Volltext: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Rede, welche der Rektor am Schluß des bedeutsame», denkwürdigen 
Festaktes an die Festteilnehmer richtete, hat folgenden Wortlaut: 
Durch die soeben verkündeten Allerhöchsten Gnadenbeweise hat 
die Technische Hochschule ein lange verfolgtes Ziel erreicht. Der 
heutige Geburtstag Seiner Majestät gewinnt damit für uns historische 
Bedeutung; dem Jahrhundert des Dampfes und der Elektrizität wird 
durch die Verleihung des Promotionsrechtes an die Technischen Hoch 
schulen ein charakteristischer Stempel aufgedrückt. Die erste Empfindung, 
welche uns hierbei beseelt, ist das Gefühl unauslöschlichen Dankes 
an Seine Majestät, dem ich hiermit namens des Senats und der 
gesamten Hochschule freudig Ausdruck verleihe und dem sich alle 
technischen Kreise des Landes anschließen werden. Je größere Schwierig 
keiten zu überwinden waren, um so höher ist die Befriedigung, daß 
Seine Majestät die bedeutsame Stellung der technischen Wissenschaften 
in unserer Zeit durch einen auch für weitere Kreise verständlichen 
Willensakt anerkannt haben. Die Geschichte der Naturwissenschaft 
und Technik zeigt uns drei Epochen der Entwicklung in Verbindung 
mit der Ausbildung wissenschaftlicher Institutionen: vas Auftreten 
selbständiger Universitäten mit Befreiung der Wissenschaft aus den 
Banden der Scholastik, die Begründung der Akademien mit Aner 
kennung des Experiments als Grundlage der Naturwissenschaft, und 
die Entstehung Technischer Hochschulen mit systematischer Verwendung 
der Wissenschaft im Dienste des Menschen. Die letzte Epoche von 
besonderer Tragweite hat durch die gnädigen Entschließungen des 
Kaisers und Seiner hohen Bundesgenossen an der Wende des Jahr 
hunderts einen gewissen Abschluß erlangt. Dasselbe Zeitalter, welches 
Deutschland machtvoll an die Seite der vier alten Großmächte treten 
sah, führte die technischen Wissenschaften an die Seite der vier alten 
Fakultäten; und wie das neue Reich alle Vorurteile zu nichte machte 
und sich als ein Hort des friedlichen Fortschritts erwies, so wird es 
zweifellos auch mit der neuen wissenschaftlichen Großmacht ergehen. 
Es war eine Zeit harter Arbeit, wechselvoller Anforderungen und 
mannigfacher Kämpfe; aber aus verschiedenen Verhältnissen, auf 
verschiedenen Wegen sind schließlich alle Technischen Hochschulen 
Deutschlands auf die gleichen Ziele losgegangen. Das berechtigt zu 
der Zuversicht, daß diese Ziele die richtigen, den geistigen und ma 
teriellen Interessen des Vaterlandes wie den heutigen Kulturaufgaben 
der Menschheit entsprechende sind. Durch die Huld Seiner Majestät 
und die Fürsorge Seiner Regierung und der Stände hat unsere 
Hochschule diejenige Ausgestaltung für Lehre und Forschung erreichen 
können, welche ihr eine wirksame Förderung der technischen Wissen 
schaft und Praxis gestattet und sie für die immer wachsenden Be 
dürfnisse des nationalen und sozialen Lebens entwicklungsfähig macht. 
Wir geloben, die neuen Rechte so anzuwenden, wie es der Würde 
der Wissenschaft, dem Wohle des Landes und dem Ansehen der Hoch 
schule entspricht. Vor allem aber soll es unsere stete Sorge sein, 
Seiner Majestät für die großen Aufgaben der Zeit leistungsfähige 
und zuverlässige Männer heranzubilden. Mit Stolz wird unsere 
akademische Jugend den hohen Anforderungen gerecht werden, welche 
an sie gestellt werden müssen, und sich durch treue Pflichterfüllung 
und ernstes Streben nach tüchtigen. Wissen und Können des in sie 
gesetzten Vertrauens würdig erweisen. In dieser feierlichen Stunde 
aber vereinigen sich alle Angehörigen der Hochschule in dem heißen 
Wunsche: Möge Seiner Königlichen Majestät eine lange und gesegnete 
Regierung beschieden sein. Möge Seiner Majestät Haus ruhmreich 
wie in der Geschichte durch die Jahrhunderte blühen an der Spitze 
eines gesunden und wirkungsvollen Gliedes eines einigen und großen 
Vaterlandes! 
Personalnachrichten. 
Seine Majestät der König haben den Baudirektor von Hänel, 
Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart, seinem Ansuchen 
gemäß in den Ruhestand zu versetzen, und ihm bei diesem Anlaß das 
Kommenthurkreuz 2. Klasse des Friedrichsordens zu verleihen geruht. 
Dem Abteilungsingenieur, tit. Bauinspektor John in Reutlingen 
ist die Straßenbauinspektion Ellwangen übertragen worden. 
Versetzt sind die Garnisonbauinspekloren Holch von der Korps 
intendantur nach Ludwigsburg und Schmidt von Münsingen zur 
Korpsintendantur. 
Gestorben sind Professor Baurat F. Stahl in Stuttgart und 
Negierungsbaumeister Gustav Rau in Hall. 
Aus Anlaß des Geburtsfestes S. Majestät des Königs wurden 
verliehen: 
Das Kommenthurkreuz 2. Klasse des Friedrichsordens an den 
Vorstand der Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau, 
Baudirektor von Euting, 
das Ritterkreuz des Ordens der württ. Krone an den ordentl. 
Professor Göller an der Techn. Hochschule, 
das Ritterkreuz 1. Klasse des Friedrichsordens an die Betriebs 
bauinspektoren Hiller in Leutkirch und Schmidt in Pforzheim, 
Straßenbauinspektor Baurat Angele in Ulm, Baurat Beger bei 
der Domänendirektion, 
der Titel und Rang eines Oberbaurats den ordentl. Professoren 
Zemann und Ernst an der Techn Hochschule; derjenige eines 
Baurats dem Telegrapheninspektor, Oberinspektor Ritter bei der 
Generaldirektion der Posten und Telegraphen, den Betriebsbauinspek 
toren Clansnitzer in Ludwigsburg und Harttmann in Heilbronu, 
dem Gewerbeinspektor Hoch stetter in Stuttgart und dem Architekten 
Louis Stahl, Inhaber der Firma Wittmann & Stahl in Stuttgart; 
derjenige eines Bauinspektors den Abteilungs-Ingenieuren Kallee 
und Stendel bei der Generaldirektion der Staatseisenbahneu, 
Ganßer beim Betriebsbauamt Stuttgart und derjenige eines Tele 
grapheninspektors dem Abteilungs-Ingenieur Wegmann bei der 
Generaldirektion der Posten und Telegraphen. 
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