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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart. 
No. 7 
stoffen, von Braunkohle, Torf u. dergl, bei K, nachher eine 
Lösung von Schwermetalloxyden (Eisensalzen) bei E zugesetzt. 
Die Zerkleinerung der Humusstoffe erfolgt in besonderen Mühlen, 
die Lösung der Metalloxyde in Rührwerken. Das Mass der 
Zuleitung dieser Flüssigkeiten wird durch Hahnstellung geregelt. 
Durch den Zickzackweg, den das Abwasser mit den Klär 
mitteln durchlaufen muss, vollzieht sich eine innige, gegenseitige 
Vermischung. 
In dieser Vorbereitung gelangt das Abwasser in den eigent 
lichen Klärapparat. Dieser besteht aus einem cementgemauerten, 
unterirdischen, kreisförmigen Becken (B), in welches eine aus 
Eisenblech gefertigte, über Tag stehende Glocke (G) eintaucht. 
Das Abwasser hiesst unten in das Becken ein und steigt in 
der Glocke, nachdem daselbst durch Auspumpen bei L die Luft 
verdünnt ist, langsam empor. Die aus den Chemikalien ge 
bildeten Niederschläge und die feinverteilten Humusstoffe sinken 
mit den ungelösten Schmutzstoffen auf den Boden des Beckens 
und bilden auf diesem Wege gewissermassen ein Filter für das 
zulaufende Wasser. Das geklärte Wasser wird durch einen 
Heber (H) von der Kuppe der Glocke abgezogen und hiesst 
weg; zu Zeiten von Epidemien kann es noch desinfiziert werden, 
ein Zusatz von 12 g Chlorkalk für 1 kbm bei C wird als aus 
reichend erachtet. Es ist noch nötig, den Chlorkalk zu be 
seitigen ; zu dem Ende passiert das Abwasser ein grobkörniges 
Kohlefilter (F), wobei jede Spur freien Chlors verschwindet. 
Ohne Unterbrechung des Klärvorganges wird der in einer 
Vertiefung des Beckens sich ansammelnde Schlamm durch ein 
Rohr (R) abgepumpt. Er wird entweder in einem drainierten 
Becken aufgesammelt, um nach Abgabe des überschüssigen 
Wassers als Dung landwirtschaftlich verwendet zu werden, oder 
er wird nach gründlicher Trocknung zum Heizen benutzt. In 
letzterem Falle gelangt er auf Filterpressen und passiert hiernach | 
eine Rösttrommel. Nach dieser Behandlung findet er direkte 
Verwendung als Heizmaterial zum Betriebe des maschinellen 
Teiles der Anlage, oder er wird, in Feuerungsbriquets geformt, 
zum Versand fertig gemacht. 
Bei diesem Verfahren vollzieht sich die Sedimentierung in 
dem (bewegten) langsam von unten nach oben aufsteigenden 
Abwasser. Die sich ausscheidenden Stoffe, die Schmutzbestand 
teile, die chemischen Niederschläge, die Humusstoffe sammeln 
sich im Verlauf des Betriebes auf ihrem Wege zum Boden des 
Beckens mehr und mehr an und bilden hierdurch, wie bereits 
oben gesagt, für das nachdringende Abwasser gewissermassen 
ein Filter. Es ist sonach neben der spezifischen Schwere der 
sinkenden Stoffe deren körperliche Beschaffenheit als Filter- | 
material ausgenutzt. 
Als klärende Zusätze sind ein physikalisch und ein chemisch 
wirkendes Mittel gewählt, in doppelter Absicht. Die Humus 
stoffe, allein angewandt, sind kein gutes Klärmittel, sie setzen 
sich langsam ab; in Verbindung mit den durch Eisensalze im 
Abwasser sich bildenden Niederschlägen erfolgt ein rasches 
Niedersinken. Die Zugabe von Humusstoffen hat nicht allein 
den Zweck, das Volumen des klärenden Niederschlages zu ver 
mehren, sondern es kommt noch die physikalische Wirkung 
der Absorption, wie sie den Bodenarten überhaupt eigen ist, 
zur Geltung. Das Verfahren beabsichtigt daher neben der Aus 
scheidung der ungelösten Stoffe die Verminderung gelöster 
organischer Substanzen des Abwassers. 
In der Behandlung des Klärschlammes ist die Absicht zu 
erkennen, sich von der Last seiner Ansammlung frei zu machen; 
dies wird durch dessen Verwendung als Dung- oder Brenn 
material erreicht. Bei längerer Lagerung des Schlammes tritt 
durch die Anwesenheit der Humusstoffe eine stärkere faulige 
Zersetzung nicht ein; hierdurch werden Geruchsbelästigungen 
vermieden und die Möglichkeit von Stickstoffverlusten einge 
schränkt. 
In den letzten Jahren ist ein Abwasserreinigungs-Verfahren 
aufgetaucht, welches im Prinzip von den bisher geschilderten 
abweicht, das sogenannte biologische; bei diesem geht das 
Bestreben dahin, die Lebensthätigkeit der Mikro-Flora und -Fauna 
zum Aufbrauchen der gelösten und ungelösten organischen 
Stoffe des Abwassers heranzuziehen. Der Gedanke, dass bei 
der Selbstreinigung jauchiger Flüssigkeiten biologische Vorgänge 
eine Rolle spielen, ist nicht neu und wurde zuerst von 
Alexander Müller ausgesprochen. Seine Versuche, Abwässer 
aus Zuckerfabriken auf diese Weise zu reinigen, führten nicht 
zum Ziele. Später hatte Dibdin in England unter bestimmter 
Versuchsanordnung bei städtischem Kanalwasser bessere Erfolge. 
Schweder führte das Dibdin’sehe Verfahren in etwas ab 
geänderter Form nach Deutschland ein, und seitdem ist es auch 
hier Gegenstand eifriger Forschung geworden. Wenngleich 
dieser neue Schritt in der Abwasser-Reinigungsfrage als ein 
bedeutungsvoller zu erachten ist, so muss doch betont werden, 
dass das biologische Verfahren noch nicht aus dem Stadium 
des Versuchs herausgetreten ist, dass es noch sehr der Ver 
vollständigung und weiteren Ausbildung bedarf. Insbesondere 
sind die Meinungen darüber noch geteilt, welche Art der Vor 
behandlung der Abwässer die bessere ist, ob man in dem ge 
samten Abwasser, einschliesslich der Sink- und Schwebestoffe, 
Fäulnis in einem besonderen Faulraum einleiten soll, oder 
ob dieser Vorgang entbehrlich ist, vielmehr nur auf eine Be 
seitigung der körperlichen Stoffe des Abwassers in diesem 
Stadium des Verfahrens Bedacht zu nehmen ist. In Deutsch 
land wie in England haben beide Ansichten ihre Vertreter ge 
funden. 
Die Firma Erich Merten & Co. (jetzt „Allgemeine Bau 
gesellschaft Hydor“) zu Berlin hatte eine Anlage vorgeführt, bei 
welcher eine Vorreinigung des Abwassers durch Beseitigung 
der Sink- und Schwebestoffe mittels Sedimentierung und Filtration 
erfolgt (Fig. 8 a u. b). 
Das Kanalwasser durchfliesst zunächst eine Verteilungs 
rinne (V), welche mit Sieben, sowie mit einem Schlamm- und 
Sandfang versehen ist zur Beseitigung gröberer Schwimm- und 
Sinkstoffe, und gelangt von hier durch mehrere Oeffnungen in 
einen Sedimentierraum (S). Dieser ist durch Einbau von Hohl 
mauern in mehrere Abteile zerlegt, in welchen das Kanalwasser 
langsam nach aufwärts steigt und hierbei Sinkstoffe absetzt. 
Durch Oeffnung von Schiebern kann der ausgefallene Schlamm 
beseitigt werden; die Schwimmstoffe werden mittels Spaten 
von der Wasseroberfläche abgehoben. Der Sedimentierraum 
ist überdacht zum Schutze gegen Niederschlagswasser und mit 
Brettern überdeckt, auf welchen Torf aufgeschüttet ist zur Er 
haltung einer gleichmässigen Temperatur; er dient somit neben 
dem Zwecke der mechanischen Klärung auch als Faulraum. 
(Fortsetzung folgt.) 
Herausgeg. v. Württb. Verein f. Baukunde. — Redaktion: Reg.-Baumeister Schury, Stuttgart. — Verlag: Südd. Verl.-Anst., G. m. b. H., München. 
Druck: G. Franz’sche Hofbuchdruckerei (G. Emil Mayer), München.
        

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