Volltext : Stuttgart seit fünf und zwanzig Jahren

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tmd  den  Hedoutensaal;  das  Knapp’sche  Landhaus  am  Friedriclisthor  und  das  Hotel
de  Bussie  mit  dem  Postgebäude  (jetzt  K.  Gouvernement  und  K.  Kultministerium);  die
Leonhardskirche  und  die  Hospitalkirche;  das  Hotel  Marquardt  (jetzt  Bomminger’sches
Haus)  und  den  „König  von  England“  (Kreisgerichtshof),  den  Bazar  und  die  Silberburg, ­
  endlich  das  Eathhaus.
Ausser  den  Königlichen  Schlössern,  der  Münze  und  dem  Kunstgebäude  sind  nur
wenige  dieser  Bauten  ohne  Veränderung,  ohne  Bcnovirung  geblieben;  aber  selbst  mit
dieser  sind  sie  nicht  im  Stande,  noch  einige  Bedeutung  neben  den  jüngeren  Bauten
zu  behaupten  und  wir  sehen  Gebäude,  wie  die  Hauptwache,  die  ehemalige  Feldjägerkaserne, ­
  den  Eedoutensaal,  eines  nach  dem  anderen  fallen;  wir  sehen  sie  fallen,  mit
dem  Wunsche,  dass  ihnen  so  rasch  als  möglich  nachfolgen  möge,  was  aus  der  Zeit  des
Uebergangs  aus  einem  Jahrhundert  in’s  andere  an  öffentlichen  Baulichkeiten  noch
übrig  ist.
Der  künstlerische  Charakter,  den  die  neueren  Bauten  zeigen,  ist  um  so  grösserer
Beachtung  werth,  wenn  man  bedenkt,  wie  schwierig  es  dem  soliden  Bau  war,  in  dem
öffentlichen  Geiste  Boden  zu  gewinnen.  Damals  fehlte  noch  vollständig  die  Anschauung
der  hohen  Schönheit  des  natürlichen  Baumaterials.  Nur  das  K.  Eesidenzschloss  und
auch  dieses  nur  zum  Theil,  das  alte  Schloss,  die  Stiftskirche,  aber  kein  Privatbau
zeigte  das  Baumaterial  unverkleidet.  Der  Verputz  war  so  sehr  in  Fleisch  und  Blut
der  Werkmeister,  in  deren  Händen  das  Baugeschäft  sowohl  im  Entwurf  als  in  der
Ausführung  ruhte,  übergegangen,  dass  noch  in  den  Jahren  1845—47,  als  die  bauliche
Unternehmungslust  so  zu  sagen  ihren  Lenz  feierte,  auch  nicht  ein  einziges  unverputztes
Haus  erbaut  wurde.  Das  Fosselta’sche,  jetzt  J.  Marquardt’sche  Haus  in  der  Charlottenstrasse ­
  galt  mit  seinem  rauhen  Spritzwurf,  mit  seinen  künstlichen  Quadern  und
Bossagen,  mit  seinen  Festons  im  Fries  lauge  Zeit  für  ein  Muster  von  baukünstlerischem ­
  Geschmack.  Das  früher  in  Besitz  des  Herzogs  Wilhelm  von  Urach  befindliche ­
  Palais  in  der  Neckarstrasse,  das  mit  der  grössten  Sorgfalt  massiv  ausgeführt
worden,  wurde  durch  Verputz  und  Anstrich  zu  verschönern  gesucht;  das  gleiche  ist
der  Fall  beim  Palais  I.  K.  Hoh.  der  Prinzessin  Marie;  sogar  beim  Palais  I.  Maj.  der
Königin-Mutter,  das  für  den  damaligen  Kronprinzen  in  den  Jahren  1846—50  erbaut
worden.
Für  den  bürgerlichen  Privatbau  bildete  der  den  Steinbau  nachahmende  Facliwerksbau
  die  fast  ausnahmslose  Kegel  und  ein  kunstsinniger  Schwabe*)  war  beim
Anblick  der  Steinpaläste  von  Florenz  vollkommen  in  der  Stimmung,  seufzend  auszu
  rufen:
„Ach,  bei  uns  macht  man  noch  immer
Nur  den  Unterstock  von  Stein,
Alles  andere  aus  Gezimmer,
Und  zwar  möglichst  dünn  und  fein.
            
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