Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart. 
Nr. 2 
30. rf ftj — k 2 , worin 
c + f f . 
zi. tg. j u. tg. « 2 ^; mit probeweise c 15,5 cm 
erhält man im vorliegenden Falle mit f 4,545 d 25 cm r. 25 cm. 
" 2 IO ö \ « °o 20' 38" 
«1 IO 0 z8' 51 J J 
Z 0,15 cm 1,5 mm. 
Fig. 2 bis 8 sind die Entwürfe zu Gelenken in Beton, 
Granit, ferner für Stahlrollgelenke und das ausgeführte Gelenk, 
sowie das Gelenk der Betonbrücke Tübingen zur Vergleichung 
dargestellt. 
Die Berechnung der Widerlager geschah zeichnerisch und 
sind dieselben der Drucklinie für Vollbelastung angepasst; die 
Berechnung ist für Vollbelastung und für Eigerigewicht^unter 
Berücksichtigung des Auftriebs bei Hochwasser ausgeführt. 
Für Vollbelastung wird die grösste Kantenpressung im 
linken Widerlager 4,6 at.; im rechten Widerlager 5,6 at; die 
Reibungszahl wird bei dieser Belastung in der Bausohle links 
tg ‘l‘ - 0,28, rechts tg v 0,23. Unter Eigengewicht und 
mit Hochwasserauftrieb wird die grösste Pressung in der linken 
Bausohle 4,4 at, in der rechten Bausohle 5,5 at und die 
Reibungszahl links tg '/ 0,42, rechts tg Vi 0,41. 
Die Reibung, welche im letzten Falle gering ist, wird noch 
unterstützt durch den Gegendruck, welchen die Mergel- und Kies 
bänke an der Hinterseite der Widerlager ausüben und zwar am 
linken Widerlager auf eine Fläche von 9,2 mX2,6 m 23,92 qm, 
am rechten Widerlager auf eine Fläche von 9,2 mX 2,1 m 
= 19,32 qm. 
Ausführung der Brücke. 
Die Gründung der Brücke erfolgte in der Zeit vom 22. Au 
gust bis 20. November 1899, der gesamte Aufbau in der Zeit 
vom 1. März bis 23. Oktober 1900. 
Die Gewölbebetonierung vom 25. Juni bis 3. Juli, also in 
neun Tagen, worunter fünf sehr trockene Tage vom 25. Juni 
bis 1. Juli und vier Regentage. 
Die Voruntersuchung war durch 2 Bohrlöcher von 20 cm 
Weite, welche bis auf 7,2 m und 7,8 m unter Kämpfer-Gelenk 
höhe getrieben waren, und durch 4 Nadeln von 4 cm Stärke, 
welche bis auf ähnliche Tiefe hinuntergetrieben wurden, vor 
genommen ; in die offene Baugrube konnte eine Nadel mittels 
einer Hitze von 20 Schlägen des 12 Pfd. schweren Handschlegels 
noch 8 cm tief eingetrieben werden; die in der Sohle der Bau 
grube vorgefundenen Schichten der Orbicularisbänke erwiesen 
sich insbesondere 'im linken Widerlager weniger fest, als an 
genommen war, so dass zur Sicherung gegen Abgleiten dieses 
Widerlager um 2 m erbreitert und um rund l m vertieft wurde. 
Der Aushub der Baugruben geschah an beiden Wider 
lagern in offener Schachtzimmerung, wobei eine 14pferdige 
Lokomobile das mit 30 lit. pro Sek. von allen Seiten ein 
dringende Wasser bewältigen konnte. 
Da geeigneter Sand in der Nähe der Baustelle nicht vor 
handen war, wurde Porphyrsand und Kalksand verwendet; 
ersterer wurde in dem Schwarzwälder Porphyrwerk Schenken 
zell durch Quetschen von Porphyrsteinen, letzterer aus den 
Abfällen der Steinbrechmaschine, mittels welcher der Beton 
schotter aus Steinen des Hauptmuschelkalks hergestellt wurde, 
gewonnen. 
Die angestellten Versuche hatten das bemerkenswerte Er 
gebnis, dass dieser künstlich gewonnene Sand erheblich grössere 
Festigkeiten der Probekörper ergab, als sie mit Normensand 
erzielt wurden. 
Die zum Betonieren verwendeten Baustoffe hatten folgende 
Beschaffenheit: 
a) Spezifische Gewichte. 
1. Flusskies des Neckars, 5 bis 55 mm Korngrösse; 93 1 
wogen 162 ‘/ 2 kg netto; spez. Gewicht 1,75-; 1 cbm 1750 kg. 
2. Porphyrsand von Schenkenzell, trockene Ware, 601 Sand 
wogen 83 kg netto; 1 cbm 1380 kg; es enthalten 4 1 Sand 
ausgesiebt 
1 1 Pochmehl 0— l / 2 mm Grösse 
r, / 0 „ Feinkörner */ 2 —l l / 2 mm Grösse 
2 „ Mittelkörner l*/ 2 —5 „ „ 
1 l i „ Grobkörner grösser als 5 mm. 
3. Muschelkalksand aus der Steinbrechmaschine auf der 
Baustelle erzeugt; dieser Sand war etwas gröber und splittriger 
als der Porphyrsand, Aussiebungen wurden nicht vorgenommen. 
4. Kalkbruchsteine von Fischingen (Hauptmuschelkalk). 
Ein Haufen auf der Brückenwage regelrecht aufgesetzt mit 
75/52/40 cm = 0,156 cbm wog 285 kg, sonach ist das spezi 
fische Gewicht 1,83, 1 cbm aufgesetzter Steine wiegt 1830 kg. 
5. Portlandzement vom württbg. Zementwerk Laussen 
oder der Zementfabrik Blaubeuren; ein Sack mit 50,5 kg er 
gab 36 1. Spezifisches Gewicht 1,40 1 1 cbm 1000 1 = 1400 kg. 
b) Hohlräume. 
1. Kies vom Neckar mit grobem Sand und sehr ungleichen 
Korngrössen. 
Erster Versuch: 93 1 nehmen 28 1 Wasser auf, sonach 
Hohlräume 30 °/ 0 . 
Zweiter Versuch: 93 1 nehmen 22 1 Wasser auf, sonach 
Hohlräume 24 °/ 0 . 
2. Porphyrsand von Schenkenzell. 
60 1 Sand nehmen allmählich und nach langer Zeit 21 1 
Wasser auf, sonach Hohlräume 35 °/ 0 . 
3. Muschelkalkschotter, 3,5—6 cm Korngrösse 42—45°/ 0 
Hohlräume. 
c) Mörtelfestigkeiten nach den Normen hergestellt. 
I. Proben mit Normensand 1:3. 
1. Portlandzement grau vom württbg. Zementwerk Lauffen a/N. 
Zugfestigkeit nach 28 Tagen aus 146 Proben, Mittel 14,71 at 
'U Jahr 112 „ „ 20,22 „ 
Das Werk selbst gibt für den nach Neckarhausen gelieferten 
Zement unter Wasserzusatz von nur 8 °/ 0 aus 14 Laboratoriums- 
Versuchen an 
Zugfestigkeit im Mittel nach 7 Tagen 14,07 at, nach 28 Tagen 
18,7 at, nach 90 Tagen 28,8 at. 
2. Schlackenzement von Neunkirchen 
Zugfestigkeit nach 7 Tagen aus 10 Proben, Mittel 12,95 at 
» » 14 „ „ 7 „ „ 21,10 „ 
„ „21 „ „ 6 „ „ 25,87 „ 
„ „ 40 „ „ 3 „ „ 25,98 „ 
„ „ 90 „ „ 3 „ „ 25,00 „ 
3. Roter F arbzement von Stuttgart, Zementfabrik Blaubeuren 
Zugfestigkeit nach 8 Tagen aus 2 Proben, Mittel 16,ol at 
„ >, 20 „ „ 2 „ „ 30,72 „ 
4. Portlandzement von Blaubeuren. 
Zugfestigkeit nach 8 Tagen aus 12 Proben im Mittel 22,08 at 
„ ,. 28 „ „ 20 „ „ „ 24,93 „ 
„ „ 06 „ „ 9 „ „ „ 26,03 ., 
„ „ 90 „ „ 6 „ „ „ 29,10 „ 
II. Proben mit Porphyrsand von Schenkenzell. 
5. Roter Farbzement von Blaubeuren. 
Zugfestigkeit nach 8 Tagen aus 3 Proben im Mittel 20,11 at 
„ 38 „ „ 2 „ „ „ 35.27 „ 
6. Portlandzement von Blaubeuren. 
Zugfestigkeit nach 8 "Lagen aus 2 Proben im Mittel 35,3 at 
„ „ 14 „ „ 4 „ „ „ 35,2 „ 
„ 28 „ „ 10 „ „ „ 36.04 „ 
„ „ 90 „ „11 „ „ „ 42,03 „1 
III. Proben mit Muschelkalksand auf der Baustelle hergestellt. 
Zugfestigkeit nach 14 Tagen aus 4 Proben im Mittel 32,4 at 
„ „ 28 „ „ 4 „ „ „ 36,6 „ 
56 3 40 9 
Der Portlandzement war von besonders feiner Mischung. 
In der Materialprüfungsanstalt der Technischen Hochschule 
Stuttgart durch Baudirektor v. Bach vorgenommene Versuche 
hatten folgendes Ergebnis mit Blaubeurer Zement. Erhärtungs 
beginn, Temperaturerhöhung, Bindezeit: Der Zement wurde bei 
durchschnittlich 17,4" G. Lufttemperatur mit 28 u / 0 Wasser von 
gleicher Temperatur angemacht, die Erhärtung begann durch 
schnittlich nach 42 Minuten und ergab eine Erhöhung der 
Temperatur von durchschnittlich 8,4" C. über diejenige des 
Wassers und des Zements vor der Mischung. Die Bindezeit 
betrug 1 Stunde. Volumbeständigkeit: Die normalmässigen 
Kuchen auf Glasplatten zeigten nach 28 "sagen weder Kan 
tenrisse noch Verkrümmungen. 
Feinheit der Mahlung: 
Die Siebprobe ergab 0,1 °/ 0 Rückstand im Siebe von 900 Maschen 
13 °/o „ .. „ .. 4900 .. 
Die Druckfestigkeit von Würfeln in / t 7|7 cm aus 1 kg 
Zement, 3 kg Porphyrsand, 10 °/ 0 Wasser gab nach 1 Tag 
unter Wasser, und 6 Tagen in der Luft aus 5 Proben 268,8 at. 
Die Zugfestigkeit betrug nach 7 Tagen im Mittel 31,5 at, 
während für die gleichen Würfel aus 1 kg Zement 3 kg Nor
	        

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