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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart. 
No. 4 
zur Anwendung. Die Flachdrainierung mit geringeren Tiefen 
hat sich nicht bewährt. 
Die Drainstränge werden in neuerer Zeit nach dem System 
der Kopfdrainierung annähernd in die Richtung der Horizontalen 
des Geländes gelegt mit Gefällen von 0,3 bis 1 °/ 0 , wobei die 
Sammeldrains in die Richtung des grössten Gefälls zu liegen 
kommen. 
Die Vorteile dieser Methode gegenüber der früher geübten, 
wobei die Saugdrains in die Richtung des grössten Gefälls zu 
liegen kamen, sind augenfällig. 
Bei Berechnung der Rohrweiten werden die Ergebnisse der 
meteorologischen Stationen des Landes thunlichst berücksichtigt 
und im allgemeinen angenommen, dass die Rohrleitung ein 
Wasserquantum von 0,6—1,8 Sekundenliter pro ha abführen 
kann. Engere Röhren als solche mit 45 — 50 mm lichter Weite 
werden nicht verwendet. 
Der Erfolg der Drainierung ist meist ein sehr guter. In 
nassem Gelände kann man annehmen, dass sich die Kosten 
der Anlage mit der dritten Ernte bezahlt machen. 
Zur Entwässerung der Wiesen wird meist ein Netz von 
offenen Gräben, unter Umständen in Verbindung mit einzelnen 
Drains zur Abfangung des Schichtenwassers angelegt. Bei 
Wiesengelände braucht die Senkung des Grundwasserstandes 
nicht so stark zu sein wie bei Ackerfeld, und die Gefahr des 
Zuwachsens der Drainstränge ist bei Wiesen eine grössere, es 
muss daher bei der Anlage von Drains mit grosser Vorsicht 
vorgegangen werden. 
In vielen Fällen muss auch eine Korrektion des Vorflutgrabens 
und behufs Ermöglichung einer regelmässigen Anlage des Graben 
netzes eine neue Grundstückseinteilung mit Regelung der Zufahrts 
verhältnisse vorgenommen werden. Eine solche Bereinigung 
bietet den Vorteil der Ermöglichung des prozentualen Abzugs 
der Grundfläche der gemeinsamen Anlagen statt des Ankaufs 
derselben mit Geld. 
Derartige Anlagen kamen in grösserer Zahl in den letzten 
Jahren im württembergischen Unterland zur Ausführung, als 
es galt, für die durch das Gewitter vom 1. Juli 1897 stark ge 
schädigten Bewohner jener Gegenden Arbeit und Verdienst zu 
schaffen und gleichzeitig die Ertragsverhältnisse des Bodens zu 
verbessern. 
Ich kann mir nicht versagen, hier auf die Frage einzugehen, 
inwieweit durch die Ausführung von Entwässerungsanlagen der 
rasche Abfluss der Meteorwasser und die Steigerung des Hoch 
wassers der Bäche und Flüsse gefördert wird. 
Es ist ja diese Ansicht bei Laien und Sachverständigen 
vielfach verbreitet. 
Ich meinerseits kann derselben nicht zustimmen, ich glaube 
vielmehr, dass zweckmässig ausgeführte Entwässerungsanlagen 
in Bezug auf den Wasserabfluss insofern günstig wirken, als 
durch sie eine aufnahmefähige trockene Bodenschicht geschaffen 
wird, in deren Hohlräume bei Niederschlägen das Wasser ein 
dringt, sodass die entwässerte Fläche gleichsam als Wasser 
reservoir wirkt, welches das Wasser nach und nach an den 
Wasserlauf abgibt. 
Es stimmt diese Auffassung mit der Thatsache überein, 
dass das Wasser aus Drainsystemen oft wochenlang nach dem 
Niederschlag noch hiesst, während es von nicht entwässerten 
Flächen, die nicht im stände sind, einen Ueberschuss zurück 
zuhalten, in wenigen Tagen nach erfolgtem Niederschlag ab 
geflossen ist. Es ist eine nicht entwässerte Fläche gewisser- 
massen mit einem Schwamm zu vergleichen, dessen Hohlräume 
mit Wasser gefüllt sind, und der nicht im stände ist, weiteres 
Wasser aufzunehmen. Der trockene Schwamm kann dagegen 
eine verhältnismässig grosse Wassermenge in seine Hohlräume 
aufnehmen, ehe der Abfluss beginnt. 
Durch Drainierungen werden die Hohlräume der obersten 
Erdschichten vermehrt. Es sind daher Entwässerungsanlagen, 
wenn sie innerhalb eines Niederschlagsgebiets in grösserem Um 
fang und in zweckmässiger Weise ausgeführt sind, im stände, 
auf die Wasserführung der öffentlichen Gewässer regulierend 
einzuwirken. 
Indem ich nun auf die Bewässerungsanlagen über 
gehe, möchte ich vorausschicken, dass in einem grossen Teil unseres 
Vaterlandes, namentlich im Donauthal, den Thälern der schwä 
bischen Alb und des Schwarzwaldes, sowie in Oberschwaben 
auf Gebieten mit durchlässigem Boden Bewässerungsanlagen, 
aus früheren Zeiten stammend, vorhanden sind. 
An vielen Orten sind diese Anlagen von den Insassen der 
früheren Klöster eingerichtet worden, denen man auch sonst 
noch manche Anlage aus dem Gebiet des Wasserbaus — ich 
erinnere nur an die oft grossartigen Teichanlagen — zu ver 
danken hat. 
Diese Bewässerungsanlagen werden, je nachdem die Be 
völkerung mit der Handhabung derselben vertraut ist, mehr 
oder minder gut betrieben. Leider wird in vielen Fällen aus 
Mangel an Verständnis und genügender Einrichtungen die 
Wasserzufuhr übertrieben, sodass öfters ein verhältnismässig 
geringer Erfolg erzielt wird und häufig Streitigkeiten mit den 
übrigen Nutzungsberechtigten entstehen. 
In den Jahrgängen 1893 und 1895, welche durch ihre 
ausserordentliche Trockenheit einen starken Ausfall an Futter 
und grosse Verluste am Viehstand gebracht haben, haben sich 
die vorhandenen Bewässerungseinrichtungen aufs beste bewährt 
und allgemein hat sich damals das Bedürfnis nach Ausdehnung 
derartiger Anlagen geltend gemacht. 
Trotzdem sind nur wenige neuere Anlagen ausgeführt 
worden, da der Mangel eines Wassergesetzes einer weiter 
gehenden Benützung des fliessenden Wassers zu Bewässerungs 
zwecken hindernd im Wege stand. 
Nachdem nun mit dem Beginn dieses Jahres das Wasser 
gesetz in vollem Umfang in Kraft getreten ist, wird es möglich 
sein, die Mittel- und Hochwasser der öffentlichen Gewässer, 
welche die Wassertriebswerke nicht ausnützen können, zur 
düngenden Bewässerung der Wiesen zu verwenden. 
Dagegen wird die Ausdehnung der anfeuchtenden Be 
wässerung, welche vorzugsweise im Sommer bei trockenen 
Zeiten notwendig ist, nur in den wenigsten Fällen möglich 
sein, da die vorhandenen Wassermengen im Lauf der Zeit 
grösstenteils von der Industrie in Anspruch genommen wurden 
und deren Zurückgewinnung für die Landwirtschaft meist mit 
zu grossen Opfern verknüpft sein dürfte. 
Vielleicht wird es mit der Zeit gelingen, im Verein mit der 
Industrie eine Verstärkung der Niederwasser der Bäche und 
Flüsse durch Erbauung von Sammelweihern zu erzielen, wie 
dies z. B. in Elsass-Lothringen mit grossem Erfolg geschehen 
ist. Es liesse sich hiedurch bei Niederwasserstand sowohl ein 
ungestörter Betrieb der Wasserwerke, als auch die für die Land 
wirtschaft an vielen Orten so überaus wichtige Sommer 
anfeuchtung der Wiesen bewerkstelligen. 
Eine vorteilhafte Anwendung wird die Bewässerung mit 
der Zeit noch finden in den breiten ebenen Flussthälern mit 
durchlässigem Untergrund, in welchen der Grundwasserstand 
infolge ausgeführter Flusskorrektionen sich in nachteiliger Weise 
gesenkt und die Futtererträge der Wiesen hiedurch not gelitten haben. 
Ich bin der Ansicht, dass auf diesem Gebiete noch grosse 
Aufgaben in Württemberg zu lösen sind und ein namhafter 
Gewinn aus den geschaffenen Anlagen sich erzielen lässt. Ist 
es ja doch möglich, die Erträge der Wiesen an gutem Futter 
durch Bewässerung auf das dreifache zu steigern. Möge es 
unsern Landwirten und unsern Ingenieuren nie an dem richtigen 
Verständnis und dem guten Willen für die Lösung dieser 
wichtigen Frage fehlen. 
Was nun die technische Seite der in letzter Zeit ausge 
führten Anlagen anbelangt, so kam statt des früher üblichen, 
teuren und un zweckmässigen Kunstwiesenbaues mit weit 
gehendem Umbau der Oberfläche und verwickeltem, schwer 
zu unterhaltendem Grabennetz ein natürliches Wiesenbausystem 
mit Benützung der vorhandenen Bodenoberfläche zur Anwendung, 
wobei an Bau- und Betriebskosten wesentlich gespart werden 
konnte. Die Bewässerung geschieht unmittelbar oder unter 
Anwendung von Horizontalrinnen aus den Hauptgräben, welche 
mit geringem Gefall derart angelegt sind, dass sie die höchsten 
Geländepunkte beherrschen. Die Gräben sind etagenförmig in 
horizontale Haltungen zerlegt, deren Enden mit Schleusen ab 
geschlossen werden. Die Sohle erhält ein durchgehendes Gefall. 
Grosse Sorgfalt ist der gründlichen Abführung des zugeleiteten 
Wassers zuzuwenden, falls die Bodenart zur Versumpfung 
neigt. Bei den früher ausgeführten Anlagen ist in dieser 
Hinsicht manches versäumt worden. (Schluss folgt.) 
Herausgeg. v. Württb. Verein f, Baukunde.—- Redaktion: Reg.-Baumeister Schury, Stuttgart. —Verlag: Südd. Verl.-Anst., G. m. b. H., München. 
Druck: G. Frariz’sche Hofbuchdruckerei (G. Emil Mayer), München.
        

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