Volltext : Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

,

Monatsschrift  des  Württembg.  Vereins  für  Baukdnde  in  Stuttgart.

Das  Verwaltungsgebäude  der  Lebensversicherungs-  und  Ersparnisbank  Stuttgart.

wie  ein  Neubau,  und  dass  es  sich  nicht  so
praktisch  hätte  einrichten  lassen,  wie  ein  neues
Gebäude.
Man  entschloss  sich  daher,  einen  Neubau
auszuführen.  Als  Bauplatz  wurde  ein  Grundstück ­
  an  der  Ecke  der  Reinsburg-  und  Silberburgstrasse ­
  einschliesslich  der  von  v.  Leins
erbauten  Villa  Zorn  erworben.  Die  Villa  wurde
aber  nicht,  wie  ursprünglich  geplant  war,  abgebrochen ­
  ,  obgleich  infolgedessen  der  für  den
Neubau  noch  zur  Verfügung  stehende  Platz  eine
verhältnismässig  grosse  Längen-  und  geringe
Tiefenausdehnung  erhielt.
Das  Programm  war  schwierig.  Man  stand
vor  einer  Aufgabe,  für  deren  Lösung  kaum  ein
Vorbild  zum  Muster  genommen  werden  konnte,
da  bis  jetzt  nur  wenige  Versicherungsneubauten
bestehen.  Der  Geschäftsbetrieb  ist  ein  ganz  anderer ­
  als  der  einer  Bank.  Da  die  Geldsendungen
meist  von  den  auswärtigen  Inspektoren  mit  der
Post  eingesandt  werden,  also  nur  unbedeutende
Beträge  vom  Publikum  direkt  eingezahlt  werden,
so  war  beispielsweise  kein  besonderes  Gewicht
auf  Zahlstellen  mit  grossen  Vorräumen  zu  legen,
wie  bei  Banken,  Sparkassen  u.  s.  w.
Das  Gebäude  ist  so  angelegt  worden,  dass
in  demselben  die  voraussichtlich  in  den  nächsten
50  Jahren  zu  erwartende  Vermehrung  des  Verwaltungspersonals
noch  untergebracht  werden  kann.
Die  gewählte  Grundrissanordnung  ist  nachstehend  dargestellt. ­
  Die  Hauptachse  wurde  an  die  Langseite  gelegt,  und  die
Gebäudeteile  um  einen  Lichthof  von  8—9  m  Breite  und  28,58  m
Länge  gruppiert.  Infolge  der  ungenügenden  Tiefe  des  Bauplatzes
musste  mit  den  Abmessungen  des  Lichthofs  an  die  äusserste
Grenze  des  für  die  Versorgung  mit  gutem  Licht  noch  zulässigen
Masses  gegangen  werden.  Das  Gebäude  erhielt  2  Stockwerke,
von  denen  die  Zimmer  und  Säle  des  oberen  einstweilen  als  Geschäftsräume ­
  vermietet  werden,  bis  sie  die  Bank  selbst  für  ihre
Zwecke  verwenden  kann.

Figur  2.  Lebensversicherungs-  und  Ersparnisbank.  I.  Obergeschoss.

gewählt,  trotzdem  die  Bauleitung  der  Baukommission  dringend  die
Ausführung  einer  Warmwasserheizungsanlage  empfohlen  hatte.
Die  Kanäle  für  eine  künftig  einzurichtende  künstliche  Ventilation
sind  vorgesehen.  Die  Ventilatoren,  die  Vorwärmer  und  Luftbefeuchtungsapparate ­
  sind  zunächst  noch  nicht  eingesetzt.  Die
Beleuchtung  ist  ausnahmslos  elektrisch,  mit  Anschluss  an  die
städtische  Zentrale  eingerichtet.
Die  Aborte  sind  mit  Wasserklosets  eingerichtet,  deren
Inhalt  vor  dem  Einlauf  in  die  städt.  Kanäle  eine  Kläranlage
nach  dem  System  Friedrich  v.  Glass  (Leipzig)  zu  passieren
haben.
Die  Fa^ade  ist  in  freibehandelter  moderner  Renaissance

Aus  den  Mitteilungen  des  Herrn  Baurat  Weigle  in  der  zweiten  ordentlichen  Versammlung  vom  8.  Dezember  1900.

Ausführung  dieses  Bauwesens  lag  in  den  Händen  der
ME  Firma  Eisenlohr  und  Weigle.
Schon  vor  einigen  Jahren  plante  die  Lebensversicherungs-
  und  Ersparnisbank  einen  Umbau  ihres  in
der  Reinsburgstrasse  gelegenen  alten  Verwaltungsgebäudes.  Es
zeigte  sich  aber,  dass  ein  Umbau  halb  so  viel  kosten  würde,
LKSr  M-SVER-SICHERVNCtS  -*  F.SSPATfNtSBHWK;

Im  Parterre  befindet  sich  die  Kassa,  die  Hauptbuchhaltung,
die  Controle  der  Agentenbuchhaltung,  die  Prämien-  und  die
Versicherungsabteilung.  Im  ersten  Stock  sind  die  Zimmer  der
beiden  Direktoren,  das  Hypothekenbureau,  die  Abteilung  für
Sterbefälle,  das  mathematische  Bureau,  das  Organisations-Bureau,
ein  Teil  des  Archivs  und  ein  Sitzungssaal.  Ein  weiterer  Sitzungssaal ­
  wird  später  im  zweiten  Stockwerk  'eingerichtet ­
  werden.  In  jedem  Stockwerk  sind  zwe
Warteräume  angeordnet,  ausserdem  eine  gemögende
  Anzahl  Nebenräume.
Das  grosse  Tresorgewölbe  ist  im  Untergeschoss ­
  des  Rückbaues  ohne  Verbindung  mit
der  Kasse  angeordnet.  Boden,  Decke  und  Wänds
sind  mit  starken  Betonmauern,  mit  Einlagen  vor
schraubenförmig  gewundenen  Stahlschienen  js
3  m  lg.  und  von  rechteckigen  Querschnitt  70/K
mm  hergestellt.  Diese  mit  dem  äussersten  Härtegrad ­
  versehenen  Stahlschienen  werden  horizonta
und  parallel  der  Wandfläche  in  mehreren  Lageij
so  verlegt,  dass  die  Stösse  gegeneinander  versetzt
sind  und  zwischen  zwei  Stäben  nur  ein  Zwischenraum ­
  von  9  cm  bleibt.  Einbrech-Werkzeuge  müsset
bei  dieser  Anordnung  überall  auf  eine  Reihe  solch«
Stahlstäbe  treffen,  an  deren  schiefen  Flächen  si(
abgleiten.  Für  die  Aufbewahrung  der  Versicherungs
urkunden  ist  über  dem  Tresor  in  4  Halbstockwerken ­
  ein  feuerfestes  Archiv  eingerichtet,  dessen
Schränke  aus  Eisen  und  Glas  bestehen.
Zur  Erlangung  von  Projekten  für  die  Heizung
des  Gebäudes  wurden  4  Firmen  zu  einem  engeren
Wettbewerb  eingeladen,  aus  dem  die  Firma
Grove-Berlin  als  Siegerin  hervorging.  Als
Heizsystem  wurde  Niederdruck-Dampfheizung

Figur  1.  Lebensversicherungs-  und  Ersparnisbank.  Erdgeschoss.

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