Die Sonderformen
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als ebenso fiktive Figuren wie die Er-Figuren der meisten Balladen, diese
Rollengedichte als eine der verschiedenen Formen der Fiktionalisierung der
Gestalten, als eine monologische (oftmals monodramatische) neben der dialogischen
(wie sie z. B. in der >Edwardballade< und der Ballade Brentanos
>Großmutter Schlangenköchin< vorkommt) und der vollständigen von einer
Form zur anderen fluktuierenden Erzählfunktion der erzählenden Dichtung.
Wenn wir nun das Stück des lyrischen Raums, in dem Bildgedicht, Rollengedicht
und Ballade nahe beieinander wohnen und durch mannigfache Beziehungen
systematischer und genetischer Art verbunden sind, kritisch
mustern, stellt sich der Grund heraus, aus dem wir die Ballade als eine spezifisch
altertümliche Dichtungsart bezeichnen müssen. Nur sie, noch nicht das
nichtballadische Bildgedicht und, wie wir noch sehen werden, auch das
Rollengedicht noch nicht, widerspricht der lyrischen Form, in der sie sich
darbietet, so oft sie auch, z.B. durch die Ausdehnung, die sie meist nicht zu
ihrem Vorteil gern anzunehmen versucht hat, diese selbst sprengen zu
wollen scheint. Aber es ist nicht die Länge, es ist auch nicht das schildernde
Erzählen als solches, sondern es ist der Übergang von der Beschreibung zur
Fiktionalisierung der Gestalten, der in dem zur Rede stehenden Stück des
lyrischen Raumes über die Zugehörigkeit der Gedichte zur lyrischen Gattung
entscheidet. Wo wir, wie in der ausgebildeten Ballade, den Inhalt des
Gedichtes nicht mehr als Aussage eines lyrischen Ich, sondern als volle
fiktive Existenz eines oder mehrerer fiktiver Subjekte erleben, stehen wir
nicht mehr vor einem lyrischen Phänomen. Eine Dichtung solcher Art, die
dennoch in der Form der Lyrik auftritt, widerspricht dieser Form. Damit
ist kein Werturteil über die Ballade als literaturgeschichtliche Erscheinung
ausgesprochen. Umgekehrt ist damit nur der - relativ verborgene - Grund
für ihre Altertümlichkeit angegeben, die ästhetische Tatsache, daß wir die
Ballade bis in die Balladendichtung des 19. Jahrhunderts hinein, und selbst
die klassische der deutschen Literatur, Schillers und Goethes, eingeschlossen,
als eine museal gewordene Dichtungsart erleben. Und zwar ungeachtet oder
trotz der Tatsache, daß die ‘historische’ Zeit auch der Kunstballade dichterisch
schöne, symbolisch vertiefte Gebilde hervorgeb rächt hat (wie Goethes
>König in Thule<, >Der Gott und die Bajadere<, die >Parialegende< u. a.). Aber
geht die historische Sicht schon in die Beurteilung der Balladendichtung
früherer Epochen ein, so wird sie zur Kritik an moderner Balladendichtung,
die wie etwa diejenige Agnes Miegels ihre antiquarische Form, nach Gehalt
und Diktion, wiederherstellt, auch hier wieder ungeachtet der dichterischen
Schönheit ihrer Dichtungen. Denn es ist in einem prägnanten Sinne eben
die ‘Moderne’, die, wie mir scheint, die Grenze für die ästhetische Erträglichkeit
der Ballade setzt. Und zwar nicht aus Gründen des Stoffes - auch
geschichtlicher oder mythischer Stoff kann Stoff moderner Dichtung sein -