Volltext : Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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nennenswertem  Umfange  nicht  mehr  vorgenommen.  Durch  immer
weiteres  Einlegen  von  eisernen  Schlaudern  und  Bändern  suchte  man
den  drohenden  Einsturz  hintanzuhalten,  bis  auch  dieses  Mittel  nichts
mehr  helfen  wollte  und  die  Gemeindemitglieder  mit  ihren  jeweiligen
Geistlichen  immer  dringender  um  Abhilfe  der  unhaltbar  gewordenen
Zustände  baten.  Nachdem  die  Rechtsfrage  zwischen  der  Staatsregierung
und  der  Gemeinde  geregelt  war,  nahm  die  Finanzverwaltung  die
Wiederherstellung  der  Kirche  energisch  in  die  Hand  und  betraute  mit
der  Ausführung  dieses  Werkes  ihren  technischen  Referenten,  Oberbaurat ­
  von  Sauter,  während  für  die  eigentliche  Bauführung  auf  dem
Platze  selbst  Regierungsbaumeister  Peter  aufgestellt  wurde.
Um  das  alte  Baudenkmal  in  würdiger  Weise  wieder  neu  erstehen
zu  lassen,  hatte  Oberbaurat  v.  Sauter  folgende  Grundsätze  für  die
Renovation  aufgestellt:
1.  Sämtliche  unorganisch  und  stilwidrig  zur  Kirche  sich  verhaltenden
An-,  Auf-  und  Einbauten  werden  entfernt.
2.  Die  baufälligen  alten  Teile  der  Kirche  werden  abgetragen  und
mit  dem  alten  Material  wieder  neu  in  der  alten  Gestalt  hergestellt ­
  unter  Ergänzung  mit  neuem  Material.
3)  Die  stehenbleibenden  Teile  werden  gründlich  ausgebessert.
4)  Neu  herzustellen  sind  die  fehlenden  Teile,  wie  Sakristei  und  Türme.

Dieses  weitgehende  Bauprogramm  wurde  trotz  aller,  dem  Unternehmen ­
  sich  entgegentürmenden  Hindernisse,  wie  sie  sich  teils  aus
der  leidigen  Geldfrage,  teils  aus  dem  Mangel  geeigneter  Arbeitskräfte
in  dem  einsamen  Schwarzwaldthale  ergaben,  in  vollem  Umfange  durchgeführt. ­
  Die  ganze  Choranlage  wurde  abgebrochen  und  sorgfältig,
teilweise  aus  altem  Material  in  der  alten  Weise  wieder  aufgebaut,
die  verkrüppelten  Türme  wurden  verstärkt  und  in  dem  alten,  edlen
Geiste  Abt  Wilhelms  von  Hirsau  wieder  aufgerichtet,  auch  der  West.
giebcl  der  Kirche  wurde  stilvoll  wieder  hergestellt.  Das  alte  stehenbleibende ­
  Mauerwerk  mußte  in  umfangreichem  Maße,  zum  Teil  unter
schwierigen  Verhältnissen,  ausgebessert  und  erneuert  werden.  Das
Innere  der  Kirche  erfuhr  eine  gründliche  Erneuerung,  wobei  dem  praktischen ­
  Bedürfnisse  der  Gemeinde,  wie  dem  Geiste  des  romanischen
Stils  in  gleicher  Weise  Rechnung  getragen  wurde.  Diese  ganze
schwierige  Aufgabe  der  Erneuerung  wurde  in  den  Jahren  1893—97
in  gelungener  Weise  gelöst.  Und  so  sehen  wir  nun  die  herrliche
Kirche  im  alten  Geiste  wieder  neu  belebt  als  Zierde  des  Thales  in
gediegener,  dauerhafter  Ausführung  vor  uns  stehen,  bestimmt,  der
Gemeinde  als  würdiges  Gotteshaus  zu  dienen  und  den  Stürmen
weiterer  Jahrhunderte  zu  trotzen.

Berichtigung.
In  Heft  7,  Seite  38,  rechte  Spalte,  7.  Zeile  muß  statt  „mit  eisernen
Gittern"  gesetzt  werden  „mit  etwa?  von  der  Wand  abstehenden  Draht-  oder
leichten  Eisengittern".

Äeranegegedrn  vom  Wiirttemd.  verein  kür  vanlmnde.  Für  denselben:  Gberbanrat  a.  D.  v.  «rockmann.  —  Krack  von  Alfred  Müller  L  Ao.  —  vertag  von  S.  ttUist'»
chofdnchbandlrmg,  sämtlich  ln  Ltnttgarl.
            
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