maschineningenieure, und den Verband deutscher 
Elektrotechniker unter Uebersendung der Arbeit des Verbandsausschusses 
um Abordnung von Mitgliedern zu einem gemeinsamen Ausschüsse 
zu ersuchen, welcher mit der Ausarbeitung einer gemeinsamen Ge 
bührenordnung für technische Arbeiten betraut wird. In diesen ge 
meinsamen Ausschuß, der im ganzen 14 Mitglieder umfassen soll, 
werden 3 Mitglieder entsendet. 
Ueber die Normalien für Hausentwässerun gSan- 
lagen und deren Ausführungen wurde eingedruckter Bericht 
des betreffenden Ausschusses vorgelegt und mündlich durch Herrn 
Lindley erläutert. Hinsichtlich der Wandstärke der eisernen Rohre 
und der Baulänge der Steinzengröhren konnte eine Einigung mit 
allen Beteiligten nicht erzielt werden. Die Versammlung hat sich 
mit der Arbeit des Ausschusses einstimmig einverstanden erklärt und 
beschlossen, sie in der Verbandszeitschrift zu veröffentlichen, daneben 
aber einen im Buchhandel käuflichen Sonderabdruck zu veranstalten. 
Die Arbeit soll ferner den staatlichen und städtischen Verwaltungen 
mit dem Ersuchen zugestellt werden, sie den Vorschriften für Haus 
entwässerungen zu Grunde zu legen und nach 2 Jahren etwa über 
haupt nur noch diese Normalien vorzuschreiben. Auch den Fabrikanten 
soll der genehmigte Entwurf zur Kenntnisnahme mitgeteilt werden. 
Der Antrag des Verbandsvorstandes auf Ausschreibung 
eines Wettbewerbs zur Gewinnung eines künstlerisch 
ausgeführten Aufnahme-Diploms für Verbandsmit 
glieder wurde von der Versammlung abgelehnt. 
Als letzter Punkt der Tagesordnung wurde der Antrag des 
Hannoverschen Vereins, betreffend Aufstellung allgemeiner 
Gesichtspunkte seitens des Verbandes, die im ganzen 
deutschen Reiche bei der Aufstellung neuer Bauordnungen 
zu Grunde zu legen sind, beraten, nachdem aus der Mitte der 
Abgeordneten darauf hingewiesen worden war, daß diese Frage eine 
sehr schwierige sei und es wohl ausgeschlossen sein werde, daß jemals 
ein große? deutsches Baubeschränkungsgesetz zustande komme, auch 
aus äußeren Gründen die Streichung ans dem Arbeitspläne gewünscht 
wurde, zumal da der Verband mit einer genügenden Anzahl größerer 
Arbeiten beschäftigt ist, die seine volle Kraft in Anspruch nehmen, 
wurde auf Antrag des Vorsitzenden, Herrn Stübben, der Antrag 
zurückgezogen, um weiteren Stoff zu seiner späteren Wiedervorlage 
zu sammeln. 
Die letzten Gutachten unseres Vereins über die Frage der 
lauten: 
Honvrarnorm 
1) für Architekten: 
Unser Verein hat den ihm zugegangenen Entwurf einer neuen 
Gebührenordnung für die Leistungen des Architekten, und parallel 
damit die diesbezüglichen Vorschläge des Hannoverschen Architektcn- 
! und Jngenieurvereins einer eingehenden Prüfung unterzogen, auch 
' Kenntnis genommen von den, dem Verein inzwischen zugegangenen
	        

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