Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukünde in Stuttgart. 
No. 7 
Ueber die Leistungen, Verbrauch und Kosten der Motorwagen auf den königl. 
Württembergischen Eisenbahnen. 
Auf den königl. württembergischen Eisenbahnen befanden sich 
nach dem Verwaltungsberichte der königl. württembergischen Ver 
kehrsanstalten für das Etatsjahr 1901 im Betriebe auch drei 
zweiachsige Daimlermotorwagen Nr. 1 mit 24, Nr. 2 mit 30 
und Nr. 3 mit 44 Sitzplätzen, ferner fünf zweiachsige Serpollet- 
dampfwagen Nr. 1 mit 32 und Nr. 2—5 mit 40 Sitzplätzen, endlich 
ein vierachsiger Akkumulatorwagen mit 56 Sitzplätzen. Ueber die 
Leistungen dieser Motorwagen enthält der Bericht, dass die 
Daimlermotorwagen 101431 Zugkilometer zurücklegten, 29894 kg 
Benzin, Motoröl, Glyzerin und Erdöl, dann 1465 kg Schmiermaterial 
im Werte von zusammen 7590 M. verbrauchten. Auf ein Kilo 
meter entfiel ein Aufwand an Heizmaterial im Betrage von 
7.03 Pfg. und an Schmiermaterial 0,45 Pfg. .Die Erhaltungskosten 
betrugen im ganzen 704 M. oder 0.69 Pfg. pro Lokomotivkilo 
meter. 
Die Serpolletdampfwagen haben 58 774 Zugskilometer zu 
rückgelegt, ferner im Vorspanns- und Schiebedienste 225 km 
und bei Leerfahrten 859 km. Die Gesamtleistung an Nutz- und 
Leerfahrtkilometern war 59 848 km. Die Reserve- und Stationier 
stunden betrugen 2135, auf Fahrtkilometer umgewandelte Re 
serve-, Stationier- und Rangierstunden 4270 km. Der Verbrauch 
an Heizmaterial belief sich auf 187 519 kg Kohle und 768 kg 
Schmiermaterial mit einem Geldwerte der ersteren mit 3892 M. 
und des letzteren mit 322 M. Der Verbrauch pro Lokomotiv 
kilometer stelllte sich auf 2.92 kg mit einem Aufwande von 
6.07 Pfg. und 0.012 kg Schmiermaterial mit den Kosten von 0.5 
Pfg. Die Kosten der gewöhnlichen Erhaltung betrugen im ganzen 
4214 M. oder 7.09 Pfg. pro Lokomotivkilometer, die Kosten der 
aussergewöhnlichen Erhaltung bezifferten sich auf 6482 M. oder 
10.83 Pfg., daher Gesamterhaltungskosten 8726 M. oder 17.92 Pfg. 
pro Lokomotivkilometer. 
Der Akkumulatorwagen hat 21 126 Zugkilometer zurück 
gelegt und 999 km Leerfahrten gemacht, daher zusammen 
22 125 km. Der Verbrauch bezifferte sich auf 28 191 Kilowatt 
stunden im Geldwerte von 6343 M., 125 kg Schmiermaterial im 
Werte von 51 M.; auf das Lokomotivkilometer reduziert ent 
fallen 1.27 Kilowattstunden mit einem Geldaufwande von 28.67 Pfg. 
und 0.32 Pfg. für das Schmiermaterial. Die Kosten der ge 
wöhnlichen Erhaltung betrugen 2004 M. oder pro Kilometer 
9.06 Pfg. Die Kosten der aussergewöhnlichen Erhaltung haben 
185 M. oder 0.84 Pfg. pro Kilometer betragen. 
Hieraus geht hervor, wie den „Mitteilungen des Ver. f. d. 
Förderung d. Lokal- und Strassenbahnwesens“ entnommen, dass 
mit den Daimlermotorwagen die grösste Leistung bewirkt wurde, 
und dass dieselben den geringsten Geldaufwand für Verbrauch 
! des Heiz- und Schmiermateriales und für die Erhaltung, auf das 
j Kilometer reduziert, erforderten, dass dagegen der Betrieb mit 
Akkumulatorwagen die ungünstigsten Resultate lieferte. 
Dauer eiserner Querschwellen auf deutschen Eisenbahnen. 
Zu dem Artikel in Nr. 5 der Monatsschrift wird uns aus 
Freudenstadt geschrieben: 
F. Es wird die Leser der Monatsschrift vielleicht inter 
essieren, dass im hiesigen Bezirk noch im Jahre 1902 eine Anzahl 
forebener kyanisierter Schwellen herausgenommen wurden, 
welche Schwellennägel mit der Jahreszahl 78 getragen haben und 
ohne Zweifel im Frühjahr des Eröffnungsjahres der Gäubahn (1879j 
eingelegt, also 23 Jahre in der Bahn gelegen waren. Diese 
Schwellen würden, wenn nicht das Gleis in Schwellen und Schienen 
aus anderen Gründen erneuert worden wäre, noch länger in der 
Bahn geblieben sein. Sie zeigen ausser an den Befestigungsstellen 
der Schienen mit ihren Auflagflächen und Nagellöchern wohl eine 
Anzahl grösserer Längsrisse, im übrigen aber noch ganz gut er 
haltenes, gesundes Holz. 
Personal -Nachrichten. 
1. Ordens- und Titelverleihungen, Beförde 
rungen etc.: 
Verliehen wurde von der Königl. Technischen Hochschule 
in Berlin der Doctor Ingen, honoris causa dem Professor, Bau 
direktor v. Bach an der Königl. Technischen Hochschule in 
Stuttgart. 
Seine Königliche Majestät haben am 15. Juni d. J. 
allergnädigst geruht: 
den Oberbaurat v. L a i s s 1 e , ordentlicher Professor an der 
Technischen Hochschule in Stuttgart, seinem Ansuchen gemäss 
in den Ruhestand zu versetzen und ihm bei diesem Anlass 
den Titel eines Baudirektors mit dem Rang auf der vierten 
Stufe der Rangordnung zu verleihen. 
Seine Königliche Majestät haben am 16. Juli d. J. 
allergnädigst geruht: ' 
den Baurat Preu, Vorstand der Eisenbahnbauinspektion Ess- 
• lingen, auf Ansuchen in den Ruhestand zu versetzen und ihm 
bei diesem Anlass den Titel und Rang eines Oberbaurates zu 
verleihen. 
2. Ausgetreten: 
am 23. Juni 1903: v. Lemcke, Dr. Prof., Stuttgart. 
3. Gestorben: 
am 16. Juni 1903: Kuhn, Oberingenieur in Friedrichshafen. 
Kundmachung. 
An die Einzelvereine! 
Die Mitglieder des Verbandes werden darauf hingewiesen, 
dass vom 6.—13. April 1904 in Madrid der IV. internatio 
nale Architekten-Kongress stattfinden wird, zu welchem 
der Arbeits-Ausschuss des Kongresses, Simeon Avalos, stän 
diger Sekretär der Akademie der Künste, als Vorsitzender und 
die beiden Sekretäre M. Alberto de Palacio und Luis M. 
Gabel 1 o y Laziedra in Madrid, Einladung ergehen lassen. 
Seitens des Ausschusses ist dem unterzeichneten Verbands- 
Vorsitzenden die Aufforderung zugegangen, auf eine rege Be- 
| teiligung am Kongresse hinzuwirken. Wir machen also schon 
jetzt die Mitglieder des Verbandes auf denselben aufmerksam und 
hoffen, dass er auch in den Kreisen der deutschen Architekten 
und Ingenieure reges Interesse finden werde. — Bezüglich des 
Programms verweisen wir auf spätere Mitteilungen an anderer 
Stelle des Verbands-Organes. 
Dresden-Berlin, den 20. Juni 1903. 
DerVerbands-Vorstand. 
W a 1 d o w, Vorsitzender. 
F. Eisei er, Geschäftsführer. 
H;rausgeg. v. Württb. Verein f. Baukunde. — Verantw. Redakteur: Baurat Gebhardt, Stuttgart. — Verlag: Südd. Verl.-Anst., G. m. b. H , München. 
Druck: G. Franz’sche Hofbuchdruckerei (G. Emil Mayer), München.
	        

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