Volltext : Stuttgart seit fünf und zwanzig Jahren

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Steige  andererseits  steigt  die  Thalsohle  von  845  bis  auf  970'.  Aehnlich  ist  die  Erhebung ­
  des  Höhenzuges;  sie  beträgt  westlich  hinter  den  Kriegsbergen  auf  dem  Gähkopf
  1430'  und  steigt  bis  zum  Birkenkopf  auf  1625';  sie  beträgt,  östlich  auf  dem
Ameisenberg  1244'  und  steigt  bis  zur  Strassenkreutzung  bei  Degerloch  auf  1695.
Die  Thalsohle,  gemessen,  so  weit  gerade  Strassen  eingezogen  sind,  hat  einen  Radius
von  etwa  4500'.
Die  Ergebnisse  dieser  Messungen  sind:  Der  Horizont  von  Stuttgart  hat  einen
Durchmesser  von  etwa  1  Luftstunde,  die  Thalsohle  hat  einen  Durchmesser  von  annähernd ­
  9000'.  Die  Höhen  erheben  sich  über  die  Thalsohle  um  400—700';  die  Thalsohle ­
  selbst  steigt  von  der  Reiterkaserne  bis  zum  südlichen  und  südwestlichen  Abschluss ­
  um  etwa  200'.
Es  ist  ein  kräftiger  reich  verzierter  Rahmen,  der  die  Stadt  einschliesst;  fast
in  jode  Strasse  ragt  der  Höhen-Kranz  herein;  Tausende  von  Wohnungen  bieten  die
Aussicht  in’s  Freie.  Die  Höhen  steigen  meist  so  schroff  empor,  dass  sie  jedem  Versuch, ­
  sie  zu  Strassen-Linien  zu  verwenden,  widerstreben;  aber  sie  sind  wie  dazu  geschaffen, ­
  einen  Kranz  von  Landhäusern  zu  tragen.
Von  allen  Seiten  senken  sich  jene  wellenförmigen  Erhebungen  nieder,  die  dem
Runde  seine  Mannigfaltigkeit  verleihen;  wo  wir  eine  der  Höhen  ersteigen,  die  Aussicht
bleibt  amphitheatralisch,  panoramatisch;  und  die  coulissenartigen  Vorsprünge  verleihen ­
  einen  Reichthum  der  Schattirung,  der  am  wirkungsvollsten  ist,  wenn  die  schwellenden ­
  Formen  der  Hügel  mit  dem  vorherrschenden  Hellgrün  der  Rebe  bekleidet  sind.
Da  leisten  denn  auch  die  Obstwälder,  mit  grünen  Matten  durchwoben,  ihre  malerischen
Dienste  und  eine  weite  Strecke  wird  der  Horizont  durch  die  dunkelgrüne  Verbrämung
des  Tannenwaldes  vom  blauen  Himmel  abgegrenzt.
Die  südliche  und  die  westliche  Seite  des  Thalrandes  sind  wesentlich  von  einander ­
  verschieden.  Auf  der  südlichen  Seite  erreichte  das  Häusermeer  zuerst  den  Fuss
der  Höhen;  über  diese  Höhen  sind  Jahrhunderte  alte  Strassen  gezogen.  Hier  sind
die  Weingärten  seit  langer  Zeit  mit  reizenden  Parks  von  Obstgärten  unterbrochen
mehr  als  20  Villen  beleben  die  Bergwand  und  die  Wellen-Linie  des  Horizontes  wird
unterbrochen  von  Aussichtsthürmen  und  Baumgruppen,  von  ragenden  Pappeln.
Der  nordwestliche  Hang  liegt  noch  „integer  scelerisque  purus“  da.  Da  ist  noch
der  landwirthschaftliche  Betrieb  wie  er  vorJahrhunderten  gewesen;  da  hat  noch  kein
speculirender  Fachwerksbau  die  Thalwand  verunstaltet;  aber  am  Fusse  der  Höhe  zieht
sich  ein  immer  reicher  sich  gestaltender  Villen-Kranz  hin.  Und  ungeduldig  harren
die  Kriegsberge  jener  Horizontalstrasse,  deren  sie  bedürfen,  um  zu  ihrem  Stolze  zu
gelangen,  —  um  jene  Landhäuser  zu  tragen,  die  ihnen  gegenüber  die  Thal  wand  so  reizend ­
  schmücken.
Welche  Seite  des  Thaies  ist  die  dankbarere?  So  gestellt,  ist  die  Frage  gar  nicht
zu  beantworten.  Die  runde  Form  des  Thalbeckens  gewährt  ein  weites  Gesichtsfeld,
            
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