rechneten, gemittelten, mittleren Wasserstand zusammen, dieser wird 
vielmehr stets höher liegen, als der am häufigsten beobachtete, weil 
die Wasserstandsschwankungen zwischen ihm und dem absolut höchsten 
Stand stets größer sein werden, als zwischen ihm und dem absolut 
niedersten Wasserstand. 
In der Figur 6 sind die Häufigkeitslinien des Neckars für den 
Heilbronner Pegel, der Donau für den Berger Pegel und der Enz 
für den Höfener Pegel neben einander gezeichnet. Hienach dauert 
der am längsten beobachtete Wasserstand jährlich 
am Neckarpegel zu Heilbronn im 70 jährigen Durchschnitt 91 Tage 
„ Donau „ „ Berg „ 15 „ „ 115 , 
„ Enz „ „ Höfen „ 5 „ „ 142 „ 
Für Wassertriebwerksbesitzer ist selbstverständllch derjenige Fluß 
der günstigste, an welchem ein gewisser mittlerer Wasserstand von 
längster, und die Hoch- und Niederwasserzeiten von kürzester Dauer 
sind. Im Hinblick auf die in Figur 6 gezeichneten Häufigkeitslinien 
ist die Wasserführung eines Flusses um so vorteilhafter zu bezeichnen, 
je langgestreckter und je niederer diese Kurven sind. Enz und Donau sind 
hienaach dem Neckar vorzuziehen. 
Da nun aber die Höhe des Wasserstandes allein nicht genügt, 
um das Verhältnis der Größe des Niederschlages zur abgeführten 
Wassermasse unter verschiedenen Verhältnissen erken nen zu lassen, so sind 
Messungen der sekundlichen Abflußmengen und zwar bei ver 
schiedenen Wasserständen und an verschiedenen Flußstellen vorzunehmen. 
Die Wasserführung eines Flusses setzt sich zusammen ans dem 
unterirdischen unsichtbaren und dem sichtbaren Abfluß. Annähernd 
parallel neben jedem sichtbaren Abfluß ist ein unsichtbarer Grund 
wasserstrom vorhanden, der mit bedeutend geringerer Geschwindigkeit 
— oft nur mit Bruchteilen von Millimetern in der Sekunde — 
fließt, sich auch wohl teilweise in den offenen Flußlauf ergießt und 
anderwärts wieder von ihm abzweigt. In Bezug auf die Wasser 
führung eines Flusses ist die Mächtigkeit dieser Grundwasserströme 
als nicht wesentlich zu bezeichnen; sie verhindern jedoch, neben den 
stetig fließenden Quellen, ein vollständiges Austrocknen der Flußläufe 
bei lang andauernder Trockenheit. 
Die von dem hydrographischen Bureau ausgeführten Wasser 
mengemessungen werden nur im offenen Flußgerinne gemacht. Die 
Grundwasserströme werden späteren Beobachtungen überlassen. Es ist 
in Aussicht genommen, zunächst an etwa 250 Flußstellen, die an 
65 verschiedenen Flüssen ausgewählt wurden, je viermal Wasser 
messungen bei möglichst verschiedenen Wasserständen vorzunehmen. 
Die sekundliche Abflußmenge ist gleich dem Wasserquerschnitt 
der zur Messung ausgesuchten Flußquerprofilstellen mal der mittleren 
sekundlichen Wassergeschwindigkeit in dem Profil. 
Die Wassermessungsarbeiten bestehen daher in der Aufnahme 
von Querprofilen des Flusses, sowie in der Vornahme von Ge 
schwindigkeitsmessungen an verschiedenen Stellen und in verschiedenen 
Tiefen dieser Querprofile. 
Die Geschwindigkeitsmessungen werden entweder von zwei ge 
kuppelten Nachen, oder bei Niederwasser und bei kleinen Flüssen von 
festen Stegen aus mit dem sogenannten Woltmann'schen Flügel vor 
genommen. Während der Ausführung der Geschwindigkeitsmessnngen 
werden die Wasserschwankungen im Profil selbst, in dem Stau der 
oberhalb gelegenen, größeren Wasserwerke und an den nächst der 
Messungsstelle gelegenen Pegelstationcn in kurzen Zeitabschnitten be 
obachtet. Auch die Windstärke und Windrichtung, die Luft- und 
Wassertemperatur werden aufgeschrieben. 
Anlangend die Berechnung der sekundlichen Abflußmenge, so 
werden zunächst die Flächen der Vertikalgeschwindigkeiten aufgezeichnet 
und diese Flächen planimetrisch bestimmt. Die Form solcher Vertikal 
geschwindigkeitskurven ist aus der Figur 7 zu ersehen. Nach dem 
Ergebnis einer großen Zahl von Beobachtungen wird die größte 
Geschwindigkeit etwa 10—30 cm unter dem Wasserspiegel angetroffen; 
die kleinste Geschwindigkeit ist für gewöhnlich an der Sohle vorhanden; 
ihre Größe wechselt stark und bewegt sich zwischen 25 und 75°/o 
der Oberflächengeschwindigkeit. Die mittlere Geschwindigkeit in einer 
Vertikalen kann zu etwa 85°/» der Oberflächengeschwindigkeit ange 
nommen werden und wird bei etwa 55-65°/» der Wassertiefe angetroffen. 
Denkt man sich nun in jedem Messungspunkte des Flußquer 
profils, die dort gemessene sekundliche Geschwindigkeit von der Profil 
fläche aus aufgetragen, so erhält man durch Verbindung der Endpunkte 
eine unregelmäßige krumme Fläche, wie sie Figur 8 darstellt. Alle 
Wasserteilchen, welche sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der 
Ebene des Querprofils befanden, liegen nach Verlauf einer Sekunde 
in dieser Fläche. Die in einer Sekunde durch das Flußquerprofil 
geflossene Wassermenge ist gleich dem Kubikinhalte des Körpers, 
welcher zwischen der Querprofilebene und dieser krummen Fläche liegt, 
und der überdies noch begrenzt ist von der Ebene des Wasserspiegels 
und von der cylindrischen Fläche der Sohle und Ufer. 
Der Inhalt dieses Körpers kann einfach graphisch bestimmt 
werden, indem man von der Wasserspiegellinie des Flußquerprofils 
aus die Geschwindtgkeitsflächen der einzelnen Vertikalen linear auf 
trägt und die so erhaltenen Endpunkte durch eine Kurve verbindet. 
Die Fläche zwischen dieser Kurve und der Wasserspiegellinie stellt 
alsdann die Größe der gesuchten Wassermenge vor. 
Mit Hilfe mehrerer Wassermengemessungen bei verschieden hohen 
Wasscrständen wird es möglich, für jede Messungsstelle eine sogenannte 
Wassermengenkurve aufzustellen. Der Verlauf dieser Kurven ist 
meist bis zu derjenigen Wasserstandshöhe ein stetiger, wo der Fluß 
über seine Ufer tritt. Dort ändert sich, wie die Figur 9 zeigt, ihr 
Verlauf, weil die Abflußmenge nach erfolgter Ausuferung bei weiterem 
Steigen, rascher zunimmt, als bei niederen Wasserständen. Aus der 
Wassermengenkurve kann für jeden beliebigen Pegelstand, für den 
Messungen nicht vorliegen, die Größe des sekundlichen Abflusses 
entnommen werden. 
Mit Hilfe der Wassermenge-Kurven ist es nun möglich, den von 
den Naturwissenschaften gewünschten, oben bereits erwähnten Aufschluß 
über den Kreislauf der irdischen Wasser zu erhalten, und den Ein 
fluß klar zu legen, den die Verdunstung und Versickerung, sowie der 
nicht zu unterschätzende Wasserverbrauch der Pflanzen — wenigstens 
in ihrer vereinigten Wirkung — ausüben. 
In der Figur 10 sind für das gesamte Enzgebiet, das 1 ls der 
Landesfläche einnimmt, die sekundlichen, auf 1 qkm entfallenden 
Niederschläge der einzelnen Monate im Durchschnitt der 5 Jahre 
1891/95 aufgetragen. Es fallen dort die reichlichen Niederschläge 
durch Gewitter in den Monaten Juni und Juli und durch die Herbst 
regen im Oktober und Dezember hauptsächlich in die Augen. 
In der nämlichen Figur sind darunter die Abflußmengen aus 
dem Enzgebiet aus 1 qkm im Durchschnitt derselben Zeit kenntlich 
gemacht. Nach dieser Darstellung fand in den Monaten Februar 
und April, sowie besonders im März der reichlichste, im August und 
September der spärlichste Abfluß statt. 
Die interessanten Beziehungen zwischen Niederschlag und Abfluß 
treten nun ganz besonders deutlich hervor, wenn man eine Linie des 
prozentualen Verhältnisses zwischen Abfluß und Niederschlag während 
der einzelnen Monate konstruiert. Diese Linie ist in der Figur 11 
gezeichnet. In den 3 Monaten Februar, März und April beträgt 
hienach der Abfluß mehr als die Hälfte des Niederschlages. Es ist 
dies leicht erklärlich, denn die Verdunstung ist infolge niederer Tem 
peratur, die Versinkung teilweise wegen des durch die Winterfeuchte 
gesättigten, teilweise wegen gefrorenen Bodens, gering und der Wasser 
verbrauch der Pflanzen ist fast gleich Null. Die Linie des Ver 
hältnisses zwischen Niederschlag und Abfluß zeigt nun zwischen den 
Monaten April und Mai einen Absprung von 25°/», der, weil in 
Beziehung auf Verdunstung und Versinkung zwischen diesen 2 Mo 
naten kein solch schroffer Gegensatz herrscht, eine besondere Ursache 
haben muß. Diese bedeutende Differenz erklärt sich aber auch leicht, 
wenn man die großen Mengen von Wasser in Rechnung zieht, die 
zur Bildung der neuen Triebe des Nadelholzes, der Blätter und 
Blüten der Laubbäume und Büsche, der jungen Saaten, der Gräser 
und Gemüse innerhalb weniger Wochen nötig sind. Die weitere Ab 
nahme des gezeichneten Verhältnisses zwischen Niederschlag und Ab 
fluß, das von jetzt ab durch den annähernd stetigen Wasserverbrauch 
der Pflanzen während des ganzen Sommers beeinträchtigt wird, liegt 
in der Zunahme der Verdunstung. Die Verdunstung nimmt nicht 
bloß wegen der steigenden Temperatur zu, sondern sie ist von Monat
        

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