Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

No. 4 
Monatsschrift des Württembg. Vereins für Badkünde in Stdttgart. 
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V. de Pay’s 
Aus nebenstehender Abbildung, 
1/4 des Ausführungsmassstabes, er 
klärt sich die Bezeichnung: „Kur 
ve n p a 1 e t1 e“ für ein Instru 
ment, das eine Zusammenstellung 
von Kurven bildet, die zum Ge 
brauch beim Trazieren von Eisen 
bahnen und Wegen aller Art, sowie 
von Kanalanlagen, und Wasserläufen 
bei geodätischen Arbeiten, sodann 
beim Aufzeichnen von Plänen und 
Zeichnungen verschiedener Art 
dienen soll. 
In einer Art Schnecke sind 
Kreisbögen von 50 bis 1250 m 
Halbmesser in der Weise gruppiert, 
dass die in ihrem Innern angebrachten Bögen von 50 bis 300 m 
fortlaufend aneinander gereiht sind. 
Die nun folgenden Bögen sind gruppenweise in 4 Quadranten 
verlegt, welche durch Verstärkungsstege voneinander getrennt 
sind. — 
Das Material der Palette machte diese Stege notwendig; die 
selben dienen aber auch dazu, die einzelnen Bögen, die sich in 
einem Sinne von 50 m zu 50 m folgen, scharf voneinander zu 
trennen, etwas Charakteristischem für das Instrument. 
Die Grösse der Bögen ist leicht zu erkennen: es liegen 
gerade Hunderter ungeraden, Fünfziger Fünfzigern gegenüber. 
Zwischen den einzelnen Bögen sind Ausschnitte gelassen zum 
Nachfahren derselben mit dem Bleistift oder der Reisfeder. Die 
Bögen von R = 1300 m bis R = 2000 m liegen für sich in 
einem Quadranten, dem ein mit einem Ausschnitt versehenes 
Massstablineal angelegt ist; an diesem liegt sodann auch der 
Winkelmesser. 
Die Einteilung der Bögen erfolgt von 100 m zu 100 m. Die 
Mittelpunkte der einzelnen Bögen liegen im Innern der Schnecke 
in den Ecken eines Quadrates mit 50 m Seitenlänge; für die 
Bögen in den Quadranten liegen dieselben in den Schnitten der 
Begrenzungslinien der Verstärkungsstege oder deren Verlänge 
rungen und zwar wiederum in den Ecken eines Quadrats, dessen 
Seitenlange die Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks ist, 
dessen Katheten 50 m und 150 m lang sind. Diese Entwicklung 
der Bogenmittelpunkte bezw. deren Vorhandensein ist wiederum 
charakteristisch für das Instrument. 
Der Mittelpunkt für die Bögen von 1300 m bis 2000 m liegt 
am Massstablineal. Um die erwähnten Mittelpunkte lassen sich 
Kurvenpalette. 
die Bögen zu Kreisen ergänzen. Der Winkelmesser hat zweifache 
Teilung, alte und neue, zu 90° und 100° den rechten Winkel. 
Das Material der Kurvenpalette besteht aus Celluloid; die 
Festlegung der Form erfolgte durch Stanzen. 
Der dem Instrumente zu Grunde gelegte Massstab ist 
1 : 25000; dieser Massstab lässt sich leicht in andere Massstäbe 
umwandeln; so braucht man nur zu teilen die Zahl 25000 mit: 
0,25 
0,5 
1 
5 
10 
25 
50 
100 
250 :500! 1000 
1 1 
1:100 000 
um zu erhalten den Massstal 
1 1 1 I 
1:50 000 1:25 000 1:50001:25001:1000 1:500 
1:250 
1:100 1:50 1:25 
womit innerhalb der gegebenen Grenzen die Kurven 
palette für eine Anzahl anderer Massstäbe verwendbar wird. 
Mittelst der Bögen, deren Mittelpunkten, dem Massstablineal und 
den zur Konstruktion von Tangenten notwendigen rechten Winkeln, 
die mehrfach erscheinen, lassen sich nun ohne Zuhilfenahme von 
Zirkel, Winkel, Massstab oder Kurvenlinealen Tracen von Eisen 
bahnen und Strassen genau festlegen. Der Winkelmesser am 
Instrument wird hiebei häufig noch besondere Dienste leisten. 
Durch die Bestimmtheit der Form (genaue Kreisbögen, Vorhanden 
sein der Mittelpunkte, Einteilung der Bögen) übertrifft die Kurven 
palette die sonst üblichen Schwunghörner, und ist dieselbe neben 
ihrem konstruktiven Werte dadurch noch schätzenswert, dass 
man mit ihr gezeichnete Bögen unmittelbar abstecken kann. 
Schliesslich ist das beschriebene Instrument auch bei An 
fertigung architektonischer Details in Betracht zu ziehen. Auf 
gabe bei Anordnung der Einzelheiten des Instrumentes war die 
Handlichkeit desselben; diese beeinflusste die Grenze für die 
Grösse der Halbmesser. 
In einer Tasche mit Vordruck, der eine kurze Erläuterung 
und die Bestimmung desselben enthält, kann man das Instrument 
bequem bei sich tragen. 
Die „Kurvenpalette“ wird in der Gravieranstalt von L. Jenne- 
wein, Stuttgart, Rotebühlstrasse 57, erstellt; die Ausführung 
derselben ist eine denkbar pünktliche, der Preis mit 3,80 M. 
bezw. 4 M. ein billiger zu nennen. 
Wir wünschen dem vorbeschriebenen originellen und sinn 
reichen Instrument, das praktisch vielfach verwertet werden kann, 
eine erfolgreiche Verbreitung in den Technikerkreisen. 
D oktor-Ingenieur 
Wie der „Engineer“ meldet, wird vom nächsten Herbste an 
seitens des „Massachusetts Institut of Technology“ in Boston 
der Titel eines „Doctor of Engineering“ zur Verleihung kommen. 
in Nordamerika. 
— Sollte dieser „Doctor“ etwa gleichwertig mit den übrigen 
„amerikanischen Doktoren“ sein? 
Personal -Nachrichten. 
1. Aufnahme neuer Vereinsmitglieder: 
Als Mitglied wurde in den Verein aufgenommen am 
28. März 1903: 
K e m p t e r, Bauinspektor in Reutlingen. 
2. Ausgetreten am 11. April 1903: 
Schneider M., Baurat, Betriebsoberinspektor, Stuttgart. 
3. Verleihung von Orden, Titeln etc.: 
Seine Majestät der König haben allergnädigst geruht zu 
verleihen am 23. März 1903: 
dem Bauinspektor, tit. Baurat G a n s s e r bei der Gebäude 
brandversicherungsanstalt den Titel und Rang eines 0ber 
bau r a t s. 
Der städtische Tiefbauinspektor E. Braun in Ulm wurde 
zum Stadt baurat daselbst ernannt. 
4. Ergebnis der diesjährigen zweiten Staats 
prüfung im Bauingenieurfach. 
Bei der diesjährigen zweiten Staatsprüfung im 
Bauingenieurfach sind nachfolgende Kandidaten für befähigt 
erklärt worden und haben die Bezeichnung „Regierungs 
baumeister“ erhalten: 
Binder V., von Hürben, O.-A. Heidenheim,
	        

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