Volltext: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Treibseil aufgewickelt wird; dasselbe geht über einen Flaschenzug, an 
welchem das ziemlich schwere Treibgewicht aufgehängt ist. Durch 
eine Zahnradübersetzung wird das Zugseil und damit der Hammer 
Fig. 14. Anschlagwerk. 
in Bewegung gesetzt, während zwei kräftige Windfänge die Ge 
schwindigkeit des Anschlags regeln. Durch einen Elektromagnet wird 
das Anschlagwerk ausgelöst und wird derselbe durch den Strom 
eines Magnetinduktors oder einer Batterie bethätigt. 
Auch bei diesen Anschlagwelken kann wiederum der Starkstrom 
Verwendung finden und haben wir hiezu ein besonderes Anschlagwerk 
mit Elektromotoren-Betrieb konstruiert (s. Fig. 2), welches in 
4 Größen und zwar nicht allein für Gleichstrom, sondern auch für 
Drehstrom gebaut wird. Dasselbe besteht aus einem Elektromotor, 
auf dessen Welle ein Schneckenradgetriebe angebracht ist, welches 
wiederum ein großes Zahnrad antreibt. Das letztere ist mit Nocken 
versehen, welche den Zughebel und damit den Hammer auf- und ab 
bewegen. Ein solches Anschlagwerk habe ich ebenfalls hier aufgestellt. 
Was nun die Telephonapparate betrifft, so sind die verschiedenen 
Konstruktionen Ihnen ja bekannt genug, nur will ich erwähnen, daß 
dieselben gewöhnlich zur Alarmierung der Chargierten der Feuerwehr 
Verwendung finden. Nach Meldung eines Feuers wird diesen Persön 
lichkeiten telephonisch vom Ort und der Größe des Brandes Mit 
teilung gemacht und haben wir in einigen Fällen die Einrichtung 
so getroffen, daß durch einen Apparat gleichzeitig einer größeren 
Anzahl von Personen die Nachricht vom Brande zukommt. In 
Karlsruhe haben wir einmal mit 20 Personen zu gleicher Zeit tele 
phonisch verkehrt. Das Stromschema dieser Einrichtung zeigt Fig. 15. 
Bezüglich der verschiedenen Arten der Messungen und Kontrolle 
der einzelnen Linien bemerke ich, daß es von großer Wichtigkeit ist, 
recht häufig Proben der Einrichtung vorzunehmen, damit die Beamten, 
denen der Dienst obliegt und welche gewöhnlich in ihrer Eigenschaft 
als Polizei- oder Feuerwehr-Organe von derartigen Apparaten nicht 
sehr viel verstehen, möglichst mit allen Einzelheiten vertraut werden. 
Bei unseren älteren Einrichtungen haben wir meistens ein 
Universal-Galvanometer zum Messen des Widerstandes geliefert, an 
welches die Leitungen mittels eines Stöpselumschalters angeschlossen 
wurden. Hiebei ist jedoch zu bedenken, daß während der Zeit der 
Messungen die Leitungen von der Batterie abgetrennt sind und daß 
die Personen, welche mit der Bedienung betraut sind, nicht die ge 
nügenden meßtechnischen Kenntnisse besitzen. Die Messungen werden 
deshalb nur sehr langsam vorgenommen, so daß 
leicht eine Feuermeldung verloren gehen kann 
oder überhaupt diese Messungen nicht pünktlich 
genug ausgeführt werden. Nach unseren Er 
fahrungen genügt unter den heutigen Verhält 
nissen für die Kontrolle der Meldelinien lediglich 
die Ausführung mit Ruhestrombetrieb, wie ich 
dies schon im Anfang meines Vortrages aus 
einandergesetzt habe. 
Die Weckerlinien dagegen können jederzeit 
durch ein sogenanntes Kontroll-Galvanometer 
geprüft werden, welches in der Weise wirkt, 
daß ein schwacher Gleichstrom, von Elementen 
oder Akkumulatorzellen geliefert, in die Leitungen 
geschickt und der Strom mittels eines empfind 
lichen Galvanometers beobachtet wird. Der 
Ausschlag des letzteren giebt ein Maß für die 
Güte der Leitungen, während die Wecker durch 
diesen Strom nicht in Thätigkeit kommen. Eine 
Prüfung der Wecker findet wöchentlich durch 
eine Alarmierung zu einer ganz bestimmten 
Zeit, gewöhnlich Sonntag früh um 9 Uhr, statt. 
Einen gewissen Anhaltspunkt für das richtige 
Funktionieren bietet der auf der Zentralstation 
angebrachte Kontrollwecker, der immer mitläutet, 
während andererseits die Besitzer von Weckern 
verpflichtet sind, ein Nichtfunktionieren ihres 
Weckers zur vorgeschriebenen Zeit sofort nach 
der Zentralstation zu melden. 
Die Telephonlinien können einfach durch 
Anrufen der betreffenden Station und Antworl- 
geben kontrolliert werden. 
Um die Apparate und Leitungen der Feuertelegraphen-Einrich- 
tungen vor den Wirkungen der Starkströme zu schützen, ist es am 
sichersten, wenn zu den freien Leitungen an den Kreuzungsstellen 
wenigstens gut isolierte Drähte verwendet werden und auch auf die 
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Fig. 15. Stromschema zum Fernsprech-Zentralapparat. 
Isolation der inneren Leitungen große Sorgfalt gelegt wird, da es 
trotz Schwachstromstcherungen vorkommt, daß Apparate verbrennen. 
Als Schwachstromsicherungen haben wir dreierlei Konstruktionen be 
nützt und zwar genügt für gewöhnlich eine Sicherung, welche aus
	        

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