Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Badkünde in Stuttgart 
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Untergeschoss befindliche Buchhaltungszimmer, in dem Schreib 
und Rechenmaschinen Aufstellung finden können. Weiterhin 
vermittelt ein Aufzug vom Untergeschoss bis zur Kasse den 
Transport von Wertpapieren und Geld. 
Die Hauptansichten des Gebäudes wurden ganz in Haller 
Werkstein, die Rück- und Nebenansichten aus diesem Haustein 
in Verbindung mit Verblendsteinen hergestellt. Die Eindeckung 
der Dächer geschah mit Naturziegeln in alter Weise als Doppel 
dach, nur für die Turmspitze und das Erkerdach kam Kupfer 
zur Anwendung. Die Bauformen des Hauses tragen in der 
Hauptsache den Charakter der frühen deutschen Renaissance, 
sind aber in moderner Weise frei verarbeitet. Letzteres gilt 
hauptsächlich von den in massvoller Weise angebrachten 
Skulpturen. 
schmücken die Bildnisse der drei württembergischen Regenten 
und ihrer hohen Gemahlinnen, unter deren Protektorat die 
Anstalt zu der heutigen Blüte gelangte. Ein in strengen Formen 
gehaltener, derb ausgebildeter Sitzungstisch mit hochlehnigen, 
lederbezogenen Stühlen vollendet die Ausstattung des genannten 
Raumes. 
Die Ausstattung der beiden im zweiten Obergeschoss ge 
legenen Wohnungen geschah in der hier üblichen Art guter 
bürgerlicher Wohnungen. 
Als Fussbodenbelag dient in sämtlichen Geschäftsräumen 
und einem Teil der Wohnräume bestes auf Torgament verlegtes 
Linoleum. 
Zum Schluss wäre noch der Einrichtung elektrischer Uhren 
Erwähnung zu thun, welche derart bewerkstelligt ist, dass von 
Württembergische Sparkasse: Untergeschoss. 
Die Konstruktion im Innern wurde vollständig in Eisen und 
Stein ausgeführt; besondere Sorgfalt wurde dabei auf die feuer- 
und diebessichere Herstellung des Tresors verwendet. 
Die Heizung sämtlicher Arbeits- und Wohnräume geschieht 
durch eine Niederdruck-Wasserheizung. Durch künstliche Ein 
führung frischer Luft, welche im Winter vorgewärmt wird, 
erfolgt eine ausgiebige Ventilation der Geschäftsräume. 
Die künstliche Beleuchtung sämtlicher Räume wird aus 
schliesslich durch elektrisches Licht bewerkstelligt. 
An passenden Stellen angebrachte Hydranten sollen zur 
Erhöhung der Feuersicherheit dienen. 
Auf eine besonders gediegene Ausstattung der beiden Haupt 
geschosse wurde grosser Wert gelegt und demgemäss hier die 
Bauschreinerarbeit wie das gesamte Mobiliar in echtem Eichen 
holz ausgeführt. Im übrigen wurde dem Charakter der Anstalt 
entsprechend jeder unnötige Zierat vermieden. Nur der Warte 
raum und die Verwaltungsräume im ersten Obergeschoss er 
hielten einfache, in weiss gehaltene Stuckdecken und im Sitzungs 
zimmer erlaubte man sich eine hölzerne Kassettendecke und 
ein hohes Wandgetäfel. Die Wand über diesem Getäfel 
einem genau gehenden Regulator aus die in den Haupt 
geschäftsräumen angebrachten Uhren auf elektrischem Weg in 
Gang gesetzt werden und somit im ganzen Haus nur eine Zeit 
massgebend ist. 
Die Kosten des Baues sind zu 442 000 Mark veranschlagt 
worden. 
Gross ist der Aufwand, der im Interesse der Einleger und 
der Verwaltung gebracht wurde, derselbe wird aber durch die 
Vorteile, die für die Sicherheit der zum Teil unersetzlichen 
Werte und Bücher und für die Erleichterung des Betriebs ge 
wonnen wurden, gerechtfertigt und mit erhöhtem Vertrauen 
können die Einleger künftig an die Anstalt sich wenden. 
Am 13. Januar 1901 fand unter Führung des Herrn Bau 
rat Eisen loh r eine Besichtigung des Neubaues statt. Das 
Gebäude zeichnet sich durch Klarheit der Anlage aus, seine 
einfache, aber gediegene und solide Einrichtung machen 
einen angenehmen Eindruck; seine monumentalen Formen 
gewähren ein ansprechendes Architekturbild. Das ganze Bau 
wesen ist wohlgelungen und gereicht der Anstalt und der 
Stadt zur Zierde.
	        

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