Volltext : Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

Nr.  4

37

Monatsschrift  des  Württembg.  Vereins  für  B^ukunde  in  Stuttgart.

§  10.
C.  Gebührensätze  für  Arbeiten,
welche  nach  der  Fläche  vergütet  werden.
46.  Die  Leistungen  des  Ingenieurs  sind  in  dieser  Gruppe
die  folgenden:
Allgemeine  Vorarbeiten  (§  1,  2a);  Begehung  der
Fläche,  Eintragung  des  Vorentwurfes  in  vorhandene  Lage-  und
Höhenpläne,  Darstellung  der  allgemeinen  Anordnungen  der
beabsichtigten  Anlage,  Erläuterungsbericht,  Kostenschätzung.
Ausführliche  Vorarbeiten  (§  1,  2b)  c)  d);  Beschaffung
aller  Unterlagen  für  die  Bauausführung  unter  Benutzung  vorhandener ­
  Lage-  und  Höhenpläne;  Aufstellung  der  Regelentwürfe  für
wiederkehrende  Bauten  und  Bauteile;  Eintragung  der  Hauptmaasse
der  nicht  nach  Regelentwürfen  herzustellenden  Einzelbauwerke,
welche  nach  §  8  vergütet  werden;  Erläuterungsbericht,  Kostenanschlag. ­


Bauausführung;  alle  in  §  1  unter  e)  und  f)  auf-|
  geführten  Arbeiten.
47.  Bebauungspläne.
Die  Gebühren,  welche  den  Teilleistungen  a)  und  b)  in  §7,
40  entsprechen  und  eintretenden  Falles  nach  dem  Verhältnisse
1:1  zu  teilen  sind,  betragen  für  1  ha  Fläche  bei
einfachen  schwierigen
Verhältnissen
20  M.  60  M.
48.  Bewässerungs-  und  Entwässerungsanlagen
für  landwirtschaftliche  Zwecke.
Die  Gebühren  betragen  für  1  ha  Fläche  bei
einfachen  schwierigen
Verhältnissen
30  M.  90  M.

Verschiedenes.

Die  erste  Doktorpromotion  an  der  technischen
Hochschule  Stuttgart  fand  anlässlich  der  Feier  des  Geburtsfestes ­
  S.  M.  des  Königs  statt.
Nach  der  von  Prof.  Bantlin  gehaltenen  Festrede  „Ueber
die  deutsche  Industrie  und  Arbeiterversicherung“  erfolgte  zunächst ­
  die  Verteilung  der  akademischen  Preise  für  die
pro  1900  gestellten  Preisaufgaben.  Die  Aufgabe  der  Abteilung
für  Architektur  erhielt  3  Bearbeitungen  (Dekoration  der  Festräume ­
  eines  Künstlerhauses  im  deutschen  Charakter).  Den
ersten  Preis  erhielt  Regierungsbauführer  Martin  Mayer  von
Stuttgart  (von  Herbst  1896  bis  Ostern  1900  ordentlicher  Studierender ­
  der  Architektur);  den  zweiten  Preis  Albert  U  n  s  e  1  d
von  Ulm,  seit  Herbst  1897  ordentlicher  Studierender;  eine
öffentliche  Belobung  erhielt  Adolf  Tie  che  von  Bern  (Winter
1897/98  Hospitant,  Ostern  1898  bis  Herbst  1900  ausserordentl.
Studierender).  Die  Aufgabe  für  Maschineningenieurwesen
(Einformen  von  Dampfmaschinen  und  Turbinen)  fand  eine  Bearbeitung, ­
  welche  dem  Verfasser  Oskar  Junghans  von  Schramberg ­
  den  Preis  brachte.
Nach  der  Preisverteilung  gedachte  der  Rektor,  Prof.  Dr.
v.  Weyrauch  des  heutigen  Jahrestags  der  Verleihung  des
Rechts  zur  Erteilung  akademischer  Grade  an  die
Hochschule,  worauf  im  August  die  Promotionsordnung  erlassen
worden  sei,  und  verkündete,  dass  der  Senat  nunmehr  erstmals ­
  von  seinem  Recht  Gebrauch  gemacht  und  den
früheren  Studierenden  der  Bau-Ingenieur-Abteilung  Wilhelm
Frank  aus  Stuttgart  auf  Grund  der  vorgeschriebenen  Leistungen
zum  Doktor-Ingenieur  promoviert  habe.  Hierauf  gab
der  Rekter  noch  dem  Wunsche  Ausdruck,  es  mögen  allezeit  nur
wohlverdiente  Promotionen  folgen  und  die  neue  Institution  der
Wissenschaft  und  dem  Vaterlande  zum  Segen  gereichen.
Der  technischen  Hochschule  in  München  ist  nun
auch  das  Recht  der  Verleihung  der  Würde  eines
„Ehrendoktors  und  Doktors  der  technischen  Wissenschaften“ ­
  durch  allerhöchste  Verordnung  verliehen  worden.
Es  kann  diese  Würde  an  sämtlichen  Abteilungen  der  technischen
Hochschule  erworben  werden.  Um  eine  Anpassung  an  die  von
den  übrigen  deutschen  technischen  Hochschulen  eingeführte,
wie  die  deutsche  Bauzeitung  ganz  richtig  schreibt,  unschöne
und  zum  Teil  unzutreffende  Bezeichnung  eines  „Dr.  Ing.“  zu
ermöglichen,  ist  den  Hörern  der  Bauingenieur-,  der  Maschineningenieur-, ­
  der  Architektur-  und  der  Chemischen  Abteilung  die

Befugnis  zugesprochen  worden,  neben  dem  Titel  „Doktor  der
technischen  Wissenschaften“  den  Titel  „Dr.  Ing.“  zu  führen.
Sinngemäs  konnte  diese  Befugnis  nicht  auch  auf  die  in  der
Allgemeinen  und  in  der  Landwirtschaftlichen  Abteilung  erworbene
Doktorwürde  ausgedehnt  werden.
Ehrenbezeugungen  an  Techniker  können  der  „deutschen ­
  Bauzeitung“  zufolge  erfreulicherweise  aus  letzter  Zeit
wieder  eine  Anzahl  berichtet  werden.
Unter  den  12  neuen,  am  Krönungsfest  in’s  preussische
Herrenhaus  berufenen  Mitgliedern  ist  als  Vertreter
der  Wissenschaft  wiederum  ein  Techniker  ausersehen
worden.  Der  Geh.  Reg.-Rat  Prof.  Ri  edler  von  der  technischen
Hochschule  in  Charlottenburg,  der  in  Fach-  und  Industriellen-Kreisen
  längst  als  ein  hervorragender  Maschinenbautechniker
bekannt,  im  Vorjahre  als  Rektor  der  technischen  Hochschule  in
Charlottenburg  diese  bei  der  Feier  des  100jährigen  Bestehens
in  so  glänzender  Weise  vertreten,  und  damit  die  Aufmerksamkeit ­
  der  weitesten  Kreise  auf  sich  gezogen  hat.  (Seither  waren
schon  Mitglieder  des  Herrenhauses  die  Professoren  Dr.  Slaby-Charlottenburg,
  Intze-Aachen  und  Launhardt-  Hannover,
sodass  die  Technik  jetzt  vier  Repräsentanten  besitzt).
In  der  Hauptversammlung  der  Societe  Centrale  des
Architektes  Fran^ais  vom  10.  Januar  d.  Js.  wurde  Herr
Geh.  Baurat  Stübben  in  Köln  zum  korrespondierenden
Ehrenmitglied  der  genannten  Gesellschaft  gewählt  (Herr
Stübben  hat  in  Begleitung  von  etwa  70  deutschen  Fachgenossen
unseren  Verband  auf  dem  vorjährigen  internationalen  Architektenkongress ­
  in  Paris  vertreten).
Zu  Mitgliedern  der  preussischen  Akademie  des
Wissenschaften  und  zwar  zur  Vertretung  der  technischen ­
  Wissenschaften  als  solche,  sind  zwei  bekannte
Techniker,  deren  Ruf  weit  über  die  Grenzen  Deutschlands  reicht,
Geh.  Reg.-Rat  Prof.  Müller-Breslau  von  der  technischen
Hochschule  Charlottenburg  und  der  bekannte  Elektrotechniker 4
v.  Hefner-Alteneck,  langjähriger  Mitarbeiter  von  Werner
u.  Siemens  berufen  worden,  der  eine  bekannt  durch  seine  bahnbrechenden ­
  Arbeiten  auf  dem  Gebiete  der  Statik,  der  andere
durch  zahlreiche  wertvolle  Erfindungen  auf  dem  Gebiete  der
Elektrotechnik,  namentlich  des  elektr.  Lichts.  Damit  ist  die
bereits  durch  die  Verleihung  der  Doktorwürde  erfolgte  Anerkennung ­
  der  Technik  als  gleichberechtigte  Wissenschaft  deutlich
zum  Ausdruck  gekommen.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.