Volltext: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Badeunde in Stuttgart. 
No. 3 
an Umfassungswänden bedeutend gespart werden kann. Um 
aber keine Kasernen zu erhalten, wurden die Häuschen nur 
2 1 / 2 stockig projektiert, sodass von einer Treppe aus nie mehr 
als 3 Wohnungen zugänglich gemacht werden. 
Die Baublöcke sind nun so eingeteilt worden, dass 5—7 
Häuschen mit je einer gemeinschaftlichen aus Fach werk oder 
Backsteinen herzustellenden Scheidemauer aneinander gebaut 
sind; also ähnlich dem englichen Cottage-System. 
Während an den Längsstrassen 3 m Abstände von den 
Eckhäusern belassen wurden, vergrößerte man dieselben an 
den Querstrassen auf 5 und 6 m, um eine lebhaftere Luft 
bewegung zu gewinnen. 
Jede Baunummer erhält ein besonderes Gärtchen wie in 
Ostheim, sehr viele auch Vorgärtchen, welche als Ziergarten 
angelegt werden sollen. In welcher Weise auch bei Arbeitern 
der Sinn für schöne Gartenanlagen geweckt und ge 
hoben werden kann, zeigen die Ostheimer Vorgärten, welche 
Westheim soll sich von Ostheim dadurch unterscheiden, 
dass dort der ländliche Charakter der Ansiedelung mehr ge 
wahrt bleiben soll. 
Auch soll dort, obwohl gleichfalls Werth darauf gelegt 
wird, das Aeussere der Häuser nach Möglichkeit mannigfaltig 
und hübsch zu gestalten, doch soweit gespart werden, als bei 
Einhaltung einer durchaus soliden Bauweise möglich ist. 
Da die Grundpreise in Bothnang sehr erheblich niederer 
waren als in Ostheim, so hofft der Verein, die Wohnungen in 
Bothnang noch billiger vermieten zu können als in Ostheim. 
Die Grundrisse haben viele Aehnlichkeit mit denjenigen 
von Ostheim. Im allgemeinen wird mit kleineren Wohnungen 
begonnen, sowohl was die Grösse der Zimmer anbelangt, deren 
Grundfläche zwischen 12 und 16 qm schwankt, als was ihre 
Anzahl betrifft. Namentlich mit Rücksicht auf die Arbeiter 
bevölkerung Bothnangs ist eine sehr grosse Anzahl von Zwei 
zimmerwohnungen geplant. Auch die Nebenräume wurden be- 
Fig. 4. 
sich, was Schönheit der Anlage und Auswahl der Pflanzen an 
belangt, mit den Vorgärten in der Stadt wohl messen können. 
Der Verein hat dieses schöne Ergebnis dadurch zu erreichen 
verstanden, dass er Preise vergibt, welche jedes Jahr für einige 
der schönsten Gärten verteilt werden. Preisrichter sind dann 
neben Berufsgärtnern auch Hausanwärter. 
Die Eckhäuser sind im wesentlichen wie in Ostheim 
ausgebildet und bekommen 3*/ 2 Stock, sie bleiben im Eigentum 
des Vereins und erhalten Verkaufslokale. 
Ueber die Verteilung der Geschäftshäuser gibt der 
Lageplan Aufschluss. Man findet Wirtschaften, Bäckereien, 
Metzgereien, Spezereihandlungen, Werkstätten, ferner eine Apo 
theke, eine Krippe, einen Betsaal und ein Verwaltungsgebäude. 
Die Ausbildung des Aeussern der Gebäude zeigt 
etwas mehr Holzarchitektur als Ostheim; es wurde jedoch von 
Anfang an darauf verzichtet, vollständige Holzhäuser zu erbauen, 
da deren Kosten nicht viel kleiner sind als massive Häuser und 
verhältnismässig viel Unterhaltungskosten verursachen. 
schnitten, insofern nicht zu jeder Wohnung eine Schlafkammer, 
sondern nur kleine Kammern zum Aufbewahren von alten 
Kisten, Koffern u. dergl. gegeben werden. Denn die Leute, auf 
welche gerechnet wird, haben sehr wenige Bedürfnisse; ausser 
dem macht man mit den Schlafkammern nicht überall gute 
Erfahrungen. 
Prof. Maurer hat die Entwürfe für die Kanalisation aus 
gearbeitet und beabsichtigt, im Gegensatz zu den Stuttgarter 
Anordnungen, keine Schlammschächte an den Küchen 
anzuordnen, welche ja doch nur den Geruch künstlich am Haus 
festhalten und ihn ins Haus selbst führen, anstatt ihn in den 
Kanal abzuleiten. 
Die Rohrweiten mit 7,5 und 10 cm für die Hauskanäle 
und mit 21 cm für die Strassenkanäle sind erheblich kleiner 
als in Stuttgart. Letzteres war dadurch möglich, dass Regen 
auslässe an verschiedenen Stellen angeordnet werden konnten, 
welche das Wasser bei Hochwasser direkt in den Metzgerbach 
leiten. 
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