Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Was nun die einzelnen oben erwähnten Teile der Feuertele- 
graphen-Einrichtnngen betrifft, so gliedern sich dieselben in: 
1. Die Feuer-Melde-Einrichtnng, 
2. die Alarm-Einrichtnng und 
3. die Fernsprech-Einrichtungen. 
Bei der Feucrmelde-Einrichtnng ist es von Wichtigkeit, die Mit 
teilung über einen ansgebrochenen Brand so rasch als möglich nach 
der Zentralstation gelangen zn lassen. Zur Aufnahme dieser Meldung 
ist auf der letzteren einer oder mehrere Morseapparate aufgestellt. 
Beim Bethätigen eines Feuermelders wird der Morseapparat aus 
gelöst (Fig. 4 und 5), dadurch kommt ein Läntwerk in Thätigkeit, 
welches den Wachehabeuden anruft; der letztere weiß sofort, daß eine 
Meldung einläuft und muß sich gemäß seiner Instruktion an den 
Morseapparat begeben, nm diese Meldung entgegenzunehmen. 
Das Läntwerk des Morseapparates ist in der Weise eingerichtet, 
daß es solange forttönt, bis es der Beamte am Apparate selbst 
mittels eines Knopfes abstellt. Gleichzeitig mit dem Läuten läuft 
der Papierstreifen des Morseapparates ab und erscheint auf demselben 
das Zeichen des Feuermelders, von welchem die Mitteilung kommt. 
Mittels eines am Apparat angebrachten Knopfes oder durch einen 
Trittumschalter läßt sich das Läntwerk abstellen. 
Jeder Feuermelder hat sein besonderes Zeichen und kann der 
Wachehabende durch Vergleichen des auf dem Papierstreifen erschienenen 
Zeichens mit einer am Apparat selbst angebrachten Tabelle sofort 
ersehen, welcher Feuermelder ausgelöst wurde. 
In eine Linie schalten wir gewöhnlich höchstens 25 Feuermelder; 
wir haben jedoch auch Fälle gehabt, wo der billigeren Leitungsführung 
halber bis zu 40 derartigen Apparate pro Linie vorgesehen wurden. 
Was nun die Morseapparate selbst betrifft, so fertigt meine 
Firma dieselben in zweierlei Ausführungen an und zwar einerseits 
auf Tischen montiert, andererseits auch in Kastenform. Die erstere 
Anordnung wird ans größeren Zentralstationen verwendet, wo die 
Morseapparate nicht allein zn Fenermeldezwecken dienen, sondern 
auch weitere telegraphische Meldungen, insbesondere zu polizeilichen 
Zwecken, ans denselben Beförderung finden. 
Bei den Apparaten in Kastenform sind die einzelnen Teile auf 
einer gußeisernen Platte in einer Weise angeordnet, daß die empfind 
lichen Apparate sämtlich sich hinter derselben befinden. 
Mittels zweier Nicgel wird die Platte festgehalten. 
Nach dem Lösen der Riegel läßt sich die ganze 
Platte umlegen und kann dann jeder einzelne Teil 
leicht kontrolliert werden. Der Apparat kann sogar 
ans dem Kasten ohne weiteres herausgenommen werden, 
ohne daß man Verbindungen zu lösen braucht, da 
sämtliche Leitungsanschlüsse durch sogenannte Feder- 
schlnßklemmen hergestellt sind. 
Bezüglich der Anwendung der Morseapparate ist zn 
bemerken, daß dieselben für Ruhestrombetrieb einge 
richtet sind und also immer Strom durch dieselben 
fließt; wird eine Leitung ans irgendwelche Weise 
unterbrochen, so läßt der Elektromagnet den Anker 
bezw. Schreibhebel los und schließt dadurch einen 
Kontakt, wodurch das oben erwähnte Lämwerk ertönt. 
Gleichzeitig giebt aber auch das am Apparat ange 
brachte Galvanometer an, ob die Leitungen in 
Ordnung sind. Wenn keine Meldung durch den 
Morseapparat läuft, so muß dasselbe einen Ausschlag 
zeigen, dessen Größe wiederum einen Schluß ans die 
Güte oder den Widerstand der Leitungen zuläßt. 
Zum Telegraphieren oder wenigstens zum Pro 
bieren des Morseapparates ist ferner noch ein Morse 
taster angebracht. 
Die bisher erwähnten Teile befinden sich neben 
den Rollen für das vorrätige und verbrauchte Papier 
an jedem Zentralstationsopparat. Je nach dem ver 
wendeten Feuermelder sind jedoch noch folgende weitere 
Teile notwendig: 
Das große Mikrotelephon nebst Umschalter 
dient zum mündlichen Verkehr in der Meldelinie nud 
besitzt dessen Leitnngsschnur eine selbstthätig wirkende 
Vorrichtung znm Aufwinden. Mittels eines Strom 
wenders, der in runder Form oder als Taster aus 
geführt wird, kann der Strom in den Meldelinien 
in rascher Aufeinanderfolge umgekehrt werden, wodurch an dem Feuer 
melder, von dem gerade Feuer gemeldet wurde, zum Zeichen, daß die 
Meldung verstanden ist, ein Wechselstromwecker zum Ertönen kommt. 
Bei einem in Karlsruhe bisher aufgestellten Morseapparat dient 
ein darauf angebrachter zweiter Taster samt dem Galvanometer dazu, 
Fig. 4. Centralstationsapparat in Schrankform.
	        

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