Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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1. Ein Laufwerk mit Gewichtsbetrieb samt Kontaktrad und Kurz 
schlußvorrichtung. 
2. Ein Galvanoskop zur Kontrolle. 
3. Ein Morsetaster zum Telegraphieren und zum Geben des 
Telephonzeichens. 
4. Ein großes Telephon nebst Umschalter und Leitungsschnur 
mit selbstthätiger Aufwindevorrichtung hiezu. 
5. Ein Mikrophon samt Jnduktionsrolle und Trocken-Element. 
6. Ein polarisiertes Läutwerk zur Aufnahme des Rücksignals. 
7. Eine Blitzschutzvorrichtnng samt Federschlußklemmen und Stark 
stromsicherung. 
Das Ganze ist, wie gesagt, auf einer gußeisernen Platte montiert 
und in einem verschließbaren Holzkasten untergebracht, wird aber auch 
in einem eisernen Kasten zum Befestigen im Freien geliefert. Der 
Kasten ist mit 2 Thüren versehen, und zwar wird die untere Thüre 
nur zum Melden geöffnet, ivährend die obere zum Zwecke des Tele- 
phonierens offen sein muß. 
Wie schon im Anfang meines Vortrages erwähnt, werden die 
Meldelinien mit Ruhestrom betrieben und zeigt sich eine Unterbrechung 
in den Leitungen selbstthätig durch Ablaufen des Morseapparates an 
Sollte in den Leitungen, welche sternförmig von der Zentralstation 
ausgehen und deren Enden an Erde liegen, irgendwo Erdschluß 
eingetreten sein, so macht sich dies durch einen größeren Ausschlag 
des Galvanometers auf der Zentrale bemerkbar, doch wird dies sehr 
leicht übersehen und ist in solchen Fällen die Lauxmann'sche Kontroll 
uhr ganz zweckmäßig, welche jeweils zwischen den letzten Feuermelder 
und Erde eingeschaltet wird. Dieselbe giebt alle zwei bis drei 
Stunden ein ganz bestimmtes Probezeichen, welches auf dem Morse 
apparat erscheint. Bleibt das Zeichen aus, so muß irgendwo in der 
Leitung ein Erdschluß existieren; derselbe wird jedoch sehr leicht durch 
Abgehen der Feuermelder und durch Kontrolle von deren Galvano 
meter gefunden, indem der Fehler dann zwischen demjenigen Feuer 
melder liegt, dessen Galvanometer einen Ausschlag zeigt und dem 
jenigen, wo kein Ausschlag mehr vorhanden ist. Auch eine Unterbrechung 
der Linie läßt sich ganz leicht auffinden; da jeder Feuermelder eine 
Blitzplatte mit Erdleitung besitzt, so müssen die Feuermelder von der 
Zentralstation aus abgegangen werden. Die Apparate werden der 
Reihe nach durch Verbinden der von denselben weggehenden Leitungen 
mit der Mittelschiene der Blitzplatte an Erde gelegt; aucb hier ist 
der Fehler wieder zwischen dem Feuermelder mit Ausschlag der 
Galvanometernadel und derjenigen ohne Ausschlag zu finden. 
Da die Melder alle in eine Linie geschaltet sind, so wurde 
vielfach der Einwand erhoben, daß bei einem gleichzeitigen Melden 
von zwei Apparaten aus die Zeichen sich decken und nur verstümmelt 
zum Vorschein kommen. 
Wir haben deshalb vor zwei Jahren bei einer Reihe von Feuer- 
telegraphen-Verwaltungen Umfrage gehalten, ob dies je einmal vorkam, 
und erhielten von überallher die Antwort, daß diese Erscheinung 
noch nie aufgetreten sei. 
Meines Wissens ist dieses Zusammentreffen zweier Meldungen jedoch 
hier einmal vorgekommen; doch genügt gegen diesen Zufall die ganz 
einfache Instruktion, daß nur Feuer gemeldet werden darf, solange 
der Galvanometer des Apparates in Ruhe ist. Außerdem ist das 
ganz gleichzeitige Melden von 2 Apparaten aus kaum anzunehmen, 
da überhaupt die Feuermeldung nie ganz gleichzeitig stattfindet und 
bei 12 ablaufenden Zeichen am Anfang und Schluß der Mel 
dung immer noch einige gut ausfallende auf dem Morsepapier zum 
Vorschein kommen. 
Um diesem Uebelstand ganz abzuhelfen, kann in den Apparat 
noch eine sogenannte Erdschlußvorrichtung eingesetzt werden, welche 
den Feuermelder während der Bethätigung an Erde schließt, so daß 
sämtliche dahinter befindlichen Apparate kurz geschlossen oder ausge 
schaltet sind. 
Was nun die Stromquellen betrifft, so werden zum Betrieb 
der Ruhestromleitungen gewöhnlich Meidinger-Elemente verwendet 
und zwar sind hiebei, um die Wirksamkeit der Batterie in jeder Weise 
sicher zu stellen, immer zwei neben einander stehende Elemente durch 
besonders angeordnete Polklemmen zu einem Topvelelement verbunden. 
Diese Anordnung bietet überdies noch den Vorteil, daß das Aus 
wechseln von Elementen, wie dies durch das Reinigen und Neufüllen 
bedingt wird, ohne Unterbrechung der Leitung vorgenommen werden kann. 
Beim letzteren ist eine möglichst übersichtliche Anordnung von 
großem Wert und haben wir dasselbe freistehend konstruiert. Auf 
zwei schmiedeisernen Tragständern mit Querschienen sind kräftige 
Fachbretter untergebracht und die Meidinger-Ballon-Elemente in 
nutenförmige Einschnitte eingesetzt, wobei über den Elementen an 
der unteren Fläche der Bretter sogenannte Doppelpolklemmen zur 
Parallelschaltung der Elemente sitzen. Diese offene, von allen Seiten 
zugängliche Anordnung ermöglicht eine leichte und stetige Kontrolle 
der Batterie. 
Bequemer und sicherer jedoch als der Betrieb durch Eleniente 
ist derjenige unter Zahilfename der Dynamomaschinen und Akkumu 
latoren. Wir verwenden für diesen Zweck gewöhnlich kleine Akkumu- 
latoren-Batterien aus 8—10 Zellen bestehend, welche 32—40 
Meidinger-Elemente in der vorhin angegebenen Schaltung ersetzen. 
Die Ladung dieser Batterien wird mittels Dynamoniaschinen oder 
Umformer vorgenommen. (Schluß folgt.) 
Personalnachrichten. 
Regierungsbaumeister Wechsler in Stuttgart wurde zum tech 
nischen Expeditor bei der K. Domänendirektion ernannt. 
Zu Abteilungsingenieuren wurden befördert: Regierungsbau 
meister Welte, bei der Bahnbauseknon Schorndorf, und die Re 
gierungsbaumeister Köhler, Lamparter und Scheuffele bei der 
Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau. 
Dem Abteilungsingenieur Oskar Hart mann in Aalen und 
dem technischen Expeditor Wahl in Heilbronn wurde der Titel und 
Rang eines Bauinspektors verliehen. 
Professor Dr. v. Weyrauch ist für das Studienjahr 1900/1901 
zum Rektor der Techn. Hochschule in Stuttgart ernannt worden. 
Prof. Dr. v. Eck an der Techn Hochschule in Stuttgart ist in 
den erbetenen Ruhestand versetzt worden. 
Gestorben ist Oberbaurat Zeman, Professor an der Techn. 
Hochschule in Stuttgart. 
Dem Geheimen Regierungsrat Professor Otto Mohr in 
Dresden ist aus Anlaß seines Uebertritts in den Ruhestand von der 
Techn. Hochschule in Hannover die Würde eines Doktor-Ingenieurs 
ehrenhalber verliehen worden. (Geboren den 8. Oktober 1835 zu 
Wesselburen in Holstein, erhielt Mohr seine Ausbildung als Bau 
ingenieur an der Techn. Hochschule zu Hannover. Er praktizierte 
im hannoverschen Staatsdienst und folgte i. I. 1867 einem Ruf 
an die Techn. Hochschule zu Stuttgart mit einem Lehrauftrag über 
technische Mechanik, Trassieren und Erdbau. 1873 ging er nach 
Dresden und lehrte dort zuerst Eisenbahnbau und Wasserbau und 
seit 1894 technische Mechanik.) 
Oberbürgermeister Feodor Gnauth in Gießen ist zum Prä 
sidenten des großh. Hessischen Finanzministeriums ernannt worden. 
Herausgegeben vom Württemb. herein für Äaukunde. Für denselben: Äauinspektor Reifling. — Ärnik von Alfred Müller & Ä-o. Hereag von 4>» nklml* & 
chofbuchhandlung, sämtlich in Stuttgart.
	        

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